Gesamtwertung63 %/10 |
GrafikMangelhaft Sound8 |
LanzeitspaßUngenügend Spieleinstieg7 |
BedienungAusreichend |
Das Adventure "Still Life" dürfte Genre-Fans selbst knapp vier Jahre nach Erscheinen immer noch ein wohliges Schauern über den Rücken aufkommen lassen - nicht umsonst, denn statt sich wie viele seiner Kollegen auf den Bereich Humor zu konzentrieren oder darauf, wie man denn möglichst viele Pointen und Seitenhiebe ins Spiel pfropfen könnte, punktete das Werk der Franzosen von Microids mit einem angenehm düsteren Ambiente, netten Knobeleien und bitterbösen Morden. Für viele Fans sorgten auch die Verbindungen zum First-Person-Titel Post Mortem für nette Déjà-vu-Momente, in denen man sich mit Privatschnüffler Gus McPherson durchs Prag des Jahres 1929 rätseln konnte. Nun endlich steht Still Life 2 in den Läden - ob die Anhänger des ersten Teils damit glücklich sein dürfen, erfahrt Ihr im Review.
Löbliche Entscheidung: Damit Einsteiger, die mit der Handlung von Still Life nicht viel anfangen können, da sie den Titel schlichtweg nie gespielt haben, nicht direkt Bahnhof verstehen, wird in Cutscenes sowie einem kurzen spielbaren Abschnitt geklärt, was denn so alles im Erstling passiert ist.
Glücklicherweise gestaltet sich das Ganze für Kenner der Materie nicht allzu langwierig und schnell werden neue Pfade betreten. Ein - scheinbar? - neuer Killer hat es wieder auf die Aufmerksamkeit unserer Protagonistin Victoria McPherson abgesehen, die sich mit dem offenen "Abschluss" der damaligen Ereignisse immer noch nicht so recht anfreunden konnte. Nicht wirklich gelindert wird dieser Zustand durch die Tatsache, dass neue Opfer des in den Medien als "Ostküsten-Killer" bezeichneten Geisteskranken nicht lange auf sich warten lassen und Vic samt der restlichen Polizei für das Fehlverhalten im konkreten Fall öffentlich beschuldigt werden.
Allen Hetzern voran steht die junge Journalistin Paloma, die im Fernsehen zwar vor allem unserer Heldin die Schuld daran gibt, dass der Mörder noch nicht gefasst wurde, jedoch versucht, mit geheimen Informationen mit Vic zusammenzuarbeiten und nicht zuletzt dadurch ein begehrtes Ziel des Killers wird.
Es kommt, wie es kommen muss: Paloma wird entführt und findet sich mit dicken Kopfschmerzen in einem heruntergekommenen Haus wieder, das nicht nur gefährlich aussieht, sondern auch diverse Gefahren in sich birgt. Still Life-Fans ahnen es: Neben Vic werden wir auch Paloma steuern können, um uns aus den verschiedensten Misslagen und Fallen zu befreien, die der sadistische Killer für uns vorbereitet hat. Und genau hier werden Erinnerungen an die SAW-Filme wach.
In einer Szene wird Paloma ein tödliches Nervengift injiziert - jetzt stehen wir unter Zeitdruck. Also fix das klapprige Bettgestell an den unerreichbaren Medizinschrank geschoben, eine grüne Flüssigkeit und vier unterschiedlich befüllten Reagenzgläschen im Inventar verstaut und probiert, welche Mischung uns hilft - oder uns umbringt. Nicht selten ist es von Vorteil, den Spielfortschritt zu speichern, um nervige Wiederholungen zu verhindern. Wann dies empfehlenswert wäre, verschweigt uns der Titel jedoch.
