Gesamtwertung91%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
Zum The Elder Scrolls IV: Oblivion Xbox 360 Review
In Deutschland beschwert man sich über viele Arbeitslose und dass die Fußball-Nationalmannschaft einfach nicht so gut ist, wie man es gerne hätte. Dabei können wir uns noch glücklich schätzen, solche Probleme würden die Bewohner des Fantasy-Kontinents Tamriel sicher mehr begrüßen, als die Plage, mir der sie zu kämpfen haben. Überall im Land öffnen sich Tore in die Höllenwelt Oblivion, furchterregende Monster streifen durch alle Provinzen inklusive Cyrodiil, der Provinz in der The Elder Scrolls IV: Oblivion spielt, plündern und überrennen ganze Städte. Hinzu kommt noch, dass das Kaiserreich allem Anschein nach ebenfalls dem Untergang geweiht ist. Der Feind hat Mörder beauftragt, um Kaiser Uriel Septim und seine Söhne aus dem Weg zu räumen. Letztendlich bleibt dem Herrscher nichts anderes übrig, als aus seinem eigenen Palast zu fliehen. Glücklicherweise gibt es da diesen Geheimgang im Kerker der Kaiserstadt. Interessante Geschichte, wird sich so mancher an dieser Stelle sagen, doch wo ist der Held, wo ist mein Alter-Ego? Keine Angst, Oblivion ist ja keine selbstlaufende Grafik-Demo. Die Zelle, in der sich des Kaisers Fluchtweg befindet, ist nämlich besetzt, kann ja mal passieren, bei so einem durcheinander in der Welt. Der Häftling ist der Spieler selbst und welch eine Überraschung, Uriel Septim hat uns doch wirklich in einem seiner Träume gesehen. Er erklärt uns kurzerhand für aus der Haft entlassen und nach einer schnellen Hatz durch die Katakomben unter der Kaiserstadt, beauftragt er uns in seiner letzten Amtshandlung als Kaiser, sein Amulett der Könige an uns zu nehmen und es seinem engen Freund zu überbringen damit fängt sie an, die Suche nach dem letzten Thronerben des Kaiserreichs, die Suche nach dem einzigen Weg die dämonischen Tore nach Oblivion zu schließen.
Aber seien wir mal nicht zu voreilig, immerhin befinden wir uns hier in einem Mega-Rollenspiel, da hat man doch alle Zeit der Welt. Am Anfang steht wie immer die Charaktererstellung. Die läuft wesentlich detaillierter ab, als im Vorgänger Morrowind, neben der Auswahl der Rasse sowie dem Erfinden eines Namens darf man an seinem Charakter nahezu jeden Gesichtszug individuell verändern.
Das fängt mir der Breite der Nase an, geht über die Lage der Augen bis hin zum Feintuning des Übergangs zwischen Kinn und Hals. Wie gewohnt, kann man sich auch eine Frisur und das Alter des Helden in Spe aussuchen. Zwar besitzt jede der 10 Rassen verschiedene vorgefertigte Haartypen, dennoch ist die Auswahl etwas mager ausgefallen. Das Alter des Charakters entscheidet übrigens nicht etwa über seine Agilität oder Stärke, ein visuell 80-jähriger kann genauso effektiv Gegner verkloppen wie ein faltenloser Jungspund.
Mit Schwert und Schild bewaffnet erlegt man seine erste Riesenratte, mit Hilfe eines Bogens samt der dazugehörigen Pfeile durchsiebt man einen widerspänstigen Goblin und dank mehrerer verschiedener Zauberrollen in der Kutte eines toten Elfen-Magiers darf man einigen Untoten entweder Feuer unterm Hintern machen, oder ihnen einen Blitz durch ihre abgefaulten Extremitäten jagen.
