Tales of Monkey Island

Review
Plattform
PC
Vertrieb
LucasArts
Entwickler
Telltale Games
Erscheinungsdatum
-
Genre
Abenteuer
Tales of Monkey Island

Gesamtwertung

89 %/10

Grafik

8

Sound

9

Lanzeitspaß

9

Spieleinstieg

9

Bedienung

7

Tales of Monkey Island

Über acht unglaubliche Jahre ist es her, seit wir letztmalig mit dem furchtlosen und trotteligen Piraten Guybrush Threepwood die Inseln der Karibik unsicher machen durften. Eine der besten und meist geliebten Adventure-Reihen aller Zeiten schien damals endgültig ihren Hut zu nehmen und sich dem aufkeimenden Grafik-Wahnsinn geschlagen zu geben. Überhaupt stand das Genre des Point and Click-Adventures am Scheideweg. Mit aller Macht drängten die Entwickler in die dritte Dimension, um Spielen aus der Ego-Shooter oder Action-Adventure-Szene nicht nachzustehen. Doch wie wir heute wissen sind die meisten gescheitert und auch Die Flucht von Monkey Island konnte die vergangenen Teile der Serie in Sachen Qualität nicht einmal ansatzweise erreichen.

Doch immer mal wieder stürmten Spiele im alten Stil den Thron der Charts. Es wurde mehr als deutlich, dass exzellent gemachte Adventures auch heute noch überaus beliebt sind. Und dann hatte Telltale Games die grandiose Idee mit den Episoden. Das Entwickler-Studio veröffentlichte nämlich, neben normalen Titel, als bald auch einzelne "Folgen" von Spielen, die letztlich alle in einer Staffel zusammengefasst wurden, ganz ähnlich einer TV-Serie.

Das hatte zum einen den Vorteil, dass der Geldbeutel nicht so geschröpft wurde und zum anderen, das man eine etwas längere Entwicklungszeit geschenkt bekam. Und mit Sam & Max und Strong Bad hat das Unternehmen eindrucksvoll gezeigt, was es kann. Deshalb hat sich Lucas Arts nun endlich getraut sein einstiges Zugpferd wiederzubeleben und Guybrush Threepwood auf eine neue, gewagte Reise zu entsenden, auf dass er uns viele Stunden Unterhaltung und aberwitziger Komik spendiere. Ob das in der ersten Episode bereits so funktioniert, wie wir uns das vorstellen, klärt der Test.

"Okay, LeChuck! Put down this Monkey!"

Ich hatte schon lange keine Gänsehaut mehr. Nicht als ich World of WarCraft oder Call of Duty 4 begann, nicht als Barack Obama zum Präsidenten gewählt wurde, ein bisschen vielleicht als Angela Merkel zur Bundeskanzlerin gewählt wurde, aber ganz sicher nicht als Wolfsburg dieses Jahr Meister wurde.

Aber meine Haare sträubten sich nur so gen Himmel, als ich den Intropart von Tales of Monkey Island erfolgreich beendet und sich das Titelbild vor meinen Augen ausgebreitet hatte. Zu genial der Übergang, zu lustig die Vorstellung, so etwas würde in Realität passieren, zu gut die vorangegangenen Dialoge und zu heftig der so lang vermisste Themesong.

Doch beginnen wir von vorn: Das Spiel startet mit LeChuck, dem gefürchteten Geisterpiraten und Guybrush Threepwoods einzigem Erzfeind, mal von den Barbesitzern, die ihm keinen Grog ausschenken wollen, abgesehen. Dieser hat sich der schönen Frau von Threepwood bemächtigt und will nun mit Hilfe von einigen Affen und einem furchtbar bösem Voodoo-Zauber die Meere versklaven und so die mittelalterliche Insel-Welt der Karibik beherrschen. Doch da hat er die Rechnung ohne den Mighty Pirate™ gemacht! Der segelt nämlich zufälligerweise gerade auf das Schiffs des Oberbösewichts zu, um Elaine zu retten und seine Boshaftigkeit in die Hölle zu schicken.

Dazu bringt er ebenfalls einen starken Voodoo-Zauber mit. Wie man sich vorstellen kann, klappt aber nichts, wie es angedacht war. So mischt man als Guybrush Threepwood zwar den letzten Bestandteil in den tödlichen Trank, bevor man das ebenfalls magische Schwert damit bestreichen will. Doch der Gute lässt den Trunk im letzten Moment natürlich, tollpatschig wie er ist, kurzerhand fallen.

Nichts neues für Monkey Island-Kenner. Also heißt es umdenken! Guybrush schwingt sich auf Elaines Schiff, das noch immer in der Hand von LeChuck ist und braut in Windeseile einen neuen Voodoo-Trank aus Dingen, die ihm gerade zur Verfügung stehen, zusammen, tunkt das Schwert hinein und stellt LeChuck. Als er diesen absticht aber passiert genau das Gegenteil von dem, was Guybrush sich erhofft hatte. Statt den Geisterpiraten in die unendlichen Tiefen der Hölle zu verfrachten, wird dieser plötzlich wieder ein Mensch, während Guybrushs Hand das bösartige Juju des Antihelden in sich bindet.

Kein guter Anfang für die Tales of Monkey Island. Aber einer zum Lachen und einer, der die Vorfreude auf das Kommende ins Unermessliche treibt. Sekunden später katapultiert eine Explosion Guybrush auch schon von Bord und lässt ihn am Strand von Flotsam Island stranden. Schnell will der fruchtlose Pirat natürlich wieder zurück auf See, um LeChuck das Handwerk zu legen. Doch dafür braucht er erst einmal ein Schiff und vor allem guten Wind. Den gibt's aber auf dem Eiland seit Jahren nicht mehr. Alle die dort stranden sind Gefangene des Luftstroms, der stetig landeinwärts weht. Und so beginnt die Reise des Guybrush Threepwood ein weiteres Mal.

