Gesamtwertung63%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßBefriedigend SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Bevor wir uns dem eigentlichen Hauptthema widmen, möchten wir Euch gerne ein wenig über die (Leidens-)Geschichte der Terrorist Takedown-Spiele erzählen. Leidensgeschichte deshalb, weil man als Läufer bisher ausnahmslos leiden musste und zwar finanziell, denn die miesen Spiele waren keinen Pfifferling wert. Den Anfang machte anno Oktober 2004 Terrorist Takedown, dass den Spieler lediglich die Kontrolle über stationäre Geschütze gab. Hauptziel: Natürlich stereotype Terroristen abknallen, was sonst. Von der auf dem Back-Cover angepriesenen 'beeindruckenden Grafik' und einer geballten Spannung war jedoch nichts zu spüren. Die Nachfolger Payback (April 2005) und Conflict in Mogadishu (Oktober 2005) hielten am knöchrigen Gameplay fest Letzteres führte erstmalig die normale Shooter-Steuerung ein, schließlich war man zweimal zuvor lediglich auf einen guten Zeigefinger auf der linken Maustaste angewiesen.
Düstere Vergangenheit...
Half aber alles nichts, das Game war genauso mies wie seine Vorgänger. Kein Wunder: Die Zeitspanne zwischen den einzelnen Teilen hätte nie im Leben für eine komplette Umwälzung sämtlicher Kritikpunkte gereicht.
Und so erschien bereits im Mai 2006 der nächste Nachfolger: War in Colombia spielte zwar im Gegensatz zu allen anderen Vertretern der Terrorist Takedown-Serie nicht mehr im Nahen Osten, aber strunzdoofe Kriminelle gab es auch hier zuhauf. Außer am Szenario Kolumbinanischer Dschungel hatte sich erwartungsgemäß nichts geändert. Nach wie vor waren die Skriptsequenzen unfreiwillig komisch, die Kollionsabfrage jenseits von Gut und Böse und der Umfang dünn wie Ärmchen von Kate Moss. Der bisher letzte Titel, den man vom Namen her mit der qualitativ dürftigen Reihe assoziieren konnte, erschien im November 2006 unter dem Namen Covert Operations selbiger heimste übrigens aus nunmehr bekannten Gründen gigantomanische 29% im Looki-Review ein.
Man möchte nun meinen, dass sich die Herren von City Interactive mit Terrorist Takedown 2 mehr Zeit mit der Entwicklung gelassen haben, da immerhin mehr als ein Jahr seit dem Erscheinen des letzten offiziellen TT-Teil vergangen sind.
Weit gefehlt: Zwischendurch waren die Macher mit weiteren Menschenrechtsverletzungen wie The Hell in Vietnam, Battlestrike: Der Widerstand und zuletzt Sniper: Art of Victory weiterhin im niederen Shooter-Sektor vertreten. Alles Mist also auch bei Terrorist Takedown 2? Mitnichten und da sind wir ehrlich gesagt positiv überrascht. Das Spiel versetzt Euch in die Rolle des Hauptmanns Schröder, der mit seinem Spezialkräfte-Kommando - Zitat des Covers im Nahen Osten zwei Journalisten aus den Händen kompromissloser Entführer befreien soll. Kurios: Aus unerfindlichen Gründen wurden die US-amerikanischen Special Forces der Original-Fassung gegen deutsche Soldaten ausgetauscht, zu erkennen an Namen wie Uwe und Kurt sowie der deutschen Fahne am Oberarm.
Was aber verwundert: Wenn schon Deutsche, warum werden dann Humvees benutzt und warum in der Hölle ist das Einzige, was an inländische Soldaten erinnert, das hiesige Abzeichen?
Wollte man mit diesem nicht ganz unproblematischen Eingriff das Spiel attraktiver für den deutschen Markt machen? Egal, im Inneren geht es schließlich nach wie vor um die Ergreifung der bösen Buben, möglichst viele tote Terroristen und zwei Pressevertreter, die es zu eskortieren gilt. Und das macht tatsächlich wesentlich mehr Spaß als in allen früheren Serienvertretern zusammen, man mag es kaum glauben. Einen nicht unwesentlichen Teil der Verbesserung trägt und das ist längst nicht so oberflächlich, wie es sich im ersten Moment anhört der Umstieg auf eine andere Grafikengine bei.
