Gesamtwertung69%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungBefriedigend |
'War&Peace - 1796-1815' aus der französischen Spieleschmiede Microids spielt, wie bereits der Titel verrät, in den kriegerischen Jahren zwischen 1796 und 1815, die napoleonische Zeit. Kaum eine andere Person der Zeitgeschichte 'spielte' so mit seinen Gegner, wie Napoleon. Wer Lust hat, sein strategisches Geschick zu testen und es Napoleon gleichzumachen oder sich bloß mit anderen euopäischen Großmächten anzulegen, der sollte weiterlesen.
Aller Anfang ist schwer
Seit Operation Flashpoint war selten eine Installation so nervenzerreibend wie bei War&Peace. Nein, nicht unleserliche Zahlen während der Key-Eingabe machen einem zu schaffen, sondern ganz andere lächerliche Dinge. Angefangen mit der Suche nach dem CD-Key. Nach erflolglosem Durchblättern der Anleitung nach einem Key, fand ich endlich einen kleinen Hinweis, dass er angeblich direkt auf die CD gedruckt sei.
Und wahrhaftig, da ist er ja auch schon. Ein CD-Wechseln beginnt. CD raus, Key abtippen, CD rein, um das Spiel auch starten zu können. Unnötige Hektik für schon genug gestresste PC-Spieler. Jedoch wäre es schön, wenn bloß die Suche nach dem CD-Key schwer wäre. Das Interface erscheint kompliziert, erst im Laufe des Spiels gewöhnt man sich an die Handhabung des Spiels. Die Symbole erscheinen einem teilweise zu klein, wie die Flaggen in der oberen linken Ecke.
Auf dem Speiseplan stehen heute sechs verschiedene Völker: Frankreich, England, Österreich, Preußen, Russland und das Osmanische Reich (zudem 31 neutrale, kleinere Nationen). Jede dieser damaligen Weltmächte verfügt über individuelle Eigenschaften in Truppen- und Gebäudetypen, so sind zum Beispiel die Husaren der Preußen im Nahkampf stärker, als die der anderen Völker. Dafür sind die Husaren der Österreicher schneller. Wie bei Civilization III stehen den Hobby-Generälen je nach Wahl ihrer Zugehörigkeit Spezialtruppen zur Verfügung, die bestimmte Eigenschaften haben, die sie von den 'klassichen' Einheiten abheben.
Auf Seiten Frankreichs mischt der 'Grenadier zu Fuß' auf dem Schlachtfeldern kräftig mit. Er ist die stärkste Nahkampfeinheit im Spiel. Der klare Schuss-Spezialist ist der 'Highlander' aus England. Auf die Zähne beißen kann die 'Landwehr' unserer Nachbarn aus Österreich, die bei Treffern am wenigsten Schaden nimmt. Auf Billigprodukte setzt das Osmanische Reich mit den 'Janitschare', besonders billige Infanterie-Einheiten.
Ein bekannte Kavallerie-Form 'Made in Russia' schicken die Russen in die Schlacht: die 'Kosaken', die für ihre Schnelligkeit bekannt sind. Zu guter Letzt die 'Ulanen' der Preußen, die wohl eher unbekannt sein dürften, es aber in sich haben. Sie führen den stärksten Sturm-Angriff einer Kavallerieeinheit aus.
Nicht nur unter festem Grund wird gekämpft, sondern auch zu Wasser. Neben Infanterie, Kavallerie und Artillerie kann man auch mit Schiffen die Weltmeere unsicher machen. Mit ihrer Hilfe kann man Küstenstädte einnehmen oder Truppen transportieren. Insgesamt, ist die 'Speisekarte' gut gefüllt und Microids War&Peace bietet eine Vielzahl an Einheiten, die einem Kampf interessante Möglichkeiten geben. Besonders die Spezialeinheiten liefern Abwechslung und die Auswahl der Nation vor Spielstart erhält wenigstens einen guten Grund, sich gründlich zu überlegen, für wen man sich entscheidet. Denn die Spezialeinheiten sind immer für eine Überraschung auf dem Schlachtfeld gut.
