Gesamtwertung85%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungSehr gut |
Mach's nochmal, Lara!
Tomb Raider-Fans, die seit Anbeginn der Serie mit von der Partie sind, werden sich bei Anniversary sofort heimisch fühlen: Auch hier geht es wieder um den mysteriösen Scion, ein Artefakt, um das sich über die Jahrhunderte viele unheilvolle Sagen und Geschichten ranken. Na und, uns doch egal! Lara Croft, unsere vollbusige Archäologin, hat jedenfalls keinen Schiss, sich nach Peru zu begeben und das Artefakt in die richtigen Hände zu übergeben. Dumm nur, dass uns Gauner nach dem Leben trachten und den Scion für sich beanspruchen wollen, na toll! So weit, so bekannt: Dies trifft auch für das Gameplay von Tomb Raider: Anniversary zu.
Zocker, die schon einmal wenigstens einen Teil der berümten Action-Adventure-Reihe gespielt haben, kommen schon alleine mit der Steuerung gleich zurecht. Auf der PlayStation 2 dirigieren wir die attraktive Amazone mit beiden Analog-Sticks durch die gefährlichen Levels, ein leichtes Unterfangen also. Auch die restliche Tastenbelegung ist standardmäßig optimal eingestellt, versehentlich herbeigeführte Aktionen treten nur selten ein. Natürlich wäre Anniversary kein echtes Remake des ersten Teils, wenn es nicht bereits bekannte Orte Peru, Griechenland, Ägypten, Lost Island mit sinnvollen Neuerungen verbinden würde. Neben verschiedenen leveltechnischen Kniffen bedient sich die Neuauflage zudem an einigen, aus Legend bekannten, Möglichkeiten.
Da wäre zum einen der Haken, mit dem Ihr Abgründe überwinden und an Wänden entlang laufen könnt. Wenn das Klettern mal schneller gehen soll, darf man Lara zudem nun zum Beispiel beim Hangeln einen kleinen Geschwindigkeitsschub verpassen. Ganz eingerostet ist Miss Croft im Remake also nicht. Völlig neu ist hingegen, dass unsere Heldin von Pol zu Pol hüpfen und auch auf selbigen balancieren darf.
Akrobatik minus Action = Spiel
In punkto Gameplay blieb man zum Glück dem ersten Teil treu: Weniger Ballerei, dafür mehr Akrobatik. Gute Wahl, das Kampfsystem ist sowieso nicht das Beste. Zielen, Ballern, Ausweichen, das war es dann auch schon. Die durch die Bank nicht-menschlichen Feinde wie zum Beispiel der riesige T-Rex oder die Reiter sowie kleinere Exemplare wie Wölfe, Gorillas und Fledermäuse - sind zudem keine wirklichen Leuchten und stürmen stupide auf Euch zu. Verbündungsmuster oder ähnliche Taktiken sucht man hier vergebens.
Bei fast allen Gegnern kommt das Adrenalin-System zum Tragen: Blinken Eure Feinde vor Wut kurz auf, starten sie einen Angriff, der sobald Ihr ausweicht in Slow-Motion abläuft. Alles was Ihr hier tun müsst, ist, darauf zu warten, dass sich Euer Fadenkreuz rot färbt und Ihr somit einen Kopftreffer landen könnt. Liest sich einfach, ist aber gerade in engen Gängen fast unmöglich in die Tat umzusetzen. Wenigstens darf Lara auf ein überschaubares, aber immerhin vernünftiges Waffenarsenal zurückgreifen: Duale Pistolen, eine Schrotflinte und eine Uzi sorgen dafür, dass man auch härtere Gegnern Kontra geben kann.
Bei bestimmten Levelbossen, wie etwa den bereits erwähnten Reitern, muss man sich hingegen auch auf den Grips verlassen können. Hier reicht Waffengewalt allein nicht aus. Reißt man den furchterregenden Gestalten mithilfe des Wurfhakens ihre Schilde aus der Hand, werden sie endlich verwundbar. Um die bösen Buben ganz totzukriegen, reflektieren wir zudem noch deren Versteinerungs-Blicke mit den eben entwendeten Schilden und geben den Viechern mit der Pumpgun ordentlich Schmackes.
Ein geiles Geburtstagsgeschenk!
Auch wenn man öfters einmal umdenken muss, besteht keins der Rätsel und Kämpfe aus wirklichen Kopfnüssen bzw. unbezwingbaren Herausforderungen.
Kopfzerbrechen bereiten dann schon eher die teils kniffligen Hüpf- und Klettereinlagen. Der scheinbar offensichtlichste Weg kann sich da schon als echte Sackgasse entpuppen.
Motivations-Tiefs gibt es dennoch so gut wie gar nicht, denn Spaß machen die Ausflüge in ungeahnte Orte eigentlich die ganze Zeit, was vor allem an den abwechslungsreichen Aufgaben und nicht zuletzt am umfangreichen Bonusmaterial liegt.
Neben den begleitenden Kommentaren der Entwickler dürfen fleißige Spieler auch noch sämtliche schick inszenierte Filmchen, sowie Musikstücke und auch Outfits mithilfe von gesammelten Artefakten, die oft richtig gut versteckt wurden, freispielen. Das motiviert auch auf Dauer und lässt fast jeden noch so kleinen Frustmoment in der Versenkung verschwinden.
Die grafische Qualität der PC-Version wird von der PlayStation 2 verständlicherweise nicht erreicht, doch auch auf Sony's kleinem schwarzen Rentner sieht Lara extrem gut aus. Weitläufige und verwinkelte Areale, geschmeidige Animationen der Protagonistin und gute Effekte zeichnen Anniversary auch hier aus, obwohl manche Innenräume auch in der Rechenknecht-Fassung - etwas leer wirken. Schwamm drüber, die akustische Seite des Spiels stimmt da wieder vollends versöhnlich. Knackige Effekte, dramatische Musikeinlagen und eine gute deutsche Synchronisation sprechen für Anniversary.
Von mir aus würde ich Lara auch gerne noch in einem Remake des grandiosen zweiten Teils sehen. Wenn kleinere Faux-pas in Sachen Grafik und die Kämpfe trotz niedrigerer Wichtung nicht so simpel wären, könnte ich Anniversary noch besser bewerten. Aber der Fehlerteufel ist nun mal da und auch vor Lara's neuestem Game hat er nicht Halt gemacht. Alles in allem kann man dennoch ohne Bedenken sofern man nicht übertrieben penibel ist mit den Schwächen des Spiels leben und sich einfach an den vielen guten Seiten erfreuen. Es lohnt sich!