Spellforce 2: Shadow Wars

Review
Plattform
PC
Vertrieb
JoWood, Deepsilver
Entwickler
Phenomic
Erscheinungsdatum
-
Genre
RPG
USK
12
Spellforce 2: Shadow Wars [PC , looki.de]

Gesamtwertung

90%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Sehr gut

Spellforce 2: Shadow Wars

Elfen, Zwerge, Orks, Trolle, Basenbau, Monster metzeln, Rollenspiel und Charakter hüten... ist alles schon in irgendeiner Form da gewesen – doch wer glaubt, dass der Spellforce-Nachfolger nichts Neues bietet – weit gefehlt. Deutschland formt sich langsam zum Computerspiele -Wunderland und antizipierte Entwickler wie die Siedlerschmiede Phenomic aus Ingelheim am Rhein erschaffen Meisterwerke die weltweit ihresgleichen Suchen – zu denen gehört, soviel sei am Anfang dieses Artikels schon einmal vorweg genommen – der ausgeklügelte Genremix aus Strategie und Rollenspiel Spellforce 2 eindeutig dazu. Wir beleuchten die Stärken und Schwächen des Titels, machen uns auf die Reise in die fantastische Welt Eo und helfen der bildschönen Dunkel-Elfin Schattenlied den König der Menschen vor der nahenden Gefahr aus dem Schattenreich zu warnen, die ihre Heimat zerstörte. Nun gilt es den uralten Bund der Zwerge, Menschen und Elfen wieder zu vereinen um mit geeinter Kraft gegen die dunkle Bedrohung vorzugehen.

Das Archipel der tausend Abenteuer

Die Gefolgschaft unseres selbst erstellten Helden, einem Sohn des Drachenvaters Ur, bereist auf ihrer Reise mit Schattenlied, der Kampfgestählten Elfin, 20 hervorragend designte und gleichzeitig riesige Inseln im Reich Eo. Hier und dort schmiegen sich riesige Städte in die prachtvoll gestaltete Landschaft und laden zum Erkunden ein – auch wenn sich das sehr zeitaufwendig gestaltet. Alle Gebiete, egal ob Stadt, Land oder Fluss begeistern mit einer extremen Weitläufigkeit und Größe – einzig in den Minen der Minerealbegeisterten Zwerge sollte man keine Pferderennen veranstalten, nicht zuletzt aufgrund der fiesen Monster, die hinter jeder Ecke im Archipel auf unachtsame Helden lauern. Beinahe ebenso oft wie Gegner sind die Questgeber für die rund 120 Aufträge in der Welt anzutreffen. In Sachen Hauptkampagne liefert Spellforce 2 eine nie da gewesene Größe - rund 60 Stunden soll der Spieler mit der Aufgabe zu tun haben und schnell merkt man, dass mehr hinter der Geschichte steckt, als ein simpler Überfall auf die Königreiche.

Wie erwartet halten sich Rollenspiel- und Strategieelemente im Gleichgewicht und gehen nahtlos ineinander über. Nachdem Menschen, Zwerge und Elfen wieder zueinander gefunden und den Bund erneuert haben, kommandiert man im späteren Verlauf der Geschichte sogar Horden der Orks und Trolle (der Clan) und die ursprünglichen Erzfeinde der Menschen, die Truppen des Paktes (Nachtelfen und Schattenwesen).

In erfrischender Art und Weise wird die bewegte Geschichte der zweckdienlichen Allianz zwischen den verfeindeten Völkern in schönen Zwischensequenzen in Spielgrafik erzählt. Die großartige Sprachausgabe wird jedoch gelegentlich durch unprofessionelle Sprecher gestört, die ab und zu die wundervolle Atmosphäre zerstören: Viele Dialoge wirken lustlos vorgelesen und amateurhaft betont – sehr schade. Hier hätte man sich mehr Zeit lassen sollen. Bei einem Spiel mit einer Story dieser Tragweite erwartet man mitreißende Sprecher, die ein gewisses Gefühl vermitteln können.

