Stalingrad
Als Hitler im Sommer 1942 die vorher in Frankreich erfolgreiche 6. Armee Richtung Kaukasus losschickte, rechnete er insgeheim mit einem zweiten Blitzkrieg gegen die Sowjetunion. Nach anfänglichen Erfolgen schien dieser Plan auch aufzugehen, bis die deutschen Truppen Stalingrad erreichten.
Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Rote Armee bereits in der Wolga-Metropole verschanzt und war bereit, jedes einzelne Haus bis auf den letzten Mann zu verteidigen. Nachdem die blutige Schlacht begonnen hatte, konnte die Wehrmacht innerhalb kürzester Zeit 90 Prozent der Stadt einnehmen. Mit dem Mut der Verzweiflung startete die Sowjetarmee eine Gegenoffensive und konnte die Deutschen schließlich einkesseln. 72 lange Tage verharrten die deutschen Truppen in diesem Kessel, aus dem Hitler jeden Ausbruchversuch verboten hatte. Im Januar 1943 kapitulierte die von Feldmarschall Paulus befehligte Streitarmee von ursprünglich 350.000 deutschen und verbündeten Soldaten überlebten nur 100.000 die Schlacht um Stalingrad.
Im Spiel beiliegenden Handbuch kann die komplette Chronik der Schlacht auf über 30 Seiten genauestens nachgelesen werden. Eine Erklärung zum Interface oder zur Bedienung sucht man allerdings vergeblich.
Gut oder böse?
Zwischen zwei unterschiedlichen Missionssträngen, die insgesamt 36 Missionen beinhalten, kann sich der Spieler entscheiden. Die gestellten Aufgaben sind zwar immer wieder verschieden, basieren aber auf zwei Grundtypen: entweder muss man ein Ziel erfolgreich angreifen oder gegen den anstürmenden Feind verteidigen. Auf Seiten der Wehrmacht beginnt das Spielgeschehen im Juli 1942 mit einem Gewaltmarsch durch die russische Einöde und kleinere Vororte Stalingrads. Als Rotarmist greift man erst Mitte September 1942 bei der Verteidigung der Stadt in den Kriegsverlauf ein, um knapp einen Monat später, die Großoffensive gegen die deutschen Truppen zu leiten. Dabei entwickeln sich die Kampagnen beider Parteien zueinander umgekehrt: während die Deutschen anfangs noch einfache Siege feiern und erst im weiteren Verlauf auf heftigen Widerstand stoßen, können die zunächst unterlegenen Sowjets später eine Überlegenheit aufbauen. Anfänger sollten deshalb mit der zu Beginn einfacheren deutschen Kampagne starten, um sich an das Gameplay von Stalingrad zu gewöhnen.
Als zusätzliche Erleichterung für Anfänger gibt es drei verschiedene Schwierigkeitsgrade: leicht, mittel und schwer, wobei sich bereits der mittlere Grad als teilweise knifflig erweist. Neben taktischen Raffinessen entscheidet vor allem die Geduld über Sieg oder Niederlage. Jede Mission besteht aus mehreren Aufgaben. Beispielsweise kann es vorkommen, dass in einer Mission gleich drei strategisch wichtige Ziele angegriffen werden müssen.
Verliert man bereits beim ersten Ziel so viele Einheiten, dass ein erfolgreicher Angriff der restlichen Ziele schier unmöglich ist, muss man einen effizienteren Weg suchen. Schnell wird die unbegrenzte Speicher- und Ladefunktion zum besten Freund eines jeden Hobby-Strategen.
Koordiniertes Chaos
Zu Beginn einer jeden Mission erhält der Spieler eine bestimmte Zahl an Truppen, die zwischendurch immer mal wieder durch nachrückende Einheiten verstärkt werden. Generell besteht eine Einheit aus der Infanterie, Panzern und Artillerie die Durchschlagskraft der Truppe ist nur dann am höchsten, wenn alle Waffengattungen gleichzeitig zum Einsatz kommen. Marschiert ausschließlich die Infanterie in den Kampf, wird sie am erstbesten Schützengraben zusammengeschossen. Sollen die feindlichen Linien mit Panzern eingenommen werden, verarbeiten Panzerabwehr-Geschütze sie zu Altmetall. Ein gezielter Angriff mit Infanterie und Panzern an vorderster Front und der Artillerie im Rücken ist das beste Mittel für eine erfolgreiche Schlacht. Was in der Theorie einfach klingt, erfordert in der Praxis ein Höchstmaß an Koordination und Übersicht. Es reicht nicht aus, die Einheiten nur in den Kampf zu schicken und zu beten. Vielmehr müssen eigene Einheiten durch Nachschubfahrzeuge mit Munition versorgt, beschädigte Fahrzeuge repariert und gerade arbeitslosen Einheiten neue Angriffsziele zugeordnet werden. Aber wie heißt es so schön? Übung macht den Meister.
Stalingrad (10 Bilder)
Angestaubte Technik
Die Grafik in Stalingrad basiert auf einer überarbeiteten Version der mittlerweile zwei Jahre alten Blitzkrieg-Engine. Dementsprechend angestaubt wirken manche Effekte und Texturen der Einheiten umso überzeugender allerdings ist die 2D-Umwelt, in der man sich pausenlos bewegt. Zerbombte Gebäude säumen die Straßen, auf den Tannen sammelt sich der Schnee und Zivilisten irren umher. So menschenfeindlich das Gebiet auch sein mag, für den Betrachter wirkt es nie langweilig. Kleiner Wermutstropfen ist die nicht dreh- oder zoombare Kamera, was gerade in den engen Häuserschluchten Stalingrads Verwirrung stiften kann.Soundtechnisch gibt es wenig zu bemängeln. Sämtliche Effekte sind realistisch und keinesfalls übertrieben dargestellt, der Metal Soundtrack der russischen Band SKAFANDR passt zu Stalingrad wie die Faust aufs Auge.
Fazit
Auch wenn Stalingrad nicht gerade vor neuen Ideen und genialem Spielwitz strotzt, bietet das Spiel solide Taktik-Kost. Der hohe Realismus der Schlachten, die abwechslungsreichen Missionen, der knifflige Schwierigkeitsgrad und die liebevoll gestaltete Umwelt werden Genrefans, die auf Altbewährtes stehen, vollkommen überzeugen. Wer allerdings ein innovatives Spiel für Zwischendurch erwartet, sollte um Stalingrad einen weiten Bogen machen.
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