Gesamtwertung82%/10 |
GrafikGut SoundBefriedigend |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Vor einigen Jahren sorgte mit Stronghold ein interessanter Titel im Aufbau-Einerlei für allerhand Spaß. Der Nachfolger, da schon in 3D, konnte allerdings nicht das gleiche Potential aufbringen, wie der Vorgänger. Jetzt erscheint mit Stronghold Legends quasi der dritte Titel der Serie in den Händlerregalen und soll endlich neue Impulse mit sich bringen. Wir haben für euch getestet, ob das Spiel Hitpotential besitzt.
Zurück ins Mittelalter
Während sich die Vorgänger streng an das Mittelalter mit seinen Burgen, Rittern und Edlen hielt, bricht Stronghold Legends die Thematik ein wenig auf und spendiert dem Setting eine Menge Sagenstoff und mystische Elemente. Dies seht ihr bereits im gut gemachten Intro, in dem die Legende von König Artus in groben Zügen wiedergegeben wird. Doch nicht genug damit. Der gesamte Singleplayer liest sich wie das Who is Who der bekanntesten Legenden. Neben Artus kommen Jung Siegfried aus der Nibelungen-Sage und der Vater aller Vampire, Graf Vlad Dracul, besser bekannt als Dracula, zum Zug. Sie alle besitzen Spezialkräfte, die die Charaktere für kurze Zeit wesentlich stärker erscheinen lassen oder die eigene Armee stärken. Doch nicht nur die Helden, auch ihre Spezialeinheiten sollen das Spiel ordentlich aufpeppen. Während der blonde Siegfried die aus Wagners Ring-Opern bekannten Walküren an seiner Seite weiß, kämpft der transilvanische Fürst der Dunkelheit zusammen mit Drachen und blutrünstigen Hunden. Die individuellen Einheiten stehen euch jedoch nicht von Beginn an zur Seite, sondern werden erst dann rekrutiert, wenn ihr die nötige Anzahl an Ehrenpunkten beisammen habt.
Diese erhaltet ihr für große Nahrungsvorkommen eurer Untertanen, gewonnene Feldzüge und vieles mehr. Ansonsten stehen euch die aus vergleichbaren Titeln bekannten Lanzenträger, Bogenschützen oder Ritter zur Verfügung. Es sei in diesem Zusammenhang bemerkt, dass Stronghold Legends seinen Fokus eindeutig mehr auf große Schlachten verlegt hat, was dem Spiel durchaus nicht abträglich ist. Leider ist das Balancing ziemlich unausgeglichen. Mal sind die eigenen Truppen mit einigen schnellen Schlägen siegreich durch die feindlichen Linien geführt. Ein anderes Mal werdet ihr von scheinbar schwächeren Gegnern regelrecht niedergemäht. Selbst das Update auf die aktuelle Version kann da nicht viel ausrichten.
Wir bauen uns ne Wirtschaft
Während der Vorgänger noch verstärkt auf den wirtschaftlichen Aspekt ausgerichtet war, wurde dieser für Stronghold Legends deutlich abgespeckt, was ein wenig schade ist. Vorbei die Zeiten, als ihr noch jede Kleinigkeit, zum Beispiel in der Holzproduktion, selber managen konntet. Der Legends-Holzfäller rekrutiert nun eigenständig Mitarbeiter, die ihm zur Hand gehen. Somit fielen die Produktionsschritte der Kürzungsschere zum Teil zum Opfer.
Wer gerne baut und Truppen aushebt, dürfte sich ob dieser Erleichterung freuen. Wem das klassische Siedeln mehr zusagt, könnte ein wenig die Nase rümpfen. Aber gerade allen Genreneulingen, die durch zu viele Einzeloptionen und Statistiken abgeschreckt werden könnten, werden sich über Stronghold Legends in Sachen Wirtschaftskreislauf freuen.
Deutlich unterhaltsamer, als bei einigen Konkurrenten fällt der Multiplayer mit seinen verschiedenen Spielarten aus. Neben dem Internet stehen euch noch Partien im LAN zur Verfügung. Jedes Spiel kann individuell mit unterschiedlichen Startoptionen wie Goldvorrat, Rohstoffvorkommen etc. gestaltet werden. Die Spielmodi sind Deatchmatch, King of the Hill, Capture the Flag und Wirtschaftskrieg. Außerdem verfügt Stronghold Legends über einen umfangreichen Editor zum Erstellen eigener Karten. Darüber hinaus gibt es noch den Legendenpfad, bei dem ihr verschieden schwere Gefechte austragt, um so Teil einer Legende zu werden, und den Spielmodus Eigenes Gefecht, bei dem ihr gegen bis zu drei KI-gesteuerte Gegner antreten könnt. Ranglisten-Spiele motivieren für mehrere Stunden.
Schönes Mittelalter?Wenn man ein neues Spiel der Öffentlichkeit präsentiert, sollte dies auch über eine zeitgemäße Optik verfügen. Hier zeigt Stronghold Legends allerdings deutliche Schwächen. Obwohl die Entwickler zwischen Stronghold 2 und Stronghold Legends Zeit genug gehabt hätten, eine neue Engine zu entwickeln, basiert der aktuelle Teil größtenteils noch auf der alten Grafikengine. Dies merkt man dem Spiel deutlich an. Zwar sind gerade die Charaktere und die großen Drachen durchaus sehenswert und auch mit den neusten Grafikmöglichkeiten wird operiert. Doch die sterilen Szenarios und die matschigen Bodentexturen stören den ansonsten recht gelungenen Gesamteindruck der Spielgrafik.
Hübsch sind auch die Zaubereffekte der Helden geworden, welche wirklich nett anzuschauen sind. Auch der Sound schwankt von beeindruckend bis ernüchternd. Vor allem die Charaktere und der Erzähler haben ihren Job wirklich gut gemacht. Die Soundbastler haben gute, aber nicht unbedingt restlos überzeugende Arbeit vollbracht. Hier hätte ein wenig mehr Abwechslung nicht geschadet.