S.T.A.L.K.E.R. - Shadow of Chernobyl

Review
Plattform
PC
Vertrieb
THQ
Entwickler
GSC Game World
Erscheinungsdatum
-
Genre
Shooter
USK
18
S.T.A.L.K.E.R. - Shadow of Chernobyl [PC , looki.de]

Gesamtwertung

88%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

S.T.A.L.K.E.R. - Shadow of Chernobyl

Blitze durchzucken die regenverhangene Nacht und erhellen den einsamen Feldweg inmitten der verwilderten und menschenleeren Gegend. Ein ramponierter LKW, augenscheinlich vor irgendetwas auf der Flucht, rast in einem ungesunden Tempo über den nassen Schotter. Auf der unscheinbaren Ladefläche des Lasters sitzt ein Mann und blickt, uns den Rücken zugewandt, ins trügerische Dunkel, nach einem heftigen Ruckler wird uns klar, der Mann ist, ebenso wie alle anderen Passagiere tot. Wir befinden uns in einem Leichentransport. Auf einmal kracht es, eine Lichtkugel schlägt unvermittelt neben uns in die Straße, der Transporter fliegt brennend durch die Dunkelheit und rumpelt unbemerkt den schlammigen Abhang hinunter. Jemand hat überlebt – dieser jemand, das sind wir.

Das Spiel beginnt im Versteck eines zwielichtigen Händlers, der alles Mögliche zu Geld macht. Wir wurden aus dem Wrack des Leichentransporters herausgeschleppt und direkt auf seinen Tisch gelegt. Der PDA unseres Stalkers machte ihn aufmerksam. Die Notiz „Kill the Strelok“ blinkte auf dem Display, der Händler wollte gerade den Preis abschätzen als die Hand des Stalkers nach seinem PDA schnellte und eine Tätowierung auf seinem Unterarm sichtbar wurde. Und damit war unser gedächtnisloser Protagonist, der fortan nur noch als Gezeichneter bekannt ist, eine Ware von höchstem Interesse. Natürlich kennt auch der Händler die Vorzüge so eines tätowierten Stalkers und schnuppert Profit, sodass wir wieder aufgepäppelt werden und so schnell wie möglich Aufträge für ihn ausführen können. Das ganze natürlich unter dem Vorwand unserem Gestrandeten helfen und ihm neue Ausrüstung zuspielen zu wollen und Informationen über diesen Strelok zu finden.

Die Katastrophe

S.T.A.L.K.E.R. – Shadow of Chernobyl spielt im Jahre 2012 in einem riesigen Areal rund um den havarierten Atomreaktor, dessen Explosion 1986 in ganz Europa für Ausnahmezustand gesorgt hat.

Es gilt als der schlimmste Unfall seit der Geschichte der Atomenergie, dessen Auswirkungen bis heute zu spüren sind. Dieser vermeindliche Routinetest, der die Katastrophe auslöste war der Ausgang für ein lang anhaltendes Massensterben. Der Name Tschernobyl mahnt kommende Generationen zur Vernunft und ist Sinnbild für die Fehlbarkeit der Technik. Die Entwickler von S.T.A.L.K.E.R. spinnen die ganze Geschichte weiter. 20 Jahre nach dem ersten Vorfall erschütterte eine weitere Explosion das Land, die das gesamte Gebiet erneut in Mitleidenschaft riss. Das Militär riegelt alles ab und vereinzelte Glücksritter, als Stalker bekannte Söldner und Abenteurer, schwimmen gegen den Strom und versuchen, in der „Zone“ illegal zu Reichtum zu gelangen. Ein ewiger Kampf um das Überleben beginnt. Vor allem die so genannten Artefakte haben es den Stalkern, dem Militär und der Wissenschaft gleichermaßen angetan. Sie versprühen etwas überirdisches und entstehen an den so genannten Anomalien. Zunächst vereinzelt, später ohne Rücksicht auf die gefährliche Strahlung, gilt es, diese mächtigen Gegenstände, die einen Menschen stärken aber auch umbringen können, in den eigenen Besitz zu bringen.

