Gesamtwertung82%/10 |
GrafikSehr gut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
Frage: Was hat ein vollstens auf Mehrspielergefechte ausgerichteter Shooter meistens nicht zu bieten? Richtig, eine vollwertige Singleplayer-Kampagne. Und es scheint so, als ob sich die Jungs von Epic zielgerichtet an diesen Spruch halten haben wollen. Denn auch in Unreal Tournament 3 das Jahresupdate fiel unter den Tisch gibt es wieder einmal keine vernünftige Handlung, geschweige denn den Hauch einer Abweichung vom bekannten Multiplayermodus. So wird der Spieler zwar mit einem hübschen Intro darauf eingestellt, dass jetzt endlich mal an etwas für die Offline-Gamer da draußen gedacht wurde, dürfte aber im nächsten Moment wieder enttäuscht sein. Denn nach dem vielversprechenden Singleplayer-Trailer, der wirklich nach packenden Gefechten mit einer echten Story aussah, ist das Gebotene eine echte Enttäuschung, wenn nicht sogar eine Mogelpackung.
Jahresupdate, anders ausgedrückt...
Im Grunde genommen erwartet den Fan abgesehen von den gut gemachten Videos - absolut nichts anderes als im Offline-Modus: Rasante Schusswechsel mit Bots in verschiedenen Modi und auf unterschiedlichen Karten, die Ihr jedoch allesamt später auch im normalen Multiplayermodus finden werdet. Nichts Neues also.
Und genau das ist auch das Problem von Unreal Tournament 3: Keine neuen Waffen, im Prinzip kein wirklich neuer Spielmodus und eben wieder mal! - keine echte Singleplayer-Kampagne. Wer sich daran nicht stört, den erwartet das übliche UT-Drumherum mit überwiegend Verbesserungen im Detail. Während Deathmatch, Team-Deathmatch und Capture the Flag wohl jedem geläufig sein sollten, der mindestens einmal in seinem Leben eine Mehrspielerpartie gezockt hat, ist Vehicle CTF genau das Gleiche wie der altertümliche Flaggenklau, bloß mit größeren Karten und den titelgebenden Fahrzeugen.
Eben jenen Boliden hat Epic in UT 3 ordentlich Verwandschaft beschert: Während das Hoverboard bei Vehicle CTF und Warfare-Matches jeder Charakter bei sich trägt, sind alle anderen Vehikel auf den Maps nach Partei Die menschlichen Axon und die schleimigen Necris verteilt.
Wichtige Info beim fliegenden Brett: Flaggen dürft Ihr damit nicht transportieren wäre ja auch noch schöner. Zudem bietet das Hoverboard logischerweise längst nicht soviel Panzerung wie beispielsweise die Panzer Axon Goliath oder das Ungetüm Axon Leviathan. Aber auch die Necris wurden äußerst gut ausgestattet: Vom riesigen Dark Walker über den hinterhältigen Nightshade zum flinken Necris Scavenger. Insgesamt finden sich im Spiel ganze 16 Fahrzeuge mit teils drastischen Unterschieden Die Palette reicht dabei vom stinknormalen Buggy bis zum gut bewaffneten Gleiter. Besonders schick ist dabei das Design der Necris-Untersätze: Im Gegensatz zu den Axon-Fahrzeugen haben die Außerirdischen recht lebendig wirkendes Kriegsgerät am Start. Vor allem beim meterhohen Dark Walker oder beim dreibeinigen Scavenger hinterlassen die sich stets bewegenden Tentakeln für einen organischen, erfrischenden und vor allem auch furchteinflößenden Look.
