The Westerner

Review
Plattform
PC
Vertrieb
dtp digital tainment
Entwickler
Revistronic
Erscheinungsdatum
-
Genre
Abenteuer
USK
6
The Westerner [PC , looki.de]

Gesamtwertung

77%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

The Westerner

Wer von uns kann sich nicht daran zurückerinnern, mit Zak McCracken, Guybush Threepwood und vielen anderen Charakteren Tage und Nächte damit verbracht zu haben, Schurken zu beseitigen, knifflige Rätsel zu lösen und um die Gunst der Liebsten zu kämpfen – wie es z.B. unser aller Lieblingspirat, Guybush Threepwood aus den Monkey Island Adventures bei der Gouverneurin Elaine getan hat?

Umso mehr freute ich mich darauf, das bereits im Vorfeld von der Presse hoch gelobte „The Westerner“ in den Händen zu halten und dann in der Welt des Wilden Westen mit meinem Charme und den Pistolen zu versinken.

Nach einem humorvollen Intro, das meine Lachmuskeln etwas strapaziert hat, waren wir mitten im Geschehen des rauen Wilden Westen. Natürlich ist unser Charakter „Fenimore Fillmore“ ein echter Westernheld. Er schaut gut aus, ist schnell im Umgang mit seinen Pistolen und hat dieses gewisse Etwas, von dem Frauen ständig reden. Ziel des Spiels ist es, für unseren Fenimore, eine Farm zu verteidigen und gegen die Korruption eines gewissen Mannes zu kämpfen, der sämtliche Fäden in der Stadt zieht. Doch wie sollen wir uns überhaupt verteidigen, nachdem der Junge von der Nachbarsfarm unsere Pistole geklaut und versteckt hat?

Grafisch betrachtet ist „The Westerner“ wirklich eine Wucht und platziert sämtliche Konkurrenz im Genre „Adventure“ auf die hinteren Ränge. Auch die Synchronisation der deutschen Charaktere ist aller erste Sahne, was letztendlich dazu beiträgt, dass die Atmosphäre im Spiel den Spieler in den Bann zieht. Somit hat der Entwickler von „The Westerner“, Revistronic, seine Hausaufgaben im grafischen als auch im Audio Bereich hervorragend gemeistert. Doch leider ist nicht alles Gold was glänzt, denn der Schwierigkeitsgrad von „The Westerner“ richtet sich demnach wohl eher an ein jüngeres Publikum oder an überarbeitete Hausfrauen, die nach einem harten und anstrengenden Tag voller Babygeschrei und dreckigen Windeln, bei einem Spiel entspannen möchten und deren Hirnzellen erst nach und nach wieder regenerieren.

Die Rätsel sind derart logisch zu erklären, dass „echte“ Adventurefans „The Westerner“ an einem Tag komplett durchspielen können, ohne auf die Hilfe von Komplettlösungen zurückzugreifen. Selten habe ich in einem Adventure, das bekanntlich von Rätseln lebt, die Lösung auf größere Teilaufgaben auf dem Silbertablett serviert bekommen. Man kaufe sich einfach mehrere Zeitungen beim örtlichen Händler und schon ist man im Besitz vieler wichtiger Informationen, damit man sein eigenes Hirn nicht mehr anzustrengen braucht.

Ebenfalls sehr nervig ist die Verpflegung seines 1-PS Hafermotor. Um mit diesem Gaul voran zu kommen, benötigt dieser laufend neue Möhren, die man an diversen Ort anpflanzen und düngen kann.

Anfangs mag es eventuell noch lustig sein, das klapprige Pferd mit Möhren zu füttern, aber je länger das Spiel dauert, desto eher kommt einem der Gedanke hoch, sein Pferd ins Tierheim zu schicken und die Wegstrecke zu Fuß zurückzulegen.

Ein weiterer negativer Aspekt sind einige – ich nenne sie mal KI Fehler – Schnitzer im Spiel. Das gesamte Spiel ist sehr stark linear entwickelt worden und die Charaktere reagieren nicht auf die eigenen Lösungswege des Spielers. Ein kleines Beispiel gefällig?