Doch nicht nur die hier und da auftretenden Zeitdruckpassagen erschweren uns das Vorankommen, auch Bugs befinden sich mangels Patch aktuell noch im Spiel: Manchmal reagiert unser Charakter nach bestimmten Aktionen gar nicht mehr, beziehungsweise bewegt sich nicht mehr vom Fleck. Weder das Anklicken eines beliebigen Hotspots, noch das Öffnen des Inventars beseitigt diesen durchaus kritischen Fehler. Da hilft es nur, den Spielstand neu zu laden. Weitaus böser wird es, wenn selbst ein wichtiger - und vor allem der einzige - Hinweis auf einen Zahlenschloss-Code vorenthalten wird. Dieser Bug existiert im als Leichenhalle umpräparierten Raum des Killers im fünften Kapitel. Wer diesbezüglich keine Hinweise in seinem Smartphone finden sollte, für den haben wir folgenden Überbrückungslösung. Achtung Rätselhilfe: Tippt ins Zahlenschloss nacheinander die Zahlen 1022, 0229 und 0113 ein. Hilfe Ende.
Überhaupt fragt man sich teilweise, warum Microids für diesen Nachfolger knapp vier Jahre benötigt hat: Nicht nur, dass die Optik und der tolle, düstere Stil sich stellenweise eher einen Schritt zurück, anstatt nach vorn bewegt haben, nein, bei einigen Spielstarts standen wir plötzlich ohne Sound da. Was also tun? Spiel erneut starten und Sound hören - oder erst beim nächsten Mal, je nachdem, auf was der Titel scheinbar gerade Lust hat.
Es tut einem Adventure-Fan wie mir in der Seele weh, dass Still Life 2 mit solchen kritischen Mängeln in die Regale geflattert ist - die Bugs und die verdammt lahme Reaktion der Charaktere nach der Interaktion mit einem beliebigen Hotspot kratzen nicht nur extrem am Spielfluss, sondern auch an der Motivation, sich das an sich durchaus routiniert inszenierte Rätselabenteuer zu Gemüte zu führen. Denn die Rätseleien, die vor allem in Palomas Haut eng mit dem bereits erwähnten SAW-Touch verknüpft sind, machen nicht nur Lust aufs Knobeln und auf das Aufspüren der eingestreuten Hinweise, sondern sind teils spannend geraten.
In einem Raum mit mehreren Türen müssen wir beispielsweise im Sitz eines elektrischen Stuhls die richtige Kombination für die richtige Tür herausfinden, die wir über ein Schaltpult am Tötungsgerät eingeben. Falsche Kombination, harscher Stromschlag. An anderer Stelle holen wir uns einen Schlüssel, der von einer abgetrennten Hand umklammert und von dicken Ratten umzingelt ist, mit einem Feuerlöscher ins Inventar.
Und wo wir schon einmal beim Inventar sind: Dies hat sich in punkto Bedienkomfort seit dem Erstling nicht sonderlich verbessert. Statt beispielsweise zwei Items direkt miteinander zu kombinieren, klicken wir erst auf einen Gegenstand, dann auf die Schaltfläche "Kombinieren" und dann erst auf den zweiten Gegenstand. Auch dass Eure gesammelten Items erst in einem gesonderten Screen zu sehen sind, stellt sich nicht unbedingt als gute Entscheidung heraus. Im Gegensatz zum ersten Teil verfügt Ihr in Still Life 2 zudem noch über einen begrenzten Stauraum, der in insgesamt sechzehn Felder unterteilt ist.
Dumm nur, dass beispielsweise eine Matratze das komplette Inventar belegt und andere, aktuell wichtigere Gegenstände somit keinen Platz mehr finden. Die Lösung des Aufbewahrungsproblems klingt so kompliziert, wie sie es auch in der Praxis ist. Hier und da stoßt Ihr auf Wandschränke, in denen Ihr nicht benötigte Items vorübergehend lagern könnt. Wer nicht gerade den optimalen Weg folgt - was mangels rotem Faden und diesbezüglichen Hinweisen so ziemlich jeder sein dürfte - darf eine Menge lästige Laufarbeit erwarten, die das Abenteuer zwar künstlich strecken, aber eher zur Qual verkommen lassen. Erschwerend kommt hinzu, dass jeder Wandschrank einzigartig ist. Soll heißen: Habt Ihr in einem Raum etwas abgelegt und benötigt diesen Gegenstand in einem weiter entfernten Raum, der ebenfalls einen Warteschrank beherbergt, wird das Stauinventar nicht auf diesen übertragen. Ihr müsst also zurücklaufen.
