Gesamtwertung64%/10 |
GrafikGut SoundBefriedigend |
LanzeitspaßBefriedigend SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
Einige von uns mögen sich eventuell noch an den alten Klassiker Vermeer erinnern, der uns etliche Stunden Spielspaß beschert hat. Nun wurde Vermeer 2 eingehend durch die JustGamers Redaktion getestet und ob das 'Remake' uns überzeugt hat, erfahrt ihr in unserem Artikel. Bevor ich Ihnen von meinen Jahren als Unternehmer erzähle, möchte ich mich Ihnen kurz vorstellig werden und die Vorgeschichte erzählen, wie es überhaupt dazu kam. Wir schreiben das Jahr 1918. Onkel Walter lud sämtliche Neffen und Nichten zu sich nach Berlin ein, um sein Testament zu bestimmen. Er erzählte uns davon, dass man seine sämtlichen Gemälde gestohlen und überall auf der uns bekannten Welt verstreut hat.
Unsere Aufgabe war es nun, diese zu finden und derjenige von uns, der bis zum Ableben von Onkel Walter die meisten Gemälde gesammelt hat, durfte sein Erbe antreten. Niemand von uns sollte einen Vorteil haben und so erhielten wir von Onkel Walter jeder ein Startkapital in gleicher Höhe. Wir machten uns also daran, die Grundlagen zu schaffen, um im Laufe der Jahre ein Vermögen anzuhäufen, da für den Erwerb kostspieliger Gemälde sehr viel Geld benötigt wird. Somit fingen wir an, uns in ferne Länder zu begeben und neue Plantagen zu erstellen. Meine Jahre als Unternehmer fanden somit an dieser Stelle ihren Anfang. Mit einem Startkapital von 100.000 $ begab ich mich nun auf die Reise in Richtung Mittelamerika. Zunächst steuerte ich Havanna an, um meine erste Plantage zu gründen. Natürlich, wie es sich für Kuba gehört, streute ich Tabak als Saat, stellte die ersten Arbeiter ein, damit meine Plantage auch möglichst ertragreich ist.
Ich sah mein Konto schrumpfen, doch schon bald sollte sich herausstellen, dass meine erste Investition genau ins Schwarze getroffen hat. Mein Weg führte mich weiter zu New York. In dieser Stadt befand sich auch einer der beiden Weltmärkte, an denen wir unsere sämtlichen produzierten Einheiten verschicken und gegen bares Geld einlösen konnten. Bevor ich jedoch die Stadt verließ, nahm ich einen Kredit in Höhe von 100.000 $ auf, um weitere Investitionen zu tätigen. Kurze Zeit darauf war ich auch bereits auf dem Weg in die Stadt Bogota, die für ihren Kakao Anbau weltweit bekannt war.
Somit errichtete ich dort meine zweite Plantage, sorgte ebenfalls dafür, dass einige Arbeiter in der Stadt aus der Arbeitslosigkeit entfliehen konnten und schipperte im Anschluss daran zurück nach Havanna, um die erste Ernte an Tabak einzufahren. Einige Tage vergingen, bis ich endlich den Hafen von Havanna erreichte. Der Duft von Tabak war in der gesamten Stadt existent. Meine Arbeiter begrüßten mich freundlich, denn sie wussten, dass mit meiner Ankunft auch gleichzeitig Zahltag ist. Mein weiterer Weg führte mich in das Warenlager, in dem die Ernte der vergangenen Tage und Wochen gelagert wurde. Als tüchtiger Geschäftsmann verglich ich die Preise der beiden Weltmärkte New York und London und entschied mich letztendlich dazu, meine Ernte nach London zu verschicken, da man dort einen wesentlich besseren Verkaufserfolg erzielen konnte.
Monate vergingen ins Land und ich expandierte immer weiter. Meine Mitbewerber versuchten zwar mich aufzuhalten, ein Vermögen zu erwirtschaften und sämtliche Gemälde zu erwerben, aber ich war derart gewieft, dass sie doch schlussendlich kaum etwas entgegen zu setzen hatten.
Bevor ich mein Vermögen in die Gemälde investieren sollte, habe ich einige Schulungen zu den verschiedenen Kunstrichtungen wie Impressionismus, Expressionismus, Realismus, Barock und etlichen anderen wahr genommen, um mich somit vor etwaigen Fälschungen zu schützen. Als Zeitvertreib für zwischen durch entschied ich mich für das Pferderennen, um ein zusätzliches Vermögen anhäufen zu können.
Die weltweite Wirtschaftskrise hielt an und machte auch bei meinen Mitbewerbern keinen Halt dazu hatte ich jedoch kräftig mitgesorgt. Sie hatten es tatsächlich gewagt, in den Städten Plantagen zu errichten, in denen ich bereits mit eigenen präsent war. Das durfte ich natürlich nicht auf mich sitzen lassen und entfachte einen Streik bei ihren Arbeitern, um somit deren Termingeschäfte mit den Weltmärkten platzen zu lassen. Mittlerweile war es an der Zeit, weiter in die Landschaft von Mexiko City hervorzudringen. Man bot mir an, Expeditionen durchzuführen, bei denen man seltene Gegenstände entdecken konnte.