Unser erster Auftrag führt uns zu einem gewissen Stalker namens Wolf, der sich irgendwo in der Nähe des Händlers aufhalten soll. Als wir herausgehen, dämmert es gerade und eine Gruppe Stalker macht es sich zwischen Häuserruinen an einer brennenden Mülltonne gemütlich, trinken ein Paar Vodka und versuchen, ein Lied auf der Gitarre anzustimmen. Sofort packt uns die mit Bravur inszenierte Atmosphäre, diese Schrottplatzromantik die uns das ganze Spiel über verfolgt. Im Hintergrund der Szene sehen wir auch schon unser Zielobjekt. Nach einem, leider nicht vertonten, Schwatz, sagt er uns auch schon wo es lang geht. Wir sollen jemanden suchen, der anscheinend in Schwierigkeiten geraten ist. Unser PDA zeigt uns prompt an, in welche Richtung wir müssen. Mit einem Druck auf die Kartentaste haben wir sogar einen hervorragenden Satellitenblick auf das gesamte Gebiet, in dem sich unser Ziel und wir uns aufhalten.

Der PDA ist das Allzweckwerkzeug eines Stalkers. Hier kann er sich Dialoge noch einmal durchlesen, Aufträge verwalten, sich einen Überblick über die Karte schaffen und sein Tagebuch durchlesen, in denen die wichtigsten Begebenheiten und Informationen nochmal in Textform zusammengefasst sind. Interessant ist auch die Rangliste, in der ihr euch mit allen anderen Stalkern vergleichen könnt. Der PDA scannt außerdem alle menschlichen Wesen in der Umgebung, die dann, je nach Gesinnung, auf der Minimap verschiedenfarbig angezeigt werden. Da jeder Stalker einen solchen PDA zur Kommunikation besitzt, zeigt der Scanner außerdem den Namen, und die Erfahrung an. Ähnlich wie in Gothic kann man sich einer bestimmten Fraktion anschließen, für die man arbeiten und kämpfen will. Es gilt im Zuge der Hautquest möglichst viele Nebenquests anzunehmen, um sich besser ausrüsten zu können. So werden im Laufe des Spiels die Schutzanzüge, die mit Blei vor Strahlung und mit Kevlar vor Blei schützen, lebenswichtig. Außerdem helfen uns die modifizierten und besonders starken Waffen, die wir in Quests erhalten, die Gegnerzahl in übersehbaren Mengen zu halten. Ohne die richtige Ausrüstung ist es nicht möglich, in tiefere Gefilde der Zone vorzudringen und schließlich in der Nähe des Reaktorsarkophags zu überleben. Überall in der Welt von Stalker finden wir die Auswirkungen dieser unglaublich gut funktionierenden Lebenssimulation.

Auch, wenn alles wie aus einem Guß wirkt, zwei Spieler werden schwerlich dasselbe Spielerlebnis haben. Durch die selbstständig agierende Lebenssimulation der KI, die von den Entwicklern A-Live getauft wurde, sorgt dafür, dass hier eher der Zufall am Werke ist. Auch wenn einige Szenen zur Storyentwicklung geskriptet sind, man weiß nie, wo die nächste Anomalie, das nächste Rudel Mutanten oder die nächsten Stalker, die euch entweder freundlich oder feindlich gesinnt sind, über den Weg laufen werden.

Hier sitzen zwei Stalker am Feuer und erzählen sich Geschichten, dort findet ein Überfall statt und woanders gehen Räuber auf Beutefang und plündern ihre Gegner aus. Eine so selbstständige künstliche Intelligenz gab es selten zu sehen.

Diese wirkt sich auch auf das Kamfgeschehen aus. Ist man von vielen Spielen gewöhnt, dass der Spieler den Computer austrickst, kommt es hier oft vor, dass die KI uns schneller in der Zange hat, als es uns lieb ist. Während man von vorne unter Dauerfeuer gesetzt wird, schleichen sich von hinten schon die Nächsten an uns heran und nutzen geschickt jede sich bietende Deckung, was unweigerlich dazu führt, dass man sich entweder ganz schnell aus dem Staub machen oder sein Testament schreiben sollte. Auch wenn es aufgrund der Komplexität hier und da zu KI-Aussetzern kommen kann, sind Kämpfe auch auf leichter Schwierigkeitsstufe sehr knackig und nur durch schlaues Vorgehen zu dem einzig zufriedenstellenden Ergebnis zu führen - zu überleben.

