Stronghold 2

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Take 2
Entwickler
Firefly Studios
Erscheinungsdatum
-
Genre
Strategie
USK
-
Stronghold 2 [PC , Justgamers]

Gesamtwertung

78%/10

Grafik

Befriedigend

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Befriedigend

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Stronghold 2

Stronghold brachte euch die Möglichkeit das Burgenleben in Grundzügen zu simulieren und dazu noch spannende Belagerungskämpfe zu erleben. Im zweiten Teil haben die FireFly Studios nun die Möglichkeiten der Mittelalter Simulation noch erweitert. So könnt ihr nun neben der kriegerischen auch eine friedliche Kampagne erleben.

Der Weg des Friedens

In der friedlichen Kampagne beginnt ihr erstmal als freier Bürger ein Örtchen auszubauen und auf Geheiß des Königs ein Leuchtfeuer an der Küste zu platzieren. Die ersten Erfolge stellen sich dank der Möglichkeit die Hilfe im Spiel zu nutzen und euch begleitenden Berater schnell ein. Ihr baut eure Apfelfarmen, Schweinezuchten, die Burgküche, Vorratslager und Gehöfte um mehr Arbeiter zu bekommen.

Dies stellt aber auch immer eine kleine Gefahr für euren Ruf dar. Denn mit der Anzahl der Gehöfte steigt auch die Anzahl der hungrigen Mäuler die gestopft werden wollen. Da gerade zu Beginn Platz aber Mangelware ist, sollte man hier tunlichst darauf verzichten. Zumal man vor dem Haupthaus immer die derzeit arbeitslosen Bauern sitzen sieht. Solange dort noch Arbeiter warten, könnt ihr getrost weitere Farmen bauen.

Schnell wächst und gedeiht dann auch eure inzwischen zur kleinen Stadt gewordene Siedlung und es wird Zeit sich größeren Aufgaben zuzuwenden.

Nachdem ihr euch ein neues Plätzchen gesucht habt, tauchen plötzlich ein paar böse Buben und Wölfe auf, die den Bauern Ärger machen. Durch solche kleineren Kampfeinlagen kommt auch in der friedlichen Kampagne immer mal wieder Abwechslung in das Burgenleben.

Je größer eure Burg und Stadt wird, desto mehr Punkte gilt es im Auge zu behalten. Denn die FireFly Studios haben diesmal nicht nur einfaches Aufbauen und Kämpfen im Repertoire, auch Besonderheiten wie Jauchegruben, Krankheiten, Rattenplagen und öffentliche Hinrichtungen gehören zum Leben dazu. Aber was ist schon ein Edelmann ohne Ehre? Ein Nichts!

Um das zu ändern müsst ihr immer wieder Feste für die blaublütigen Schmarotzer veranstalten, die entweder ein Festmahl sein können, ein Tanzabend oder auch ein Tjost Turnier. Durch Ehre steigt ihr im Rang auf und gewinnt in den Augen des Königs Ansehen. Durch Ehre könnt ihr neutrale Länderein kaufen und die ehrwürdigen Ritter bei euch ausbilden, die nicht für jeden kämpfen. Große Wichtigkeit erhalten die Ritter aber natürlich erst in der kriegerischen Kampagne.

Stronghold 2 (14 Bilder)

Die friedliche Kampagne ist wirklich schön geworden und kann mit dem gemütlichen Gameplay und dem Fokus auf wirtschaftliche Ziele für Simulationsfans ohne Hang zur Action ein gefundenes Fressen sein. Kein Stress, keine Hektik, einfach gemütlich spielen ist hier die Devise. Zudem bietet das wirtschaftliche Spiel im Laufe der Zeit eine Fülle an Gebäuden und Möglichkeiten, durch die Langeweile kaum aufkommen kann.

Im friedlichen Bereich des Spieles gibt es dann neben der Kampagne auch noch das Freie Spiel, in dem euch von Anfang an alle Gebäude und Optionen zur Verfügung stehen. Hier beginnt ihr auf einer von euch ausgewählten Karte und könnt euch einfach der Bau- und Verwaltungslust hingeben.

Reicht das immer noch nicht könnt ihr mit einem recht einfach zu bedienenden Editor auch eigene Karten erstellen. Sehr schön ist, dass ihr ganze Kampagnen im Editor erstellen könnt, die sich mit verschiedenen Zielen über mehrere Missionen erstrecken können.

