Gesamtwertung84%/10 |
GrafikSehr gut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
Nur recht selten werden Freunde von klassichen Adventures noch mit gelungenen Titeln bedacht. Nach Amerzone versucht sich Benoît Sokal erneut an einem Adventure, weshalb das Spiel schon lange als Hoffnungsschimmer galt. Wir haben uns auf die Suche nach Syberia gemacht und sagen Euch, ob wir dort ein gelungenes Adventure gefunden haben.
Alle Charaktere haben ihre Eigenart und sind interessant in der Welt von Syberia platziert. Hinzu kommen einige, mit denen Kate nur über Handy kommuniziert, die aber die Hintergrundgeschichte bereichern und vor allem die Charakterwandlung von Kate 'begleiten'. So muß sie sich z.B. mit ihrem Verlobten Dan und ihrer Freundin Oliva auseinandersetzen. Aber auch ihre Mutter und ihr Chef Mr. Marson spielen eine wichtige Rolle und machen die Hintergrundgeschichte lebendig. Die Geschichtsschreiber haben es eindrucksvoll geschafft, die Gefühle der Charaktere zu vermitteln und auch Kate eine eigene Persönlichkeit zu verleihen in die man sich hineinversetzen kann. Zwar ist sonst in der Welt von Syberia nichts los; bis auf wenige Ausnahmen, wie Hörsaalstudenten, Saunagäste oder einen Bäcker gibt es praktisch keine weiteren Personen außer den, die für die Fortgang entscheident sind. Letztere sind dafür perfekt ausgearbeitet.
Das Spiel richtet sich vor allem an Einsteiger. Diese kommen auch mit der simplen Maussteuerung schnell zurecht. Außerdem kommt diesen gelegen, dass nur Objekte manipuliert oder überhaupt näher betrachtet werden können, die für den Fortgang der Geschichte wichtig sind. Auch bewegt sich Kate nur auf bestimmten 'Bahnen'. Falsch machen kann man kaum etwas. Sterben schon gar nicht. Dies führt aber gleichzeitig dazu, dass fortgeschrittene Adventurespieler schnell unterfordert sein werden, denn auch die Rätselkost ist zwar nicht schlecht, aber halt auf niedrigem Niveau. Leider gibt es auch wenige, etwas unlogische, Rätsel bei denen z.B. an einer anderern Stelle eine Tür aufspringt, wenn man in einem Raum ein Code benutzt oder indem Rätsel erst lösbar sind, wenn man mit einem NPC über das Problem gesprochen hat. W
irkliche 'Laufrätsel' kommen nur einmal vor. Die meisten sind nett integriert. Dies bedeutet aber auch, dass man sich in die Welt von Hans Voralberg, in die Welt der Automaten und in die Welt der Mechanik hineindenken muß. Oft ist aber sehr schnell klar, was man mit den gefundenen Gegenständen tun muß.
Allein jeden der unzähligen Bildschirme zu sehen motiviert zum Durchspielen. Beeindruckend ist auch, wie Texte, Charakter-entwicklung, Story, Humor und Grafik wie in einer guten Komposition harmonieren. Während sich die Stimmung ändert, die Story eine Wendung nimmt oder der Charakter von Kate sich weiterentwickelt, so ändert sich auch die Grafik. Auch die verschiedenen Gefühlslagen werden durch einen gelungenen Kontrast zwischen wunderschönen Orten, wie ein mit Pflanzen überwachsener Bahnhof oder ein Schwimmbad und ein toter Salzsee (hier wieder die Gesellschaftskritik ganz dezent, aber doch bemerkbar) und ein verwahrloster Weltraumstartplatz. Leider gibt es aber auch noch eine logische Fehler. So wird es z.B. nie Nacht. Während man zwei oder drei Rätsel löst, kommt aber ein neuer Telefonanruf und anhand der Konversation bemerkt man, dass in der Zeit des Rätsellösens schon einige Tage vergangen sein müssen, denn es wurde z.B. im fernen New York schon eine Party gefeiert oder der Chef ist ungeduldig geworden. Dies hätte bei der fast perfekten Komposition nicht passieren müssen. Auch andere kleine Ungereimtheiten passieren, wie z.B. wenn man während eines Aufenthalts in dem ehemaligen Kurort Aralbad einmal eine Salzmaske tragen muß und einmal nicht. Dies sind aber Kleinigkeiten und dürften dem Spielspaß keinen allzu großen Abbruch machen.
Schön ist es, dass man nicht erkennt, dass die die 3D-Figuren und die 2D Hintergrundszenen technisch eigentlich nicht zusammen passen. Die Farbgebung und Einpassung ist aber derart gut gelungen, dass es nicht auffällt. Verbunden mit der gelungenen und weichen Bewegung der Figuren, vermittelt die Grafik einen rundum sehr gelungenen Eindruck. Trotz der Detailfülle ist auf dem Testsystem kaum eine Ladezeit feststellbar gewesen.
Als letztes sind die Videosequenzen positiv hervorzuheben. Man kann kaum erkennen, ob es eine Videosequenz oder eine Spielszene ist. Mit deren Hilfe wird die Geschichte weitererzählt, Rückblenden (teilweise in anderen Farbkontrasten, um dies darzustellen) und vieles mehr erzählt. Man kann wirklich behaupten, dass Syberia das wohl technisch ausgereifteste und beeindruckenste Adventure ist, das es bisher gab; dies vor allem auch, da, von einigen Rechtschreibfehlern mal abgesehen, Syberia wohl kaum unter Bugs zu leiden hat!
Die Geschichte ist stimmig, gut erzählt und bietet auch viele interessante Ansätze, wie die Wandlung in Kate Walkers Charakter. Es ist im Nachhinein daher beeindruckend zu bemerken, wie extrem gut alles arrangiert ist; von den Dialogen über die Szenen bis hin zu den verwendten Farben in der Grafik und der Musik. Das gesamte Spiel ist wie ein extrem gutes Buch, denn es paßt einfach alles zusammen. Die Grafiken und die Musik sind nicht nur Selbstzweck, sondern ganz bewußt gewählt und Teil der Gesellschaftskritik, des Humors, der durch den Spiele gespührten Stimmung und der Geschichte. Nach dem Durchspielen muß man sagen: Beeindruckend!
Oft ist das Spiel aber zu linear. Dies wird gerade
Fortgeschrittene ärgern, denn kombiniert mit den doch etwas seicht gerateten Rätseln dürfte es für diese normalerweise kein Problem sein, das Spiel in 15-20 Stunden zum Ende zu führen. Da die Story aber gut gelungen ist, werden auch Fortgeschrittene ihre Freude haben.
In dieser Zeit wird man einige interessante Charaktere sehen, sich durch wunderschön gezeichnete Landschaften bewegen und immer wieder gespannt sein, wie die Geschichte weiter verläuft, um an Ende zu bemerken, dass man eigentlich immer noch nichts erfahren hat und das Programm beendet mit dem Wissen, dass man Syberia 2 und den Rest der Geschichte erst im nächsten Jahr genießen kann.
Syberia im Test.
Was halten Sie vom neuen Spiel von Microids?
Teilen Sie Ihre Meinung mit anderen Yahoo!-Usern.