Gesamtwertung90%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
Lange Zeit hat sich auf dem Hack & Slay- Rollenspiel-Markt nichts besonderes mehr getan. Nachdem wohl nahezu jeder Fan mindestens ein Dutzend Mal die Dungeons von Diablo und Diablo2 nebst Addon auf der Suche nach dem ultimativen Bösen durchforscht hat und ein dritter Teil immer noch auf sich warten lässt, kommt nun der lang ersehnte frische Wind ins Genre zurück. Mit Titan Quest haben die Entwickler von Iron Lore mit ihrem Debüt-Titel ein ganz heißes Eisen im Feuer. Ob der Referenztitel Diablo 2 wirklich ins Wanken gerät, verrät euch unser ausführliches Review.
Öfter mal was Neues
Wer sich heutzutage in den Händlerregalen umsieht, wird erstaunt feststellen, dass sich die überwiegende Zahl an Titeln eher mit Orks, Elfen, Dämonen und ähnlichem Gesindel beschäftigt. Titan Quest geht Gottlob einen gänzlich anderen Weg und hat die gute alte Antike zum Thema. Das bislang unverbrauchte Setting sorgt ab der ersten Sekunde für Begeisterung. Bereits wenige Sekunden nach dem Start des Spiels erwartet euch ein phänomenal gemachtes Intro. Stücke aus der homerischen Literatur werden auf Altgriechisch rezitiert. Die Zeit, in der Titan Quest spielt, wurde beherrscht, als noch die Titanen, die Väter der Götter die Erde beherrschten. Dann kamen die Götter und die Titanen wurden auf ewig eingesperrt, so erfahrt ihr es im Intro. Nun sind letztere wieder frei um Verderben über das Land zu bringen.
Lebendige Geschichte
Und so schlüpft ihr in die Rolle eines antiken Heroen, der eine epische Reise quer durch Mythen und Sagen der Antike unternimmt. Euer Ziel: Einen Weg finden, wie die Titanen wieder verbannt werden können. Dabei reist ihr von Griechenland bis hin nach China. Auch Ägypten, das legendäre Babylon und die berühmte Seidenstraße, werden euch begegnen. Titanische Ausmaße hat im Spiel eigentlich fast alles. Das beginnt bereits bei der Hintergrundgeschichte des Spiels. Kein Geringerer als Hollywood Legende Randall Wallace, der mit Mel Gibsons Braveheart für volle Kinosäle sorgte, wurde von Entwickler Iron Lore Entertainment verpflichtet.
Doch zurück zur Story. Ihr startet eure Reise in Griechenland, von wo ein göttlicher Hilferuf an euch ausging. Ziel ist es, die Titanen zurück in ihr Gefängnis zu schicken. Diese haben nämlich nichts besseres zu tun, als die Erde von ihrem kosmischen Platz hinweg zu fegen. Da dies natürlich nicht sein darf, macht ihr euch auf den Weg, um für Recht und Ordnung zu sorgen. Allerdings erweist sich dieses Unterfangen als relativ kompliziert, da die Titanen ihrerseits zahlreiche Monster und Fieslinge der Ober- und der Unterwelt von ihren Plänen überzeugen konnten. Doch greifen euch eure Gegner meist in Scharen an, sobald ihr euch ihnen in einer gewissen Distanz nähert.
Titan Quest (58 Bilder)
Da ist es dann nur von Vorteil, wenn ihr genügend Heiltränke oder Zaubersprüche im Inventar habt oder euer Charakter stark genug ist, sich der im Laufe des Spiels immer stärker werdenden Gegner zu erwehren. Solltet ihr dann doch einmal das Zeitliche segnen, werdet ihr zu einem Brunnen des Lebens gebeamt, wo ihr kurzerhand Wiederauferstehung feiert. Dies passiert mit sämtlichen Ausrüstungsgegenständen und Charakterpunkten. Ihr seid also nicht nackt und mittellos, wie euch die Götter schufen.
