Gesamtwertung93%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
'Was, jetzt erst ein Test zur Orange Box?' Ja, liebe Leser und Leserinnen, das ging leider nicht anders. Man versuchte uns tatsächlich vom Artikel abzuhalten, Briefkästen mussten gesprengt und Postboten um die Ecke gebracht zu werden der Verspätungsteufel wollte es so. Als dann auch noch Kollege Nicholai's Computer aus leistungstechnischen Gründen eine Kooperation mit der Spielesammlung verweigerte, wurde aus einer Spezialauswahl an Elite-Redakteuren der nun verantwortliche Autor ausgewählt. Die postale Zustellung erfolgte diesmal in gepanzerten und bewaffneten Konvois. Danke Roland, danke Rolands PC!
Am Anfang war das Warten...
Warum ein Dankeschön? Ganz einfach, wir können schon an dieser Stelle frohen Mutes vorwegnehmen, dass die Orange Box ein ausgezeichnetes Preis/Leistungs-Verhältnis hat und mit insgesamt fünf grandiosen Spielen daherkommt. Das Tolle an der Box: Neben dem neuen Addon Episode Two, dem Mehrspieler-Shooter Team Fortress 2 und dem Denkspiel Portal gibt es zusätzlich noch die Genre-Referenz Half-Life 2 mitsamt der ersten Episode oben drauf, weil ja sicherlich kein Neuling in eine bereits laufende Story einsteigen will. Doch am Anfang war wie schon beim Hauptprogramm nicht der Spielspaß, sondern das ungeduldige Warten. Denn anstatt wie 99% aller anderen Games eine einfache Installation durchzuführen, müsst Ihr vor Spielbeginn erst die Steam-Plattform und dann alle Inhalte auf die Festplatte schaufeln. Und wenn das nicht schon genug wäre, werden die Spiele dann auch noch erst per Code und automatischer Updatefunktion spielbar. Gerade bei Episode Two gestaltet sich das Patchen extrem mühselig. Also Warten...
...und dann genießen! Fangen wir doch gleich beim zweiten Expansion Pack zu Half-Life 2 an. Am Ende von Episode One stürzt der wortkarge Held Gordon Freeman mit einem Zug ins Verderben, denkt man. Doch eben genau dieser Cliffhanger leitet den Anfang der zweiten Episode ein. Gordon ist mit dem Zug eine Klippe heruntergestürzt. Mit einem Dröhnen auf den Ohren wachen wir in dem Wrack auf und bemerken, dass sämtliche Waffen scheinbar verschwunden sind. Mit nichts in den Händen stehen wir vor einer blockierenden Zugtür, die partout nicht aufgehen will. Da aber unter solchen Umständen ein Wiedersehen Freude macht, freuen wir uns auf den raschen Besuch von Alyx, die das gute Stück auch gleich per allseits bekannter Gravity Gun aus der Verankerung reisst und uns somit den Weg frei macht.
Und weil nur Gordon besagte Waffe so gut wie kein anderer beherrscht, halten wir den Objektgreifer bereits nach ein paar Sekunden in den Händen wie in Episode One eben.
Gesagt, getan: Nach einigen Minuten bekommen wir auf einer Anhöhe eine wunderschöne Aussicht auf die Zitadelle und die umgebende Stadt City 17. Eben jene Zitadelle, die wir im Original zerstören sollten und in Episode One zwangsweise vor dem Fallout retten mussten, wird just in diesem Moment von einem gigantischen Wirbelsturm heimgesucht. Was ist da nur passiert? Fragen, auf die wohl nur zwei Leute eine Antwort haben: Dr. Kleiner und Alyx Vater Eli. Zu den begeben wir uns auch rasch, werden aber schnell durch einen neuen Gegnertypen gebremst: Den Hunter. Der macht aus Alyx Schweizer Käse und haut ab. Nur zu gut, dass wir mit den Vortigaunts nützliche Verbündete haben.
Einer der Aliens befreit uns, versorgt unsere Begleiterin notdürftig und schleppt uns in eine Höhle der Ameisenlöwen. Irgendwie soll da irgendein Extrakt irgendwelche Wirkungen haben ahja!
Bevor wir uns jedoch auf die Suche nach dem ominösen Mittelchen machen, muss erst einmal eine Horde Antlions mithilfe zweier Widerstandskämpfer und einigen Sentry Guns pulverisiert werden. Auch kein Problem. Danach kann es aber auch schon losgehen mit der Suche und wir wundern uns derweil über ein kleines schwarzes Fenster am rechten unteren Bildschirmrand. Irgendwas mit Errungenschaften: Ach ja, stimmt! Die sogenannten Achievements wie man sie nur zu gut von der Xbox 360 kennt sind besondere Leistungen, für die der Spieler belohnt wird.
