Gesamtwertung93%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
Vor genau einem Jahr erschien der lang ersehnte dritte Teil der beliebten Strategie-Reihe WarCraft. Die Spieler waren sich einig, WarCraft 3: Reign of Chaos war ein würdiger Nachfolger für WarCraft 2 und erweiterte das Fantasy-Universum sogar noch um viele neue Rassen, Einheiten und eine 3D-Engine. Genau ein Jahr später veröffentlicht Blizzard mit WarCraft 3: The Frozen Throne nun das erste AddOn zu WarCraft 3. Wie sich das AddOn zum besten Strategiespiel des Jahres 2002 schlägt, lest Ihr im folgenden Review.
Die Expansion zum Strategiespiel des Jahres 2002
In der Hauptkampagne von Frozen Throne übernimmt der Spieler die Rolle der Nachtelfen, Menschen und Untoten, um den zum Dämon mutierten Ex-Nachtelf Illidan in seiner Zerstörungswut zu stoppen. Die vierten im Bunde, die Orcs, haben eine eigene Bonus-Kampagne spendiert bekommen, in der Ihr auf Basis-Aufbau und Ressourcen komplett verzichten müsst. Mit zwei Helden sammelt Ihr Erfahrung indem Ihr Dorfbewohnern helft Gegenstände zu besorgen oder beispielsweise böse Monster in einer Höhle beseitigt.
Die episch und storytechnisch äußerst geheimnisvoll aufgebaute Kampagne weiß ebenso wie die neue Bonus-Kampagne zu überzeugen und beide zusammen kommen auf eine Gesamtspielzeit von ca. 40 Stunden so viel wie beim Vorgänger. Stunden, die vor allem in der Hauptkampagne mit abwechslungsreichen Missionen gefüllt sind, die oftmals auch ohne Basenbau auskommen und zum Teil große Überraschungen liefern. Gerade Otto-Normal-Spieler werden sich aber über den zum Teil zu hohen Schwierigkeitsgrad in der Kampagne ärgern.
Vor allem das Managen von zwei Basen und mehreren Armeen führt später dazu, dass das Beherrschen von Tastatur-Shortcuts Pflicht ist.
Neu, Neu, Neu!
Die spielerisch interessanteste Neuheit von WarCraft 3: Frozen Throne sind wohl die insgesamt neun neuen Helden. Die Menschen bekommen z.B. den Blutmagier spendiert, einen Magier, der einen übergroßen Feuervogel beschwören kann, der den feindlichen Truppen das Fürchten lehrt. Die Orcs trumpfen hingegen mit dem Schattenjäger auf, der Gegner sogar für kurze Zeit in Frösche verwandeln kann! Für die Untoten kommt der Gruftlord zum Einsatz, ein dickes Ungetüm, der an ein käferähnliches Wesen erinnert und Heuschrecken- oder Aas-Käfer auf die Gegner hetzen kann. Die Nachtelfen hingegen trumpfen mit der Wächterin auf, die sich aus Kämpfen via Teleport-Spruch flüchten kann oder mit Dolchen um sich schmeißt.
Neben diesen vier klassenspezifischen Helden gibt es auch fünf neue neutrale Helden, die Ihr in auf Karten zerstreuten Gebäuden 'kaufen' könnt. Neben dem Dunklen Waldläufer, der Naga-Hexe, dem Bestienmeister und dem Grubenlord kommt auch der Pandar-Baumeister zum Einsatz. Dieser Pandabär kann Gegner mit Hilfe seines Trunkenheit-Zauberspruches für kurze Zeit betrunken machen, wodurch die Gegner so gut wie nichts mehr treffen.
Neben den neun neuen Helden, kommen auch 14 neue Einheiten-Typen zum Einsatz, die zum Teil extrem nützlich sind. So werden beispielsweise die bisher immer bei Angriffen etwas schwachbrüstig agierenden Untoten-Heere mit einer Statue unterstützt, die die eigenen Einheiten lebensenergie- sowie manatechnisch wieder regenerieren lässt. Richtig platziert ist diese neue Einheit Gold wert.
