Gesamtwertung72 %/10 |
Grafik7 SoundUngenügend |
Lanzeitspaß7 Spieleinstieg8 |
Bedienung7 |
Nachdem wir für Euch bereits Anfang August die Preview-Fassung des Portal-Verschnitts Twin Sector unter die Lupe genommen hatten, ist nun die Vollversion des Titels bei uns eingetrudelt. Kann das Denkspiel über unseren befriedigenden Ersteindruck hinauskommen, blieb es bei der Einschätzung oder hat man uns nur alle guten Abschnitte des Spiels gezeigt und sich den schlechten Rest für den Test aufgehoben? Ihr erfahrt es natürlich im Review.
Kann eine Anlehnung an Valves originelles Denkspiel Portal noch offensichtlicher ausfallen als es bei Twin Sector der Fall ist? Wohl kaum. Nahezu an allen Ecken und Enden fühlt man sich an den anspruchsvollen und teilweise auch witzigen Kampf gegen das Computersystem GlaDOS erinnert. Und dabei sind es weniger die rot und blau (die Farben der Portal-Gun) leuchtenden Handschuhe der Heldin Ashley Simms die Erinnerungen hochkommen lassen. Vor allem die tristen Korridore, zahlreichen Rätsel und tödlichen Fallen scheinen dem Titel aus dem Hause Valve entnommen. Natürlich nicht 1:1 und diese Ähnlichkeit ist auch alles andere als negativ gemeint, sie hieft den Titel aber damit auf eine Ebene, auf der man berechtigt beide Spiele miteinander vergleichen darf.
Nur ungern würden wir mit Protagonistin Ashley tauschen: Nicht nur, dass sie sich mit einem auch auf "Normal" zuweilen brutalen Schwierigkeitsgrad herumschlagen muss, nein, sie ist auch die Einzige, an der das Schicksal der Menschheit hängt. Selbige liegt nämlich im Kälteschlaf, um die Zeit zu überbrücken, bis man auf die noch unbewohnbare Erde wieder einen Fuß setzen kann. Nur Ashley konnte vom Sicherheitssystem O.S.C.A.R. aufgeweckt werden, das keine gute Botschaft zu übermitteln hat. Der Hauptgenerator für den Betrieb der Cryo-Kammern ist ausgefallen. Ashley bleibt nur wenig Zeit, die Kiste wieder in Gang zu bringen. Ob das aber schon das Ende der Strapazen war, sei einmal dahin gestellt.
Schon früh will man kein so rechtes Vertrauen in O.S.C.A.R. stecken: Nicht nur, weil die deutsche Synchronisation des Übercomputers (und auch die sämtlicher anderer auftauchenden Charaktere) eher schlecht als recht gelungen ist und zuweilen klingt, als hätte ein Anfänger in einem leeren Raum ins Headset-Mikro gesprochen, sondern auch aus dem Grund, weil auf unserem Weg durch den unterirdischen Bunkerkomplex immer irgendwie und irgendwo etwas schiefgeht.
Mal will ein Fahrstuhl nicht funktionieren, mal müssen wir tödliche Fallen in Kauf nehmen, um Sicherungen für Stromkästen einzusammeln und ein anderes Mal wollen uns (widerwärtig-nervige) Tracer-Drohnen abknutschen. Dumm nur, dass Ashley solche Annäherungen so gar nicht bekommen und sie das Zeitliche segnet. Übrigens nur einer von... wir-wollen-gar-nicht-schätzen-wieviel Bildschirmtoden.
Ihr steuert die Gute dabei in Ego-Perspektive durch die Flure und Schächte - dabei stets im Bild: Eure mächtigen Handschuhe. Der linke, rötlich leuchtende Handschuh kann Gegenstände heranziehen und "greifbar" machen, außerdem gelangt Ihr durch ihn auf höhere Ebenen, indem Ihr Euch quasi an Plattformen etc. "heranzieht". Schwieriger zu erklären als es eigentlich ist. Das rechte, bläulich leuchtende Pendant kann dagegen Gegenstände abstoßen, bei gedrückt gehaltener, rechter Maustaste lädt sich das nicht allzu modische Accessoire auf und schmettert Kisten, Fässer, Gasflaschen usw. förmlich mit Vollgas dahin, wo sie dagegen knallen sollen.