Entschlackungskur für Basisbau

Stein, Silber, Lenya - mehr brauch der Spellforce 2-Herrscher nicht mehr, denn Phenomic hat den Basisbau mitsamt der Rohstoff-Orgnisation ordentlich entschlackt. Stein dient dem Bau von Gebäuden und wird vor allem in einer neuen Basis am meisten von allen Rohstoffen benötigt. Mit Silber wird der Sold der Grundeinheiten, wie Bauarbeitern, Schwertkämpfern und Armbrustschützen bezahlt - im Zusammenspiel mit dem geheimnisvollen und raren Lenyakraut werden höherwertige Krieger, Magier und die mächtigen Titanen erschaffen.

Die Reduzierung auf drei Rohstoffe ermöglicht ein flotteres und einfacheres Spielen – der Spieler kann sich nun mehr auf das Wesentliche konzentrieren, als ständig eigenständig für neue Ressourcen sorgen zu müssen – was besonders in Actionreichen Mehrspielerschlachten von Vorteil ist.

Das Herz eines jeden Lagers ist das Haupthaus. Dort werden Arbeiter ausgebildet, die für die Beschaffung von Rohstoffen und dem Bauen und Reparieren von Gebäuden eingesetzt werden können. Äußerst praktisch ist die Möglichkeit Spezialisten ausbilden zu können. Spezialisten haben keine besonderen Fähigkeitenboni, setzen sich aber gleich nach Erschaffung selbstständig an die ihnen zugewiesene Arbeit. Im Endeffekt heißt das: Minenarbeiter Herbert wird geboren und macht sich direkt ans Erzekloppen, ist der Vorrat erschöpft, sucht er sich direkt einen neuen Silbervorrat und kloppt weiter. Das erspart nervige Klickorgien, die vor allem in Kampsituationen sehr zeitraubend sein können. Nach dem Bau einer Schmiede können im Haupthaus – genug Ressourcen vorausgesetzt – neben Arbeitern auch einfache Kampfeinheiten ausgebildet werden. Man sollte direkt zu Anfang ein Paar Recken zur Verteidigung der Basis ausbilden, denn die Gegner kommen bestimmt sehr bald. Nach ein paar Rekrutierungen ist allerdings die Einheitengrenze erreicht. Um weitere Soldaten ausbilden zu können bedarf es einiger Bauernhöfe – die wir bereits aus dem Vorgänger kennen.

Die insgesamt 14 Gebäudetypen jeder Fraktion sollten Genrekennern sofort bekannt sein und fügen sich leicht verständlich in den Spielprozess ein – so bleibt mehr Zeit für die großartige Story.

Party, Items und Titanen

Unser Drachenblut-Held ist in seinen Abenteuern niemals allein. Direkt am Anfang schließen sich ihm sein schlagkräftiger Bruder Bor und seine Magiebegabte Schwester Lya an, im weiteren Verlauf der Geschichte verfügt die Gemeinschat über insgesamt fünf Mitglieder. Immer wieder wird die Stammgruppe von Helden begleitet, die nur für eine bestimmte Zeitspanne mitstreiten, wie etwa die Elfin Schattenlied. Einiges hat sich auch bei der Kampfsteuerung in Spellforce 2 getan. Bekannt aus dem Vorgänger, werden alle Helden, Kampfgruppen und der Avatar am linksoberen Bildschirmrand inklusive Icons und Stati angezeigt. Mit einem Klick öffnet sich die Liste der verfügbaren Fähigkeiten des Helden. Wenn sich ein Heiler im Team befindet und der Held verletzt ist, findet man praktischerweise ein Heilzaubersymbol unter dem Icon des verletzen Recken. Man kann seine Streiter konventionell in die Schlacht schicken, in dem man die gewünschten Kämpfer auswählt und per Mausklick in die Schlacht schickt, oder man wendet das altbekannte System aus Spellforce an und klickt auf die anzugreifenden Feinde. Die Fähigkeiten der fünf festen Begleiter können nach dem Levelaufstieg nach den eigenen Vorstellungen des Spielers angepasst werden.

Pro Stufe erhält jeder Held einen Charakterpunkt der entweder im Kampf- oder Magietalentbaum verwertet werden kann. Talente bestimmen welche Waffen, Rüstungen und Zauberstäbe die Recken benutzen können und welche Magie- oder Kampffähigkeiten er besitzt. Insgesamt 19 Fähigkeiten können erlernt und insgesamt 3 mal gesteigert werden. Zu lernen sind weißmagische Defensivsprüche, schwarze Kampfzauber und Nahkampfkünste.

