Gesamtwertung73%/10 |
GrafikBefriedigend SoundGut |
LanzeitspaßBefriedigend SpieleinstiegGut |
BedienungSehr gut |
Hallo liebe Leser und Leserinnen, kennt Ihr den schon? Was erhält man, wenn man einer Blondine einen Pfennig für ihre Gedanken bietet? Wechselgeld! Muahaha und was ist mit folgendem Witz? Warum hat eine Blondine eine Hirnzelle mehr als eine Kuh? Damit sie nicht muht und kackt, wenn man ihr an den Euter greift. Was das alles mit dem Adventure So Blonde zu tun hat, erklärt sich dabei von selbst. Denn im Spiel greift Ihr eben einer Blondine mit Euren grauen Zellen unter die Arme. Die Gute heißt Sunny Blonde, ist oft genauso schwer von Begriff, wie es ihr Nachname andeutet und ist in dicken Schwierigkeiten. Auf dem Luxusschiff, mit dem das verwöhnte Girlie und ihre Eltern eigentlich in den Urlaub fahren wollten, wird die Arme über die Reeling gestoßen und wacht an einem einsamen Strand auf einer scheinbar verlassenen Insel auf.
Dummerchen auf einsamer Insel...
Statt aber nun schnellstmöglich nach Nahrung, einer Unterkunft oder gar dem Schiff Ausschau zu halten, zeigt sich Sunny zuallererst besorgt über ihr Make-up und ihre Frisur.
Ihr merkt schon: So Blonde soll alles andere als ein ernstes Rätselabenteuer werden das erkennt man nicht nur an der Dämlichkeit der Protagonistin, sondern auch an den zahlreich eingestreuten Minispielen, die Ihr aber nicht spielen müsst ein Klick auf Gewinnen reicht theoretisch auch. So müsst Ihr beispielsweise einem Freibeuter beim Armdrücken die Leviten lesen, gemacht wird das mit dem schnellen, abwechselnden Drücken der linken und rechten Pfeiltasten. Ein andern Mal weicht Ihr Spinnen aus und müsst Euch derweil nach oben bewegen oder müsst Töne im richtigen Moment auf einer Trommel treffen. Keine Angst: Nicht ein Minispiel ist sonderlich schwierig oder gar unschaffbar fast das Gegenteil ist der Fall: Der Schwierigkeitsgrad in den kleinen spielerischen Einlagen, die oft einfach nur etwas mit dem richtigen Timing zu tun haben, ist oft sogar einen Tick zu einfach.
Eine Tatsache, die man den Rätseln entgegen unserer Erwartungen nicht unbedingt vorwerfen kann, denn die können zuweilen sogar echten Adventure-Hasen Kopfschmerzen bereiten. Aber immer der Reihe nach: Nach dem bösen Blackout erwacht Sunny auf dem sonnigen Strand einer eigentlich idyllischen Kulisse.
Gleich anzumerken ist, dass sich Dumpfbacke fast genau wie jeder Charakter eines typischen, zweidimensionalen Point&Click-Adventures durch die Szenerien steuern lässt. Ein Linksklick auf eine Stelle des Screens lässt Sunny auch dorthin laufen einen Gang legt sie zu, wenn Ihr es mit einen Doppelklick macht. Tauchen in den zahlreichen Hintergründen mehr oder minder relevante Objekte oder Personen auf, dürft Ihr dabei mit dem Rechtsklick und einer nach links oder rechts gerichteten Mausbewegung auswählen, ob sie sich nun den jeweiligen Gegenstand oder die Person aus der Nähe betrachtet und erste innere Gedanken dabei locker werden (Augen-Symbol) oder sie mit dem Item interagieren soll (Greifen-Symbol).
Bei Charakteren tritt anstelle der greifenden Hand dabei der sprechende Mund. Euer schon nach recht kurzer Zeit gut gefülltes Inventar habt Ihr im Blick wenn Ihr den Cursor gen unteren Bildrand verschiebt.