Zudem dient der rechte Handschuh auch dazu, sich bei größeren Falldistanzen quasi kurz vor dem Aufprall abzustoßen und so die Wucht des Aufschlags auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Und das klappt in der Vollversion nun glücklicherweise besser als in unserer Preview-Version. Damals mussten wir stets mit nahezu jedem Fall hapern und bissen oft ins Gras, weil der Handschuh mal wieder nicht richtig "abgestützt" hat. Nun geht das Ganze wesentlich leichter von der Hand. Hier und da sterbt Ihr zwar auch unsinnige Falltode, aber längst nicht mehr so oft wie noch vor einem Monat. Eine klare Verbesserung also.
Am Schwierigkeitsgrad hat sich trotz der Versprechen seitens Publisher Headup Games aber trotzdem nichts geändert: Wie es scheint, hat sich an manchen Stellen die Zahl der Checkpoints erhöht, aber ansonsten ist Twin Sector noch genauso knackig, wie wir es gewohnt sind. Nicht immer sind die Rücksetzpunkte fair verteilt, nicht immer will die Steuerung so, wie wir es wollen (bezeichnend dafür ist das "Heranziehen" mit dem linken Handschuh) und nicht immer hat man nach dem x-ten Neuversuch auch noch wirklich Lust, es weiter zu probieren, zumal die Ladezeiten selbst bei Quickloads einen Tick zu lange dauern.
Aber da kommen ausgerechnet die oftmals physikbasierten Knobeleien, die das Boot nicht absaufen lassen.
Man hat sich zugegebenermaßen anspruchsvolle und teils auch interessante Rätsel einfallen lassen. Die Spanne reicht dabei vom einfachen Gasflaschen-Anzünden, damit diese per Schubser eine Tür freisprengen, über Wasserlösch-Aktionen, die man erst einmal zu sich heranziehen muss, um die Brandstelle zu beruhigen, über komplexere Aufgaben, wie das Balancieren und Manövrieren eines schweren Müllballs durch gravitationsfreie Räume, um selbigen letztlich mit voller Wucht gegen eine verriegelte Tür rollen zu lassen.
Die meiste Zeit über habt Ihr für Versuche ausreichend Gelegenheit, manchmal intervenieren jedoch die bereits erwähnten, fliegenden Tracer oder Sentry Guns.
Hier und da tut es auch ein Zeitlimit, dass Euch im Nacken sitzt. Dass Ihr dabei des Öfteren draufgeht, wurde scheinbar bewusst in Kauf genommen.
Bei vielen Knobeleien muss man sich erst einmal in die Zusammenhänge "hineinfuchsen", testen, welcher Knopf zu welcher Aktion führt und wo eventuelle Todbringer lauern könnten.
Technisch hat sich seit unserem letzten Ausflug nichts geändert: Twin Sector präsentiert sich in eher zweckmäßiger, trister Farbgebung und ohne wirklich bahnbrechenden Detailgrad, läuft so aber auch auf älteren Rechnern ohne Probleme. Die von uns kritisierten Performancemängel wurden beseitigt, zudem gibt es nette Physik-Effekte zu sehen. Die Sterilität von Portal wirkte aber charmanter.
Soviel vorweg: Twin Sector ist schwer, teilweise so schwer, dass man meinen könnte, die Entwickler selbst wollen nicht, dass ihr Titel durchgespielt wird. Da haben sie die Rechnung zwar ohne mich gemacht. Mittlerweile liegt meine Tastatur allerdings auf dem Friedhof - "Rest in Pieces" quasi - und meine Hände wurden eingegipst, weil ich mich nach dem x-ten Fehlversuch an allem festgekrallt habe, was mir in den Weg kam.
Das soll nicht heißen, dass Twin Sector ein schlechtes Spiel ist, es ist eben nur keines für Anfänger. Der Titel hat einige gute Ideen vorzubringen, manche in Anlehnung an Portal, manche aus eigener "Küche" und macht durchaus viel Spaß. Es sind die Rätsel und Geschicklichkeitspassagen, die zwar wie bereits erwähnt teils verdammt hart daherkommen, aber zu motivieren wissen und so dafür sorgen, dass man auch die x-te Krallattacke-nach-Allem über sich ergehen lässt. Ein anspruchsvoller, beinharter Titel für Portal-Fans und alle, die nicht schon wieder virtuelle Pixel wegpusten wollen.
Du bist Gladiator, der Held der Spiele im Kolosseum. Besiege Deine Gegner und erkämpfe Dir die Cance auf 10.000 €. zum Spiel...
Twin Sector im Test.
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