The Hell in Vietnam

Review
Plattform
PC
Vertrieb
City Interactive
Entwickler
City Interactive
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
18
The Hell in Vietnam [PC , looki.de]

Gesamtwertung

31%/10

Grafik

Mangelhaft

Sound

Befriedigend

Lanzeitspaß

Ungenügend

Spieleinstieg

Befriedigend

Bedienung

Befriedigend

The Hell in Vietnam

Gerade einmal ein halbes Jahr nach dem extrem bescheidenem Ego-Shooter Terrorist Takedown: Covert Operations schiebt der polnische Entwickler City Interactive sein nächstes Projekt The Hell in Vietnam hinterher. Ob nun etwas Vernünftiges dabei herausgekommen ist, erfahrt Ihr in unserem Review!

Wir schreiben das Jahr 1967. Auf einem Berg in der Nähe von Don Dien liegt eine US-Militärbasis mitten auf der Angriffsroute der kommunistischen Armee. Die Truppen des Gegners bereiten sich auf einen Angriff auf die altertümliche Hauptstadt Hoe der Provinz Binh Tri Thien vor...

Ach wisst Ihr was? Ehrlich gesagt können wir uns dieses 08/15-Storygerüst auch sparen, denn genauso schnell wie es erklärt wird, kann es auch schon wieder vergessen werden. Stattdessen zählt: Hunderte Vietcong abknallen! Dies ist dann unser Prinzip in insgesamt acht mageren Missionen: Wir sprengen Bunker, klemmen unseren virtuellen Ami-Podex hinter MG-Geschütze und räuchern Dörfer aus.

Da sind nach alter US-Pathos-Manier auch Begriffe wie „Schlitzauge“ in rauen Mengen vollkommen legitim. Die armen Amerikaner, wir kennen es ja aus historischer Sicht. Die bösen Buben sind natürlich nur die Vietcong. So einseitig, wie hier die Kriegsparteien dargestellt wurden, ist letztendlich auch das Gameplay.

Chuck Norris wäre stolz...

Taktik sucht man vergebens, vielmehr ähnelt The Hell in Vietnam dem vermurksten Terrorist Takedown: Covert Operations – was für ein Brüller, kommt ja „nur“ vom gleichen Entwickler – in dem das gleiche „Rush & Kill“-Spielprinzip im Vordergrund stand. Richtig böse wird es aber erst, wenn nicht die Gefahren des vietnamesischen Dschungels, sondern die des Bug-Dschungels auf Euch niederfallen.

Da spawnen Feinde scheinbar aus heiterem Himmel direkt vor Eurer Nase auf oder es starten bestimmte Skript-Sequenzen nicht. Die Palette an Fehlern ist reichhaltig und besonders dann fies, wenn man dadurch an wichtigen Stellen nicht weiterkommt. Genauso mies ist aber auch die Kollisionsabfrage, „dank“ der wir oft in den kleinsten Unebenheiten stecken blieben. Oder wir ballern ein halbes Magazin auf einen Vietcong.

Nach normalen Bedingungen müsste dieser zerlöchert wie Schweizer Käse auf den Boden klatschen, aber nach den genauesten ballistischen Berechnungen, die natürlich in The Hell in Vietnam Einzug fanden, wird dieser Gegner jedoch nicht getroffen, selbst wenn die Distanz nur drei Meter beträgt. Das ist wahnsinnig realistisch und macht doch gleich noch viel mehr Spaß.

Noch trauriger als Titanic!

Richtig lustig wird es, wenn der professionell ausgewählte Synchronsprecher unseres Protagonisten den Tod seiner Kameraden kommentiert. Bei soviel Anteilnahme konnten wir uns die ein oder andere Träne leider nicht verkneifen. Schade nur, dass wir vom Lachen weinen mussten. Mindestens fast genauso unterhaltsam sind die Handlungen der unterirdisch agierenden KI.

Das Suchen nach Deckung scheint vorgeskriptet zu sein, denn außer festen Punkten, an denen unsere Feinde sich auch einmal darüber bewusst werden, dass sie jeden Moment sterben könnten, rennen diese schnurstracks auf uns zu. Sind sie wegen unser Ein-Mann-Armee-Übermacht doch einmal mit dem Latein am Ende, gibt es für sie ja immer noch den Granatenrucksack mit unendlich Munition. Denn so oft, wie die Feinde in diesem Spiel mit explodierenden Äpfeln nach uns schmeißen, könnte man fast meinen, die Produktion von Handgranaten würde Vietnam zu wirtschaftlicher Hochkonjunktur verhelfen.

Doch erst an der unrealistischen Waffenbalance lässt sich erkennen, dass wohl auch die Entwickler ihr Gehirn vor Arbeitsbeginn an der Anmeldung abgegeben haben.

Wie kann es sein, dass ich mit meinem fetten Maschinengewehr, dass ich gerade noch so halten kann, genauso gut zielen und schießen kann, wie mit meiner mickrigen Pistole?

Grütze, Grütze und nochmals Grütze...

Wie bereits angesprochen, bietet The Hell in Vietnam nur acht Missionen, die man als geübter Spieler nach drei bis vier Stunden durchhaben sollte. Auch der höchste Schwierigkeitsgrad beansprucht trotz Serious Sam-mäßigen Gegnerwellen gerade einmal sechs Stunden. Und wer jetzt denkt, er bekäme für 20 Euro einen Mehrspielermodus, darf weiterträumen.

Auch optisch gewinnt das polnische Machwerk keine Anerkennung mehr: Wir lassen uns ja noch zu einem verhaltenen Grinsen bezüglich des ordentlich aussehenden Dschungels hinreißen, aber spätestens bei den total verhauenen Charakteren genauso wie bei deren grausigen Animationen fehlen uns die Worte.

Schlimme Erinnerungen an Cover Operations werden wach: Auf Vorsprüngen erledigte Gegner bleiben an selbigen hängen und purzeln beziehungsweise zappeln kopfüber wie ecstasysüchtige Holzmarionetten. Selbst die Explosionseffekte wirken wie Archivmaterial von der Stange. Wenigstens konnten uns die vernünftigen Waffensounds wieder einigermaßen gutmütig stimmen, zumindest solange, bis wir über die langweilige Hintergrundmusik monierten. Über die total verhunzte Synchronisation haben wir ja bereits viel zu viele Wörter verloren.

Fazit

Was soll man dazu noch sagen? Die Herren von City Interactive scheinen seit unserem Verriss von Terrorist Takedown: Covert Operations vor einem knappen halben Jahr nichts dazu gelernt zu haben. Das uns vorliegende Spiel ist ein ganz übler Klon mit einem anderen Setting und anderen Gegnern, dafür aber den gleichen 08/15-Missionen, den fast identischen Umgebungen, der selben strunzdoofen KI, den selben bescheuerten Bugs, lächerlichen Synchronsprechern, langweiligen Gefechten und mikromäßigem Umfang.

The Hell in Vietnam ist wie ein Chuck Norris-Film: Reaktionär, jenseits der Erfindung des Intelligenzquotienten und alles andere als unterhaltsam. Nicht einmal beinharte Action-Fans werden hier ein Fünkchen Spielspaß finden, da bin ich mir sicher.

The Hell in Vietnam [PC , looki.de]

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