The Great Escape

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Take 2
Entwickler
SCi Games
Erscheinungsdatum
-
Genre
Abenteuer
USK
16
The Great Escape [PC , looki.de]

Gesamtwertung

65%/10

Grafik

Gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Mangelhaft

The Great Escape

Gesprengte Ketten - auf englisch „The Great Escape“ - ist wohl auch heute noch einer der besten Filme über den zweiten Weltkrieg. Nun hat sich endlich ein Entwicklerteam einer PC Umsetzung des bereits 1963 gedrehten Klassikers angenommen. Ganz wie in der Vorlage planen 250 Häftlinge einen Massenausbruch aus dem deutschen Hochsicherheitslager Stalag Luft III. Ihr sollt in der Rolle von vier Ausbrecherkönigen den Fluchtversuch vorbereiten und koordinieren. Ob es die Designer geschafft haben, das Spiel ähnlich spannend auf zwei Silberscheiben zu pressen, erfahrt Ihr im folgenden.

Gesprengte Ketten - auf englisch „The Great Escape“ - ist wohl auch heute noch einer der besten Filme über den zweiten Weltkrieg. Nun hat sich endlich ein Entwicklerteam einer PC Umsetzung des bereits 1963 gedrehten Klassikers angenommen. Ganz wie in der Vorlage planen 250 Häftlinge einen Massenausbruch aus dem deutschen Hochsicherheitslager Stalag Luft III. Ihr sollt in der Rolle von vier Ausbrecherkönigen den Fluchtversuch vorbereiten und koordinieren. Ob es die Designer geschafft haben, das Spiel ähnlich spannend auf zwei Silberscheiben zu pressen, erfahrt Ihr im folgenden.

Das Spiel beginnt spektakulär: Als Offizier McDonald, einem Bomberpiloten der britischen RAF, fliegt ihr einen Einsatz über dem nächtlichen Deutschland. Doch schon nach wenigen Sekunden fällt euer Co-Pilot einem Treffer zum Opfer und ein Feuer bricht in der Maschine aus. Nun muss man schnell zum Feuerlöscher rennen und die Flammen löschen. Doch kaum ist dieses Problem überstanden, greift auch schon eine deutsche Jägerflotte an und man muss sich hinters Bordgeschütz klemmen, um der Plage Herr zu werden.

McDonald scheint allerdings vom Pech verfolgt, denn seine Maschine erwischt es schon kurz darauf mit einem Volltreffer und das Flugzeug stürzt ab. Mitten im Feindesland warten auf den sanft zu Boden gleitenden Piloten schon ein paar Soldaten und der Weg in die Kriegsgefangenschaft. Zu McDonald gesellen sich noch Hendley, Sedgewick und der 'Bunkerkönig' Captain Hills. Das gesamte erste Drittel des Spiels handelt von den vergeblichen Fluchtversuchen der vier aufmüpfigen Häftlinge. Erst im Hochsicherheitslager wird der große Fluchtplan in Angriff genommen, der für die Hauptcharaktere knapp zwanzig Spielstunden später mit der Ankunft in einem neutralen Land wie der Schweiz oder Spanien endet.

Das Gameplay ist konventionell, Pitoval Games setzt auf einen linearen 3D-Shooter, bei dem Ihr in18 voneinander abgegrenzten Leveln abwechslungsreiche Aufgaben erledigen müsst, die alle mehr oder weniger der eigenen Sicherheit oder der Massenflucht selbst dienen.

Die Lagermissionen laufen jedoch allesamt nach dem gleichen Schema ab: Um ausbrechen zu können braucht Person X den Gegenstand Y - Werkzeug wie Schaufel oder Seile aber auch gefälschte Papiere oder Stempel -, also schleicht Ihr euch in die Dunkelheit hinaus, um das zumeist bewachte Objekt ungesehen zu stibitzen. Mit geschicktem Timing hetzt Ihr den Charakter von Baracke zu Baracke, späht durch Schlüssellöcher oder versteckt Euch vor herannahenden Wachen hinter Fässern und Kisten. Trotz gelegentlichen Skript Ereignissen wie eine plötzliche Durchsuchung der Baracken werden die Laufburschen-Missionen aber schnell langweilig. Selbst die namesgebende „Große Flucht“ besteht lediglich darin, ein 30 Fuß- Seil zu klauen und es durch einen Tunnel nach draußen zu bringen. Habt Ihr das geschafft, ist es zur Freiheit jedoch noch ein langer Weg: Im feindlichen Deutschland sind Hundertschaften aus Militär, Behörden und Zivilisten auf der Suche nach den Flüchtigen. Diese Missionen sind schon erheblich aufregender: Mal müsst Ihr euch in einer wilden Schießerei aus einem fahrenden Zug retten oder unbemerkt ein, von den Deutschen schwer bewachtes LKW Depot infiltrieren. 18 meist ziemlich kurze Levels müssen gemeistert werden, bevor die Gefangenen endlich die wohlverdiente Freiheit genießen können.

Die Handlung wird durch zahlreiche Zwischensequenzen vorangetrieben, originale Filmschnipsel sucht man jedoch vergeblich: Die Videos sind allesamt in Spielgrafik und zwar sehr spannend gemacht, jedoch oft grob auflösend und nicht sonderlich hübsch. Ähnlich präsentiert sich auch der Rest der Spielgrafik, die selbstentwickelte Grafikengine bietet solide 3D-Hausmannskost.