Statt wie zuvor auf die mittlerweile ergraute Chrome-Engine zu setzen, entschied man sich für die Jupiter-Engine, die wohl jeder Freund der geballten Action aus dem Horror-Shooter F.E.A.R. kennen dürfte.
Eine echte Überraschung...
Im Duett mit der neu hinzugekommenen Havok-Physik wirkt das erste echte Terrorist Takedown-Sequel nun nicht nur freilich hübscher, sondern vor allem auch weniger statisch als zuvor. Bei Beschuss bröckelt so beispielsweise der Putz von den Wänden, andere Gegenstände wie Kisten und Vasen werden durch die Wucht der Projektile durch die Gegend gefeuert. Ab und zu geht auch mal etwas effektvoll zu Bruch: So lassen sich im dritten Level Gasflaschen in die Luft jagen und reißen nebenbei einem Schergen darüber den Boden unter den Füßen weg. Nicht viel hinzugelernt haben die Entwickler jedoch bei den Ingame-Cutscenes.
In Verbindung mit den eher unterdurchschnittlichen deutschen Synchronstimmen können diese nach wie vor mit unfreiwilliger Komik glänzen. Aber auch die teils gebrochen englisch, teils arabisch (?) sprechenden Stimmen sind nicht immer das Gelbe vom Ei. Ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Gefechte durchaus Spaß machen schon alleine deshalb weil Trefferverhalten und Kollisionsabfrage im Gegensatz zu früheren Werken einen riesigen Sprung nach vorne gemacht haben. Zeitweilig dürft Ihr Euch sogar hinter das Geschütz eines .50cal-Maschinengewehrs klemmen.
Solche Abschnitte sind wider Erwarten jedoch eher selten vorhanden. Weitere übrigens fast durchweg gut klingende - Waffen in Schröders Schrank sind neben der aus Counter-Strike bekannten Steyr Aug (dort: Bullpup) unter anderem noch die AK74 sowie eine stinknormale MP, eine Pistole sowie ein zugegebenermaßen sinnloses Messer.
Sinnlos deshalb, weil Ihr Euch nur an einer einzigen Stelle im Spiel an einen Gegner heranschleichen und ihn meucheln müsst. Ansonsten zählt nach wie vor die stumpfe, rohe Waffengewalt was anderes wollte Terrorist Takedown schließlich auch nie sein.
Kleiner Wermutstropfen: Nach dem gelungenen Auftakt geht es leider etwas bergab mit der Euphorie. Die Suche in den - zumindest im löblichen Ansatz verzweigten Tunnelsystemen mag da ja noch in Ordnung gehen, aber gegen Ende geht dem Titel leider etwas die Puste aus, die Eskortierung der Journalisten ist sogar hanebüchen inszeniert, da diese uns scheinbar nicht folgen, am Ende der Mission und gleichzeitig des Spiels jedoch als gerettet gelten.
Ehe Ihr diesen letzten Moment des Schauderns erlebt habt, vergehen zumindest vier unterhaltsame Stunden, die durchblitzen lassen, dass man bei City Interactive scheinbar doch etwas auf den Kasten hat, wenn man denn nur will.
Zwischendurch mag man sich vielleicht über eher abwechslungsarme Missionen, oftmals linear gehaltene Levelschläuche und Macken bei der insgesamt dennoch wesentlich besseren künstlichen Intelligenz aufgeregt haben, doch den Fortschritt erkennt man an unzähligen Stellen des Spiels und letztendlich ist es der Nachgeschmack, der zählt. Der erstmals in der TT-Geschichte auftauchende Mehrspielermodus ist kein Highlight, eignet sich aber dennoch für ein paar nette Gefechte in den Spielmodi Deathmatch, Team-Deathmatch und Capture the Flag.
Terrorist Takedown 2 im Test.
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