Stranglehold

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Midway Home Entertaiment Inc
Entwickler
Midway Home Entertaiment Inc
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
18
Stranglehold [PC , looki.de]

Gesamtwertung

82%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Sehr gut

Stranglehold

Inspektor Tequila is back! Nachdem John Woo's Film-Schützling Chow Yun-Fat anno 1992 im Action-Kracher Hard Boiled in der ungeschnittenen Fassung wohl einen Rekord im Bösewichte erledigen aufgestellt hat, kehrt die Figur des schießwütigen Tequila auf die Bildschirme zurück, allerdings in Softwareform. Nachdem Euch Kollege Heiland bereits die Xbox 360-Version schmackhaft machen konnte, ist nun die PC-Fassung des Brachial-Shooters an der Reihe. Um die Spannung nicht zu sehr raus zu nehmen, werden wir es uns an dieser Stelle sparen, die Story von Stranglehold bis ins kleinste Detail auseinanderpflücken, da diese kurz formuliert aus dem Szenario 'Supercop soll hübsche Frauen retten und tritt gegen rivalisierende Gangsterbosse an' besteht, sondern wollen stattdessen darauf eingehen, was der Titel überhaupt ist.

Max Tequila?

Viele mögen ihn als Nachfolger eines Max Payne verstehen, dem Vater aller Bullet-Time Spiele. Andere denken an Neo und seine Matrix aufgrund der durchchoreographierten Schusswechsel. Und doch will sich Stranglehold nicht wirklich einordnen lassen, da der Titel von allem ein wenig beinhaltet. Natürlich steht in erster Linie die permanente, brachiale und kompromisslose Action auf dem Plan. Freunde von Schleicheinheiten im Stile eines Splinter Cells, sollten um das Spiel einen weiten Bogen machen. Dennoch wird die Gewalt nicht allein in den Raum gestellt, sondern in eine äußerst vielschichtige und handlungsreiche Story eingebettet. Hier merkt man eindeutig, dass Altmeister John Woo an der Entstehung beteiligt war.

Und so sind es nicht nur die Gegnermassen, auf die der Spieler trifft, die im Kugelhagel ihr virtuelles Leben aushauchen. Vielmehr sind es die Locations, in denen die Handlung angesiedelt ist, die den Spieler begeistern und sofort an diverse Woo und Chow Yun Fat-Filme erinnern und in dieses Szenario eintauchen lassen. Doch bricht man die wirklich spektakuläre Action auf das Wesentliche herunter, sind viele Elemente des Spiels aus unzähligen anderen Shootern bekannt. So verfügt Tequila über mehrere Waffen, die er an diversen Stellen in den Levels oder bei erschossenen Gegnern findet. Dieses Repertoire reicht von einer Pistole, MGs, Sturmgewehren bis hin zu Panzerraketen.

Ebenfalls in den Levels vorhanden, sind die wenigen, doch geschickt platzierten Medipacks, mit der euer Held seine Gesundheit auffrischt. Wer gerade keine Medipacks zur Hand hat, der nutzt zusätzliche Energie, um sich aufzufrischen. Auch am Rechner gibt sich die Steuerung von Stranglehold erfreulich unkompliziert.

Neben den üblichen Bewegungs- und Aktionstasten schaltet Ihr wie in Max Payne mit einem freundlichen Druck auf die rechte Taste in den Zeitlupenmodus, mit einer anderen Taste hechtet sich Tequila derweil in Deckung oder benutzt Geländer, Kronleuchter und Wände für stylische Aktionen.

Im Gegensatz zu manch anderer grottigen Konsolenportierung gibt es in Stranglehold Gott sei Dank eine frei konfigurierbare Tastenbelegung, die das Ganze wie einen echten PC-only Titel wirken lässt.

Einfach alle umnieten und glücklich sein!

Die Gegner, die ihr aufs Korn nehmt, können entweder normal angegriffen werden, oder dank wahlweise automatischer oder manuell zuschaltbarer Tequila-Time, ins Jenseits befördert werden. Seid ihr besonders kreativ und hechtet imposant durchs Bild, erhaltet ihr zusätzliche Stylepunkte. Diese füllen eine Leiste auf, mit der verschiedene Aktionen ausgeführt werden können. So kann Tequila automatisch sämtliche in seinem unmittelbaren Umfeld befindliche Gegner auslöschen.

Dabei dürfen auch Spezialaktionen wie der sogenannte Präzisionsschuss für weiter entfernte Feinde nicht fehlen. Damit das auch dramatisch aussieht, wechselt die Kameraperspektive in die Kugelansicht und verfolgt das Projektil vom Lauf bis zum Eintritt in den Gegner. Die dritte Möglichkeit ist, für eine vorgegebene Zeit mit einer höheren Schusskraft und Schussfolge, die Gegner aus dem Weg zu räumen.

