Tron 2.0

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Buena Vista Games
Entwickler
Monolith Productions
Erscheinungsdatum
-
Genre
Shooter
USK
12
Tron 2.0 [PC , looki.de]

Gesamtwertung

88%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Sehr gut

Tron 2.0

Das 1982 erschienene Science-Fiction-Märchen Tron gilt als Meilenstein der Filmgeschichte, denn zum ersten Mal wurde Computergrafik in einem Kinofilm eingesetzt. Aus heutiger Sicht wirken die Trickeffekte natürlich angestaubt. Bedenkt man jedoch, dass dieser Film zu einer Zeit entstand, in denen es noch keine PCs gab, ist die Leistung umso beeindruckender.

Jahrzehnte lang haben die Fans des oscarprämierten Kultstreifens auf eine Fortsetzung warten müssen. Diese erscheint ironischerweise auf dem Medium, in dem das Cybermärchen spielt: dem Computer.

Der damalige Regisseur vom Ur-Tron , Steven Lisberger, legte höchstpersönlich mit Hand an an Tron 2.0, wenn auch nur in einer beratenden Funktion. Wird Tron 2.0 der Filmvorlage gerecht?

Lege dich niemals mit einer KI an!

Erst nach 20 Jahren harter Arbeit gelang es Alan Bradley, dem Schöpfer des ursprünglichen Tron-Programms, im Film gemimt von Bruce Boxleitner, die Digitalisierungstechnologie wiederherzustellen. Mit deren Hilfe ist es möglich, ein menschliches Wesen in einen Computer hinein zu versetzen, beziehungsweise ihn in ein Programm umzuwandeln. Eines Tages verschwindet Alan auf mysteriöse Weise. Glücklicherweise hat sich dieser in den letzten 20 Jahren auch mit anderen Dingen als mit der Digitalisierungstechnologie beschäftigt. Ergebnis war ein taffer Sohn Namens 'Jet'. Dieser ist ein talentierter Spieleprogrammierer und soll, wenn es nach dem Vater geht, einen Job als Anwendungsprogrammierer annehmen. Natürlich will sich Jet nicht bevormunden lassen und lieber an seinen Spielen weitertüfteln.

Als Daddy eines Tages verschwindet, macht sich sein Sohn auf die Suche nach seinem Vater. Diese beginnt im verlassenen Labor von Bradley Senior. Dummerweise steht dort die Digitalisierungsmaschine, die ohne zu fragen Jet digitalisiert. Nachdem unser Held in Milliarden und Aber-Milliarden Moleküle zerlegt worden ist, wird er in einem fantastischen Cyberuniversum rematerialisiert. Hier kommt der Spieler ins Geschehen.

Wer das Tron Universum kennt weiß, dass die 'User' vergöttert werden! Klar, umgekehrt, wenn in unserer Welt ein Programm über die Straße laufen würde, wäre das ähnlich verwunderlich. Insofern müssen die armen kleinen Programme über die leibliche Anwesenheit eines 'legendären' Users äußerst schockiert sein.

Direkt nach der Rematerialisierung wird man von einem 'Byte' empfangen. Dies ist ein kleiner, putziger Helfer in Form eines kleinen, wabernden Sterns, der den Spieler in die Welt von Tron einführt.

Kurz nach der Einführung in die Spielesteuerung und dem Kampftraining beginnt auch schon das eigentliche Spiel mit einen 'Korruptionsalarm'. Viren greifen einen Systemsektor an, in dem man sich natürlich gerade befindet. Jetzt heißt es erst einmal überleben und den Ausgang aus dem Sektor zu finden. Und wo um Gottes ... äh Users ... Willen ist Jet's Daddy?

Mission Impossible?

