Gesamtwertung69%/10 |
GrafikGut SoundBefriedigend |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegBefriedigend |
BedienungMangelhaft |
'Hallo Lara! Mensch, lang nicht mehr gesehen! Wie war dein Ägypten-Urlaub? Nicht so toll? Oh schade. Wie? Ach ... verschüttet worden. Hm, das is dumm! Hast du es denn gut überstanden? Ja? Na is doch toll! Und jetzt? Immer noch mit Werner befreundet? Was, tot?? Wie ... wer ... ? Die Polizei sucht dich? Ja scheiße. Und nu? Ach, du versuchst jetzt den wahren Mörder zu fassen. Hmm. Du Lara? Soll ich dir mal was sagen? Irgendwie siehst du nicht wirklich gesund aus! Also wenn du mich fragst ... sorry ... ich bin der Meinung du kränkelst noch ein wenig ...'
Lifting im Detail!
Und bei Gott, das tut sie wirklich! Ohne jetzt zuviel vorweg zu nehmen, aber 'Tomb Raider - Angel of Darkness' ist nicht die Offenbarung, die es hätte werden sollen. Obwohl Core Design seiner Heldin eine Schönheitspause von einem Jahr verschaffte und diese Pause dann kurzerhand noch einmal von November 2002 auf Juli 2003 verlängert wurde, hat sich erstaunlich wenig im Vergleich zu den Vorgängern getan.
Ok, das ist gemein! Rein optisch hat sich Tomb Raider im Vergleich zur 'Chronik' schon deutlich verbessert, auch wenn der Eindruck erweckt wird, dass die Grafikengine immer noch dieselbe oder zumindest eine ähnliche ist! Die Umgebungen weisen deutlich mehr Details auf as in den Vorgängern und vor allem Lara selbst hat sich mächtig gebessert! Zudem gibt es - zwar rar gesät aber immerhin - recht feine Lichteffekte und Wasserreflektionen, die so in den Vorgängern schlicht und ergreifend fehlten. 'Angel of Darkness' ist wohl das düsterste Tomb Raider aller Zeiten. Dafür sorgt nicht nur die gute Story sondern auch die stellenweise sehr gelungene Atmosphäre, die in den recht dunkel gehaltenen Levels erzeugt wird.
Stellenweise sollte man als Spieler das Zimmer verdunkeln oder die Helligkeit am Bildschirm nach oben schrauben, um jedes teils enorm wichtige Detail in den dunklen Gemäuern zu erkennen! Im Kontrast dazu finden sich diverse, eher in der Unterzahl stehende Abschnitte im Spiel, die recht hell erleuchtet sind. Dazu gehört z.B. der verlassene Nachtclub 'Serpent Rouge', in dem ihr zu flotter Musik eine akrobatische Kletteraktion der Extraklasse an den Scheinwerfern vollführen müsst.
Die Story ist relativ schnell erzählt. Lara besucht ihren ehemaligen besten Freund und Mentor Werner von Croy in Paris. Als es zu Handgreiflichkeiten zwischen den beiden kommt und Werner eine Waffe zieht, geht kurz das Licht aus und ein Schuss fällt. Werner sinkt erschossen in Laras Arme, die Waffe fällt auf den Boden.
Wer hat Werner getötet? War es das 'Pariser Monster', das von der Polizei bereits für mehrere Morde verantwortlich gemacht wird? Oder war es Lara selbst, die im Affekt die Waffe gegen ihren ehemaligen Lehrmeister gerichtet hat? Fakt ist, dass Lara auf der Flucht vom Tatort von der Polizei bemerkt und fortan verfolgt wird. Bereits im Tutorial müsst Ihr Lara dabei helfen, über den Dächern von Paris einem Polizeihelikopter zu entkommen.
Nur Minuten später entpuppt sich ein verfallenes Wohnhaus als potentielle Todesfalle für die Archäologin, da die Polizei durch den Einsatz von Giftgas Lara den Atem raubt. Ja, es geht gleich deftig los im Spiel - besonders deswegen, weil ihr gleich in den ersten beiden Abschnitten unter mehr oder weniger starken Zeitdruck steht, sei es durch den schnellen Heli oder das langsam ansteigende Gas Das an sich wäre ja nicht schlimm. Eine gesunde Portion Stress hat noch niemandem geschadet.