Wer es lieber auf die ruhige Art von Sam Fisher angehen lassen will, der kann sich auch im Schleichen versuchen, vielleicht steht einem ja eine große Zukunft als Meisterdieb bevor. Danach wählt man entweder eine der 21 vorgefertigten Klassen, oder man definiert die Eigenschaften des Helden selbst. Sowohl jede Klasse als auch jede Rasse besitzt bestimmte Vorteile, Krieger sind z.B. stärker im Nahkampf, die reptilienartige Rasse der Argonier ist wiederum gegen Gift immun und kann sogar unter Wasser atmen. Etwas später im Tutorial kehrt man übrigens noch einmal zu den Charaktereigenschaften zurück um sich die Sternenkonstellation, sprich das Sternzeichen auszusuchen, unter dem man das Licht der Welt erblickt hat.
Erst durch das Zuhören oder das Kommunizieren mit anderen Bewohnern werden mit der Zeit immer weitere Themen freigeschaltet, über die man reden kann. Wie ein NPC auf den Spieler reagiert, hängt auch von seiner Einstellung zu ihm ab. Durch einen kleinen Geldbetrag oder das einfache Erzählen eines (wenn man Glück hat, guten) Witzes steigt der Spieler im Ansehen der jeweiligen Person, was heißt, dass diese dann eventuell auch mehr oder detailliertere Informationen bzw. Geheimnisse preisgibt. Beleidigt man hingegen den Gegenüberstehenden, darf man sich auf versiegelte Lippen einstellen. Alle Bewohner in Oblivion folgen übrigens einem gewissen Tagesplan. Sie gehen in die Kneipe, führen auf der Straße Gespräche mit anderen NPCs und hauen sich pünktlich zur Geisterstunde aufs Ohr.
Manche gehen sogar einem Nebenjob als Dieb nach und rauben in der Nacht Häuser aus. Wozu aber anderen zusehen, wenn man es auch selbst machen kann? Alles was man dazu braucht sind leise Sohlen und ein handlicher Dietrich, mit dem man Schlösser knackt, wobei jedes seinen eigenen Schwierigkeitsgrad hat und man bei komplizierteren oft mehrere Anläufe tätigen muss bis das Schloss letztendlich nachgibt. Das knacken an sich ist eine Art Minispielchen, das ähnlich wie in Splinter Cell: Chaos Theory abläuft durch das geschickte Manövrieren des Dietrichs im Schlüsselloch, müssen je nach Schwierigkeitsgrad, eine oder mehrere Zuhaltungen geöffnet werden.
Die meisten gefallenen NPCs hinterlassen nach ihrem Ableben gewisse Gegenstände, sei es nun ihre Kleidung, bzw. Rüstung, Waffen, Nahrung oder sonstige Gegenstände. Die Sachen, die man braucht, kann man bequem im eigenen Inventar verstauen. Aber man sollte sich davor hüten, das Inventar zu überfüllen. Dann bewegt sich der Held wegen Überbelastung nämlich keinen Schritt mehr weiter, da er nur ein bestimmtes Gewicht tragen kann. Steigen während des Spielverlaufs die Stärke-Werte, kann man auch mehr mit sich schleppen. Wer wegen seines Sammelticks an chronischem Platzmangel leidet, kann seine erbeuteten Gegenstände in Truhen verstauen, die gibt es überall. Sollte einem das noch immer nicht reichen, kann sich ja von seinem Ersparten ein Eigenheim kaufen, dass sicherlich genug Platz für alles bietet.
Auf dem Kompass sind neben den Himmelsrichtungen auch interessante und wichtige Orte wie z.B. Höhlen, Städte, Schreine o.ä. eingezeichnet. Das heißt, immer wenn sich in der Nähe ein Ort befindet, der für den Spieler von Interesse sein könnte, weiß er auch davon und muss nicht mühevoll jeden Busch abklappern, ob sich hintern ihm nicht zufällig der Eingang zu einem Dungeon befindet. Storyziele werden auf dem Kompass und der Landkarte mit einem roten Pfeil angezeigt, so weiß man immer, wo man als nächstes hin muss, will man der Story folgen.
