Venetica

Review
Plattform
PC
Vertrieb
dtp digital tainment
Entwickler
Deck 13
Erscheinungsdatum
-
Genre
Action
USK
12
Venetica

Gesamtwertung

86 %/10

Grafik

7

Sound

10

Lanzeitspaß

8

Spieleinstieg

8

Bedienung

8

Venetica

Der Tod ist nicht das Ende: In kaum einem anderem Spiel trifft das so zu wie bei Venetica, dem neusten Action-Rollenspiel aus dem Hause Deck 13. Hier begegnet Euch der Tod an so ziemlich jeder Ecke. Warum der Titel dennoch quicklebendig wirkt und wir keinen Suizid begehen mussten, erfahrt Ihr in unserem Review der PC-Fassung.

Die junge Scarlett sieht nicht nur aus wie Lara Croft, sie weiß sich auch mindestens so gut zu verteidigen wie sie. Doch im Gegensatz zur Archäologin mit dem monströsen Vorbau werden bei Venetica keine Ballermänner ausgepackt, schließlich spielt der Titel in einem mittelalterlichen Fantasy-Szenario und Heldinnen von damals setzten neben leichten Stoffen und körperbetonten Rüstungen mehr auf Schwerter, Speere oder Hämmer. Das ist aber auch bitter nötig, schließlich hat es speziell unsere Heldin nicht nur mit einer, sondern gleich mit mehreren Bedrohungen zu tun.

Der Tod höchstpersönlich ist kurz vor dem Abdanken und ließ bei seiner Suche nach einem Nachfolger auch den untoten Fürsten zu Gelegenheit kommen. Das "Praktikum" verlief für ihn jedoch alles andere als erfolgreich, der Tod spürte seine bösartigen Intentionen, die das Gleichgewicht von Leben und Tod zu stürzen drohten. Kurzerhand wurde der Fürst also abgesetzt und durch einen neuen Nachkömmling ersetzt. Der hatte von seiner Ehre jedoch nicht viel und durfte ein für allemal sterben - der untote Fürst ließ es sich nämlich nicht bieten und will nun die gesamte Menschheit vernichten. Zur Seite stehen ihm diverse Untertanen, die irdisches Leid verursachen - wie zum Beispiel die Zerstörung von Scarlett's Heimatdorf und den Mord an ihrem Partner. Nun liegt es an uns, das Schicksal der Welt zum Guten zu drehen.

Schon in den ersten Minuten möchte man trotz der eher traurig stimmenden Attacke auf Scarlett's Dorf das Grinsen nicht verlieren - sofort fallen sowohl in den Ingame-Zwischensequenzen als auch direkt während des Gameplays die vielfältigen Gesichtsanimationen auf. Wird sie von ihrem Liebsten zärtlich über die Wange gestreichelt, schenkt sie uns ein schönes Lächeln. Schwingt sie den Schürhaken, reißt sie den Mund weit auf und greift mit bitterbösem Blick an. Trauert sie um ihren Benedict, möchte man am Liebsten mitweinen. So funktionieren glaubwürdige Momente.

Die Suche nach der Wurzel allen Übels führt uns dabei vom zerstörten San Pasquale über idyllische Wälder, düstere Minen, gefährliche Katakomben sowie in das Herz der Venetica-Spielwelt, das riesige und in verschiedene Bezirke unterteilte Venedig. Erwartet hier übrigens keine zeitgenössische 1:1-Kopie, sondern vielmehr ein "Best of" der zahlreichen architektonischen Elemente der berühmten Stadt.

Verschiedene Brücken- und Gebäudefragmente wurden hier zum Vorbild genommen, um eine eigene, venezianische Fassung auf den Bildschirm zu zaubern. Und auch auf die typischen Gondeln muss man natürlich nicht verzichten. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen: Gerade bei Tageslicht hinterlassen die durch Zwischenladeprozesse miteinander verknüpften Stadtteile einen hervorragenden und durch zahlreiche Bürger, Wachen und Händler lebendigen Eindruck.

Das Gleiche darf man auch von der atmosphärischen Seite behaupten: Viele Quests wollen erledigt werden. Manche bringen die Handlung voran, der Großteil dient mehr zum Aufleveln der Reckin oder deren Fortbildung oder auch Gesundung. Man sollte nun wirklich nicht den Fehler machen, hier stur nach Hauptquests zu gehen, Deck 13 hat sich genügend interessante Sidequests einfallen lassen.

