Gesamtwertung62%/10 |
GrafikBefriedigend SoundGut |
LanzeitspaßBefriedigend SpieleinstiegBefriedigend |
BedienungBefriedigend |
Cloudy Sky...
Die X-Ray-Engine vermag es nach wie vor die Zone ansprechend und stimmungsvoll in Szene zu setzen. Ein schicker Tag- und Nachtwechsel, knackig-scharfe Texturen, eine überzeugende Vegetation und saubere Effekte zeugen davon, dass der Motor sein Verfallsdatum noch nicht überschritten hat. Andererseits sieht Clear Sky dennoch nur unwesentlich besser aus als das eineinhalb Jahre ältere Original. In der Zwischenzeit hätte man das Ganze ruhig aufmöbeln können. Enttäuschend ist die farbliche Tristesse der Umgebungen: Nur selten wird es abwechslungsreich, stattdessen stören die meiste Zeit über die monotonen Grau- und Brauntöne. Auch wenn es sich hier um ein bewusst auf hoffnungslose Farben getrimmtes Spiel handelt: Irgendwann kann man den Einheitsbrei nicht mehr sehen. Der Detailgrad der Charaktere ist in Ordnung, deren Animationen eher weniger. Lächerlich wird es vor allem dann, wenn eine Einsatztruppe im Gleichschritt - und das ist hierbei wörtlich zu nehmen - losmarschiert. Auch die Performance ist im Allgemeinen verbesserungsbedürftig, zumal die Zone durch Ladeabschnitte unterteilt ist.
Tschernobyl-Knaller
Ja, akustisch haben die Jungs von GSC Gameworld wirklich gute Arbeit geleistet: Die Waffeneffekte sind immer noch so satt wie noch früher - was unter anderem auch daran liegt, dass viele Schießprügel aus dem bereits bekannten Sortiment stammen - und auch die Umgebung lässt auf vielseitige Art und Weise von sich hören. Geradezu genial war das Gefühl inmitten eines Sumpfes hochgewachsene Gräser zu durchschreiten und dabei das unheilvolle Knurren eine mutierten Wildschweines zu vernehmen. Das Dumme: Wir konnten trotz Surround-Sound nur schwer vernehmen, aus welcher Richtung das Vieh kam. Das ist Spannung pur! Auch die Musikuntermalung tut gut daran, die Atmosphäre zu unterstützen. Schlechter sieht es da schon bei den deutschen Synchronsprechern aus, die mit beabsichtigt starkem russischen Akzent daherkommen. Mangels Qualität kann man die Figuren nur leidlich ernst nehmen.
Wie ein Wal auf dem Laufband!
S.T.A.L.K.E.R.: Clear Sky steuert sich wie schon Shadows of Chernobyl theoretisch problemlos wie ein ganz normaler Ego-Shooter. Die Rollenspiel-Elemente mischen sich diesbezüglich dezent ein. Ein übersichtliches Inventar - besser als im Original - und hilfreiche Shortcuts runden den Komfort ab. Schlimm nur, dass wir an zahlreichen Stellen durch die suboptimale Kollisionsabfrage unsere liebe Mühe hatten, weiterzukommen. Ganz nervig wird es hingegen bei den immer wiederkehrenden Endlosmärschen: Der Charakter besitzt eine Ausdauerliste. Ist diese circa bis auf ein Viertel aufgebraucht, läuft Narbe schon wesentlich langsamer. Ist die Ausdauer komplett verschwunden, müsst Ihr einige Zeit inne halten und könnt Euch nicht bewegen. Vor allem bei langen Fußmärschen geht das ewige hin und her auf den Wecker. Die Sprintfunktion ist hierbei fast schon nutzlos, da diese den Ausdauerschwund extrem beschleunigt. Um diesem Problem vorzubeugen, wäre eine bereits für S.T.A.L.K.E.R. angedachte Integrierung von Fahrzeugen sinnvoll gewesen. Selbige sucht man allerdings immer noch vergebens.
Bugs und Vodka...
