Gesamtwertung82%/10 |
GrafikSehr gut SoundGut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Greyhawk die älteste D&D-Welt - hat nun endlich den Sprung hin zu einem Computer-Rollenspiel geschafft. Ob die 1:1-Umsetzung des uralten Pen&Paper-Abenteurers Temple of Elemental Evil den Flair und die Spannungen erhalten konnte, könnt ihr in unserer Review lesen. Die Flaeness, ein riesiger Kontinent mit Dutzenden kleiner und größerer Staaten, droht alsbald in einem alles vernichtenden Krieg zu versinken. Eine Gruppe düsterer und nicht gerade netter Priester und Magier nämlich ist gerade dabei, in einem gut versteckten Tempel, der allgemein nur als der Tempel des Elementaren Bösen bekannt ist, das Ende der Welt herbei zu beten. Logisch, dass unsereins dem Ganzen nicht tatenlos zusehen kann. Also Sachen gepackt, Schwerter geschärft und ab in die dunklen Gefilde der bedrohlichen Kerker und unterirdischen Tempelanlagen. Und auch zwei Götter empfinden urplötzlich ein gewisses Interesse an der ganzen Angelegenheit. Nun denn, Kameraden, auf in den Kampf. Wer bislang nur (A)D&D-PC-Rollenspiele vom Schlage eines Baldurs Gate, Icewind Dale oder Neverwinter Nights gespielt hat, wird sich fragen, wo denn Greyhawk in den Reichen zu finden sein könnte.
Antwort: Gar nicht. Denn Greyhawk ist, genauso wie die Vergessenen Reiche, eine eigenständige Rollenspielwelt mit eigener Geschichte und komplett anderer Götterwelt. Greyhawk ist sogar die mit Abstand älteste Welt, die es für das D&D-Rollenspiel-Setting gibt. Das nun versoftete Abenteuer namens Tempel des Elementaren Bösen (kurz: TdEB) ist bereits als so genanntes Rollenspiel-Modul 1985 erschienen und gilt für viele alteingesessene Rollenspieler als eines der komplexesten und kampfwütigsten Abenteuer schlechthin. Wie jedes vernünftige Rollenspiel bedarf es eines Regelwerkes, damit das Spiel überhaupt funktioniert. Um es kurz zu machen: Die Macher von TdEB, Troika Games entschieden sich, auf die nagelneu überarbeiteten Regeln des Dungeons&Dragons-Regelwerkes in der Version 3.5 zurückzugreifen, das im Vergleich zu den älteren D&D 3.0 und AD&D-Regeln speziell im Kampf viel komplexere Möglichkeiten für den Spieler bietet. Während sich Profis vor Freude die Hände reiben, werden absolute Anfänger von der Komplexität schier erschlagen, dazu später jedoch mehr.
Es wäre wohl kaum ein Rollenspiel, wenn es keine Charaktergenerierung gäbe. Faule Zeitgenossen und Anfänger können hierzu einfach auf vorgefertigte Charaktere zurückgreifen, während Freunde von Würfelorgien und Experimenten auf die manuelle Charaktererschaffung zurückgreifen werden. Wie schon erwähnt: das D&D 3.5-Regelwerk ist recht komplex und liegt nicht wie bei Icewind Dale 2 und Neverwinter Nights in kastrierter Form vor. Daher sollte man das Handbuch immer zur Hand haben, wenn man seine Attribute, Fertigkeiten und Talente auf seinen Charakter, der aus sieben spielbaren Völker Menschen, Elfen, Zwerge etc stammen kann und die elf wählbaren Berufe vom Barbar bis hin zum Waldläufer zu erlernen vermag. Besonders wichtig und später auch spielrelevant ist die Wahl der Gesinnung, die von Rechtschaffen Gut bis Chaotisch Böse variieren kann.
Denn dadurch entscheidet sich nicht nur die Auswahl an Göttern sondern im Laufe des Spieles die Reaktionen der Nichtspieler-Charaktere. Ein Anhänger des üblen Gottes Nerull sollte sich also nicht wundern, wenn ein Anhänger des edlen Heironeous nicht sonderlich freundlich auf diesen Charakter reagiert. Selbst der Start des Spieles unterscheidet sich elementar aufgrund der Gesinnungswahl. Während gute Charaktere einer sterbenden Frau versprechen, einen Gegenstand zu einem Priester schaffen soll, der in Homlet lebt, ist die böse Truppe gerade dabei, einen Tempel zu schänden und dies anschließend in Homlet zu wiederholen.