Tron 2.0 spielt sich in typischer 3D-Ego-Shooter-Manier . Im Gegensatz zu den meisten Genre-Mitstreitern gibt es aber auch einige Rollenspielelemente. So lassen sich insgesamt 5 Attribute - darunter auch solche wie Gesundheit, Energie oder Waffeneffizienz - bei fortschreitender Erfahrung steigern. Eine nette Idee ist, dass die Erfahrung unseres Alter Egos durch eine Versionsnummer (z.B. 3.5.2) dargestellt wird. Durch Einsammeln von 'Update-Notizen' oder dem Lösen von Aufgaben erhöht sich diese kontinuierlich.

Bei einem Meilenstein (z.B. von 1.9.5 auf 2.0.0) erhält man weitere Fähigkeitspunkte, die sich dann beliebig auf die Attribute, den sogenannten 'Performancewerten', verteilen lassen.

Sogar zusätzliche Fähigkeiten können durch die Integration von Subroutinen erlangt werden. Diese sind überall im Spiel verteilt und entstammen der Kategorien Anwendungen, Verteidigung oder Kampf. Mit solchen Subroutinen lassen sich Skills ausbauen oder neue hinzufügen. Beispielsweise kann man mit einem 'Y-Amp' höher springen oder mit einem 'Profiler' wichtige Daten anderer Programme entlocken. Da nur begrenzt viel Platz für die Integration der Subroutinen zur Verfügung steht, muss man sich - je nach Situation - entscheiden, welche in einem bestimmten Moment sinnvoll erscheint. An bestimmten Stationen ist es möglich (bei sogenannten Code-Optimierungsprogrammen) eine beliebige Subroutinen upzugraden, was beispielsweise bei einem Y-Amp eine verbesserte Sprunghöhe bewirkt. Natürlich gibt es auch viele unterschiedliche Waffen, insgesamt 12 an der Zahl, die man nach und nach finden kann.

Als mächtige Standardwaffe fungiert der schon aus dem Film bekannte Diskus, welcher sich im Flug lenken lässt. Alternativ ist er auch als Nahkampfwaffe verwendbar, mit der sich Opfer mühelos niederstrecken lassen. Sogar an einen Defensiv-Modus wurde gedacht, um gegnerisches Feuer abzublocken. Natürlich dürfen auch die Pendants zum Scharfschützengewehr, Schrotgewehr oder Raketenwerfer nicht fehlen. Wenn ein Gegner schließlich 'gelöscht' wird, hinterlässt dieser 'Kerntrümmer', in denen manchmal wichtige Gegenstände, wie zum Beispiel Subroutinen enthalten sind. Eine andere Möglichkeit, an Gegenstände zu gelangen, sind die Archivbehälter.

Solche sind überall anzutreffen und können geöffnet werden, falls man die dafür nötigen Genehmigungen für den Schließmechanismus sein Eigen nennt. Nur mit der richtigen Kombination an Genehmigungen ist es möglich, solche codierten Schlösser zu überwinden, welche übrigens auch an Türen und Überwachungsanlagen angebracht sind. Teilweise ist es relativ schwierig, an Genehmigungen zu gelangen, da sie auch von Programmen mitgeführt werden können oder an schwer erreichbaren Stellen versteckt sind. Ähnlich wie bei System Shock 2 finden sich an diversen Orten Emails, welche wichtige Hintergrundinformationen für die Story enthalten. Natürlich gibt es auch jede Menge Ingame-Zwischensequenzen, die einzelne Levelabschnitte abrunden.

Fahrn, Fahrn, Fahrn auf der Datenautobahn

Eines der Highlights von Tron 2.0 sind die Light-Cycle (oder zu deutsch: Lichtrenner) Rennen, die man - früher oder später - bestreitet. Dieses Minigame wurde alleine schon auf unzähligen Rechnerplattformen umgesetzt und eines der bekanntesten Computerspiele aller Zeiten. Allerdings übertrifft das Light-Cycle Rennen in Tron 2.0 alles Dagewesene. Zum ersten Mal fühlt man sich richtig in den Motorrad-ähnlichen Light-Cycler versetzt. Es lassen sich diverse Perspektiven wie die Ego-Perspektive und Third-Person Perspektive wählen. Wobei die Ego-Perspektive eindeutig mehr Spaß macht, da man sich mitten ins Geschehen reinversetzt fühlt. Leider fehlt in dieser Perspektive etwas die Übersicht, weswegen sich die Third-Person Sicht zum effektiven Spielen besser eignet. Das Spielprinzip dürfte wohl allbekannt sein: Mit einem Lichtrenner fährt man über einen Spieleraster und hinterlässt dabei eine Energie-Wand.