Um an ein Autogramm des Sheriffs zu gelangen, benötigt man einen Füller sowie das Zertifikat des Sheriffs. Hat man beide Sachen beisammen, geht man zu der entsprechenden Person und übergibt ihm beide Materialien, damit er die Unterschrift des Sheriffs für uns fälschen kann. Dankend nehmen wir unser Dokument mit der gefälschten Unterschrift entgegen und beschließen daraufhin, ein Gespräch mit dieser Person anzufangen. Doch anders als gedacht habe ich nicht die Wahl etwas zu sagen, sondern der Charakter antwortet mir präzise, welche Materialien ich für eine Unterschrift benötige. Hallo? Haben wir das nicht bereits erledigt? Egal, dachten sich die Entwickler. Denn wer rechnet schon damit, dass man Schritt B vor Schritt A macht? Vielleicht dachten sich die Entwickler folgendes: „Genauso logisch wie sämtliche Rätsel im Spiel, genauso logisch hat auch das Gehirn des Spielers zu funktionieren“.

Bis hierher könnte man mit Recht behaupten, dass meine persönliche Meinung zum Spiel eher negativ ist. Daher an dieser Stelle auch mal wieder etwas positives, die Animationen. Beim ersten Betrachten sämtlicher Animationen hat man immer ein Grinsen im Gesicht erinnert sich zurück an die guten, alten „Monkey Island“ Zeiten, welches gerade durch seinen Witz und den oftmals sehr schwierigen Rätseln in Erinnerung eines jeden Adventure Fans blieb.

Gewöhnungsbedürftig ist auch die Steuerung im Spiel. Bei der so genannten „Point & Click“ Steuerung der nächsten Generation werdet ihr komplett auf die Tastatur verzichten müssen. In einer 3D Umgebung könnt ihr dann mit eurer Maus den Helden „Fenimore Fillmore“ steuern, was jedoch zur Folge hat, dass oftmals kleinere Dinge einfach übersehen werden oder gar durch andere Gegenstände verdeckt sind. Somit ist man in einigen Fällen damit beschäftigt, lange Zeit nach einem Gegenstand zu suchen, obwohl der Aufenthaltsort bekannt ist.

The Westerner ist ein grafisch sehr ansprechendes Spiel, das auch im Sound absolut zu überzeugen weiß. Wurde das Adventure Genre teilweise von uns Spielern aufgrund zu kniffliger Rätsel tot geschrieben, so hat man bei The Westerner versucht, dieses wieder zum Leben zu erwecken. Als Grundstock für den Erfolg bediente man sich an eher logischen und weniger schwierigen Rätseln sowie einer Portion Humor. Verpackt in einer optisch ansprechenden Grafik, den sehr guten Animationen sowie erstklassiger Synchronisation verspricht „The Westerner“ auf den ersten Blick, das Genre neu aufleben zu lassen. Doch aufgrund fehlender Liebe zum Detail – wiederholende Animationen, sinnlose Gespräche da die Aufgaben bereits erfüllt wurden – und einem nervigen sowie zeitintensiven Füttern seines 1-PS Hafermotor mit Möhren geht einem der Spaß am Spiel ein wenig verloren.

Fazit

Ob „The Westerner“ jemals Kult wird wage ich zu bezweifeln. Als kostenlose Zugabe gibt es übrigens noch den Vorgänger „3 Skulls of the Toltecs“ mit bei. Diesen habe ich noch sehr gut in Erinnerung, da ich seinerzeit mehrere Tage und Nächte damit beschäftigt war, die große Anzahl an kniffligen Rätseln zu lösen. Natürlich entspricht der Vorgänger nicht mehr den heutigen grafischen Anforderungen, aber dennoch macht dieses heute noch jede Menge Spaß. Für schlappe 39.95 Euro gibt es beide Spiele zu kaufen. Ich persönlich würde hingegen dieses Geld in das Grusel-Adventure „Black Mirror“ investieren, das wie heute bekannt wurde, Gold Status erreichte und ab Abfang April erhältlich ist.

The Westerner [PC , looki.de]

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