Wir haben uns von S.T.A.L.K.E.R.: Clear Sky sowohl die normale Verkaufsfassung, als auch beide Updates v1.5.03 sowie v1.5.04 angesehen. Zur Ladenfassung können wir sagen: Ab in die Mülltonne! Denn erst mit Patch v1.5.03 wird das Spiel auf eine erträgliche Art und Weise spielbar, bietet aber immer noch zahlreiche Bugs und Ungereimtheiten: Die künstliche Intelligenz macht mitunter was sie will, manche Neben- und Hauptquests wollen partout nicht starten und der Titel stürzt ab. Ganz böse wird es allerdings, wenn wir nach einem Absturz das Game erneut starten und feststellen müssen, dass unsere heiß erkämpften Savegames zwar noch zu sehen sind, aber in dem Moment einen weiteren Crash verursachen, in dem wir auf sie klicken wollen um sie zu laden. Mit dem frisch veröffentlichten Update v1.5.04 gehören solche Probleme glücklicherweise im Großen und Ganzen der Vergangenheit an. Dennoch ist Clear Sky auch nach zwei Patches noch längst nicht bugfrei - die Jungs von GSC Gameworld haben auch nach dem Release noch eine Menge zu tun. Fernab der bugverseuchten Zone gibt es aber auch Gutes zu berichten: Die beklemmende Atmosphäre ist nach wie vor spitze und zieht den Spieler sofort in ihren Bann - genau wie die knackigen, aber auch ebenso knackig schweren Schusswechsel, die Clear Sky auf höheren Schwierigkeitsgraden mehr als unfair werden lässt - und das, obwohl die künstliche Intelligenz oft nicht überzeugen kann, was Ihr auch in unserem Video-Review sehen könnt. Es stört zudem, dass Clear Sky wie schon Shadows of Chernobyl nicht das Vermögen besitzt, trotz interessanter Ansätze eine echte Geschichte zu erzählen. Söldner Narbe bleibt erstaunlich farblos, genauso wie die zahlreichen NPCs. Trotz Prolog-Charakter bietet der Titel zudem zu wenig Neuerungen: Viele Waffen und Gegner - und natürlich auch Bugs - wurden nahezu unverändert übernommen.
Schwer wie ein Amboss!
Die Spielwelt von S.T.A.L.K.E.R.: Clear Sky ist erbarmungslos: Nicht nur Bugs, sondern auch teils unfaire Schusswechsel sorgen dafür, dass sich am Himmel schnell die Wolken aufziehen. Hier sollte GSC Gameworld noch flugs mit Updates hinsichtlich Balance und Schwierigkeitsgrad rausrücken, denn Anfänger werden schnell die weiße Fahne schwenken und genervt aufgeben. Immerhin darf man beliebig oft frei speichern und natürlich laden. Zudem werden bei neuen Abschnitten automatische Rücksetzpunkte generiert.
Radioaktiver Spaß!
Im Mehrspielermodus trumpft S.T.A.L.K.E.R.: Clear Sky trotz kleinerer, noch bestehender Lag-Probleme ordentlich auf und präsentiert sich als eine Mischung aus Counter-Strike und Call of Duty 4: Modern Warfare. Das heißt, je mehr Abschüsse Ihr verzeichnen könnt, umso schneller steigt Euer Rang und desto mehr Geld erhaltet Ihr. Immer größere Schießprügel sind da die logische Konsequenz - die Server sind bereits ausreichend gefüllt und warten nur auf einen Besuch. Einen Netzwerk-Modus und andere Spielmodi gibt es natürlich auch.
Abseits der Bugs offenbart sich Clear Sky als ein solider Shooter mit netten RPG-Anleihen, einer hervorragenden Atmosphäre und wuchtigen Ballereien, aber auch langweiligen Dialogen, an den Nerven zerrenden Laufwegen und keiner wirklich angemessen erzählten Geschichte. Ziehen wir noch die KI-Probleme und den zuweilen unfassbaren Schwierigkeitsgrad hinzu, ist Clear Sky gerade einmal Mittelmaß. Ich glaube aber kaum, dass GSC Gameworld darauf abgezielt hat.
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S.T.A.L.K.E.R.: Clear Sky im Test.
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