So befreien wir eine düstere Mine von gefährlichen Wühlern, erledigen Botengänge und verschaffen uns so einen gewissen Ruf und weitere Kontakte, oder lassen die Gefährdung durch hartschalige, gefräßige Brackläufer versiegen, indem wir die wie wild gebärende Königin ins virtuelle Nirwana schicken.

RPG-typisch verdient Ihr Euch mit gewonnen Erkenntnissen oder Gefechten mit feindlichen Wesen, Assassinen oder korrupten Mandoleuren neben deren Hab und Gut, dass Ihr bei Händlern gegen Bares verticken könnt, auch Erfahrungspunkte, die Ihr in Scarletts Konstitution, Stärke, Weisheit oder mentale Fähigkeiten investieren könnt. Hierfür erhaltet Ihr Fertigkeitspunkte (FP), mit denen Ihr Euren physischen und mentalen Skilltree erweitert.

Das jedoch nicht "on the fly" in der Pampa, sondern nur bei bestimmten NPCs, die Euch das Erlernen dieser bestimmten Spezialfähigkeiten anbieten und zu denen Ihr jederzeit zurückkommen könnt, wenn die FP beim ersten Mal doch noch nicht ausreichen sollten. Venetica lässt Euch zwar hier recht freie Hand bei der Herausbildung Eurer ansonsten übrigens nicht individualisierbaren Heldin, doch manche körperlichen oder mentalen Fähigkeiten sind zum Weiterkommen einfach ein Muss. Um beispielsweise den inneren Bezirk von Venedig betreten zu können, müsst Ihr erst das Wappen einer ehemaligen Nachtwache wiederbeschaffen, dass sich eine Art Riesenfledermaus angeeignet hat. Mit normalen Waffen kommt Ihr hier nicht weiter, da das Biest über Eurem Kopf schwebt.

Stattdessen beschwört Ihr einen Zauberspruch, der dem Vieh auch auf Distanz das Leben aushaucht. Selbigen müsst Ihr vorher aber auch erst erlernen, indem Ihr eine storyrelevante Person ausfindig macht, zu der Euch ein story-irrelevanter, kleiner Junge führt. Viele Wege führen also nach Rom, äh Venedig.

Ihr steuert Scarlett dabei in einer frei zoombaren Third-Person-Ansicht und mit Maus und Tastatur bewaffnet durch die verschiedenen Umgebungen. Schnelltasten können über das Inventar per Drag & Drop der jeweiligen Fähigkeiten zugewiesen werden. Jenes ist dank mehrerer Reiter durchaus übersichtlich gestaltet, gleiche Gegenstände benötigen dabei dennoch immer nur einen Slot und werden dann numerisch gekennzeichnet. In den Echtzeit-Kämpfen könnt Ihr Euch anfangs nur mit einfachen Manövern und Seit- sowie Vor- und Rückwärtsrollen behelfen, später kommen noch Timing-abhängige Kombinationsangriffe hinzu, außerdem dürft Ihr dann auch endlich Schläge parieren.

Im Grunde freut man sich auf jede Konfrontation, bringt sie doch meistens nur Gutes mit sich. Nervig wird es nur, wenn man beispielsweise den äußeren Bezirk von Banditen säubert und daraufhin meuchelnde Soldaten die abendlichen und nächtlichen Gassen unsicher machen - und immer und immer wieder auftauchen, bis es einfach keinen Spaß mehr macht, jemanden den schweren Hammer auf den Kopf zu schlagen.

Orientierung in den riesigen Weiten verschafft Euch dabei eine Landkarte, auf der Ihr über das Inventar spezielle Missionspunkte oder einfache Lokalitäten markieren könnt, um nicht den Überblick zu verlieren. Dumm nur, dass in unserer Gold-Master nicht alle Markierungen angezeigt wurden, selbst wenn sie innerhalb des gerade betretenen Spielbereiches lagen. Überhaupt hat Venetica hier und da noch mit kleineren Bugs zu kämpfen. So dreht Scarlett beispielsweise ihren Rücken zur Tür, obwohl sie sie gerade öffnet oder tote Gegner bleiben stehen, anstatt auf den Boden zu klatschen.

