Gesamtwertung80%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungBefriedigend |
Seit vielen Monaten schon gilt Bethesdas Oblivion als unangefochtener Referenztitel für das Rollenspielgenre. Fast im Sturm eroberte die Fortsetzung der Morrowind-Trilogie sowohl den PC als auch die NextGen-Konsolen aus dem Hause Microsoft und Sony, die Konkurrenz in Form von Gothic 3 blieb hingegen weit hinter den Erwartungen zurück. Somit bot sich für andere Entwickler die Möglichkeit den Genreprimus zu entthronen und gleichzeitig von den Fehlern JoWoods zu lernen. Eine dieser Spieleschmieden ist Reality Pump, welche mit dem RPG Two Worlds bereits im Vorfeld zahlreiche Lorbeeren einheimsten; doch nach einer plötzlichen Releaseverschiebung für Xbox 360 und zahlreichen Updates geriet das Bild des potentiellen Oblivion-Bezwingers ins Wanken. Wo Two Worlds heute steht, verraten wir euch im großen Looki-Review.
Antaloor Eine Welt voller Gefahren
Die Geschichte hinter Two Worlds ist von der ersten Minute an packend inszeniert und hat neben den persönlichen Zielen des Protagonisten, die kleine Schwester aus den Klauen einer üblen Vereinigung zu befreien und die Entführer zu stellen, noch die Auferstehung eines längst vergessenen Kriegsgottes zum Inhalt. Dieser lässt sich jedoch nur mit Artefakten wieder beleben, welche überall in der Welt Antaloor verstreut sind. Doch als die Entführer der der jungen Kira den Helden aufsuchen und ihm die Schwester im Tausch für die begehrten Artefakte anbieten, ist das Gewissen des Spielers gefragt.
Die Welt indes ist äußerst riesig gehalten und kann fernab von jeglicher Storyline zu jeder Zeit und überall erkundet werden, was durch geringe Ladezeiten zwischen den einzelnen Landesteilen ebenfalls deutlich wird. Aufgrund der Tatsache, dass Gegner bereits gebietsweise einen Level vorgeschrieben haben, ist jedoch nicht jeder Besuch eines fremden Fleckchens lohnenswert. So kann es schnell passieren, dass ein Schwarzbär den Spieler gleich zu Beginn mit einem Schlag niederstreckt. Somit garantiert der Entwickler einerseits eine frei zugängliche Spielwelt, verhindert jedoch gleichzeitig, dass einige Quests und Gegenstände zu früh entdeckt werden. Mit dem Update 1.4 wurde hier vor allen Dingen Feinschliff betrieben, konnte man starke Gegner aufgrund von schlechtem Balancing zuvor doch recht schnell mit einem Schlag erlegen. Besonders in den Dungeons, welche sich grafisch leider stark vom Niveau der Oberwelt abheben, ist dies positiv zu bemerken.
In Sachen Quests erlebt der Spieler Höhen und Tiefen. Einige der Aufgaben wirken abwechslungsreich und fordernd, andere einfach nur unlogisch und einfach zu lösen. Welche Art der Quests überwiegt lässt sich jedoch nur schwer feststellen, vermindert die Anzahl an Patches doch die Logikfehler.
Darüber hinaus konnten wir uns beim Test nur einige dieser zur Aufgabe machen, was auf die riesige Spielwelt sowie die langen Spieldauer zurückzuführen ist.
Magier, Krieger, oder doch gemeiner Dieb?
Besonderes Augenmerk liegt indes auf der Charakterentwicklung. Auch hierbei steht die Freiheit des Spielers im Vordergrund, wodurch bis auf das Geschlecht und die Rasse praktisch alles verändert werden kann. So lassen sich zu Beginn Haar-, Augen- und Gesichtfarbe individuell gestalten; auch Arm- und Beinlänge können nach Wunsch variieren. Im Vergleich zu anderen Rollenspielen ist es ebenfalls nicht nötig eine bestimmte Klasse oder einen Beruf festzulegen. Vielmehr entwickelt sich der Charakter im Laufe des Spiels durch die Vergabe von Skillpunkten, wodurch ein Krieger beispielsweise auch Zaubersprüche der verschiedenen Schulen erlernen kann, die mit Erd-, Luft-, Wasser-, Feuer- und Totenmagie reichhaltig ausfallen. Insgesamt verfügt der Spieler in Two Worlds somit über mehr als 80 Zaubersprüche die mehr jedoch abhängig von den erlernten Fähigkeiten des Spielers sind. In Form von Karten lassen sich diese sammeln und mit Boosterkarten noch einmal verbessern. Weiterhin bringen so genannte Dirty Tricks frischen Wind ins Spiel. Hierbei ist es dem Spieler zum Beispiel möglich Gegnern Sand in die Augen zu streuen und sie damit zu blenden.
Weitere Freiheit erhält man durch ein ausgeklügeltes Alchemiesystem sowie der Möglichkeit selbst Fallen herzustellen. Letztere können dann verteilt werden um stärkere Gegner auszuschalten, zu vergiften oder gar zu töten. Das Alchemiesystem besticht indes durch unbegrenzte Variationen von Giften, Heilmitteln und Seren, die selbst hergestellt werden können. Dazu lassen sich an jeder Ecke Zutaten finden, die dann in den Alchemietopf gegeben und so zu einem Rezept hinzugefügt werden können.
Das Kampfsystem erweist sich indes als zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite werden durch die Zaubersprüche, die Dirty Tricks in Verbindung mit einem guten Hotkeysystem viele Möglichkeiten gegeben Gegner aus dem Weg zu räumen, andererseits wirkt die Steuerung etwas unrund, sodass das Zielen mit Bogen oder Schwert Ausmaße eines Klick n Slay annimmt. Besonders im Multiplayer, dem es teilweise an Balancing und einer ausgereiften Spielmechanik mangelt, wird dies deutlich.
Technisch nicht einwandfrei
Wie auch in anderen Bereichen scheint sich der Titel des Spiels auch bei der Beaurteilung der technischen Seite widerzuspiegeln; so zeigten sowohl Grafik als auch Sound beim Probespielen zwei Gesichter. Die musikalische Untermalung ist für eine Fantasiewelt stimmig und ändert sich je nach Spielsituation dynamisch; die Handschrift von Harold Faltemeyer ist hierbei klar erkennbar. Weiterhin sind sowohl die Effekte als auch die Sprachausgabe von hoher Qualität, besticht letztere nicht zuletzt durch ausgezeichnete Synchronsprecher. Die Kehrseite der Medaille ist dann aber die Grafik und die Steuerung des Spiels. Zweifelsohne sind die Außentexturen, die Modelle, Wettereffekte, Schatten und die riesigen Areale wirklich gelungen und bieten nicht zuletzt durch die hohe Weitsicht ein atemberaubendes Bild, jedoch stören immer wieder Clippingfehler die Atmosphäre. Nicht selten verschwindet dabei ein Gegner einfach in der Wand oder versinkt im Boden. Fraglich auch die Aussagen der Entwickler Two Worlds würde auch auf schwächeren PCs komplett flüssig und in annehmbarer Grafik laufen, wurde die Unterstützung für ältere Grafikkarten erst später nachgeliefert. In Sachen Steuerung ist die in der ursprünglichen Version katastrophal ausgefallene Reitsteuerung durch einige Updates zwar verbessert, aber nicht gänzlich optimiert worden.