Diese gesunde Portion Stress kann sich aber bei AoD recht schnell als nervtötend entpuppen, da es in den zeitkritischen Momenten des Spiels allzu oft an der unzureichend ausgefeilten Steuerung liegt, dass Lara leider viel zu oft das Zeitliche segnet! Denn wie bereits in der Vorgängern dreht sich Lara nicht, wie es eigentlich zu erwarten wäre, durch eine schnelle Mausbewegung sondern durch mühsames, zentimetergenaues Herumtippeln auf den Cursortasten. Denn auch in AoD hat man die Maus außen vor gelassen! Wie gehabt lässt sich Lara also mit den Cursortasten steuern - das hat zur Folge, dass an sich recht simple Bewegungen und Aktionen zu echten Herausforderungen werden - allein bis sich Lara mal korrekt ausgerichtet hat, um einen gezielten Sprung zu vollführen, kann eine ganze Minute verstreichen!
An anderer Stelle passiert es gerne mal, dass Lara an einer Regenrinne oder auf eine Kiste partout nicht raufklettern will und sie mal eben schlicht und einfach den Druck auf die Aktionstaste freudig ignoriert. Zudem kommen noch stellenweise äußerst nervige, feste Kameraperspektiven wie in Alone in the Dark 4, die die nervige Steuerung nicht wirklich erträglich machen - im Gegenteil! Hier hätten die Entwickler lieber auf die bewährte 'mobile' Verfolgeransicht setzen sollen, die leider im Gegensatz zu den Vorgängern nicht mehr wirklich dominiert! Hinzu kommen teils äußerst schauerliche Grafikfehler. So sieht Café-Inhaber Pierre in der ungepatchten Verkaufsversion aus wie das Phantom der Oper nach einem Tête-á-tête im Küchenmixer. Erst mit dem ersten Patch bekommt der mürrische Franzose ein baruchbares Gesicht verpasst! Und das ist leider nur einer der viele Grafik-Patzer. Besonders auf Systemen mit Radeon-Grafikkarten kann es zu argen Problemen kommen. Hier muss Core Design schnellstens nachbessern, ansonsten wird sich der Angel of Darkness schnell die Flügel verbrennen!
Spielerisch sehr ansprechend!
Sehen wir mal über die technischen Mängel hinweg - schwer, ich weiß - entpuppt sich 'Angel of Darkness' als spielerisch wohl reizvollstes Tomb Raider seit Anbeginn der Reihe. Selten gab es soviele klassische Adventure-Elemente. Oft genug kann der Spieler durch das Auswählen verschiedener Antworten in Gesprächen mit anderen Charakteren den Spielverlauf deutlich beeinflussen - leider nicht immer nur zum Guten! Deshalb sollte in jeder Situation die Quicksave-Taste in Reichweite sein. Feste Speicherpunkte gibt es nicht.
Natürlich ist Lara nicht nur in Unterhaltungen verwickelt. So muss sie in bester Tomb Raider-Manier auch wieder klettern was das Zeug hält. Dank zahlreicher neuer Bewegungsmöglichkeiten wird Lara stellenweise zum echten Freeclimbing-Profi in schwindelerregenden Höhen. Auch andere bewährte Elemente reihen sich wieder in den Reigen des Spiels ein - auch wenn der geneigte TR-Spieler wohl langsam vom Schalter drücken und Kisten schieben die Nase bis zum Anschlag gestrichen voll hat, wurden auch diese Elemente wieder zahlreich eingebaut. Echt kreative neue Ideen gibt es nur äußerst selten - dazu gehört z.B. die Passage, in der Lara den Laserschranken im Louvre ausweichen muss. Natürlich muss sich Miss Croft auch wieder zahlreichen Gegnern stellen. Sowohl menschliche als auch tierische Vertreter der bösen Bubis stürzen sich stellenweise in Scharen auf die sexy Heldin. Dank eines umfangreichen Waffenarsenals, der recht dümmlichen KI und der Auto-Aim-Funktion stellen die aber kein größeres Problem dar - mal abgesehen vom wirklich knackig schweren Endgegner am Schluss des Spiels. Aber wir wollen nicht zuviel verraten!
Tomb Raider - Angel of Darkness im Test.
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