Nach einigen Versuchen war ich dann auch erfolgreich und durfte mich glücklich schätzen, einige dieser Relikte als mein Eigen zu nennen. Diese verhalfen mir zu weiterem Ansehen in der Schickeria. Was war eigentlich in der Zwischenzeit mit Onkel Walter? Er lebte zwar noch, aber man konnte bereits erahnen, dass sein Ableben kurz bevor stand. Somit entschloss ich mich, aufgrund meines Vermögens und meinen theoretischen Kenntnissen, in kurzen Zeitabständen weltweit an Auktionen teilzunehmen.
Mein Ziel war es sicher zu gehen, dass ich derjenige bin, der das Erbe von Onkel Walter antreten darf. Scheinbar haben es meine Mitbewerber versäumt, ihr theoretisches Wissen bezüglich Kunst zu erweitern und haben eine Fälschung nach der anderen erworben. Ich hingegen hatte, bedingt durch die Rot-Grüne Brille, den totalen Durchblick und war somit nach einigen Monaten im Besitz vieler der Original-Gemälde, die man seinerzeit unserem Onkel Walter gestohlen hatte.
Eines Morgens, in meinem erst kürzlich erworbenen Hotel in Havanna, wurde ich unsanft durch ein lautes und wildes Klopfen an meiner Zimmertür geweckt. Ich nahm ein Eil-Telegramm entgegen und öffnete mit zittrigen Händen den Umschlag. Man teilte mir mit, dass Onkel Walter verstorben sei und es nun zur Testamenteröffnung kam. Natürlich war mein erster Gedanke Habe ich es tatsächlich geschafft, die meisten der Gemälde zu erwerben, die man Onkel Walter gestohlen hatte?, aber bevor ich mir dazu weitere Gedanken machen konnte, begab ich mich bereits auf die lange Reise nach Berlin. Nach einer unruhigen Seefahrt schipperte ich im Hafen von Berlin ein und wenige Tage später erfuhr ich durch den Notar, dass ich es tatsächlich geschafft hatte: Ich wurde der Erbe von Onkel Walter und somit hatten meine Jahre als Unternehmer vorläufig ihr Ende gefunden.
Schnelle Erfolge
Es ist zunächst nicht schwer, wirtschaftliche Erfolge zu erzielen: Die Investition in Plantagen sind niedrig, die Arbeitslöhne gering und somit die Gewinne pro produzierte Ware riesig. Nach kurzer Zeit wird sich das Vermögen des Spielers bereits so vermehren, dass er guten Gewissens bei den Gemäldeauktionen Geld ausgeben kann. Doch ganz so einfach ist es nicht, zu gewinnen: Bis zu 5 menschliche Spieler können um die Erbschaft des Onkels wetteifern. Bei weniger Spielern übernimmt Ihr PC die freien Positionen. Die Spieler kommen sich mit zunehmendem Spiel immer mehr in die Quere: In den Plantagenstädten stehen Land und Arbeiter nur begrenzt zur Verfügung, so dass es mit zunehmender Expansion zu harten Konkurrenzkämpfen kommt. Auch der Warenmarkt bietet lukrative Termingeschäfte immer nur mit begrenztem Volumen an.
Die Spieler wetteifern darum, einen möglichst großen Teil davon zu erhalten. Auf den Auktionen kann schließlich immer nur Einer den Zuschlag für die Gemälde erhalten. Hier zeigt sich, wer mehr Geld für ein einzelnes Bild auszugeben bereit ist. In allen Spielbereichen lohnt es sich, ein Auge auf seine Konkurrenten zu haben und im entscheidenden Moment zu agieren.
Wer zum Beispiel als einziger Bieter auf einer Auktion ist, kann ein wertvolles Original zum Schnäppchenpreis ergattern. Sind alle anderen Spieler bereits unterwegs zur Versteigerung, kann man vielleicht besser seine Plantagen abklappern, um das eigene Bargeld aufzufüllen. Die Interaktionen unter den Spielern sind speziell auf die Situation des sogenannten 'Hotseat' ausgelegt: Alle Spieler sitzen dabei gemeinsam vor einem PC und wechseln sich in Ihren Aktionen ab.
Die im Spiel möglichen Aktionen sind an 20 über den gesamten Globus verteilte Städte gekoppelt. Manche Aktionen sind sogar an bestimmte Termine gebunden, wobei der Spielzug eines Spielers immer einem Tag entspricht. In einer Zeit ohne moderne Kommunikationsmittel reist der Spieler mit Dampfschiff und Eisenbahn um den Globus, um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. In jedem Spielzug in einer bestimmten Stadt können dabei nur sehr wenige Aktionen durchgeführt werden, wodurch bei mehreren menschlichen Spielern nie jemand lange auf seinen nächsten Zug warten muss. Als letzte wichtige Entscheidung eines Spielzugs muss der Spieler überlegen, welche Aktionen als nächstes anliegen und welche Stadt dafür angereist werden muss.
Als 'alter' Vermeer Fan war es zwar kurzweilig eine Freude, aber in den Zeiten, wo überwiegend der Multiplayer im LAN oder im Internet stattfindet, kann mich das Remake nicht wirklich überzeugen. Somit ist bei mir nach wenigen Spielstunden der Spielspaß dahin und mein verstaubtes Regal um ein weiteres Spiel reicher. Daher gilt meine Kaufempfehlung ausschließlich Einsteigern des Genres und Familien, die hin und wieder mal gemeinsam an einem PC das Erbe von Onkel Walter antreten möchten.
Vermeer 2 im Test.
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