Gesamtwertung83%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Ein Auge für das weibliche Geschlecht, Gier nach Geld und alles andere als noble Taten im Kopf - das ist der fragwürdige Held, der in Ubi Softs neuestem Rollenspiel die Orkney-Inseln unsicher macht. Mit einer spitzen Zunge und flinken Fingern auf den Saiten seiner Klampfe zieht der Barde durch verwunschene Welten und dunkle Schlösser. Ob es sich lohnt, der Geschichte des Barden zu lauschen, erfahrt ihr in unserer Review. So denn, tretet ein...
Fiddelschnarf!
The Bards Tale in diesem epischen Rollenspiel-Meisterwerk mit einer gigantischen Märchenwelt, voller mystischer Kreaturen und herausfordernder Quests, streift der Barde als Rächer der Guten und Beschützer der Welt durch die weiten Regionen der Orkney Inseln oho, klingt ja wie aus einem Bilderbuch-RPG. Aber freut euch mal nicht zu früh. Der Held, der in diesem Spiel eurer Maus gehorcht, beliebt es nach gänzlich anderen Dingen, als gute Taten zu vollbringen Saufen, Lust und Spaßhaben bestimmen die nicht sehr heldenhafte Lebensweise unseres Barden. Und auf diesen Grundprinzipien baut auch die Handlung des Spieles auf: schwarzer Humor und Sarkasmus bleiben euch selten erspart...
A long time ago, way back in history
Jeder braucht Geld, um sein tägliches Überleben zu sichern, und auch unser Barde kommt nicht ohne ein paar Silbertaler am Tag aus. Diese verdient er sich nicht etwa durch das Retten von Prinzessinnen oder durch das Töten von blutrünstigen Monstern nein, der Barde hat da einen eigenen Weg entdeckt. So zaubert er mit seinen musikalischen Fähigkeiten eine Ratte hervor, die er dann zum Schrecken aller Gäste in Wirtshäuser schickt. Der Wirt wird ihn dankbar entlohnen, sollte er den Plagegeist entfernen. Um eine ganz ähnlich noble Tat geht es dann auch im ersten Quest, sobald ihr das Spiel zum ersten Mal beginnt.
Ihr befindet euch in dem kleinen Dörfchen Houton, im Gasthaus Zur besoffenen Ratte. Euch wird aufgetragen, einen riesigen, Feuer speienden Nager im Keller des Gebäudes zu töten dank der zwei Argumente der Witwe McRary könnt ihr natürlich nicht Nein sagen. So begibt sich unser Barde, geleitet durch wahrlich lustvolle Aussichten, in die dunklen Kellergewölbe und steht auch sogleich der Killerratte gegenüber um nur kurze Zeit später in Flammen zu stehen und hurtig die Treppe hoch zu flüchten.
Man sieht es ihm an, der Barde ist ein wirklich heroischer Charakter. Im Gasthaus ernten wir nichts als Gelächter. Wir sind schon im Begriff zu gehen, aber Moment mal, da war doch noch die hübsche Witwe? Von ihr bekommen wir ein neues Schwert und hasten, gestärkt mit frischem Mut, eiligst wieder runter, diesmal werde man das Viech doch endlich packen können!
Im Keller erwartet den Barden plötzlich ein unbekannter alter Mann - eingewickelt in schottisch anmutende Tracht und nur noch mit einem Arm gesegnet. Und eben jener bringt uns ein neues Lied bei - mit ein paar kurzen Tastenkombinationen können wir eine magische Spinne erschaffen, indem wir auf den Saiten unserer Klampfe zupfen. Bei der Ratte wieder angekommen, geben wir dem achtbeinigen Tierchen den Befehl, anzugreifen. Nach einigen erfolgreichen Schlägen ist das Feuer speiende Ungetüm hinüber und der Barde um eine Spezialfähigkeit reicher. Dies war die erste Quest. Mehr eine kurze Trainingslektion denn eine ehrenvolle Aufgabe. Doch die können wir gebrauchen, wenn im weiteren Spielverlauf bösartigere Kreaturen als nur zu groß geratene Ratten nach dem Leben unseres Helden trachten
Die Leiden des jungen Barden
Unser Weg führt uns im ersten Kapitel noch nicht in die weite Welt. Vielmehr müssen wir einige Quests in und um Houton herum erledigen. Besonders im Wald werdet ihr auf viele Gegner treffen. Ganz nach dem Motto, ein toter Barde ist ein guter Barde, werden Throws, Wildschweine, Wölfe, Wikinger und andere finstere Gestalten nicht gerade zimperlich mit euch umgehen. Doch in der Tradition aller Rollenspiele habt ihr auch in The Bards Tale viele Möglichkeiten, eure Haut zu schützen und die Gegnerschar ins Nirvana zu befördern. Da wären Dolche, die ihr als erlernbares Talent zusammen mit einer Zweitwaffe halten könnt allemal gefährlicher, als sich bei einem Faustschlag die Finger zu verstauchen.
Schwerter sind da schon eine andere Klasse mit ein paar Schlägen ist der Feind schnell außer Gefecht gesetzt. Wer es rustikaler mag, greift zum Flegel, dessen stachelige Kugel ein nettes Instrument zum Beseitigen wilder Gegnerhorden ist. Klar, was fehlt noch? Richtig, auch ein Bogen kann unserem Barden dabei helfen, Feinden aus größerer Entfernung einen Pfeil zu verpassen.
