Treasure Island

Review
Plattform
PC
Vertrieb
HMH
Entwickler
Radon Labs
Erscheinungsdatum
-
Genre
Abenteuer
USK
6
Treasure Island [PC , looki.de]

Gesamtwertung

76%/10

Grafik

Gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Befriedigend

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Treasure Island

Es geht um eine Insel, einen jungen Mann und böse Piraten: Das muss doch...nein, wir reden nicht von einem neuen Teil der kultigen Monkey Island-Reihe, sondern vom Adventure Treasure Island aus dem Hause Radon Labs, einer nahezu detailgetreuen Spielumsetzung zum weltberühmten Roman von Robert Louis Stevenson, der im Jahre 1897 unter dem Titel „Die Schatzinsel“ auch erstmals in deutscher Sprache erschien. So freuen sich Fans der Vorlage nicht nur über Jim Hawkins und Bill Bones, sondern auch über den einbeinigen Long John Silver, Hawkins Vertrauten Doktor Livesey, dem fiesen Israel Hands, Captain Smollet oder auch den Sponsor der Schatzsuche, Squire Trelawney.

Merke: Piraten sind böse

Alle sind sie mit von der Partie, nur an eine gewisse Antoinette können wir uns irgendwie gar nicht erinnern: Kein Wunder, sie kam auch nicht im Buch vor, stellt jedoch eine durchaus sinnvolle Ergänzung - zur ansonsten vom starken Geschlecht beherrschten Crew – dar.

Nicht nur diese eine, sondern auch einige andere Detailabweichungen vom Schmöker. Unser Abenteuer beginnt in der Nähe der englischen Hafenstadt Bristol – und das ausgerechnet an einem Friedhof. Der 17-jährige Jim Hawkins, dem eine gewisse Ähnlichkeit mit Guybrush Trepwood nicht von der Hand zu weisen ist, verweilt am Grab seiner Eltern – im Buch lebte die Mutter -, hält ein Pläuschen mit dem ehemaligen Freund der Familie, Doc Livesey, und möchte sich am Liebsten neben seine toten Erzeuger legen. Denn alles, was ihm blieb, ist ein heruntergekommener Gasthof namens „Zum Admiral Benbow“, dessen einziger treuer Gast ein jähzorniger und zecheprellender Fettsack ist, der unserem guten Jim noch die Rumfässer leer zu saufen droht.

Bill Bones ist sein Name und wenn er besonders viel getrunken hat, plaudert er sogar ein paar recht spannende Geschichten von vergangenen Tagen auf hoher See aus. Doch vor irgendwas scheint der Kerl Angst zu haben – da vergessen wir sogar seine Schulden. Seine zittrige Stimme kommt nicht von ungefähr: Als Jim in den Keller geht, um liquiden Nachschub ranzuschaffen, hört er ihm unbekannte Stimmen von oben. Bill wird von jemanden bedroht, erhält den schwarzen Fleck als Zeichen seines nahenden Todes und krepiert schließlich an einem Schlaganfall – aber so einfach kommt der uns nicht davon: Vor seinem endgültigen Ableben gibt der Dicke noch Informationen zu seiner mysteriösen Kiste und nicht zuletzt den benötigten Schlüssel dafür raus. Gesagt, getan: Zusammen mit Antoinette betritt Jim Bills Zimmer, öffnet die Kiste und entdeckt eine Schatzkarte. Vom drohenden Unheil, dass plötzlich in Form eines blinden Piraten die Taverne betritt, befreien wir uns durch einen gewieften Trick.

Nachdem dieser Schreck vorüber ist, erzählen wir Livesey von der Schatzkarte, der wiederum den finanzstarken Squire Trelawney auf den Plan ruft. Zusammen geht es nach Bristol: Ein gewisser Long John Silver soll uns dabei helfen, eine Mannschaft für die waghalsige Suche nach dem vermuteten Schatz zusammenzustellen. So weit die Theorie, wir steigen um auf die Praxis: Wir steuern Jim – ausschließlich per Maus - in bewährter Point&Click-Manier durch die Umgebungen. In einer Bar treffen wir auf den einbeinigen Long John Silver und seinen zwielichtigen Begleiter Israel Hands. Beide sind mit von der Partie, doch wir brauchen noch mehr Leute. An einem Nachbartisch erkennen wir den vom Glück beseelten Allessandro della Rocco, dessen nicht enden wollende Strähne beim Spiel wir mit einem mühselig ergatterten Würfel beenden müssen oder dem trauernden George Mary, der seinen geliebten Talisman vermisst – den wir später, nachdem wir uns aus Einzelteilen eine Angel gebastelt haben, jedoch aus dem Wasser des Hafens fischen.