Zum Beispiel das Überfahren von 20 Gegnern, oder die Erledigung des Antlion-Wächters. Recht viel Geduld erfordert jedoch ein versteckter Gartenzwerg, den wir von Beginn bis zum Ende mitschleppen und am Ende mittels Rakete in den Himmel schießen wenn man das überhaupt will, denn immer wieder kam uns der Winzling in hitzigen Gefechten abhanden.
Kehrseiten einer goldenen Medaille
Ganz andere Probleme ergeben sich nur für eingefleischte Half-Life 2-Jünger: Episode Two ist ähnlich arm an Neuerungen wie schon das erste Addon. Von drei neuen Gegnertypen Antlionwächter, säurespritzende Ameisenlöwen und die bereits erwähnten Hunter und dem Wald-Setting einmal abgesehen, gibt es leider keine frischen Inhalte. Okay, eine neue Waffe hat dann doch ihren Weg ins Spiel gefunden: Die Magnusson. Benannt nach dem launischen Kollegen von Dr. Kleiner könnt Ihr mit dieser Art Haftmine vorzugsweise meterhohe Strider ins Nirvana schicken. Einfach die Magnusson mithilfe der Gravity Gun anheben, auf den Rumpf des Riesen schießen und mit scharfer Munition zur Explosion bringen. Et Voilà, das Ungetüm ist Geschichte! Gerade im Endteil wird fleissig Gebrauch von der Magnusson gemacht, da es ein Schwarm Strider mit ihren gefährlichen Huntern auf das Raketensilo der Widerstandskräfte abgesehen haben. Nur ein Highlight unter vielen in Episode 2: Die Flucht vor dem Antlion-Wächter ist klasse, die Buggy-Tour durch die Wälder spannungsgeladen und der Endkampf spaßiger Stress, wie man ihn nur zu gut aus dem Half-Life-Universum kennt.
Erreicht wird das typische Flair der Serie durch die intensiven Skriptsequenzen: In einer Szene bedroht ein Strider das Leben von Gordon und seiner süßen Begleiterin. Plötzlich springt Alyx' Roboter Dog von einer Anhöhe und macht dem mechanischen Hünen nach einem heftigen Kampf den Garaus. Doch es gibt auch fiese Szenen: Hunter und Strider legen Häuser spektakulär in ihre Einzelteile, erledigen Widerstandskämpfer und verfolgen uns bis aufs Blut. Nach wie vor gelungen sind die tollen Mimiken und Gestiken der Charaktere, allen voran Alyx. Knuddelig auch, wie sie ihren totgeglaubten Dog umarmt und mit ihm auf dem Boden kuschelt. Nicht so recht überzeugen wollen jedoch die deutschen Synchronstimmen: Vor allem beim nach wie vor mysteriösen G-Man fragen wir uns, welche Drogen sein deutscher Sprecher genommen hat. Optisch spielt die Source-Engine (noch) in der oberen Liga mit: Von einigen Matschtexturen einmal abgesehen, ist das Gezeigte vielleicht kein zweites Crysis, aber immer noch herrlich schick. Die Physik-Engine ist nach wie vor eine Klasse für sich, die spitzenmäßigen Effekte ein echter Eye-Candy und die Animationen so lebensecht wie es nur geht. Leider hält die Begeisterung nicht lange: Ein Abschluss der Story findet für geübte Gamer schon nach sechs bis sieben Stunden statt.
Nur zu gut, dass es da noch Team Fortress 2, den zweiten Vertreter im Orange Box-Bundle gibt: Wie schon Teil eins, ist auch das Sequel ein waschechter Mehrspieler-Shooter. Aus insgesamt neun Klassen wählt der Spieler für jedes Match seinen natürlich jederzeit änderbaren Favoriten. Da ist für jeden Typ etwas dabei: Flinke Naturen entscheiden sich für den Scout, ruhige Spieler für den Scharfschützen.
Wer gerne durch die Hintertür geht, wird mit dem Spion gut bedient, Hobby-Rambos hingegen eher mit dem Soldaten oder dem Heavy, während sozial veranlagte Spieler wohl eher den Medic bevorzugen. Last but not least wären noch der feurige Pyro, der explosive Demoman und der intelligente Engineer. Alle Klassen wurden hinsichtlich Waffen, Healthpunkten und Geschwindigkeit nahezu perfekt aufeinander abgestimmt. Während der Scout mit seine Gepäck bei geradezu rasendem Speed auf Punktehatz geht, bevorzugt es der Heavy lieber etwas gemütlicher, kann aber auch mit einer dicken Minigun und einer Schrotflinte aufwarten.