Wer etwas gegen Fußmärsche über die teils sehr weiten Entfernungen hat, dem sei geraten sich ein Pferd zu besorgen. Die Vierbeiner kann man entweder in Ställen kaufen oder einfach klauen das zieht allerdings wieder die bereits beschriebenen gesetzlichen Konsequenzen hinter sich. Wem auch das Reiten zu lange dauert, der wird sich über ein brandneues Feature besonders freuen. Orte in Cyrodiil, die man bereits besucht hat, darf man fortan mir nur einem Mausklick erreichen. Nach einer kurzen Ladepause befindet man sich somit in sekundenschnelle am ausgewählten Ort. Lediglich Plätze, die man vorher noch nie besucht hat, muss man zu Fuß oder per Ross erreichen. Damit verhindern die Entwickler, dass man sich von Anfang an, an jeden x-beliebigen Ort in der Spielwelt teleportieren kann.
The Elder Scrolls IV: Oblivion (17 Bilder)
Die Vegetation sieht von nahem betrachtet zwar sehr eindrucksvoll und lebensecht aus, schaltet sich aber selbst in der höchstmöglichen Detailstufe während des Durchquerens von Wäldern und Wiesen hässlich ins Bild, Bäume und Felsen poppen unschön in der Landschaft auf. Des Weiteren bestehen entfernte Landflächen aus arg matschigen Texturen. Es macht den Anschein, als wäre Oblivion in seiner echten, vollen Pracht auf aktuellen Systemen unspielbar gewesen, weswegen die Entwickler den Detailgrad in manchen Bereichen derart runtergeschraubt haben. Positiv anzumerken ist, dass die Außenwelt stetig nachlädt, Ladebildschirme wie in Morrowind treten nur noch beim Betreten von Gebäuden und in ihnen auf.
Oblivion war das Spiel, auf das ich mich 2006 wohl am meisten gefreut habe. Die unzähligen Stunden, die ich mit dem Vorgänger Morrowind verbracht habe, noch in guter Erinnerung, war ich äußerst auf das bereits im Vorfeld als Bestseller gehandelte Rollenspiel gespannt. Wird die Grafik neue Maßstäbe setzen? Ist die KI wirklich so gewieft, wie von den Entwicklern beteuert? Hat die Welt neben einer spannenden Story und unzähligen Nebenquests auch das gewisse etwas? Auf all diese Fragen habe ich nur eine Antwort: Ja. Doch wie bei vielen bereits vor Release als Hit und quasi unfehlbar gehandelten Top-Spielen, leidet auch Oblivion an diversen kleinen Krankheiten, die man sich seitens der Entwickler eigentlich hätte sparen können: matschige Landschaftstexturen auf größere Entfernungen, die allwissende KI, die immer und überall darüber informiert ist, was wo geschehen ist und nicht zuletzt die völlig verkorkste deutsche Übersetzung der Texte, die auf nichts anderes als Schlamperei zurückzuführen ist. Auf der anderen Seite ist Oblivion hingegen gigantisch die Story ist spannend, die Nebenquests und sonstigen Möglichkeiten, sich in Tamriel zu betätigen zahlreich und das Flair des Spiels umwerfend. Anfänger sollten unbedingt der Story folgen, da sie sonst in der schieren Größe des Spiels untergehen würden. Ohne Frage ist Oblivion eines der Highlights 2006 und jeder, der auch nur im Ansatz an Rollenspielen interessiert ist, erhält mit dem Kauf von Oblivion eine mehrwöchige, wenn nicht mehrmonatige Spielspaßgarantie. Ich hoffe nur, dass möglichst schnell ein Patch veröffentlicht wird, der die gröbsten Schnitzer ausmerzt, dann dürfen auch Käufer der deutschen Version ohne spielspaßhemmende Bugs in die fantastische Welt von Oblivion eintauchen.
FAZIT