Je länger man fährt, desto schwieriger wird es den Wänden auszuweichen. Der Spieler, der als letzter übrig bleibt, hat gewonnen. Hinzu kommen noch diverse Specials, die sich aufsammeln und per Maustaste aktivieren lassen. Somit ist es möglich, Wände zu durchbrechen oder die Geschwindigkeit von dem Flitzer zu erhöhen. Dieses Minigame kann man auch im Multiplayer spielen und es macht wirklich einen Heidenspaß.

Visualisierte Datenströme

Bei der Grafik und dem Design hat unter anderem Syd Mead mitgearbeitet. Dieser war bereits beim originalen Film als Designer tätig und hat auch schon in solchen Produktionen wie Aliens oder Blade Runner mitgewirkt.

Aus diesem Grund fühlt man sich sehr schnell wie in den Tron-Film versetzt: Die Gänge und Räume sind mit leuchtenden Neon-Röhren und -Panels übersäht - alles wirkt sehr surreal.

Die Wände haben knallige Farben und ab und an sind fremdartige Konsolen mit High-Tech-Verzierungen zu erspähen. Eine ähnliche Stimmung, die durch diese bizarre Welt erzeugt wird, gab es bis jetzt eigentlich nur bei System Shock 2 oder Deus Ex. Überall blitzen und flackern Lichter auf und erleuchten abstrakte geometrische Figuren. Der Himmel, zumindest das was wir unter Himmel verstehen, ist eine Komposition aus riesigen, visualisierten Daten- und Energieströmen, die an einem eindrucksvoll vorbeiziehen. Alles wirkt sehr plastisch und stimmungsvoll. Nach spätestens fünf Minuten Spielzeit ist man in einer neuen Welt versunken, die man sonst eigentlich nur im Traum erlebt. Die Special-FX Leute vom Ur-Tron wären bestimmt neidisch, wenn sie gewusst hätten, was heute in Echtzeit möglich ist.

Allerdings sollte man sich im Klaren sein, dass Tron 2.0 einen relativ eigenwilligen Grafikstil hat, der nicht jedermanns Sache sein muss. Wer sich mit dem surrealen Schwarzlicht-Stil nicht anfreunden kann und lieber auf eine realistische Darstellung Wert legt, sollte die Finger von Tron 2.0 lassen.

Alle anderen werden ein grafisches Feuerwerk und abwechslungsreiches Leveldesign erleben, wie es in dieser Form noch nie zu sehen war. Es ist übrigens empfehlenswert, das Anti-Aliasing der Grafikkarten zu aktivieren, da die Linien und Kanten der meisten Figuren harte Übergänge haben, was zu unschönen Treppeneffekten führt. Mit Anti-Aliasing oder einer höheren Auflösung wirkt alles noch plastischer und 'runder'.

Ja oder Nein, das ist hier die Frage

Selten gibt es Spiele, die so aufwändig vertont wurden wie Tron 2.0. Die Geräuschkulisse ist sehr stimmungsvoll und orientiert sich natürlich am Film. Überall gibt es Piepser, Pochen und Surren. Sogar die aus dem Film bekannten Bits quäken mit ihrem frechen 'Ja' oder 'Nein' durch die Gegend. Dank EAX 3 wird mit passender Hardware eine unheimlich realistische und beklemmende Klangumgebung aufgebaut. Man fühlt sich einfach mittendrin.