Und nachdem man den ersten Schock über die fehlenden großen Neuerungen, vor allem über die Mogelpackung namens Einzelspielermodus überwunden hat, offenbart Unreal Tournament 3 die Schokoladenseiten, die sich jeder Fan ganz im Sinne der Tradition erhofft hat. Auch beim Leveldesign haben sich die Entwickler scheinbar in vielerlei Hinsicht inspirieren lassen.Ein solch abwechslungsreiches und umfangreiches Kompendium gibt es derzeit in kaum einem anderen Mehrspieler-Shooter. Angefangen von den üblichen gothisch angehauchten Szenerien über Evergreen-Neuauflagen - Deck lässt grüßen! - bis zu referenzwürdigen Outer Space-Maps mit kontrollierbaren Geschützen ist eigentlich wieder einmal alles vertreten, was sich der Fanboy und das verwöhnte Auge wünscht. Zwei Modi haben wir Euch bisher allerdings noch verschwiegen: Das wäre zum einen das Duell typisches 1on1-Deathmatch - sowie der neu hinzugestoßene Warfare-Modus, zu deutsch: Kriegsführung.
Warte mal, neu? Also doch nicht alles Altbekanntes? Nun, nicht ganz, denn im Grunde genommen ist Kriegsführung die logische Konsequenz der Vermischung des 2004er-Onslaughts und des original Assault-Modus.
Wer hat denn den vor's Mikro gesetzt?
Grob gesagt ist Warfare ein Modus, in dem zwei Teams gegeneinander antreten, um bestimmte Knotenpunkte der jeweiligen Map einzunehmen und zu verteidigen. Dies wird solange durchgezogen bis die Hotspots eine durchgehende Linie in der Farbe ihres Teams ergeben und somit den Weg frei zum Energiekern des Gegners machen, an dessen Ende seine Zerstörung steht. Wird auch nur ein einziger Knotenpunkt an den Feind verloren, ist der Verlauf ungültig und der Core nicht zu knacken.
Zur Verstärkung der Argumentation, dass doch möglichst wir gewinnen wollen, stehen wie vorhin erwähnt Fahrzeuge sowie Energiekugeln, die die sofortige Einnahme von Knotenpunkten möglich machen, zur Verfügung.
Die stufenweise einstellbare, künstliche Intelligenz der Bots ist dabei serienüblich recht gut allerdings nur wirklich dann, wenn Ihr gerade kein Match spielt, in dem Vehikel vorhanden sind. Die Computergegner überzeugen, wenn es darum geht, beispielsweise im Zickzack zu laufen, wenn Ihr ein Scharfschützengewehr in der Hand haltet. Epic hätte sich jedoch noch etwas Zeit im Feintuning der KI mit fahrbaren Untersätzen unter dem Allerwertesten nehmen sollen. So kann es vorkommen, dass sich manche Bots entweder mit ordentlich Karacho selbst ins Jenseits befördern oder mit einer einfachen Wand zu kämpfen haben, die es eigentlich nur zu umfahren gilt.
Da dies jedoch alles andere als der Regelfall ist und die Boliden-KI vom kalten Graus dennoch weit entfernt ist, fallen diese kleineren Mängel nicht allzu stark ins Gewicht. Dafür ist das Gameplay so schnell, so furios per LAN und Online mit maximal 32 Spielern - wie in noch keinem anderen Unreal Tournament-Titel bisher. Deutsche Spieler werden sich aber gegenüber englischen Zockern etwas benachteiligt fühlen: Denn erstens wurde UT 3 nicht nur stark auf USK16-Niveau heruntergekürzt, sondern nach 08/15-Simpelmuster gleich noch ins Deutsche synchronisiert. Die Folge: Unfreiwillig komische Dialoge im Singleplayer-Modus und eher peinliche Sprachsamples in den Gefechten. Man kann davon halten, was man will.
Letztendlich ist es gar eine Frage des Geschmacks, ob man lieber den ernsten englischen O-Ton in der hiesigen Version nicht anwählbar! -, oder die absolut trashige Übersetzung bevorzugt. Ganz woanders hat Unreal Tournament 3 jedoch einen definitiven Sprung nach vorn gemacht: Hinsichtlich der höchst detaillierten Optik!
Die abwechslungsreichen Maps sehen richtig klasse aus und können vor allem auf den größeren Karten mit echten Eye-Candys aufwarten, das Design der Fahrzeuge ist wie bereits erwähnt spitzenmäßig und die detaillierten Charaktere eine Augenweide obwohl man diese in den furios schnellen Gefechten relativ selten nah zu Gesicht bekommt. Und das Beste: UT 3 läuft auch auf Mid-End-Maschinen gar nicht mal so übel.