Wer jetzt nicht angesichts meiner Schwäbisch-Kenntnisse aus seinem Zimmer geflüchtet ist, kann sich jetzt über die Gebäude, die im Spiel gebaut werden können, informieren. 'War&Peace' setzt auf drei Ressourcen: Gold, Männer und Wissenschaftspunkte. Aber woher nehmen, wenn nicht stehlen? Um an Gold zu kommen, braucht man Industrieanlagen, für Männer sind Bauernhöfe nötig (auch wenn ich den Zusammenhang nicht wirklich verstehe) und für Wissenschaftspunkte sorgen schlaue Köpfe an Universitäten.
Ausgehen von diesen gewonnen Ressourcen, sind auch andere Gebäude baubar oder Soldaten rekrutierbar, da man für deren Bau bzw. Ausbildung in erster Linie Gold braucht, aber auch Männer als Arbeitskräfte bzw. Rekruten. Die Wissenschaftspunkte kann man wiederrum in zwei Gruppen unterteilen. Militärwissenschaften: Falls die Feuerkraft der Einheiten zu gering ist oder die Einheiten echte Memmen sind und zu schnell den Löffel abgeben, können bestimmte Attribute der Einheiten verbessert werden.
Produktionswissenschaften: Wer seine Produktion auf Vordermann bringen will, sollte diese Kategorie bevorzugen, die unter anderem die Effektivität von Bauernhöfen oder Industrie erhöht. Allerdings ist es dringend ratsam, den Bau der Gebäude vorher gut zu durchdenken, da nur wenige Gebäude in einer Stadt gebaut werden können. Wieviel Gebäude maximal errichtet werden können hängt von der Größe der Stadt ab.
Zwar ist auch die Optionen, dass man ein Gebäude wieder abreißt, möglich, verbraucht aber wieder Ressourcen. Das ganze System hört sich leicht an, ist allerdings schwer umzusetzen, da man nicht nur eine Stadt beherrschen wird, sondern ein Dutzend an Städten. Und jede Stadt benötigt eine gewisse Anzahl an Verteidigung, da die KI ansonsten schamlos die Stadt belagern und bald auch einnehmen wird. Falls man mit zu vielen Städten überfordert ist, ist es nahezu unmöglich, das Spiel zu gewinnen, da man ansonsten niemald genug Armee zusammenstellen wird, um nicht vom Gegner überrannt zu werden. Sollten irgendwann einmal genug Einheiten auf unserer Seite bereitstehen, kann man sich Gedanken über einen kleinen Krieg machen. Wie man angreift ist oft spielentscheidend. Infanterie-, Kavallerie- und Artillerieeinheiten können neben dem Primärangriff, den jede Einheit besitzt, auch einen Spezialangriff durchführen. Die Infanterie den 'Nahkampf', bei dem der Feind mit Bajonetten angegriffen werden kann. Hierzu ist es aber notwendig, dass die Einheiten sich nah genug des Gegners befinden.
Die Spezialität der Kavallerie ist der Sturmangriff, bei dem die Gruppe in V-Formationen mit hoher Geschwindigkeit den Feind attackiert. Die Artillerie kann durch Sperrfeuer Geländepunkte absichern und somit den eigenen Truppen einen taktischen Vorteil liefern. Neben der V-Formation der Kavallerie kann man auch andere Formationen einsetzen. Falls die Artillerie in einer Reihe aufgestellt werden sollte, ist ein Beschuss unmöglich.
Erst in Linienformationen kann man anfangen, zu schießen. Auch die Infanterie erreicht in dieser Formation ihre maximale Feuerkraft, ist aber in der Abwehrstärke geschwächt und leichter von der Kavallerie aufzumischen. Um sich gegen diese zu schützen, kann man seine Infanterie im Quadrat Position einnehmen lassen. Ein Reiterangriff verpufft nahezu, jedoch wird die Feuerkraft der eigenen Truppen stark herabgesetzt. Durch diese Formationen ist eine enorme Vielzahl an taktischen Möglichkeiten wählbar, auch die Zusammensetzung der Streitmacht kann über Sieg und Niederlage entscheiden.