Auch den Nachtelfen fehlte es bisher an einem ganz bestimmten Einheiten-Typ, einen, der ein wenig mehr einstecken kann, um die zum Teil eher schlecht gepanzerten Einheiten zu schützen. Diese Figur symbolisiert nun der Bergriese, ein großes Baum-Stein-Ungetier, welches mit einem Panzerungswert von 1400 im Vergleich zu allen Einheiten am meisten aushält. Dieses knopfäugige Ungetüm kann schon mal Bäume entwurzeln und sie als Keule benutzen oder mit einem provozierenden Kriegsschrei das alleinige Feuer der gegnerischen Streitkräfte auf sich ziehen bei seiner guten Panzerung äußerst nützlich.
Eure Helden konntet Ihr in WarCraft 3: Reign of Chaos in diversen Händler-Gebäuden mit allerlei neuem Schnickschnack ausstatten. Darunter befanden sich Stadtportal-Rollen, Heil- oder Manatränke sowie nützliche Zaubersprüche.
Diese Gebäude braucht ihr mit Frozen Throne nun nicht mehr umständlich auf der Karte zu suchen, sondern könnt diese jetzt selbst bauen. Ob Nachtelf, Mensch, Orc oder Untote, alle Parteien können ihre Helden mit diesen Zaubersprüchen ausstatten. Allerdings sind die Shop-Sachen zu meist sehr teuer und auch nicht immer sonderlich nützlich. Gerade bei besseren Spielern können die Gegenstände aber spielentscheidend sein. Mit diesem Schritt hat Blizzard die Rolle der Helden weiter gestärkt.
Dass die Rolle der Helden in Frozen Throne noch wichtiger geworden ist, zeigt sich auch darin, dass Ihr fortan nicht mehr mit eurem Charakter creepen bzw. euren Charakter leveln gehen müsst. Das heißt, dass Ihr die neutralen Monster auf der Karte nun nicht mehr mit eurem Helden angreifen müsst, sondern auch andere Einheiten diese angreifen lassen könnt und euer Held trotzdem Erfahrungspunkte einsackt.
Durch die Aufstockung der Heldenzahl wurden auch kleine Balance-Schwierigkeiten glatt gebügelt, die mit diversen Patches nicht in den Griff bekommen wurden. In Frozen Throne lohnt es sich, mehr als zwei Helden auf die Pirsch gehen zu lassen; eine Mischung aus Nah- und Fernkämpfern ist also durchaus sinnvoll. Das ohnehin aber schon sehr anspruchsvolle Micro-Management wird hierdurch jedoch noch anspruchsvoller.
In WarCraft 3: Frozen Throne feiern auch endlich wieder Schiffe ihr Comeback, allerdings dürft Ihr diese nicht je nach Gusto bauen. Die Schiffe sind in den so genannten Goblin-Werften streng limitiert, zudem gibt es nur zwei verschieden Varianten: Kampf-Fregatten und Transportschiffe. Die Schiffe kommen nicht nur auf extra dafür gestalteten Multiplayer-Karten zum Einsatz, sondern auch in den Kampagnen, in denen es sogar zu richtigen Schiff-Schlachten kommt hoch lebe das Piratenfeeling.
Desweiteren wurden noch viele weitere Kleinigkeiten verbessert oder integriert. So könnt Ihr eure Helden in den Missionen, wo Ihr keine Basis aufbauen müsst, etwa bequem bei den auf der Map verstreuten Runen heilen oder die Manavorräte aufstocken. Bisher war es in vielen Strategiespielen so, dass die Missionen ohne Basenbau zum puren Warten verkamen, da sich die wenigen Einheiten schon nach kleineren Kämpfen wieder regenerieren mussten. Dies wurde aufgrund der Runen Gott sei Dank abgeschafft - löblich.