Die Dialoge sind oft in einem recht amüsantem Stil gehalten und regen ab und zu zum Schmunzeln an. Beispielsweise äußerte eine Wache, die Jet außer Gefecht setzte: 'Wenn das ein User war, war es Shareware'. Solche Dialoge ziehen sich durch das ganze Spiel und lockern die sonst sehr angespannte Stimmung auf.

Auch bei der Musikuntermalung werden sich Fans an das Ur-Tron erinnert fühlen, welcher sich übrigens der momentanen Begebenheit dynamisch anpasst. Nähert sich ein Feind, wird die Musik ernster. Die Lokalisierung ist ebenfalls sehr gut gelungen. Leider sind trotzdem einige kleine Passagen enthalten, die bei der Synchronisierung vergessen wurden.

In der englischen Version wird übrigens Alan von Bruce Boxleitner persönlich gesprochen.

Wo ist das Blut?

Manch einer wird das fehlende Blut vermissen. Was aber auch nicht sehr verwundert, da Programme keine Körperflüssigkeiten verlieren, wenn sie gelöscht werden. Aus diesem Grund liegt die Altersfreigabe auch bei FSK 12. Sehr ungewöhnlich für einen 3D-Shooter, aber angesichts des Szenarios auch verständlich. Tron 2.0 zeigt, dass 3D-Shooter auch ohne brachiale Gewalt Spaß machen können und durchaus für jüngere Zeitgenossen geeignet sind

Willkommen auf dem Spieleraster

Natürlich gibt es auch einen Multi-Player, welcher leider in der normalen Verkaufsversion so gut wie nicht zu gebrauchen ist, da es eine Inkompatiblität zu der originalen englischen Version gibt. Desweiteren war es während unserem Test auch nicht möglich, einem anderen deutschen Server zu joinen. Wir wurden jedes Mal mit der Fehlermeldung 'Authentifizierung des DVD Codes fehlgeschlagen' abgespeist. Nachdem uns mehrere Spieler diese Probleme bestätigten, haben wir uns entschieden, den Testbericht für den Multi-Player nachzureichen.

Fazit

Eigentlich habe ich das Genre 'Interaktiver-Film' für tot gehalten. Doch was ich die letzten Tage zu sehen bekam verschlug mir die Sprache. Seit Half-Life gab es kaum ein Spiel mit solch dichter Atmosphäre und einer derart gut erzählten und komplexen Story. In der bizarren Spielewelt gibt es immer wieder neue Dinge zu sehen und entdecken. Man sieht dem Spiel wirklich an, dass die Entwickler sehr viel Wert auf Details gelegt haben.

Das innovative Ausstattungssystem ist sehr gelungen und schnell zu verstehen. Hinzu kommt eine einfache und intuitive Bedienung. Der Single Player ist mit ca. 20 Stunden Spielzeit etwas kurz, aber dafür sehr abwechslungsreich. Einzig im Multi-Player hätte ich mir noch weitere Spielmodis (es gibt hier nur 3 Modis: Lichtrenner, Diskus-Arena und Diskus-Turnier) gewünscht um den Spielspaß über Monate hinweg zu gewährleisten. Ein kooperativer Multi-Player, wie in System Shock 2, mit dem man gemeinsam die 'Kampagne' durchspielen könnte, wäre ebenfalls eine feine Sache gewesen. Aber was nicht ist kann vielleicht noch per Add-Ons oder Mods ergänzt werden.

Das komplette Multi-Player Review werden wir natürlich sofort nachreichen, sobald die angesprochenen Probleme gelöst sind.

Für mich ist Tron 2.0 ganz klar eines der Genre-Highlights des Jahres. Auch wenn die 'Filmfortsetzung' keinen Oscar einheimsen kann, hätte sie einen verdient. Das Spiel wird übrigens ausschließlich auf DVD vertrieben. Wer noch kein DVD-Laufwerk besitzt, hat spätestens jetzt einen Kaufgrund mehr.

Tron 2.0 [PC , looki.de]

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