Der Weg des Kampfes

Neben der friedlichen Kampagne, bietet Stronghold 2 auch an, den Weg des Kampfes zu gehen. In einer Serie miteinander verknüpfter Missionen führt ihr den braven Ritter zum Sieg über seine Feinde, wobei sich unterschiedliche Missionstypen ablösen. So gibt es Belagerungsszenarien, in denen ihr mit einer vorgegeben Anzahl Truppen die feindliche Burg stürmen müsst, es gibt längerfristige Aufbaumissionen, in der es euer Ziel ist, ein schlagkräftiges Bollwerk aufzubauen und zu verteidigen.

Während dieser Mission ist deutlich zu erkennen, dass die Karten von Stronghold 2 an Größe einiges zugelegt haben. Jetzt gilt es ganze Grafschaften zu kontrollieren, vor gelagerte Dörfer unter seine Kontrolle zu bringen und deren Tribut- und Ressourcenproduktion zu nutzen und die vorhanden Feinde ständig unter Kontrolle zu halten.

Leider ist in diesen Missionen die KI sehr stark geskriptet, was dazu führt, dass man nur selten überrascht oder von der KI ausgespielt wird.

Probleme bereiten in der Regel nur Situationen, in denen die KI mit einer Übermacht an Einheiten ausgerüstet ist, denn einen wirklich koordinierten Angriff, ohne dass dieser von den Leveldesignern vorgeben ist, scheint die KI nicht hinzubekommen. Schade eigentlich, denn die Kampagne hält ansonsten einiges an Überraschungen parat und ermöglicht es ab einem bestimmten Zeitpunkt auch, die „Böse“ oder die „Gute“ Seite zu wählen, was sodann in unterschiedlichen Missionen resultiert und einiges an Abwechslung bringt.

Leider keine Atmosphäre können die Zwischensequenzen in der Kampagne bieten. Die in Spielgrafik dargestellten Situationen sind zwar mit Sprachausgabe ausgestattet, zeigen aufgrund des hohen Zoomgrades aber eindrucksvoll die Mängel der Grafikengine auf.

Die Animationen der Protagonisten stammen wohl wie die Story ebenfalls aus dem Mittelalter und die Länge der Sequenzen schafft es erst recht nicht Spannung aufzubauen. Die in die Mission eingebauten Wendungen in der Hintergrundgeschichte können da schon ein wenig besser gefallen.

Die vor gelagerten Ortschaften können leider nicht mit Mauern oder Türmen verteidigt werden, was aber aufgrund der beschränkten KI in der Kampagne nur im Multiplayermodus wirklich bedauerlich ist. Der hohe Grad an Skripten in der Kampagne führt leider dazu, dass Missionen leicht mit veränderter Taktik wiederholbar sind. Nicht genug Truppen während einer Belagerung, weil man plötzlich in eine kleine Burg versetzt wurde? Kein Problem, wenn man die vorhergehende Mission wiederholt und die Armee entsprechend größer gestaltet.

Da die KI auf eine solch veränderte Situation nicht zu reagieren weiß, fällt die Aufgabe danach wesentlich einfacher. Für Neulinge mag es auch bedauernwert sein, dass die KI nicht viel mehr weiß, als stumpfe Angriffe nacheinander zu fahren und oft genug dabei eine Kompanie nach der anderen zu verbraten.

Zum Glück schafft sie es dabei aber hin und wieder Schwachstellen in der Verteidigung auszunutzen. Besonders clever ist sie leider nie. Alte Stronghold Veteranen werden dieses Verhalten aber kennen und ignorieren, wer sich daran stört, dass Einheiten sich von den eigenen Bogenschützen beharken lassen und nicht reagieren, der sollte Stronghold 2 ignorieren.

Besonders ärgerlich sind diese Mängel in dem neuen Spielmodus 'Königsmacher', der zwar ein wenig an Taktikspiele erinnert, aufgrund fehlender Skripte aber besonders an den KI-Mängeln leidet, wenn man mal wieder eine Burg in Trümmer zerlegen kann, ohne dass es die gegnerische Truppe am anderen Ende der Burg kümmert.

Trotz der Mängel, kommt aber in der kampfbasierten Kampagne die alte Stronghold-Sucht wieder auf. Massenangriffe, die mit Pfeilhageln abgewehrt werden, Sturmangriffe, die ihr Ende unter einer Reihe brennender Baumstämme finden und berstende Mauerwerke, die unter der Wucht einer Kompanie Balisten zusammenbrechen.

Die Entwickler schaffen es schlussendlich, die alten Tugenden des Vorgängers in den Nachfolger aufzunehmen, weshalb ein durchdachter Burgaufbau genauso wichtig ist, wie eine gute Planung eines Angriffs oder der Verteidigung einer Burg. Auch der schnelle Aufbau der Wirtschaft ist wichtig, denn gegen schwer gepanzerte Einheiten haben einfache Bogenschützen keine Chance mehr.