Ein weiterer wichtiger Faktor des Spiels ist die Magie und die Musik beides zusammen hilft euch im Kampf, bei der Verteidigung und beim Lösen vertrackter Rätsel. Wie schon bei früheren Titeln kann man mit dem Spielen spezieller Lieder der Barde ist nicht umsonst ein begabter Musiker bestimmte Dinge auslösen und vor allem beschwören. Wird es im Kampf brenzlig, beschwört ihr euch eine Heldin, einen kühnen Ritter oder einen raubeinigen Söldner. Sind euch Gewölbe zu duster, zaubert einen Lichtflex herbei. Und der Leibwächter schließlich verspottet Fernkampfgegner, damit sie in seine Reichweite kommen und er sie genüsslich mit seinem Schwert bearbeiten kann. Und dies war noch lange nicht alles, es warten noch mehr Zauber darauf, von euch entdeckt zu werden.
Bei den Quests, die ihr während eurer Reise durch die leider recht lieblos gestalteten Landschaften aufgetragen bekommt, geht es nicht selten ohne Blutvergießen und dumme Sprüche zur Sache. Nicht nur der Barde besitzt eine schnelle Zunge, auch Kobolde und andere Charaktere bringen euch mit ihrem losen Mundwerk oftmals zum Schmunzeln.
Es wird geflucht und gespottet, was das Zeug hält. Ein wichtiger Part in Rollenspielen, mit anderen zu kommunizieren, ist in The Bards Tale ein besonderes Feature. Müsst ihr in einem Gespräch eine Antwort geben, könnt ihr euch entscheiden, ob der Barde eher gutmütig oder doch lieber zynisch erwidern soll. Da wir ja alle unseren Schweinehund befriedigen müssen, wird letztere die definitiv beliebtere Wahl sein und eine spitze Zunge kann dem Barden oft zum Vorteil gereichen beispielsweise wenn wir für eine Flussüberfahrt einen gewissen Heldenrabatt wünschen.
Nicht minder komisch ist der Dialog zwischen Barde und Erzähler. Letzterer versucht die Geschichte des Barden so ehrenvoll wie möglich vorzutragen, wird von unserem Protagonisten aber immer wieder unterbrochen bis er ihm einmal ganz das Maul stopft.
Die Kampagne des Spiels hat leider wenig mit RPGs gemein. Große Freiheit ist uns beim Herumwandern nicht gegönnt, die Reihenfolge der Quests verläuft auch wenn es nicht so scheinen mag sehr linear.
Ein Ereignis leitet das nächste ein, nichts geschieht zufällig. So linear wird man dann auch Schritt für Schritt seine Erfahrung verbessern müssen. Punkte, die man im Kampf erhält, kann man dann für die speziellen Talente verwenden. So kann der Barde seine Kraft, seine Gesundheit, sein Charisma und sein Rhythmusgefühl verbessern, was ihn für den Feind natürlich noch gefährlicher macht. So bleiben die Innovationen aus, alles war schon einmal da.
Technisches Wunderwerk?
Wohl kaum. Die grafische Darstellung hätte vor gut zwei Jahren aktuell sein können, aber heute erwartet der geneigte Zocker schlichtweg andere Qualitäten. Die Landschaftsgrafik besticht mit langweiliger Eintönigkeit jeder Wald und jede Wiese sieht gleich aus, Dörfer bestehen fast nur aus lieblos in die Gegend gepflasterten Steinhütten. Wechselt man zwischen Gebäuden oder Regionen, wird man mit einem recht hässlichen und dazu noch verpixelten Ladebildschirm hingehalten. Die 256-Farben-Ära lässt grüßen.
Die Charaktere scheinen allesamt Grobmotoriker zu sein, die man so zuletzt auf dem Nintendo 64 sah abgehackte und unrealistische Animationen prägen das Bild. Für ein heutiges Spiel leider nicht gut genug.
Beim Sound und den Dialogen hat man sich offenbar mehr Mühe gegeben mittelalterliche Klänge verzaubern euch im Menü, intelligente und komplett ins Deutsche übersetzt Gespräche lassen jeden Gag gut ankommen. Nicht zuletzt deshalb, weil der deutsche Satiriker und Schauspieler Oliver Kalkofe unserem Barden seine Stimme lieh. Aber auch die anderen Charaktere begeistern durch motivierte und überzeugende Stimmen da hat Ubi Soft keine Kosten und Mühen gescheut, um die Geschichte des Barden so perfekt wie möglich zu inszenieren.
Einziger Kritikpunkt ist die Qualität der Sprache. Zu dumpf und zu unsauber klingen die Stimmen. Aber besser an diesem Ende sparen, und dafür erstklassige Stimmenimitatoren ins Boot holen. Bei der Steuerung zeigt sich der Titel wieder mal gar nicht von seiner allerbesten Seite ihr steuert den Barden von schräg oben mit der Maus. Dabei wird unser Held zu dem Punkt laufen, den ihr mit der linken Maustaste anklickt. Für die ersten Minuten recht gewöhnungsbedürftig, da man viel zu leicht an unübersichtlichen Stellen hängen bleibt das können Gebäude, Mauern oder Gegenstände sein, die ihr durch einen ungünstigen Kamerawinkel nicht gleich erkennen könnt. Somit kommen wir auch schon zum nächsten Punkt: Die Kamera. Der Zoom ist so gering, dass man ihn sich hätte sparen können und die Bedienung des Sichtwinkels kann in hektischen Situationen sehr nervig sein. Diese ist nämlich über die Pfeiltasten änderbar nur dumm, wenn ihr eure Finger für Zaubersprüche und Abwehr benötigt. Automatische Kamera Fehlanzeige. Insgesamt ist The Bards Tale technisch solide, im Detail müssen aber Abstriche gemacht werden.
The Bard's Tale im Test.
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