Die Besonderheit: Zuerst war Team Fortress 2 als realistischer Shooter geplant. Im Juli des letzten Jahres ließ Valve allerdings die Bombe platzen. Das Spiel basiert zwar weiterhin auf der Source-Engine, kommt allerdings mit einem völlig neuen Look daher. Die Modelle der Figuren versprühen einen, für so ein Spiel, sehr untypischen Stil. Alles wirkt auf eine sehr witzige Weise überzeichnet und wie einem Comic entnommen. Klar, dass dies gerade Fans von Team Fortress Classic sauer aufstoßen kann und auch Neulinge brauchen eine gewisse Eingewöhnungszeit und damit meinen wir nicht das Spielkonzept, sondern die Optik mit ihren abgedrehten Animationen und unwirklichen Charakteren. Doch auch hinsichtlich des Gameplays werden blutige Anfänger erst einmal einen Frag nach dem Anderen kassieren. Das aufeinander abgestimmte Klassensystem mit seinen Unterschieden erfordert auf jeder der sechs Karten unterschiedliche Strategien und Herangehensweisen.
Spaßige Mehrspielerpartien in Comic-Optik!
Bekannt aus Team Fortress Classic dürfte noch die beliebte Karte 2fort sein, bei der es einen Koffer in TFC war es eine Flagge - zu stehlen gilt. Übrigens die einzige Map, die noch das alte das Serienkonzept vetritt. Auf den restlichen fünf Karten steht allein die Übernahme von unterschiedlich vielen Kontrollpunkten im Vordergrund. Cool: Ein Großteil der Maps wurde so gestaltet, dass wirklich alle Klassen ihre Eigenheiten austoben dürfen. Ingenieure bauen Heil- und Baustoffstationen, errichten Sentry Guns und sorgen so für den Rückhalt in der Defensive, die gleichzeitig auch noch durch die waffenstarrenden Heavy-Gunner und den Sprengmeister mit seinem Granatwerfer gehalten wird. Der gegnerische Spion kann sich derweil wiederum tarnen oder sich komplett in die Unsichtbarkeit begeben und sogar gebaute Geschütze des Ingenieurs lahm legen. In die Offensive gehen indes die Klassen Soldat, Aufklärer und der Pyro. Zur Unterstützung von Angriff und Verteidigung tummeln sich im dünnen Mittelfeld der Medic zum Heilen verletzter Kameraden, der Sniper zur ersten Säuberungswelle aus der Distanz heraus und natürlich der bereits erwähnte Spion, einerseits zur getarnten Sabotage von Feinden sowie dem Zerstören errichteter Abwehrgeschütze.
Bis man Team Fortress 2 vollends kennen und lieben gelernt hat, vergehen einige Bildschirmtode und Spielstunden, in denen man sich die bereits jetzt zahlreichen Hotspots vormerkt und die richtige Strategie einschlägt. Zweifellos bietet das Spiel aber gerade zu gefährliches Suchtpotenzial, was nicht nur am exzellenten Kartendesign, den gut besuchten Servern oder den ausgefeilten Charakteren liegt.
Vor allem die Parodie vom bierernsten Shooter-Einheitsbrei gefällt auf Anhieb. Was haben wir bei den witzigen Einstiegsfilmchen gelacht, die den Anfang einer jeden Partie einläuten. Oder den kultigen Animationen im Klassenmenü. Oder der unterhaltsamen Dudelmusik im Hintergrund. Nein, Team Fortress 2 nimmt sich wirklich zu keiner Zeit ernst, macht aber dennoch alles richtig und besitzt schon jetzt das nötige Potenzial, den Mehrspieler-Thron zu besteigen. Was wir uns aber noch für zukünftige Updates wünschen: Eine Bot-Unterstützung für Offline-Partien und zum Füllen von LAN-Matches, sowie natürlich mehr Karten.