Schrottplatzromantik

Alles, was Stalker zu bieten hat, stimmt in seiner Gesamtheit. Die ganze Welt wirkt echt und authentisch. Das ständige, beklemmende Gefühl von Bedrohung, dass besonders Nachts im Schattenspiel von Sturm und Gewitter zur Geltung kommt, hüllt den Spieler gnadenlos ein. Überall in dieser toten Welt aus Schrott und Gefahr ist Leben zu entdecken. Nirgends denkt man sich, dass das Schicksal unseres Stalkers festgesetzt ist, was vor allem auch an den sieben unterschiedlichen Enden liegt, die es zu erleben gibt. Das Spiel bietet genug Wiederspielwert um sich zumindest zweimal durch die Geschichte leben zu können ohne, dass das Gefühl aufkommt, schon einmal alles irgendwie gesehen oder erlebt zu haben.

Diese Authentizität ist auch bei den Waffen wiederzufinden. Neben den zugegebenermaßen eher schwachen Sounds der Bleispritzen, wirken sich die Attribute und das Handling der Waffen sehr realistisch aus. Der echt wirkende Rückstoß der AK 47 und Konsorten und die Munitionsknappheit die überall herrscht, mahnen dazu eher besonnen vorzugehen und bei einzelnen Gegnern schon einmal zum Kampfmesser zu greifen. Das Gepäck wirkt sich auch auf die Ausdauer des Protagonisten aus. Sollte die Ausrüstung und der Proviant ein Gewicht von über 50 Kilogramm erreichen, ist ein längeres Sprinten nahezu unmöglich; die 40er Grenze sollte nicht überschritten werden. Hält man Ordnung und verkauft unnötiges Zeug rechtzeitig, kann man schnell nahezu jedem Ort auf der Karte erreichen, auch mit zehn Kalashnikovs im Rucksack. Die Größe der einzelnen Stücke wirkt sich nicht negativ auf die Bewegungsfreiheit aus. Möchte man längere Distanzen zurücklegen, sollte man, da Fahrzeuge aus dem Programm gestrichen wurden, einen ordentlichen Vorrat an Energy Drinks dabei haben. Die nehmen nicht viel Patz weg und wirken sich wie Balsam auf die Ausdauer des Stalkers aus.

Die Strahlung der Umgebung und vereinzelter Artefakte, die wir mit uns herumtragen, wirkt sich bei hohen Werten, ähnlich wie es bei blutenden Wunden der Fall ist, negativ auf die Gesundheit aus. Dargestellt wird der Grad der Bestrahlung mit einem Atomsymbol in der rechten unteren Ecke, der je nach Schwere der Verletzung eine andere Farbe annimmt. Hier ist vor allem Vorbeugung durch bestimmte Anzüge oder Artefakte gefragt. Denn gerade im Kampf kann sich der schleichende Gesundheitsverlust sehr negativ auf die Zukunftsplanung unseres ukrainischen Abenteurers auswirken. Im nachhinein wirken da nur Strahlungshemmer wie der spezielle Wodka der ominösen Firma GSC. Negativ ist uns die Menusteuerung aufgefallen, die hier und da sehr unausgereift scheint.

Man muss sich, zum Beispiel beim Verwalten und Umverteilen des Gepäcks, häufig durch mehrere Menus wühlen um das zu erreichen, was auch mit ein bis zwei Klicks hätte erreichbar sein können. Das nervt und frustriert auf Dauer. Ebenso nervig ist ein bestimmter Bug, der verhindert, dass man bei Benutzernamen, die ein Leerzeichen enthalten, den praktischen Quickload benutzen kann. Um den schnell gespeicherten Spielstand zu laden, hilft nur der Neustart des Spiels. Das führt häufig zum vorzeitigen Beenden der Spielsession und dem Stoßgebet gen Osten, dass doch so schnell wie möglich ein Patch nachgeliefert werde.

Die vorherrschende Stimmung, die allgegenwertige Bedrohung und Atmosphäre von Stalker, machen das Spiel zu dem was es ist: Einem faszinierendem Mix aus Shooter und Rollenspiel. Die nahezu photorealistische Grafik ist das ausschlaggebende Züngelchen an der Waage, die das Spielerlebnis zu einem mysteriösen aber nachvollziehbaren Gänsehautabenteuer werden lässt. Die maroden Anlagen der sowjetischen Zeit und die gebeutelte Natur mit ihren Wäldern und Gräsern wirken derart greifbar, dass man schnell vergisst, was man eigentlich gerade im Begriff war, zu tun und sich lieber einem Spaziergang durch die Zone widmen möchte. Der Sound krankt zwar hier und da, was sich vor allem bei den etwas laschen Waffengeräuschen auswirkt, ist aber atmosphärisch wichtig und richtig in Szene gesetzt. Auf Musik wurde, abgesehen von den russischen Gesangseinlagen unserer Kollegen und einigen Radiosendungen beim Händler, komplett verzichtet und legt den Fokus auf die unheimlichen Geräusche der Umwelt. Hier heult ein mutierter Hund, dort schreit jemand auf, Gewehrfeuer dringt durch eine Waldlichtung und Anomalien singen ihr unnatürliches, bedrohliches Lied. Kleinere Unschönheiten, wie die einfallslos wirkenden Maschendrahtzäune, die der Levelabgrenzung dienen und die langwierigen Ladezeiten zwischen den Levels können dem Hör- und Seherlebnis Stalker keinen Abbruch tun.

