Andreas Lober, ehemaliger Chefred von Gamesmania, promovierter Jurist und notorischer Urlauber, philosophiert über Spielkonzepte - und darüber, ob früher alles besser war...
Nachdem mich Ulli um mein Wort zum Sonntag gebeten hat
und ich ihm unvorsichtigerweise diesen Wunsch nicht
abgeschlagen habe, will ich jetzt mal zu predigen
anfangen.
'Früher war alles besser, früher war alles gut', das
weiß der Spielenörgler von Welt schon lange. Die Toten
Hosen wissen's besser und fügen hinzu 'ach hört mir
auf mit früher, früher war es auch nicht anders'.
Was für die Punk-Rock-Szene stimmen mag oder auch
nicht - für den Computerspielemarkt stimmt es nur
teilweise. Das bestätigt der 'Leuchtende-Augen-Test'.
Man werfe Worte wie 'Space Invaders', 'Defender' und
'Pac Man' in den Raum. Leuchtet's? Wenn ja, dann ist
euer gegenüber in den 80er-Jahren zum Spieler
geworden. Oder noch früher. 'Maniac Mansion'? 'Who
dares wins'? 'Winter Games'? 'Arkanoid'? Späte 80er,
frühe 90er! Heftige Verzückungen bei 'Command &
Conquer', 'Baldur's Gate' oder 'Half-Life' sind
Indizien für den Spiele-Frischling. Wenn diese
letztgenannten Symptome auftreten, obwohl die Nennung
der ersten Spielenamen keine Reaktion nach sich zog,
wird die Diagnose bestätigt.
Die alten Spiele waren besser? Papperlapapp! Leute,
damals wart ihr jung und unerfahren und das erste Mal
vergißt man eben nicht.
Will hier wirklich jemand
ersthaft behaupten, daß an monumentalen Spielen nichts
dran sei, wenn über Stunden eine Spielewelt aufgebaut
und der Spieler immer tiefer hineingezogen wird?Soweit nix neues? Okay, schauen wir diese Spiele mal
genauer an. Space Invaders und Pac Man, aber auch die
anderen Spiele dieser Zeit hatten simple Spielideen
und boten auch für die berühmten '5 Minuten
zwischendurch' genügend Spaß. Bei Command & Conquer
oder Half-Life braucht man kaum anzufangen, wenn man
weniger als eine Stunde Zeit hat. Dies ist aber immer
noch spielerisches Fast-Food, wenn man Online-Spiele
zum Vergleich nimmt.
Aber: die alten Spiele waren anders. Sie hinterlassen
eine Lücke, die die neuen Titel nicht völlig
ausfüllen.
Spielehersteller scheinen manchmal zu vergessen, daß
der Kampf um die Spielergunst heute nicht mehr nur ein
Kampf ums Geld, sondern auch um die Zeit ist. Die
Spieler der ersten Stunde arbeiten heute meist -
mehrere Stunden am Tag können da nicht mehr alle
entbehren. Wer sich inzwischen gepaart hat, findet
noch weniger Zock-Zeit. Da ist die Sehnsucht nach den
'alten Tagen' und dem spielerischen Quicke
verständlich. Wenn ein Spiel 60 Stunden zum
Durchspielen dauert, fängt mancher gar nicht erst
damit an.
Andererseits: Vielleicht haben es die Spielefirmen ja
kapiert, aber der Spieler honoriert es nicht, wenn er
mit Max Payne 2 zwar Top-Unterhaltung geboten bekommt,
diese aber nach ein paar Stunden vorüber ist? ?
Die Gleichung 'Spielspaß durch Euro' mag hier noch
aufgehen, die Gleichung 'Spieldauer pro Euro' sicher
nicht.
Eine Patentlösung ist schwer. Wahrscheinlich wird sich
der Markt, wie es so schön im BWL-Kauderwelsch heißt,
diversifizieren müssen. Soll heißen: Kurzzeitspiele
und Monumentalwerke sollte es vielleicht gleichermaßen
und gleichberechtigt nebeneinander geben - und wer hat
gesagt, daß sich alle Pausenfüller-Spiele auf
Shareware-Niveau bewegen müssen, daß nur alte Ideen
unverändert auf Handys abgeklatscht werden können
Außerdem: viel zu selten noch wird die Möglichkeit
genutzt, ein relativ kurzes Spiel preisgünstig
anzubieten und dann schnell neue Episoden
nachzuschieben.
Warum? 'The answer, my friend, is
blowing in the wind...'
Auszug:
Gleich die zweite Email stammt von einem gewissen Ulli Kunz. Nun kann ich leider nicht etwaige Vermutungen bejahen, dass mein Namensgedächtnis besonders phänomenale Ausmaße vorweisen könne diverse Bekanntschaften erübrigen sich so kurzerhand und ohne nennenswerten Aufhebens aber bei Ulli Kunz dämmert mir nun wirklich überhaupt nichts.
Da gewiss aber auch andere Menschen dieses Defizit ihr Eigen nennen (und somit für eine Laufbahn im Product Management wohl gänzlich entbehrlich sind), supported Ulli erstklassig und eröffnet seine Mitteilung mit einem Wir von justgamers.
So müsste es immer sein! So manches Hallo, ich bin Tina! Die von der Uniparty in Bielefeld von vor vier Wochen, mit der du dich wenn auch leicht angetrunken und mit seichtem Blick so prima unterhalten hast. Bestimmt hättest du dich auch so an mich erinnert, aber ich möchte damit potentielle Irritationen schon im Keim ersticken und uns beiden den weiteren Verlauf dieses Treffens möglichst unkompliziert gestalten! hätte mir äußerst peinliche Momente ersparen können. Frauen neigen leider zumeist nicht zu solch pragmatischen Vorgehensweisen. Ich rate bei dieser willkommenen Gelegenheit übrigens dringend vom Versuch ab, solche verdienten, aber noch erträglichen Rückschläge durch lockeres Geschwätz wenden zu wollen.
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Nur überaus blasierte und anmaßende Erdenbürger halten sich für so unwiderstehlich, beeindruckend und/oder irgendwie niedlich, dass eine Dame mit einem Selbstwertgefühl über dem eines vergammelten Kürbis diese Blamage mit etwas anderem als einem Pah quittieren und sich augenblicklich auf den Absätzen umdrehen würde. ##
Take that! - War früher alles besser? (Ausgab im Test.
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