Wäre da noch das eher unscheinbar wirkende Portal: Ihr kennt sicherlich noch die Raumportale aus dem Shooter Prey, mit denen sich lustige Spielchen trieben ließen. Etwa, sich selbst von der Seite in ein Portal rein- und wieder rauskommen sehen. Nun, so ähnlich funktioniert auch das wahrscheinlich zu Probezwecken für Episode 3 oder gar ein mögliches Half-Life 3 - integrierte Denkspiel Portal, nur dass Ihr hier nicht an fest vorgegebene Tore gebunden seid, sondern Euch die Durchgänge mithilfe der selbsterklärenden Portalkanone einfach selber schafft. Alles beginnt damit, dass Ihr in einem sterilen, blassen Glaskäfig aufwacht. Wer Ihr seid und wie Ihr da reingelangen konntet? Ihr erfahrt es vielleicht am Ende, vielleicht aber auch gar nicht, vielleicht aber auch später. Die Mannen von Valve halten es ja nicht so für nötig, dem Spieler gleich alles preiszugeben. Denn erst einmal wollen insgesamt 19 Testkammern überwunden werden, in denen Euch die Portalkanone beim Weiterkommen hilft. Das simpelste Prinzip heisst dabei: Blaues Portal in die Wand schießen, rotes Portal an den gewünschten Ort platzieren, das blaue Tor durchqueren und am Zielort wieder herauskommen.
Die Theorie, die Praxis, der Erfolg!
Klingt ja bisher geradezu bescheuert einfach, oder? Dumm nur, dass die Räume, die es zu durchqueren gilt, vor allem gegen Ende hin etwas Hirnschmalz abverlangen. Denn Portal schafft sich seine eigenen Regeln und nur ein Weg führt ans Ziel. Manche Wände können beispielsweise nicht für Portale genutzt werden. Ein andern Mal müsst Ihr Kisten transportieren, die Ihr durch bestimmte semipermiable Schilde nicht tragen könnt.
Besser sind da schon Kniffe wie diese: Auf einer höher gelegenen Ebene dürft Ihr kein Portal benutzen, jedoch über eine Schräge, die sich über Eurem Kopf befindet. Sinnvoll ist es nun, auf eben dieser Schräge sowie auf dem Boden unter Euch jeweils ein Portal zu errichten. Danach hüpft Ihr einfach in das Tor unter Euch um oben wieder herauszukommen, nur um danach in einem Zug wieder in das untere Loch zu hüpfen und mit noch höherer Geschwindigkeit und mehr Schwung oben auszutreten und die Kluft über die gewünschte Ebene zu überwinden. Jede Kammer erfordert dabei eine bestimmte Strategie: Bei manchen Räumen ist der Untergrund beispielsweise mit todbringenden Substanzen bedeckt, also solltet Ihr tunlichst jede erdenkliche Plattform zu Eurem Erfolg nutzen.
Von solchen Ausnahmen einmal abgesehen, erleiden fleißige Springer glücklicherweise keinen Fallschaden wäre bei den Höhen teilweise auch ein echter Frustfaktor. Solltet Ihr doch einmal abkratzen, lässt Euch Portal vom letzten Erfolg an neu beginnen. Tastaturen dürften also nicht zerbissen werden. Am Schönsten sind an Portal jedoch nicht unbedingt die toll umgesetzten Denkspiele, sondern vielmehr die abgedrehte Atmosphäre, die mit minimalen Mitteln manchen Vollpreis-Vertreter alt aussehen lässt. Herrlich witzig ist dabei vor allem die monotone, weibliche Computerstimme, die ständig abgedrehte Kommentare ablässt, genau wie die späteren Sentry Guns, die uns weiß machen wollen, dass sie uns nichts tun ja nee, is klar! Doch je erfolgreicher wir in den Tests sind, desto unfreundlicher wird die Frauenstimme. Jemand will wahrscheinlich unser Ableben herbeirufen. Die verantwortliche Aperture Science Corp. Haben wir auch in Episode Two schon einmal gesehen, allerdings nicht gerade in freundlichen Absichten. Was genau am Ende passiert, verraten wir Euch an dieser Stelle natürlich nicht.
Noch ein Wort zur deutschen Fassung der Orange Box: Was zunächst nur als ein Gerücht aufkeimte, bewahrheitete sich dann jedoch recht schnell. In Episode Two bluten Combine- und Huntertruppen sowie befreundete NPCs grau statt rot und verschwinden sofort nach ihrem Ableben. Ein absolutes unverständlicher Schritt, da schon Half-Life 2 und Episode One ungekürzt und ohne große Murren in Deutschland erschienen sind. Da hilft auch die naheliegendste Lösung, den Steam-Client auf Englisch zu stellen, nichts an der Zensur.
Logisch war aber, dass Team Fortress 2 nicht ohne Schnitte auf den hiesigen Steam-Programmen landen würde. Schließlich geizen die Charaktere bei Verletzungen oder dem Tod nicht gerade mit Blut und umherfliegenden Körperfetzen. Statt roten Bröckchen fliegen hierzulande jedoch Spielzeuge, Schrauben oder gar mechanische Feder umher, was bei genauerem Nachdenken das ganze Geschehen noch witziger wirken lässt kein großer Verlust also.