Der Kreis der Killerspiele weitet sich aus. Auch die Zahl der abstrusen Behauptungen nimmt rapide zu. Nachdem wir alle in Counter-Strike schon Terroristen erhängt haben, üben deutsche Bundesbürger das Töten neuerdings in japanischen Rollenspielen, die eine Altersfreigabe von 12 Jahren haben.
Am Samstag Abend, 13. Januar, stachen die beiden Siebzehnjährigen Torben B. und Felix D. gegen 22 Uhr Peter E. (46) und seine Frau Antje (41) auf grausame Weise mit einem Messer nieder. Wir sprechen unser Beileid aus. Wie die BILD-Zeitung jedoch weiß, geschah der Doppelmord der beiden Gymnasiasten im Mecklenburgischen Tessin nicht spontan. Vielmehr wollten die beiden, das für seine Brutalität bekannte, Final Fantasy VII nachspielen. Der Beweis: Beide redeten sich am Tatabend mit Sephiroth und Reno an.
Somit ist klar: Auch diese abscheuliche Tat hat keinen komplexen Hintergrund, sondern lässt sich ganz einfach mit dem Konsum eines Killerspiels erklären. Verdächtig auch das Tatwerkzeug, so könnte das Messer auch das Langschwert des Sephiroth darstellen. Auch Reno, so munkelt man, trug Schuhe, die aus einem gleichnamigen Geschäft stammten.
am PC geübt hatten?Eine Frage, die die BILD-Zeitung in ihrem Artikel stellt und die ich nur mit durchaus beantworten kann. Erinnern wir uns 10 Jahre zurück: Direkt zu Beginn spielen wir einen kleinen Abschnitt mit Sephiroth. Er stellt ein Tutorial dar und bringt uns den richtigen Umgang mit einem Messer bei. Nach dem unser Mitschüler Reno zu uns stößt, metzeln wir uns gemeinsam durch Midgar.
Oder auch nicht. Sind wir mittlerweile schon an einem Punkt angekommen, wo wir nur noch mit purer Ironie reagieren können?
Looki Leser berichten von Schildkrötenpanzer-Attacken eines Kleinwagens und von SimCity-Spielern die fremde Gärten bebauen. Doch auf einer Seite kann ich darüber nicht mehr lachen, es stimmt mich viel mehr traurig. Ich sage nichts dagegen, wenn man GoW wegen des Gores kritisiert. Mich stört es zwar nicht, jedoch kann man durchaus aber anderer Meinung sein. Aber wie in Gottes Namen kann man Final Fantasy VII als gnadenloses Killerspiel darstellen? Das ist keine Panikmache, kein Behauptungsjournalismus, das ist BLASPHEMIE!
Schließlich reden wir über das geilste Rollenspiel der Videospielgeschichte. Ein Spiel in dem zwar ein Blumenmädchen getötet wird, wir aber unter anderem mit einer Katze, die auf einem riesigen Plüschtier reitet, spielen. Großartiges kulturelles Gut, das einfach rücksichtslos in den Dreck gezogen wird. Sicherlich wissen wir und viele andere Mitmenschen, was wirklich in dem Spiel steckt. Andere aber nicht. Im Maniac-Forum war die Rede davon, dass ein User an der Kasse beleidigt wurde, weil er Ghost Recon: Advanced Warfighter gekauft hat. Ich musste meiner Oma erklären, dass man in Counter-Strike nicht den exakten Umgang mit einer Pump-Gun lernen kann.
Überzeugungsarbeit, die ich mir machen muss, da man ein Spiel als Ursache hinstellt, weil sich zwei Personen mit Sephiroth und Reno angesprochen haben. Ich habe darauf keinen Bock mehr. Weder zu lesen, dass Final Fantasy VII ein Killerspiel ist, noch mir in selbst seriösen Sendungen wie Stern TV anhören zu müssen, dass man in Counter-Strike Geiseln, die wie Lehrer aussehen, töten muss. Ich ändere meinen Namen in Edmund Stoiber, Kollege Tobi nenne ich in Zukunft Kai Diekmann. Dann fahren wir zur BILD und bewerfen die Redaktion mit Falschaussagen bis sie platzt. Dann werden beide verboten und wir brauchen keine zweite Fussball WM, um unsere Probleme zu überdecken.
Vielleicht kommt auch Riad mit, der wollte sich vor zwei Jahren als True Crime-Werbebande verkleiden. Kupo...