Sniper: Art of Victory

Review
Plattform
PC
Vertrieb
dtp digital tainment
Entwickler
City Interactive
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
18
Sniper: Art of Victory [PC , looki.de]

Gesamtwertung

17%/10

Grafik

Ungenügend

Sound

Ungenügend

Lanzeitspaß

Ungenügend

Spieleinstieg

Mangelhaft

Bedienung

Mangelhaft

Sniper: Art of Victory

Was haben wir gelitten und gleichzeitig gelacht – über zweifelhafte „Meisterwerke“ wie The Hell in Vietnam, Battlestrike: Der Widerstand oder Terrorist Takedown: Covert Operations. Tja, was soll ich sagen. City Interactive schiebt trotz überwiegend mieser Kritiken der Presse einen Shooter nach dem anderen nach, scheint sich im gleichen Atemzug aber einen feuchten Kehricht um die Qualität selbiger zu scheren. Und so verschwindet auch das kürzlich veröffentlichte Sniper: Art of Victory wie zu erwarten in geradezu unendlicher Belanglosigkeit. Alles über die gehörig versalzene Software-Suppe gibt es in unserem Review.

Man lernt nie aus und manche nicht dazu...

Wisst Ihr, langsam bin ich gnädig geworden. Ich erwarte kein reißerisches Actionfeuerwerk wie Crysis, keine göttlich spannenden Einsätze á la Call of Duty 4, ja nicht einmal eine Atmosphäre so dicht, dass man sie in ganz dicke Scheiben schneiden könnte – Bioshock, ich liebe dich! Eigentlich will ich wirklich nur unbekümmert über wenigstens akzeptable Kriegsschauplätze ziehen, den Gegner nicht nur dann treffen, wenn das Spiel gerade einmal Lust dazu hat und mich nicht unnötig über Bugs, unfassbare Ungereimtheiten oder schlichtweg fühlbare Ideenlosigkeit am Entwicklerplatz aufregen. Das kann doch nun wirklich nicht zuviel verlangt sein, oder?

Scheinbar schon, denn selbst das Hauptmenü von Sniper: Art of Victory ist im gleichen Stil wie die seiner Vorgänger – mit anderem Hintergrundbild versteht sich. Und so ist es auch kein Wunder, dass das vorliegende Produkt – wieder einmal – alle Schwächen quasi von vornherein in die virtuelle Wiege gelegt werden. Die Entwickler haben mal wieder alles, und damit meine ich auch wirklich alles, falsch gemacht. Beispiel gefällig?

Künstliche Intelligenz fühlte sich noch nie zuvor so künstlich an. Wenn Euch Gegner erspähen, bleiben diese in 99% aller Fälle auf dem Fleck stehen und versuchen Euch irgendwie zu treffen. Die Verfolgung aufnehmen? Ach, unnötig!

In den restlichen, überragenden 1% der Fälle rennen die Schergen manchmal sogar vor Euch weg – und zwar wie aufgescheuchte Hühner mit ADS. Okay, okay, bei Scharfschützen empfiehlt es sich eigentlich im Zick-Zack zu rennen, hier findet jedoch eher ein Tanzwettbewerb statt. Werdet Ihr doch einmal verfolgt, stinkt das Ganze gewaltig nach einem miesen Skript. Worum es eigentlich im Spiel geht, dürfte einem Großteil der armen Käufer am weich gesessenen Hintern vorbeigehen. Die Geschichte ist so elendig banal und hundsblöde inszeniert, wie man es aus den anfangs genannten Titeln gewohnt ist.

Man nimmt den Part irgendeines russischen Scharfschützen zur Zeit des Zweiten Weltkrieges, dessen Namen man nach einem Blinzeln sowieso wieder vergisst. Wir umschreiben kurz die „komplexe“ Handlung und das Gameplay des Spiels. Übrigens hätten wir uns folgenden Text als Einleitung gewünscht, damit man die Qualität des Produkts wenigstens noch mit einem Augenzwinkern ertragen könnte. „Mach einfach das, was dir deine Missionsziele sagen, dann wirst du auch nicht scheinbar aus heiterem Himmel getötet, weil du in eine Richtung gelaufen bist, die vom Entwickler noch nicht als Nächstes vorgesehen war, zu der du aber später eh wieder zurück musst. P.S. Töte Nazis!“ Klingt spannend, was?