Rund 500 von Hand designte Ausrüstungsgegenstände hat Phenomic in die Welt von Eo versteckt. Diese bekommt man, ganz typisch, durch das Erledigen von Aufgaben. Außerdem verteilt die Spiel-KI unzählige zufällig generierter Items auf zufällig platzierte Kisten und Monster. Das schürt selbstverständlich die Sammelsucht, so dass man sich gezwungen fühlt auch den letzten Winkel der Welt zu erforschen um keinen Gegenstand zu verpassen.

Ungewünschte oder ausgediente Objekte werden beim nächsten Händler verramscht. Diese sind in jeder Stadt anzutreffen und helfen dem Helden seine Geldbörse aufzubessern. Wo die Charakterpflege im Vorgänger eher lästig als lustig war, sorgen neue Funktionen für mehr Komfort: Per Mausklick wird das Inventar nach Klasse sortiert, automatisiert sich die Talentverteilung oder teleportiert man seine Gruppe zum nächsten Hot Spot, wie dem Marktplatz der Stadt. Per Mouse-over auf Gegenstände im Inventar werden diese praktischerweise mit bereits angelegten direkt verglichen, um es dem Spieler zu erleichtern, sich für die richtige Ausrüstung zu entscheiden.

In Shadow Wars hat jede Fraktion eine besondere Spezialeinheit – einen Titan. Diese riesigen Ungetüme sind die stärksten Einheiten auf dem Schlachtfeld und entscheiden so manche Schlacht. Für den Bau der Titanen werden einige Gebäudeupgrades und enorm viele Ressourcen gebraucht, weswegen man möglichst vermeiden sollte einen Titan auf dem Feld der Ehre zu verlieren. Der Titan des Bundes ist ein geflügelter Schwertkämpfer in silberner Kettenrüstung und beherrscht einen mächtigen Blitzzauber

Der Titan des Paktes ist ein Titan des Feuers und brennt von innen heraus. Dieser äußerst beeindruckende Riese ruft Feuerbälle hervor und säbelt mit seinem flammenden Schwert größere Gegnergruppen ins Jenseits. Der Titan des Clans ist ein reptilischer Riese mit scharfen meterlangen, Sensenhaften Klauen mit denen er größten Schaden anrichten kann, außerdem verbreitet er mit einem Zauberspruch Qual unter den Gegnern. Die Titanen steuern sich wie normale Einheiten und können nach ihrem Tod im Haupthaus erneut erschaffen werden. Selbstverständlich darf jeder Heerführer solch ein Wesen nur einmal beschwören.

Zuhause ist’s am schönsten

Bereits in den ersten Spielstunden hat der Held derart viel Achtung beim König erlangt, dass er ihm zur Belohnung eine ganze Insel als Lehen schenkt. In dem kleinen Reich namens Westwehr stimmt Anfangs noch garnichts: Dämonen piesacken die Bewohner und zerstören Gebäude und niemand weiß etwas mit dem Helden anzufangen. Je mehr man ihnen hilft, desto mehr danken sie es. Die untertanen bedanken sich mit Gold und Gegenständen, neu gewonnene Freunde und Händler siedeln sich nach und nach in der neuen Heimat an. Egal, wo man sich aufhält: eine so schöne Spielwelt hat das Strategiespielerauge noch nie gesehen. Die Spielwelt spiegelt sich realistisch im Wasser, riesige Städte bilden ein bombastisches Fest für den dankbaren Sehnerv. Manchmal schickt man seinen Recken einfach nur auf Reisen und schaltet in die Third-Person-Sicht um, um die gesamte Pracht aus der Nähe zu entdecken.

Fazit

Manchmal weiß man einfach nicht was man sagen soll, außer: “Wow!”. Phenomic hat bei Spellforce 2 fast alles richtig gemacht, was richtig zu machen ist. Fantastische Grafik, überwältigender Detailreichtum, nahezu perfektes Balancing und ein Gefühl von Freiheit, wie man es derzeit nur aus Oblivion kennt. Die rund 60 Stunden lange Kampagne ist ideen- und abwechslungsreich und bringt die schöne Story, wie kaum ein anderes Spiel rüber. Die beeindruckende und riesige Fantasywelt strotzt vor spieldesigntesigntechnischen Meisterleistungen die auch durch die gelegentlichen Bedienungsschwierigkeiten nicht getrübt werden. Pflichtkauf!

Spellforce 2: Shadow Wars [PC , looki.de]

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