Nun ja, wenigstens kann man dem Titel nicht vorhalten, dass er unlogische Rätsel bieten würde - was wiederum allerdings auch nicht heißt, dass Still Life 2 sonderlich einfach wäre. Ab dem Mittelteil wird die Schraube in Sachen Schwierigkeitsgrad stark angezogen und ein einfaches Durchrätseln ist ohne weiteres nicht mehr möglich. Kein Vergleich also zu The Book of Unwritten Tales beispielsweise. In der Haut von Victoria gilt es natürlich, dem Killer auf die Schliche zu kommen. Und was ist dafür unerlässlich? Richtig, Proben sammeln. Wie schon im Vorgänger, darf die toughe Heldin einen Beweissicherungskoffer mit sich herumschleppen. Dabei wird so gut wie alles unter die Lupe genommen: Fußspuren, Fingerabdrücke, Blut, Haare und so weiter und so fort.
Aufgenommene Proben werden im Koffer-Screen abgespeichert und können dann im jeweiligen Untersuchungsverfahren einer Person entsprechend zugewiesen werden. Für allzu große Überraschungen sorgt das jedoch noch nicht, da es im Gegensatz zu den CSI-Ermittlern keinen breit gefächerten Verdächtigenkreis gibt.
Mag die akustische Seite des Titels noch überzeugen - die deutsche Synchronisation wurde gut gewählt und auch der Soundtrack unterstützt die teils düsteren Szenerien passend -, der grafische Part tut es nicht. Zwar lässt sich die Auflösung wesentlich höher skalieren als der noch auf 800 mal 600 Bildpunkte fixierte Vorgänger, allerdings macht es wie bereits erwähnt den Eindruck, dass Still Life 2 schlechter aussieht als der erste Teil aus dem Jahr 2005. Sowohl Ausleuchtung. als auch Charakterdetails und Texturen lassen einen wenig bis stark ausgeprägten Rückschritt. Vor allem die teils böse verschwommenen Oberflächen treiben regelmäßig die Rinderbrühe in die Augen. Hinzu kommen die eher biederen Animationen und fehlenden Mimiken der Figuren.
Wenn man nich nach dem Spielen von Still Life 2 fragen würde, welche drei Worte mir auf Anhieb dazu einfallen würden, wären es die folgenden: Schade, schaade und schaaade - in dieser Reihenfolge. Ich weiß ganz ehrlich nicht, was Microids mit diesem sehnlichst erwarteten Nachfolger zu einem DER Adventures des Jahres 2005 bezwecken wollte: Die Fans vergraulen? Sie mit immer wiederkehrenden Laufwegen nerven? Oder sie mit Bugs zur Verzweiflung treiben?
Die Wahrheit muss bekanntlich irgendwo vergraben sein. Allerdings lasse ich diesmal die Schaufel links liegen und besinne mich eher auf die Qualitäten des famosen und vor allem ungemein spannenden Erstlings im direkten Vergleich zu Still Life 2: Die Technik war besser, die Steuerung ebenfalls und auch in Sachen Spannung und Atmosphäre ist der Titel unter seinem Vorgänger angesiedelt. Und wenn ich noch einmal das Spiel neu laden muss, nur weil meine Figur wieder auf der Stelle eingefroren ist, begebe ich mich freiwillig ins offene Messer des Ostküsten-Killers.
Tauche ein in die Welt der Stars und bring Deine Fans auf der Bühne zum kochen. Neben Ruhm winkt einer der Megapreise im Gewinnspiel! zum Spiel...
Still Life 2 im Test.
Was halten Sie vom neuen Spiel von Microids?
Teilen Sie Ihre Meinung mit anderen Yahoo!-Usern.