Fazit

Wer bin ich? Woher komme ich? Und vor allem: Was tue ich hier auf einem Leichentransport in der gefährlichsten Zone der Welt? Stalker packt. Und zwar von der ersten Sekunde an und lässt erst los, wenn wir den Geheimnissen der Zone und das Mysterium um uns selbst aufgeklärt haben. Diese unnachahmliche Endzeitatmosphäre, die Größe, Komplexität und die Authentizität des Spiels lassen erahnen, wieso die Entwicklung soviel Zeit in Anspruch genommen hat.

Alles in dieser trostlosen Welt des atomaren Horrors wirkt lebendig und echt. Die Mischung aus Rollenspiel und Shooter vereint meine beiden Lieblingsgenre zu einem großen, stimmungsvollen Gesamtwerk, das einzig und allein durch ein paar sehr nervige Bugs getrübt wird, die hoffentlich so schnell wie möglich behoben werden. Denn dieses Spiel mit all seinen Fehlern ist etwas ganz besonderes, das sich kein Fan gehobenen Spielanspruches entgehen lassen sollte. Hat man erst einmal ein paar Stündchen in der virtuellen Ukraine verbracht, vergibt man GSC Gameworld alle gebrochenen Versprechen in der Vergangenheit und freut sich auf sein nächstes Abenteuer in der atomar verseuchten Zukunft.

S.T.A.L.K.E.R. - Shadow of Chernobyl [PC , looki.de]

Ist der Artikel hilfreich? Dann bookmarken Sie ihn bei:

Hilfe?

 

 

Yahoo! Highlights:

Filmblog
Spiele Highlights
Video Suche
DFB Pokal
Autonews
Reiseplaner
Mehr...

 

Aktuelle Videospiele News:

X360: GRID: Codemasters äußert sich zum ...
You're in the Movies
Bully: Die Ehrenrunde
MAG - Massive Action Game
PC: Alan Wake offenbar auf der TGS
PC: Demo zu Far Cry 2 'nicht möglich'
PC: Warhammer Online: Gildenbeta am Star...
PS3: Dynamic DNA hält NBA Live 09 aktuel...
PS3: PS3-Platinum ab August in Europa
Guild Wars
Die Gilde DS
PC: Deep Silver kündigt Ride to Hell an
DS: Deep Silver kündigt The Humans an
PS3: Midway bringt Blitz: The League II
PS3: inFamous kommt im Frühjahr

Weitere Spiele Reviews:

Alarm! Brennpunkt City [WII , looki.de]
PC: Mass Effect
PS3: Dark Sector
X360: Universe at War: Angriffsziel Erde
Secret Agent Clank [PSP , looki.de]
Rainbow Six: Vegas 2 [PC , looki.de]
Dragonball Z: Burst Limit [PS3 , looki.d...
Beijing 2008 [X360 , looki.de]
X360: Kung-Fu Panda
WII: Okami
PC: 13th Century: Death or Glory
PS3: Army of Two
Viking: Battle for Asgard [PS3 , looki.d...
PC: Turning Point: Fall of Liberty
FF Tactics A2 : Grimoire of the Rift [DS...

Vorschau auf neue Spiele:

Velvet Assassin [PC , looki.de]
PC: Age of Conan
This is Vegas [X360 , looki.de]
Die Simpsons - Das Spiel [X360 , looki.d...
Naruto: Ultimate Ninja Storm [PS3 , look...
Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots...
DS: Assassin's Creed: Altair's Chronicle...
PC: Das schwarze Auge: Drakensang
Army of Two [X360 , looki.de]
GC 07 First Look: Halo Wars [X360 , look...
FIFA 08 [PS3 , looki.de]
GC 07 First Look: Hellgate London [PC , ...
Die Siedler - Aufstieg eines Königr...
PC: Demigod
PC: King’s Bounty: The Legend