Im Laufe der ersten von fünf Episoden, die ihr Geld schon allein durch die rund fünf Stunden Spielzeit wert ist, bekommt es der Spieler nicht nur mit bekannten und neuen Charakteren zu tun, sondern auch mit riesigen, magischen Meerschwämmen, mit Porzellan-Schatzsuchern, Journalisten und Piraten-Glasbläsern.

Die kleine Insel sieht wunderschön aus, der Comic-Look der vergangenen Teile wurde Gott sei Dank beibehalten und auch die Entscheidung in die dritte Dimension zu gehen, muss nicht bereut werden.

Alles wirkt rund und erinnert an gute, alte Tage. Bekannte Gesichter, wie die Voodoo-Dame, erkennt man nicht nur auf den ersten Blick, ihre grafische Erscheinung passt auch perfekt ins Szenario. Das ist im Vergleich zum quasi Vorgänger ein großer Schritt in die richtige Richtung.

Hinter dir, ein dreiköpfiger Affe.

Man merkt von Beginn an, dass die Entwickler von Telltale Games mit viel Liebe und noch mehr Liebe zum Detail an dem Spiel gearbeitet haben. Die Geschichte ist fesselnd und witzig, die Dialoge sind modern und erinnern dennoch stark an die glorreichen Zeiten der ersten drei Ableger.

Die Rätsel sind allesamt logisch aufgebaut und überschneiden sich auf clevere Weise und ihre Schwierigkeit nimmt kontinuierlich zu. Man fühlt sich ganz wie Zuhause. Und das ist eigentlich das Größte, dass uns Telltale Games mit Tales of Monkey Island schenkt. Vieles kommt einem bekannt und doch neu vor. So etwa eine der ersten Aufgaben, die euch ein Reporter der Flotsam Island Gazette aufträgt. Der will euch nämlich den Namen desjenigen, der die Inselwinde vielleicht beeinflussen kann, nur mitteilen, wenn ihr ihm drei (!) interessante Piratengeschichten liefert.

Also entert ihr ein Schiff, fangt eine ordentliche Kneipenschlägerei an und helft einem abgehalfterten und verzweifelten Porzellan-Puppen-Fetischisten(ab sofort PPF genannt) seine über alles geliebte legendäre, aber unauftreibbar scheinende Figur zu finden. Letztere Herausforderung sehen wir uns einmal im Detail an, um das Rätseldesign näher zu beleuchten.

Am Anfang steht natürlich der Dialog. Wie dieser, so sind fast alle im Spiel aberwitzig und regen zum Schmunzeln an. Und immer wieder kommen Erinnerungsgefühle auf. Gerade auch, wenn man dem PPF die Worte "Sieh mal! Ein dreiköpfiger Affe.", an den Kopf wird. Da dieser darauf nicht reagiert, weil er bereits die Puppe eines dreiköpfigen Affen besitzt, versucht man es eben noch mal mit dem gleichen Spruch und setzt nun den Namen der legendären Puppe ein. Schon wendet er sich von seinem großen Puppenstapel ab und sieht sich um. Nun hat Guybrush genug Zeit um eine von den hässlichen Dingern zu stehlen. In der weiteren Unterhaltung kommt heraus, dass der PPF betrogen und ihm eine Karte angedreht wurde, die angeblich den Standort der legendären Puppe markieren soll. Kurzerhand eignen wir uns diese Karte an und kehren zurück ins Dorf. Dort tunken wir die rosa Puppe, die wir gestohlen haben, in schwarze Tinte und finden in unserem Inventar noch ein Mitbringsel aus der Kneipenschlägerei, ein Miniatur-Cocktail-Schwert. Das wird der Puppe noch in die Hand gedrückt und dann geht's ab in den Dschungel. Die Karte kurz angeschaut und das damit verbundene Rätsel gelöst, schreiten wir in dem labyrinthartigem Ort voran, bis wir die Fake-Stelle gefunden haben. Dort vergraben wir die Puppe und markieren das Ganze mit einem großen X. Daraufhin geht's zurück zum Irren und wir erklären ihm, dass er die Karte falsch gelesen haben muss, schleifen ihn mit zu unserer vergrabenen Puppe und sehen zu, wie er sich nach dem Ausgraben in unendlicher Freude verliert. Unser Journalistenfreund ist von einer echten Schatzhebung natürlich mehr als nur erfreut. Und Guybrush kann sich der nächsten Aufgabe stellen. Leider wurde in der ersten Episode auf die denkwürdigen Beleidigungs-Duelle verzichtet. Wir hoffen aber, dass sich das in Folge 2 ändert!

Fazit

Die erste Episode des fünfteiligen Tales of Monkey Island hat mich einfach nur begeistert. Nie hätte ich gedacht, noch einmal den Flair der ersten drei Spiele spüren zu können. Nie erwartet, dass ich erst nach dem Abspann den Monitor ausschalten könnte und nie vermutetet, dass Telltale Games den Spagat zwischen Altem und Neuem so gut würde hinbekommen. Doch glücklicherweise belehrte man mich eines Besseren. Launch of the Screaming Narwhal ist ein hervorragendes Adventure, das alte Hasen, wie Neueinsteiger gleichermaßen fesseln wird. Logische Rätsel, witzige Dialoge, eine tolle Geschichte und eine ordentliche Technik sorgen für die Wertung, die lange kein Monkey Island-Spiel mehr erhalten hat. Wer über die moderate Grafik und die zu Beginn etwas fummelige Steuerung hinweg sehen kann, bekommt für wenig Geld den ersten Teil einer neuen Saga per Download spendiert. Zugreifen!

Tales of Monkey Island

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