Gesamtwertung85%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungGut |
In Russland rollt nicht mehr nur der Rubel, sondern auch die Spielindustrie kommt dort so richtig ins Rollen. Mütterchen Russland bringt mehr und mehr viel versprechende Titel hervor, meistens von unbekannten Kleinfirmen. Ein Paradebeispiel für diesen Effekt ist Star Wolves, entwickelt von der in Krasnodar ansässigen Softwareschmiede Xbow Software. Ob sich Star Wolves in die Masse russischer Topprodukte einreiht oder ob sich die Wölfe als zahnlose Dackel entpuppen, verraten wir Euch in unserer Review.
Die Erde des 22. Jahrhunderts hat ihre besten Tage schon lange hinter sich. Nachdem der Globalisierungsprozess dafür gesorgt hatte, dass Großkonzerne jeden Bereich des menschlichen Lebens überwachten und demzufolge die Demokratie zusammenbrach, erfährt das Modell der Monarchie seine große Wiederauflebung. Ein Imperator regiert nun über die Menschheit und hält alle Fäden der Macht fest in der Hand. Sowohl Regierung als auch Judikative und Militär unterstehen dem totalitären Herrscher. Nicht weniger mächtig als er sind drei Großkonzerne, die nahezu sämtliche Produktionsanlagen unter sich ausmachen: USS, InoCo und Triad. Mit allerhand Waffen und Kampfschiffen ausgestattet kämpfen sie gegeneinander um die Vorherrschaft auf dem Industriesektor. In solch einer Welt sind Söldner für alle Parteien gern gesehene Kampfgefährten gegen Bezahlung versteht sich. Die Führung einer dieser Söldnereinheiten, die sich selbst Star Wolves nennt, übernimmt der Spieler und scharrt im Verlaufe des Spiels neue Partner und Freunde um sich aber auch Feinde.
Zugegeben, dieses Szenario mag auf den ersten Blick nicht sehr kreativ wirken. Durch die Enthüllung wichtiger Details, neue Nebenstories über die Scharmützel der Großkonzerne und eine Invasion fremder Mächte gewinnt die Geschichte aber schnell an Fahrt.
Gleich zu Beginn des Spiels lernt man eine Seite von Star Wolves kennen. Im Stile eines Rollenspiels muss sich der Spieler für ein Spezialgebiet seines Alter Ego entscheiden. Zur Auswahl stehen die vier Gebiete Pilotenkenntnisse, Schützenkenntnisse, Raketenkenntnisse und elektronische Kriegsführung, die jeweils in ihrem Fähigkeitenbaum neben speziellen Fähigkeiten des ausgewählten Bereichs auch die Grundlagen der restlichen Gebiete beinhalten. Obwohl sich im weiteren Spielverlauf zusätzliche Charaktere mit entsprechenden Spezialisierungen Eurem Team anschließen und somit die Fähigkeiten des Kollektivs vergrößern, sollte bei jedem einzelnen von ihnen auf eine ausgeglichene Skillverteilung geachtet werden. Denn Fachidioten sind auch virtuell mehr Fluch als Segen. Beispielsweise bringen einem guten Piloten die aberwitzigsten Kurven, Loopings und Spiralen nicht viel, solange er nicht genügend Feuerkraft besitzt.
Um einen Skill erlernen zu können, braucht jeder Pilot Erfahrung. Diese gewinnt er bei Einsätzen durch das Abschießen von Feinden oder das erfolgreiche Beenden einer Mission.
Womit wir auch schon beim nächsten Thema angelangt wären: den Missionen. Vor und nach jeder Mission befindet sich der Spieler auf dem Mutterschiff der Star Wolves. Dort können einzelne Aufträge in nicht-linearer Reihenfolge ausgewählt und gespielt werden. Dabei achteten die Entwickler auf einen hohen Grad an Abwechslung. Von Verteidigung über Geleitschutz bis hin zu Großoffensiven mit befreundeten Einheiten gegen Feinde des Imperiums ist alles dabei, was des Söldners Herz begehrt. Zusätzlich tauchen immer wieder unerwartet Nebenaufträge und Kehrtwendungen auf, die für zusätzliche Herausforderungen sorgen. Kämpfe laufen generell im Stile eines Echtzeit-Strategiespiels ab, dem zweiten Gesicht des Titels. Einheiten auswählen, Gegner angreifen und fertig. OK, so einfach ist es dann glücklicherweise dann doch nicht immer. Wer nicht nur auf sein Glück hoffen will und sich nach dem Motto Wird schon alles gut gehen gemütlich zurücklehnt, wird auch während der rasanten Gefechte allerhand zu tun haben. Eine enorme Hilfe stellen in diesem Zusammenhang die dreh- und zoombare Kamera zur Überwachung des Kampfgeschehens und die nützliche Pause-Funktion dar. Letztere eignet sich prima dafür, in Massenschlachten einfach mal das Spiel anzuhalten und den eigenen Einheiten in Ruhe neue Ziele zuzuordnen.
Mit zunehmendem Spielverlauf steigen der Widerstand und die Stärke der gegnerischen Schiffe. Um selber nicht auf der Strecke zu bleiben und in einer Walnuss gegen schwere Kriegsschiffe antreten zu müssen, kann man natürlich auch selber seine mutigen Recken mit neuen Schiffen und Ausrüstungsgegenständen beglücken. Entweder kauft man diese für teures Geld auf dem Markt oder sammelt sie im Weltall auf. Im Kampf zerstörte Raumschiffe verlieren ihre Ausrüstung, die in der Manier eines eifrigen Eichhörnchens vom Schlachtfeld gelesen werden kann. Nicht immer befinden sich darunter nützliche Gegenstände, aber notfalls findet sich dafür immer ein Abnehmer. Auf diese Art lässt sich schnell ein kleines Vermögen zusammenhamstern, das auf dem Schwarzmarkt oder Handelsposten in seltenere Gegenstände reinvestiert werden kann.
Grafisch präsentiert sich Star Wolves nicht immer von seiner schönsten Seite. Einerseits wissen sowohl Partikeleffekte als auch Gestaltung der farbenprächtigen Weltraumabschnitte zu überzeugen. Andererseits wirken die Texturen des Raumschiffe und der Stationen nicht detailliert genug und zu matschig.
Das gleiche Bild beim Sound teilweise hui, teilweise pfui. Während Hintergrundmusik und Soundeffekte niemanden aus dem Stuhl fegen dürften, leisteten die Synchronsprecher richtig gute Arbeit. Egal ob grimmiger Pirat, besorgter Teamkollege oder seriöser Nachrichtensprecher, jede Textzeile ist stimmungsvoll gesprochen.
Einen durchweg positiven Eindruck hingegen macht die Steuerung. Nach kurzer Eingewöhnungsphase lässt sich per Shortcuts oder übersichtlichem Interface am unteren Bildschirmrand jeder wichtige Befehl sekundenschnell ausführen.
Star Wolves im Test.
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