Zielen für Pussies...

Als großes Feature, wenn man das mal so nennen darf, wollten sich die Herren Entwickler nicht nur auf das Anvisieren und Schießen beschränken, sondern versuchten noch einen gewissen Realismus anzustreben. Das Fadenkreuz schwankt anfangs noch wie eine besoffene Britney Spears – oder eine zugedröhnte Amy Winehouse, you decide! -, fängt sich nach kurzer Zeit aber wieder. Ein zunehmend klarer werdender, kleiner Kreis zeigt zudem, wo die Kugel unter den aktuellen Umständen eintreffen wird. Alle Nase lang wird ein solcher Kill übrigens mit einer Art Bullet Cam – wie im indizierten Selbstjustiz-Actioner aus dem Hause Remedy von 2001 – belohnt.

Dieser glorifiziert den Weg des Projektils bis zum Einschlag, was nebenbei gesagt noch am Besten in Art of Victory aussieht. Das Streben nach ein wenig Realitätsnähe - wenn schon ein KI-Kraut nicht einmal dann aktiv wird, wenn wir seinem Kameraden neben ihm die Frisur glätten – ging jedoch leider in die Hose und gleichzeitig auf Kosten der Spielbarkeit. Entweder man trifft, obwohl man sich keine Zeit zum Anvisieren genommen hat – was unter natürlichen Bedingen natürlich träumerischer Kokolores ist – oder man ballert sich einen sprichwörtlichen Wolf, weil der Feind von der Kugel aus nicht ersichtlichen Gründen einfach nicht getroffen wird.

Das insgesamt größte Verbrechen ist aber die unendliche Langeweile, die im Spielverlauf aufkommt, obwohl der mit nicht einmal einem Dutzend Missionen und einer überwältigenden Spielzeit von knapp 2 Stunden (!) kein verdammtes Recht darauf hat, in auch nur irgendeiner Art und Weise öde zu sein - ist er aber trotzdem. Und da haben wir noch nicht mal die unsägliche Kollisionsabfrage, bei der der Spieler in etwa so oft an undefinierbaren Stellen hängen bleibt wie die Fliegen an der Scheiße, noch gar nicht einmal im Ansatz erwähnt. Die langsam uralt erscheinende Chrome-Engine wurde übrigens schon wieder aus der Bettlägerigkeit gerissen, um mal wieder für reichlich blasse Umgebungen und wie aus dem Legobaukasten wirkende, zerstörte Innenstädte zu sorgen.

Die Charaktere und die Effekte können sich mindestens genauso sehen lassen wie Clippingfehler und aufpoppende Objekte, nämlich gar nicht. Aber hey, es gibt doch bestimmt einigermaßen gelungene Soundeffekte oder gar eine atmosphärische Musikuntermalung? Vergesst es. Bis auf einzelne Ausnahmen gibt sich Art of Victory auch akustisch äußerst mies, der „Soundtrack“ ist nicht mal für Fahrstühle geeignet. Auch die deutschen Sprecher stehen den Overact-Proleten von bspw. The Hell in Vietnam in nichts nach – in negativer Weise versteht sich.

Fazit

Ehrlich gesagt habe ich solche Schrottspiele langsam satt. Welcher auch nur einigermaßen gesunde Gamer würde sich im Ernst mit solch einem Schund die Zeit totschlagen? Bei Sniper: Art of schlechtes Spieldesign...äh Victory kränkelt es wirklich an allen Ecken und Enden. Der Umfang ist eine bodenlose Frechheit, der Rest des Spiels verdammt nahe dran. Und das Schlimmste: Das habe ich mir gekauft! Das Ganze war als eine Art Experiment gedacht, wie sich wohl ein normaler Käufer fühlen würde, wenn er auf eine DVD gepressten Abfall gutgläubig im Laden kauft. Herr Gott, ich appelliere immer ganz höflich an die Spieler da draußen, sich von Müll wie diesem nicht das Geld aus der Tasche ziehen zu lassen. Ihr meint, für 10 € kann man nicht viel falsch machen? Oh doch, und wie, denn spaßiger wäre es, das Geld gleich die Latrine runterzuspülen – da ist die Grafik auch besser.

Sniper: Art of Victory [PC , looki.de]

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