Neue Aspekte wie das Sammeln von Ehre durch Festbankette, Ritterspiele oder den gepflegten Umgang mit der Bevölkerung sind gleichsam wichtig, ermöglichen doch nur diese die Produktion der fortschrittlichen Einheiten. Auch durch das Abbilden von Kriminalität, die man mit Gerichtsgebäuden, Foltereinrichtungen und Wachposten begegnetet, wird Realismusgrad bei der Abbildung des mittelalterlichen Burglebens erhöht.

Ohne eine voll funktionsfähige Burg mit effektiver Produktion, zufriedenen Bewohnern und beschützten Siedlungen, hat man in den späteren Missionen gegen die stellenweise sehr aggressiven Feinde keine Chance mehr. Hier treffen nämlich riesige Armeen aufeinander, die es gilt aufzubauen, damit schließlich eine siegreich aus der Schlacht hervorgehen kann. Letzteres wird allerdings nur funktionieren, wenn der eigene Rechenbolide einiges auf dem Kasten hat.

Multiplayer

Im Multiplayer Modus könnt ihr euch entweder Online über Gamespy Gegner suchen oder auch im LAN direkt gegen einen Freund spielen. In der Lobby stellt ihr dann einfach eure gewünschte Karte ein, sowie die Startwerte.

Bei denen könnt ihr dann wählen mit welchem Rang und mit wie viel Gold in der Tasche ihr in das Spiel einsteigt, sowie auch ob fehlende Spielerplätze durch KI Spieler aufgefüllt werden sollen.

Technik und Spielgefühl

Im technischen Aspekt kann Stronghold 2 leider nicht wirklich glänzen. Die Grafik geht in Ordnung, zeigt bei hohem Zoom aber leider starke Defizite. Zum Glück zoomed man sehr selten. Der Sound dudelt etwas motivationslos mittelalterliche Melodien, wirklich besonders ist dieser aber aber genauso wenig wie die Sprachausgabe. Nun ist Technik aber nicht alles. Der Spielspaß ist durchaus gegeben, Stronghold 2 besinnt sich alter Tugenden und schafft es trotz beschriebener Mängel und auch in der Version 1.1 vorhandener Bugs, wieder den alten Suchtfaktor zu reaktivieren. Was will man mehr?

Fazit

Fazit von Marian Härtel

Auch wenn Stronghold 2 einige Dinge wie die Grafik und die KI wesentlich besser hätte hinbekommen können, denn Konkurrenten bieten hier deutlich mehr, so kommt doch schnell wieder der Suchtfaktor daher. Die Komplexität des Burglebens wurde erhöht und die neuen Gameplay-Aspekte bringen eine erhöhte Abwechslung. Wer über die angesprochenen Mängel hinwegsehen kann und schon vom Vorgänger nicht mehr losgekommen ist, sollte zugreifen.

Stronghold 2 ist natürlich nicht für Taktiker geeignet, die in dem Spiel eine komplexe Simulation erwarten. Stronghold 2 soll Spaß beim Burgenaufbau und deren Verteidigung bringen. Wer dabei eine Gegnerintelligenz erwartet, die signifikant höher ist, als die von meinem Schäferhund, der wählt mit Stronghold 2 schlicht das falsche Spiel. Wer jedoch einen unkomplizierten Nachfolger in 3D mit einigen interessanten Ergänzungen sucht, der liegt richtig. Ob Stronghold 2 gefallen kann, hängt davon somit davon ab, welche Erwartungen in das Spiel gelegt werden.

Fazit von Kai Dahm

Stronghold 2 hat zwar seine Schwächen im Bereich der Grafik, aber gerade in der friedlichen Kampagne macht dieses kaum etwas aus. Das Spiel läuft wunderbar flüssig und durch die benötigte Übersicht kommt man eh nur sehr selten auf die Idee mal ganz nah heran zu zoomen. Der wirtschaftliche Part ist insgesamt überraschend gut ausgefallen und kann die kriegerische Kampagne um einiges überflügen. Kleinere Längen in den Anfangsmissionen muss man zwar überwinden, aber sobald die Rohstoffproduktion einmal in Gang ist, kann man munter drauf los bauen und sich um die verschiedenen Ziele kümmern.

Möchtet ihr eine schöne Burgensimulation erleben, dann seid ihr bei Stronghold 2 an der richtigen Adresse.

Stronghold 2 [PC , Justgamers]

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