Dennoch ist der Titel für ein Spiel derartiger Größe überraschend frei von spielspaßhemmendem Ungeziefer und erst recht weit entfernt von Bug-Desastern á la Gothic 3. Abstürze gab es in unseren Testsessions so gut wie gar nicht zu beklagen, sinnvollerweise speichert das Spiel bei jeder betretenen Location automatisch ab. Slots zum freien Speichern gibt es zudem mehr als genug.

Nicht nur in der irdischen Welt treibt sich Scarlett herum - als rechtmäßige Tochter des Todes kann sie - entsprechende Schattenmagie vorausgesetzt - auch noch nach Belieben in die Schattenwelt gleiten. Ihr Geist wechselt dabei in eine alternative Dimension, in der sich geheime Räume oder Routen aufspüren lassen. Ganz simpel kann sie somit aber auch an Gegnern vorbeilaufen, oder an postierten Wachen, die Ihr den Eintritt zu bestimmten Bereichen der Welt verwehren. Komisch nur, dass sich selbige nicht wundern, wenn Ihr auf einmal hinter ihnen auftaucht und erst nichts dagegen unternehmen, was leicht an der Glaubwürdigkeit zweifeln lässt. Doch die Schattenwelt ist nicht nur immer ein "Kann", sondern auch manchmal ein "Muss": Bestimmte Kämpfe wie der Bossfight gegen die Assassinen-Meisterin, die sich nach der ersten verlorenen Runde in ein riesiges Schlangenwesen verwandelt, spielen sich beispielsweise nur in der Zwischenwelt ab.

Auch Eure gelegentlichen Wiedersehen mit Eurem verstorbenen Benedict, der meistens spezielle Fähigkeiten für Euch parat hat, gibt es nur in ihr. Ganz wichtig: Sterbt Ihr, ist es wie eingangs erwähnt nicht das Ende. Stattdessen greift Ihr dann auf Eure Schattenmagie zurück, die Euch auf Knopfdruck in die irdische Welt zurückkommen lässt - und zwar an dem Punkt, an dem Euer lebloser Körper liegt.

Bis Ihr den untoten Fürst und dessen Gehilfen ein für allemal in die Flucht geschlagen habt, vergehen zahlreiche Stunden, zudem gibt es gleich an zig Stellen des Spiels verschiedene Wege und Möglichkeiten, das Ende zu beeinflussen, was nochmals zusätzlich Spieldauer bedeutet. Zeit, die man gerne in Kauf nimmt, gerade wegen der hervorragend vertonten Gespräche. Ob wir noch etwas an Venetica zu meckern haben?

Nun gut, die spärlichen Innenräume erwecken grafisch nur selten einen guten Eindruck und die ansonsten gelungenen Animationen sehen gerade bei Passanten auf weite Entfernung arg ruckelig aus. Auch die Orientierung ist unter anderem im inneren Bezirk, auf der Ihr erstmals auf ein Riesenschiff namens "Die Klaue" trefft, nicht immer das Gelbe vom Ei und in Verbindung mit den häufigen Ladesequenzen manchmal nervig, aber ansonsten hält sich unsere Kritik in Grenzen.

Fazit

Da hat mich mein Eindruck der noch recht instabilen, aber ansonsten soweit fertigen Preview-Fassung nicht getrübt: Venetica ist eine spannende Fantasy-Mär, die einfach zu motivieren und den Spieler ins Geschehen zu ziehen weiß. Wie oft ich einfach stehen geblieben bin und der guten Scarlett beim Ausharren zugesehen habe, während gleißendes Sonnenlicht das architektonisch hübsche Venedig in ein atmosphärisches Licht getaucht hat, Gondeln vorbeischipperten und Bürger ihres Weges gingen, geht auf keine Kuhhaut mehr.

Man möchte von Anfang an dem untoten Fürst an den Kragen, der den Tod des Liebsten zu verantworten hat. Man möchte in den meisten Dialogen austesten, wie ein Gesprächspartner auf verschiedene Antworten reagiert und welche Konsequenz das für uns hat. Und ganz wichtig: Man möchte wissen, wie Venetica enden wird. Und das ist wohl einer der größten Pluspunkte, die man vergeben kann. Da stören mich die vergleichsweise geringen Kritikpunkte persönlich gar nicht. Scarlett, wie war ich?

Venetica

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