Treasure Island setzt – wie zuletzt bereits So Blonde - größtenteils auf die altbekannten und geliebten Kombinationsrätsel. Um an einer recht weit fortgeschrittenen Stelle des Abenteuers in einem Fort eine Hütte betreten zu können, die von Brettern versperrt wird, benutzen wir einen Hammer. Dummerweise bricht jedoch bei dieser Aktion der Hebel ab. Als Ersatz dient hierbei ein zuvor gesammelter Knochen, mit dem wir die Barrikade lockern können. Piraten-typisch dürfen wir später auch mal etwas in die Luft jagen: Mithilfe von Schwarzpulver, brennendem Holz und geladenen sowie sicher fixierten Kokosnusshälften (!) schießen wir uns gegen Ende den Weg frei. Zugegeben, nicht alle Rätsel sind sonderlich realistisch, aber immerhin kann man den Entwicklern keine klaffenden Logiklöcher vorwerfen. Ausreichend oft weiß man was zu tun ist und selbst wenn es an manchen Stellen nicht der Fall sein sollte: Der gesunde Menschenverstand reicht bei Treasure Island aus.

Merke: Zu leichte Rätsel sind böse

Womit wir auch schon bei zwei Problemen wären: Der Schwierigkeitsgrad und der Umfang. Beide drücken nämlich mächtig aufs Gemüt – gerade auf das von erfahrenen Knoblern. Ersterer ist zu leicht, zweiterer zu kurz, zusammen sind sie angesichts des stolzen Verkaufspreises von knapp 40,- Euro gerade zu tödlich. Und so haben wir uns nach knapp neun Stunden gewundert, dass alles irgendwie schon vorbei ist. Zum Vergleich: So Blonde hatte uns zuletzt knapp 25 Stunden gefordert, Treasure Island stinkt dagegen mit seiner – hinsichtlich des Genres – Spielzeit nicht im Geringsten an. Wäre auch nicht so schlimm, wenn sich wiederum ein paar echte Kopfnüsse unter den Rätseln verbergen würden.

Schade, dass dies eigentlich nicht der Fall ist – gerade deswegen bedauerlich, weil das Spiel nicht nur von Kombinations-, sondern hier und da auch von Dialogrätseln, an deren Lösung man nicht durch Trial&Error-Exzesse, sondern das normale Sammeln von Informationen kommt, bedient.

Für Spieler, die dennoch nicht weiterkommen, wurde übrigens eine Hotspot-Funktion sowie ein Notizbuch für verlorene Erinnerungen integriert. Technisch gibt sich Treasure Island vorwiegend von seiner Schokoladenseite: Das Design der Charaktere und Locations besticht vor allem durch Detailreichtum, die guten Lichteffekte setzen selbige dabei ansprechend in Szene. Dumm nur, dass Jim Hawkins & Co. nicht immer ganz flüssig animiert wurden – hier hätte mehr gehen können. Atmosphärisch ist die Gestaltung der Szenerien jedoch allemal: Die Hispaniola, das Gasthaus „Zum Admiral Benbow“ oder nicht zuletzt die namensgebende Schatzinsel. Alles wirkt so, wie man sich es beim Lesen des Buches vorgestellt hat.

Dem Trend guter Synchronisationen in Adventures nicht gegenläufig gibt sich auch die komplett deutsche Sprachausgabe von Treasure Island: Vor allem Long John Silver wirkt charismatisch und mysteriös zugleich, Jim gibt sich gekonnt naiv aber dennoch nicht dumm und Israel Hands ist ja mal richtig fies – zum Augenklappenszenario passen die Sprecher jedenfalls wirklich gut.

Wieder mal bemängeln müssen wir aber – wie es der Trend bzw. das Genre an sich so will – die eher rar gesäten Soundeffekte: Leblos wirkt deswegen keine der übrigens dreidimensionalen Locations, aber was ist denn gegen ein paar Samples von einem Geplauder zwischen Personen, Tierlauten oder sonstigen Sachen einzuwenden? Freilich kann das Spiel nichts dafür, dass in letzter Zeit das Genre unter eher dürftigen oder viel zu seltenen Gebrauch von Effekten setzt, aber hiermit fordere ich offiziell von allen Entwicklern: Gestaltet Eure Spielwelt bitte nicht nur optisch, sondern auch akustisch lebendiger! Lange Rede, kurzer Sinn: Bleibt noch ein Wörtchen für die Hintergrundmusik übrig. Dachtet Ihr ehrlich, dass die vermasselt wurde? Mitnichten, Treasure Island bietet einen tollen Soundtrack, der einfach nur Lust auf Abenteuer macht und perfekt zur Schatzsuche passt.

Fazit

Als adäquate Spielumsetzung des Literaturklassikers von Stevenson lasse ich Treasure Island durch: Das Werk der Jungs von Radon Labs ist ein stimmiges Abenteuer mit logischen Rätseleinlagen und einer angenehmen Atmosphäre - nicht vergessen darf man dabei die gelungene - von kleineren Ecken und Kanten abgesehen - technische Umsetzung. Als echte Adventure-Perle kann ich das Spiel aber nicht akzeptieren: Zu wenige erinnerungswürdige Momente, zu zahme Rätseleinlagen und ein zu starres Rätselkorsett - und nicht zuletzt: Es ist zu kurz. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was für ein Highlight Treasure Island hätte werden können, wenn es an den entscheidenden Pfeilern nicht gekränkelt hätte. Letztendlich ist es aber wie im Leben: Knapp vorbei ist auch daneben. Immerhin reicht es noch für ein vorsichtiges 'Gut' - und das ist doch auch was.

Treasure Island [PC , looki.de]

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