Als äußerst nützlich erweisen sich auch Neuerungen in punkto Mini-Karte. Diese zeigt Monstercamps nun bequem per Tastendruck an, so dass längeres Abklappern der Karte entfällt und gezielter gecreept werden kann.
In WarCraft 3: Reign of Chaos mussten Einheiten und Upgrades zudem in eine separate Warteschleife gepackt werden, dies wurde nun geändert, jetzt können beide bequem gebaut bzw. erforscht werden das spart Zeit.
Eine der sinnvollsten Neuerungen ist aber sicherlich, dass sich Frozen Throne mehr der zweiten Ressource Holz annimmt. Diese spielte bisher eindeutig die zweite Geige und war zudem nur im Gebäude-Bau wichtig. In dem AddOn wurde das Verhältnis Gold-Holz angepasst, so dass Ihr wesentlich mehr Einheiten zum Holzabbau benötigt als noch im Hauptprogramm.
Grafik Der Winter machts
WarCraft 3: Reign of Chaos war vom grafischen Aspekt her sicherlich äußerst gut, konnte aber schon nach kurzer Zeit nicht ganz mit den später erscheinenden Konkurrenten Age of Mythology oder C&C Generals mithalten.
Die grafischen Aufbesserungen des AddOns halten sich zwar in Grenzen, werten die Grafik des Strategie-Krachers aber trotzdem auf.
So gibt es in Frozen Throne insgesamt drei neue Landschaftstypen, wobei vor allem die neuen Schnee-Landschaften äußerst gut gelungen sind. Auch die neuen Zaubersprüche der Helden sind schön anzusehen, vor allem Animationen wie die des Baumriesen, der mal eben Bäume ausreist und als fesche Keule benutzt, wissen zu gefallen.
Auf der anderen Seite wirken viele Gebäude und Einheiten, vor allem beim Zoomen, noch immer ein wenig polygonarm. Auch wäre es wünschenswert gewesen, wenn Blizzard die Karten grafisch zum Teil ein wenig abwechslungsreicher gestaltet hätte. Ein paar mehr Bäume oder neutrale Tierchen hätten ihnen deutlich mehr Leben einhauchen können.
Insgesamt ist WarCraft 3 also nach wie vor, vor allem was die Effekte angeht ein grafisch gesehen äußerst gelungenes Echtzeit-Strategiespiel. Für einen Nachfolger sollte Blizzard in jedem Fall eine neue 3D-Grafik-Engine ins Spiel bringen.
Soundtechnisch präsentiert sich TFT, blizzardtypisch, von seiner besten Seite. Ob nun imposante Schlachtengeräusche, die geniale Hintergrundmusik oder die gelungenen Einheiten-Kommentare, hier stimmt restlos alles. Auch die wieder einmal super gelungenen Render-Sequenzen wurden durchweg gut vertont und sorgen für Stimmung.
Deutsch oder Englisch?
Wir hatten die Möglichkeit, sowohl die deutsche als auch die englische Frozen Throne Version zu spielen und sind ganz klar der Meinung, dass sich ein Kauf der deutschen Version lohnt. Zwar gibt es noch immer manch wackelige Übersetzung, trotzdem wurden die neuen Einheiten gut übersetzt und vertont.
Auch in punkto Bluteffekte unterschieden sich die Versionen keinen Deut, hüben wie drüben wird standardmäßig gekämpft, ohne Unterschiede. Gegen den Kauf der deutschen Version spricht also rein gar nichts.
Steuerung Klick, Klick, Klick
Die Besonderheit von WarCraft 3 gegenüber über anderen Strategie-Titeln war es, dass man vor allem, wenn man sein Spielniveau steigern wollte, die Tastatur-Shortcuts auswendig können sollte. Diese konnten via später erscheinendem Tool in der Vorgängerversion beliebig umgestellt und an die eigenen Vorlieben angepasst werden, sodass wichtige Zappen von Micro-Management bis zum Aufbau mehrer Basen einfach und schnell funktionierte.