„The Great Escape“ ist sicher kein hässliches Entlein, aber auch nicht sehr schön: Ein recht ansehnliches Licht-Schatten-System und gelegentlich per Bumpmapping aufpolierte Oberflächen sehen ganz nett aus, doch die Spielfiguren haben relativ wenig Details und wirken grobschlächtig. Zudem ist die - meist nächtliche - Umgebung mit zwar hochauflösenden, jedoch vorwiegend einförmig braunen Texturen überzogen. Auch die Animationen sind holprig, Soldaten und Häftlinge wirken, als hätten sie einen Besen verschluckt.

Mit der Gewaltdarstellug hält sich „The Great Escape“ zurück. Getroffene Stellen färben sich blutrot es gibt jedoch keine Splattereffekte. Die deutsche Version ist ungeschnitten lediglich die verfassungsfeindlichen Hakenkreuze wurden entfernt.

Viel eklatanter sind jedoch die Steuerungsmängel. Ihr schlüpft abwechslungsweise in die Rolle eines der vier Hauptcharaktere, den Ihr aus der 3rd Person-Perspective mit Maus und Tastatur durch die Level dirigiert. Während Bewegungsmanöver wie sprinten, ducken oder kriechen recht locker von der Hand gehen, gestalten sich Feuergefechte als Katastrophe. Dabei hilft euch zwar ein solides aber gleichsam unspektakuläres Standard-Waffenarsenal aus Maschinenpistole, Scharfschützen-Gewehr oder Panzerfaust, um heranstürmenden Opponenten die Hölle heiß zu machen. Man hat zudem die Wahl zwischen der Außenansicht und einer zuschaltbaren Ego-Perspektive. In der wird ein exaktes Fadenkreuz angezeigt, jedoch könnt Ihr euch weder bewegen noch ausweichen. Da sich die Ansicht steuert als hinge ein Bleigewicht an der Maus und der Bildausschnitt zudem deutlich schmaler ist, wird man auf freiem Feld schnell zum Kugelfang. Doch der 3rd-Person Modus ist noch schlimmer, hier dient lediglich ein nervös hin und her zuckendes, ziemlich breit gestreutes Kreuz als Orientierungshilfe. Da dieses spartanisch auftaucht und verschwindet und manchmal auch noch von der eigenen Spielfigur verdeckt wird ist diese Ansicht bei Schießereien total unspielbar. Die fixierte Kamera macht erfreulicherweise keine Probleme man behält das Wichtigste im Augen und kann bei Bedarf schnell reagieren.

Nächster großer Kritikpunkt ist die wechselhafte KI. Selbst wenn Ihr einen halben Meter vor einem Wachposten aus einer Tür stolpert und schnell um die nächste Ecke spurtet, entlockt das den ach so gefährlichen Nazi- oder Gestapo - Häschern lediglich ein gelangweiltes: „Ich hab mich wohl getäuscht, da war nichts.“ Solche Abstrusitäten wirken nicht nur total unglaubwürdig, sondern reduzieren auch noch die meisten „Schleichpassagen“ zu einer wilden Hetzerei zwischen einzelnen Deckungen. Wenn Ihr nur wenige Sekunden braucht, kann das Feld noch so frei und der Feind noch so nah sein, er schlägt auch beim zehnten Mal keinen Alarm.

Einen merkbaren Unterschied zwischen den im Handbuch angepriesenen Gegnerklassen Wehrmacht, Ausbruchsspezialisten und Gestapo gibt es zudem nicht.

Die Zugmission wird durch solche Bedienungs- und KI-Schnitzer zur Geduldsprobe. Hendley muss zusammen mit dem halb blinden Mitgefangenen Blythes aus einem, von Soldaten besetzten Zug fliehen. Dem Kameraden werden per gedrücktem „C“ mit den Pfeiltasten Befehle wie „Folgen“ oder „Stehen bleiben“ zugewiesen. Wer sich das einmal bildlich vor Augen führt, kann sich sicherlich vorstellen, dass das ständige hin und herwechseln von der Tastatur zur Maus äußerst umständlich ist. Wenn Ihr angegriffen werdet, beißt Blythes schneller ins Gras als Ihr „So ne dumme Tastenbelegung“, sagen könnt. Nachdem das lästige Anhängsel kurzerhand in einer Toilette geparkt ist und Ihr euch durch den ganzen Zug bis zu einem Abteilschlüssel durchgekämpft habt, wird Hendley entdeckt und zig Soldaten greifen an. Die verkorkste Steuerung, immer wieder aus dem nichts auftauchende Feinde sowie im mittleren Schwierigkeitsgrad lediglich drei Speicherplätze verleiten selbst friedliche Zeitgenossen schnell zu unkontrollierten Wutausbrüchen.

Fazit

Vom Ansatz her macht „The Great Escape“ alles richtig. Die spannende Filmstory gibt viel her und das wird auch weitgehend ausgenutzt. Sehr abwechslungsreiche und gut inszenierte Missionen machen viel Spaß und sind auch mal für die eine oder andere Überraschung gut. Doch jetzt kommt das große Aber. Während man in den Schleichmissionen, wenn sie sich auch teilweise recht gleich spielen, noch recht gut durchs Spiel kommt, überwiegt bei Feuergefechten eindeutig der Frust. Aus der normalen Perspektive ist es einfach nicht möglich Gegner zu treffen, die weiter als fünf Meter entfernt stehen, da ändert deren relative Blödheit wenig. Spätestens bei drei Soldaten mit Maschinengewehren wird man sich fragen, warum die Entwickler es nicht für nötig erachteten, dass der Spieler beim Schießen ausweichen oder hinter Deckungen springen kann. Diese gravierenden Fehler machen das Spiel - mangels Alternativen - lediglich für Liebhaber des Filmes zu empfehlen. Allen die das Weltkriegs-Szenario lieben, empfehle ich Call of Duty und wer Schleichen will, ist bei Splinter Cell um Längen besser aufgehoben.

The Great Escape [PC , looki.de]

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