Über-Sicht
Apropos Inventar: Dies erinnert im Aufbau an das legendäre Diablo 2. Allerdings in weit übersichtlicheren Kategorien. Damit ihr nicht überfordert werdet, kommen euch nützliche Tipps zu Beginn eurer Reise zur Hilfe. Mittels Hotkeys habt ihr alles im Blickfeld. Das A und O von Titan Quest ist selbstverständlich das Sammeln von Items, welche eure toten Gegner verlieren oder in Schatzkisten in der Landschaft versteckt sind. Hier kupferten die Entwickler einerseits beim großen Vorbild ab. Andererseits ermöglicht euch die zoombare Kamera endlich, gerade kleine Items besser aufzufinden. Vorbei die Zeiten, in denen ihr die Hälfte der gefundenen Items überseht. Alles andere kennt ihr bereits aus Vergleichstiteln. Im Laufe des Spiels levelt ihr euren Charakter immer weiter auf, tragt schwerere Waffen, erhaltet Kleidung, die euch mehr Schutz bietet, kauft Tränke und Zaubersprüche für euren Charakter und erhaltet eine unzählige Auswahl an Main- und Subquests. Die fallen in der Regel auch immer gleich aus: Mal müsst ihr einem Bauern aus der Not helfen, der von einer Horde Zentauren bedroht wird. Ein anderes Mal bittet euch jemand um Eskorte oder Personen mit wichtigen Informationen sollen gefunden werden. Auf der Weltkarte seht ihr die Orte, die ihr schon besucht habt.
Auf ein bekanntes Klassensystem verzichtete man bei Titan Quest bewusst. Anstatt als festgelegter Krieger oder Magier durch die Antike Welt zu rennen, wählt ihr im Spielverlauf zwei von acht Skilltrees aus, in denen ihr individuelle Fähigkeiten erlernen könnt. Das Ganze ist nicht nur innovativ sondern erlaubt euch unzählige Möglichkeiten in der Charaktergestalltung.
So schön war die Antike
Doch nicht nur Jagd- und Sammelpuristen werden reichlich bedient. Auch Anhänger einer optisch ansprechenden Darstellung werden von der ersten bis zur letzten Minute unterhalten. Was Iron Lore Entertainment da auf den Monitor zaubert, sorgt für offene Münder und lässt vor Freude mit der Zunge schnalzen. Ragdoll-Animationen, eine frei dreh- und zoombare Kamera, gigantische Dungeons, welche ihr ohne jegliche offensichtliche Ladezeit betreten könnt, und die tatsächlich in die Tiefe führen, extrem detaillierte Landschaften mit sich im Wind wiegenden Blumenwiesen, prächtigen Farben, wunderschön in Szene gesetzter Umgebung, zahlreichen Spezialeffekten und vielem mehr das alles schafft die hauseigene Engine scheinbar mühelos. Die eindrucksvolle Grafik hat selbstverständlich auch ihren Preis. Wer Titan Quest in seiner ganzen Schönheit genießen will, der muss einen High-End Rechner besitzen. Wer auf die höchsten Grafikeinstellungen verzichten kann, wird das Action-RPG auch auf einem Computer mit 1,8 Gigahertz und 512MB RAM Arbeitsspeicher zum Laufen bekommen. Und auch der Sound ist beeindruckend. In vollem Dolby Digital 5.1 schallt euch ein exzellenter Soundtrack, eine bis zum letzten Charakter mit zahlreichen Dialekten liebevoll umgesetzte englische Sprachausgabe und ein gute Soundkulisse aus den Boxen entgegen.
Monsterkloppe deluxe
Aber auch an Multiplayer Fans hat man bei Iron Lore Entertainment gedacht. In Kooperation mit GameSpy ist es möglich, mit insgesamt sechs Mitstreitern im Koop-Modus zu spielen. Wer LAN-Spiele bevorzugt, kann sich auch über diesen Support freuen. Eine eigenständige Online-Plattform, wie wir sie von Blizzard her kennen, wurde nicht integriert.