Wer seine Artillerie ungeschützt in Feindesland schickt, wird bald ohne Artillerie da stehen. Das gleiche gilt für Transportschiffe, die stets von wendigen Kriegsschiffen beschützt werden sollten. Aber nicht nur Taktik wird in diesem Spiel groß geschrieben, auch die Diplomatie. Mit ihrer Hilfe kann man anderen Nationen den Krieg erklären, Frieden schließen, Gold oder Städte austauschen, Allianzen bilden, Abkommen unterzeichnen und und und...
Bloß der Ablauf der Schlachten ließ es einen sauer aufstoßen, da teilweise die Schlachten schon vorbei waren, bevor sie überhaupt begonnen hatten Die Einheiten fallen wie die Fliegen. Taktieren vor der Schlacht ist möglich, während der Schlacht aber nur bedingt möglich. Sein taktisches Können kann man in zwei Kampagnen beweisen. In einer historischen Kampagne, die aus acht Missionen besteht oder einer fiktiven Kampagne bestehend aus zwei Missionen. Dabei hat man die Wahl zwischen drei Siegesbedingungen. Eroberung der Welt: Hier ist es Ziel, das eigene Reich um eine anwählbare Zahl an neuen Städten zu erweitern.
Mindestens drei neue Städte sind von Nöten, um das Spiel für sich zu entscheiden. Imperialer Krieg/Krieg der Reiche: Eine befeindete gegnerische Nation muss komplett vernichtet werden. Dies gilt als erreicht, wenn der Feind keine einzige Stadt mehr besitzt. Besetzung der Hauptstädte: Wie der Name schon sagt, muss die Hauptstadt des Feindes eingenommen werden
Und das wars auch schon mit der Herrlichkeit. Die oben genannten Siegesbedinungen kann man je nach Belieben auf die acht Missionen verlegen, aber grundlegend ändern wird sich dadurch nichts. Bloß die Truppenstärke, Gold, Städte, Landesgrenzen etc. unterscheiden sich je von Mission zu Mission. Im Prinzip ist es immer das gleiche Verfahren: Truppen verstärken, Industrie ausbauen, noch mehr Truppen ausbilden, noch mehr Industrie... solange, bis man genug Soldaten hat, um den Gegner anzugreifen.
Da ist es egal, ob man nun die zweite oder die vierte Mission spielt. Wenn War&Peace ein erheblichen Mangel hat, dann ist das die Ideenlosigkeit der Missionen, wodurch dem Spieler eine langatmige Kampagne aufgedrückt wird. Wenn zwei befeindete Armeen aufeinander treffen, ist leider kaum näher zu erkennen, welche Einheiten gerade niedergemetzelt werden, da die Entwickler auf Detailreichtum verzichteten. Aber auch gut zu verstehen, da die riesigen Spielekarten mit ihren 183 Städten ruckelfrei betrachtbar sein muss. Den Übergang in eine andere Klimazone erkennt man leicht an der Umgebung.
Wälder lockern die Atmosphäre auf und sorgen für eine schöne Umwelt. Kleine Features wie die Pyramiden oder die Sphinx in Ägypten geben dem Spiel leichte Abwechslungen. Der Sound ist gut gelungen, aber auf Dauer zu monoton. Immer wieder den gleichen Sound zu hören wird nach kurzer Zeit nervig. Eine größere Auswahl an Musikstücken hätte dem Spiel gut getan. Die Sprachausgabe der Einheiten ist zu spärlich ausgefallen.
Nach wenigen Minuten kennt man bereits alle Sprüche, die unsere Soldaten in Petto haben. Auch das unübersichtliche Nachrichtensystem verwirrt eher, als dass es helfen würde. Häufig blinken am unteren Bilschirmrand Nachrichten von weltweit wichtigen Schlachten auf. Jedoch geschieht dies so oft, dass man nach kurzer Zeit den Überblick verliert. Gehört Paris noch dem Verbündetem oder wurde es schon eingenommen? Das Wirr-Warr an Nachrichten wird nach kurzer Zeit ignoriert oder einfach übersehen. Die Steuerung ist im Großen und Ganzen gut gelöst. Ohnehin braucht man sowieso nicht allzu viele Befehle für das Spiel. Allein etwas mehr Tastaturkürzel würden im Schlachtengetummel helfen.
War Peace - 1796-1815 im Test.
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