Eine Sortierfunktion wie beispielsweise in Neue Abenteuer auf der Schatzinsel gibt es dabei aber leider nicht. Dialoge werden bei So Blond recht linear geführt, was auch den Spielverlauf in einem geregelten, aber strikten Korsett hält. Zwar könnt Ihr Euch aussuchen, über welches Thema Ihr Euch als Nächstes unterhaltet, einen Einfluss auf den Ausgang der Gesprächs oder gar der Geschichte hat das jedoch nicht im Geringsten. Immerhin gefällt uns das immer noch besser als das recht eigenwillige Themen-Drag&Drop beim ansonsten gelungenen Perry Rhodan. Löblich auch, dass sich So Blonde größtenteils auf die beliebten Kombinationsrätsel beschränkt. Nervige Kistenschiebereien Baphomets Fluch 3 lässt grüßen! - wären zwar schon alleine vom 2D-Aspekt her ausgeschlossen, aber auch auf öde Schalter- oder Symbolrätsel verzichtet das Spiel fast komplett.
Insofern möchte man meinen, So Blonde wäre einfache Rätselkost mitnichten, nicht jedes Rätsel ist durchweg logisch, manchmal sind Querverbindungen oder das berühmte Denken um drei Ecken nötig. Des Weiteren füllt sich nicht nur Euer Inventar wie bereits bekannt recht fix, sondern auch die Anzahl der ansprechbaren NPCs.
Da ist es nur hilfreich, dass Ihr in den Spieloptionen die Hotspot-Anzeige aktivieren dürft auch wenn Euch damit nur der Such-, aber nicht der Denkstress abgenommen wird. Nicht umsonst verweist bereits der Rücken der Spielepackung darauf, dass erst Fortgeschrittene so richtig im Spiel zurecht kommen Hinweise werden manchmal nämlich nicht ausreichend oder gleich gar nicht gegeben. Ein Journal fehlt sogar gänzlich. Dafür bietet Euch So Blonde aber auch nette, teils unkonventionelle Rätsel in einem traumhaften Setting. Wir hätten zum Beispiel nie gedacht, dass wir als Blondine einem zeitlich hinterherkenden Inn-Besitzer Sunny wurde nicht nur an einen fremden Strand, sondern auch in eine andere Zeit gespült, was sie aber viel später bemerkt als der Spieler selbst zeigen müssen, wie ein Cappuccino richtig zubereitet wird. Die dafür benötigten Zutaten unter anderem Zucker, Milch und Schokosträusel müssen wir vorher natürlich umständlich auftreiben, versteht sich in einem Adventure ja selbst. Ein nettes Déja-Vù bietet auch folgende Szene: Auf einem Schiff sehen wir uns mit der Anführerin konfrontiert. Jene will uns aber nicht mit dem Degen herausfordern, sondern in einem Witzegefecht zur Strecke bringen. Wer hier die passende und durch die Satzstellung sehr einfache - Antwort auf den zuvor gestellten Scherz gibt, darf den Sieg für sich verbuchen.
Eine ähnliche Szene kennen viele Veteranen aus dem legendären Wortgefecht von Das Geheimnis von Monkey Island. So Blonde ist zwar dabei nicht so witzig wie die Monkey Island-Reihe, verzichtet aber immerhin auf exzessivem Gebrauch von billigen Klischeés.
Optisch dürfte man geteilter Meinung sein: Zu bunt, zu knallig könnten die einen meinen, die anderen freuen sich derweil über durchaus liebevolle Screens mit vielen kleinen, netten Details. Den Comic-Look behält So Blonde dabei auch in den Cutscenes bei. Durch die Aneinanderreihung statischer Bilder in verschiedenen Fenstern wirkt das Ganze dann tatsächlich auch wie ein kleines Comic-Heft. Die Liebe zum Detail wurde für die dreidimensionalen Charaktere und deren Animationen jedoch nur spärlich verteilt vor allem hätten wir uns mehr unterschiedliche Bewegungsabläufe gewünscht.
Kritik bei der deutschen Synchronisation darf man jedoch mit der Lupe suchen: Vor allem Sunny klingt so, wie man sich das kleine Dummerchen um die Ecke vorstellt. Soundeffekte gibt es fast genretypisch nicht in Unmengen, doch selbst mit kleinen akustischen und gelungenen Details hat man, zusammen mit der unterhaltsamen Hintergrundmusik ein stimmiges Klangerlebnis geschaffen. Natürlich nichts, was vom Hocker haut, doch alles auf einem immerhin sehr angenehmen Niveau.
So Blonde im Test.
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