Hat man seine Truppe komplett, steht dem Abenteuer nichts mehr im Wege. Schon kurz nach dem Eintreffen in Homlet bemerkt man, das hier für die Gruppe eine Menge an Arbeit bevorsteht. Dutzende kleinere Nebenquests buhlen um die Gunst des Spielers, der für die Erledigung eben dieser Aufgaben Erfahrungspunkte bekommt. Hat ein Charakter eine gewisse Anzahl an diesen Punkten zusammengesammelt, steigt der Charakter auf und erhält so neue Fähigkeiten, Talente und Zaubermöglichkeiten. Gespräche mit Nichtspielercharakteren laufen dabei immer im so genannten Multiple-Choice-Verfahren ab der Spieler hat also immer die Wahl, welche Antwort er geben möchte. Praktisch: Es spricht immer der Charakter aus der Gruppe, der für die Kommunikation die besten Werte hat, was speziell bei Einkäufen oder Einschmeicheleien große Vorteile bietet.
Richtig rund geht es bei Kämpfen, denn hier offenbart TdEB seine wahren Stärken und Schwächen am deutlichsten. Schwächen deshalb, da Anfänger wohl die der berühmte Ochs vor dem Gatter stehen und erstmal nix kapieren, Profis aber mal wieder freudig in die Hänge klatschen. Kommt es nämlich zum Kampf, schaltet TdEB automatisch in den Rundenmodus. Das wichtigste am Anfang eines Kampfes ist die Reihenfolge des Kampfes, die so genannte Initiativ-Reihenfolge. Damit ist hektisches Durcheinander ein Ding der Unmöglichkeit, denn man sieht sofort am oberen Bildschirm, welcher Charakter oder Gegner als nächstes am Zug ist, wodurch Kämpfe einen stark taktischen Touch bekommen.
Ob Kampf oder nicht, alle Handlungen eines jedes Charakter wird über eine Art Wählscheibe gesteuert, mit der man sämtliche möglichen Aktionen wählen kann. Soll er einen normalen Angriff führen oder doch lieber einen Sturmangriff? Aber auch Talente wie der Barbaren-Rausch und das Fallen finden, Fertigkeiten wie Heilen und Schlösser öffnen oder die Zauber der Magier, Priester, Druiden und Barden lassen sich, nach recht kurzer Eingewöhnungsphase kurz und schnell finden und einsetzen.
TdEB braucht sich vor seinen 2D-Rollenspiel-Verwandten wie Baldurs Gate oder Icewind Dale 2 nicht verstecken, ganz im Gegenteil. Es ist vielmehr so, dass TdEB um einiges lebendiger und detaillierter wirkt als die genannten Vergleichtstitel. Die isometrische Darstellung erlaubt einen guten Überblick über das Geschehen, was vor allem in Kampfhandlungen wichtig ist, wenn sich teilweise bis zu zwei Dutzend Feinde unseren Helden in den Weg stellen. Dabei sollte darauf hingewiesen werden, dass man fast schon beim ersten Blick erkennt, was ein Protagonist an Kleidung, Rüstung oder Bewaffnung trägt, da sich dessen Aussehen je nach ausgerüstetem Gegenstand verändert. Besonders farbenfroh sind auch die Effekte der knapp 300 Zauber, so dass das Auftreten von mehreren Magiern und Zauberern anschließend in einem Kampf zu recht imposanten Farbenspiele auf den Monitor führen kann. Problematisch für Kurzsichtige ist hingegen die arg kleine Schifttype, die bei einer Auslösung jenseits von 1024x768 schlichtweg unleserlich wird.
Auch vom Klang her kann TdEB überzeugen, was sich besonders auf die klassische und verblüffend ruhige aber dennoch schöne Musik bezieht. Interessanterweise haben es die deutschen Übersetzer unterlassen, die Sprachausgabe aller Charaktere einzudeutschen, denn sie Stimmen blieben alle Englisch. Ob das nun ein Makel ist, muss jeder Spieler selber entscheiden, denn sie Sprecher sind allesamt professionell und ihre Stimmen passen vorzüglich zu den von ihnen gesprochenen Charakteren. Der Spiel-Text inklusive des Handbuchs wurden hingegen einwandfrei übersetzt.
Tempel des Elementaren Bösen im Test.
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