Diese Aktionen werden im Spielverlauf frei geschaltet und durch spektakuläre Manöver ermöglicht. An verschiedenen Stellen kann Tequila auf Geländer, Servierwagen und andere Gegenstände springen, und von dort seine Action zelebrieren. Leider macht er das manchmal automatisch, was recht nervig sein kann. Allgemein stellt man bereits nach dem langen Einführungslevel schnell fest, wo die Entwickler hin wollen. Viel Action, viele Gegner und das alles auf möglichst kleinstem Raum, der sich nahezu komplett zerstören lässt. Nach einer gewissen Zeit wird man dem jedoch überdrüssig. Zwar sehen sämtliche Level sehr gut aus und überzeugen durch Interaktionsvielfalt. Doch nach dem zehnten Gegneransturm, der x-ten Drogenlabor-Zerstörung und etlichen Nahangriffs-Sequenzen, hat man das Potential des Titels gesehen. Motivieren können hingegen die zahlreichen physikalischen Möglichkeiten und die Tatsache, dass an einigen Stellen auch der Grips angeschaltet werden muss.

Optik vom Feinsten, Multiplayer sinnlos...

Wie komme ich in einem Lagerhaus auf höher gelegene Plattformen? Wie kann ich auf einem Schiff die Mannschaft schneller beseitigen? Alles wurde in die sieben umfangreichen Kapitel integriert. Gelungen sind auch die Kämpfe mit den diversen Boss-Gegnern auch wenn diese meist recht leicht zu besiegen sind. Dennoch wirkt das Ganze wie eine Anleihe an Serious Sam: Habt Ihr alle Feinde in einem bestimmten Areal erledigt, geht es weiter zum nächsten Raum, in dem genau die gleiche Aufgabe an Euch gestellt wird. Doch kommen wir einmal zur bombastischen Optik: Verdammt, sieht das gut aus! Wer einen pfeilschnellen Rechner sein Eigen nennen kann – was übrigens angesichts der recht hohen Anforderungen durchaus vom Vorteil wäre – bekommt einen grafisch überragenden Actiontrip serviert, der zwar nicht ganz mit der optischen Güte der Xbox 360-Version mithalten kann, aber dennoch zeigt, was alles an Effekten und Zerstörungen möglich ist.

Es sind zahlreiche Sequenzen wie das kompromisslose Zerlegen eines Fischerdörfchens oder die flüssigen Animationen, die Grafikpuristen das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Die gleiche Qualität erreicht die Klangkulisse von Stranglehold aber leider nicht ganz: Im Gegensatz zu den eher peinlichen Originalsprechern gewinnen zwar auch die deutschen Pendants keinen Award, quasseln ihren Text aber hier und da deutlich motivierter rüber als ihre englischsprachigen Vorredner. Etwas enttäuscht dürfte man bei den etwas dumpfen Baller-Sounds sein, da wäre wirklich mehr drin gewesen. Hier reisst aber der spannende Soundtrack zumindest einen Teil wieder raus.

Last but not least wäre da noch ein Wörtchen zum Online-Mehrspielermodus zu sagen. Kurz und prägnant: Den hätte man sich leider sparen können. Eine arg begrenzte Anzahl an verfügbaren und letztendlich zu kleinen Arenen und gerade mal zwei Modi – Deathmatch und Team-Deathmatch – sorgen nicht gerade für Mehrspielerfreuden. Das zeigt auch die verschwindend geringe Zahl an Online-Servern - einen Netzwerkmodus bietet Stranglehold gar nicht erst. Hier hätte man sich doch mäßigen sollen, denn die Multiplayergefechte sind gerade mal als “unnützes Beiwerk” zu bezeichnen.

Fazit

Wer schon immer mal den wilden, unbändigen Part des Tequila übernehmen möchte, bekommt mit Stranglehold einen ausnahmslos actionreichen 3rd-Person-Shooter präsentiert, der nicht mehr sein will als eine gelungene Zerstörungsorgie. Geht man von diesem Aspekt aus, hat das Spiel sein Ziel erfüllt und erzählt das Ganze nebenbei noch in einer gut präsentierten Story, die jedoch nicht die Vielschichtigkeit und bitterböse Ironie eines Max Payne erreicht. Auf dem PC sieht Stranglehold einen minimalen Tick schlechter aus als die Konsolenfassung, kann dafür jedoch mit einer präziseren Steuerung punkten. Wer kein Freund von Serious Sam-mäßigen Gegnerhorden ist und einen guten Mehrspielermodus als Kaufgrund sieht, wird sich aber wohl kaum mit John Woo's Softwareprojekt anfreunden können. Unterm Strich ist Stranglehold ein schallend-lauter Knall, dessen Wirkung jedoch mit der Zeit nachlässt. Schade eigentlich.

Stranglehold [PC , looki.de]

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