Diese Shortcuts waren aber meist nur nötig, um vor allem in dem Multiplayer-Spielen erfolgreich zu sein, dies hat sich, selbst für Einsteiger, in TFT, geändert. Hier sollten selbst etwas unerfahrenere Strategie-Naturen den Griff zum Keyboard nicht scheuen, da wie oben schon einmal angesprochen, in der Kampagne mehrere Schlachten und Basen gleichzeitig gemanagt werden müssen. Die Shortcuts sind also insgesamt gesehen als nützliche Erleichterung zu betrachten, auch wenn sie im AddOn in ihrer Wichtigkeit, was für Einsteiger schade ist, erhöht wurden.
Ansonsten geht die Steuerung des WarCraft AddOns ähnlich leicht von der Hand wie beim Hauptprogramm. Sogar grafisch wurde die Steuerung nun vereinfacht, denn es gibt jetzt einen grafischen Platzhalter an der Stelle, wo Ihr ein Gebäude platziert habt.
Multiplayer Ohne Worte!
Neben dem überragenden Singleplayer Modus überzeugte in WarCraft 3 vor allem der Multiplayer Modus, der aufgrund seiner großen Karten-, Einheiten- und Rassenauswahlmöglichkeiten für stundenlangen Spielspaß sorgte. Mittlerweile dürfte WarCraft 3 hinter Counter-Strike das weltweit beliebteste Multiplayer-Spiel sein und sogar StarCraft abgelöst haben.
Das Spielen mit bis zu 12 Leuten via LAN oder Battle.Net macht noch mehr Spaß als vor einem Jahr, da die neuen Einheiten, Helden und Karten neue Würze ins Spiel bringen. Viele Einheiten wurden weiter ausbalanciert und verfeinert, Schadenspunkte wurden verändert und Ressourcen angepasst, sodass Holz nun eine wesentlich wichtigere Rolle als noch im Hauptprogramm spielt. Zudem wurden dem AddOn 62 (!) neue, grafisch oftmals sehr gelungene, Multiplayer-Karten beigelegt, auf denen manche sogar die Benutzung von Schiffen erlauben.
Erste Spiele von so genannten ProGamern haben gezeigt, dass bei Frozen Throne die Karten zum Teil neu gemischt werden, da es sich aufgrund der vielen kleinen Veränderungen fast um ein neues Spiel handelt. Somit dürften selbst strategiebegabte WarCraft-Einsteiger schnell Chancen haben gut im Internet mitzumischen. Weder im Internet noch im LAN kam es zu Problemen, nach wie vor sind die Multiplayer-Menüs äußerst komfortabel und übersichtlich gestaltet, dass selbst Einsteiger keinerlei Probleme haben dürften.
Frozen Throne stand nicht immer unter einem ganz guten Stern, viele befürchteten mit dem neuen AddOn Balance-Probleme, viele Internetforen sahen schon das Ende für WarCraft 3. Pustekuchen, das AddOn bietet neben vielen, vielen kleineren Neuerungen auch allerhand Handfestes. Als da wären eine SinglePlayer Kampagne, die spielzeit-technisch länger ist, als die des Hauptprogramms, neue, sehr gut gelungene Helden und Einheiten, viele neue Multiplayer-Karten und grafische Aufbesserungen. Frozen Throne liest sich auf dem Papier vielleicht nicht ganz so spektakulär wie z.B. Diablo 2: Lord of Destruction, ist aber insgesamt gesehen das beste AddOn was je aus den Händen von Blizzard gekommen ist.
Der Umfang erschlägt einen fast schon und ist mit gerade einmal etwas über 20 preiswert erschwinglich. Wer jetzt noch eine Raubkopie braucht, dem ist nicht mehr zu helfen. Mein Tipp: Ab in den Laden und kaufen!
WarCraft III: The Frozen Throne im Test.
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