Warhammer 40.000: Dawn of War - Soulstorm

Review
Plattform
PC
Vertrieb
THQ
Entwickler
Relic
Erscheinungsdatum
-
Genre
Strategie
USK
16
Warhammer 40.000: Dawn of War - Soulstorm [PC , looki.de]

Gesamtwertung

77%/10

Grafik

Befriedigend

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Sehr gut

Warhammer 40.000: Dawn of War - Soulstorm

Frage: Was ist wohl passiert, wenn ein Looki-Redakteur verzweifelt und mit rot angelaufenem Gesicht vor seinem Monitor sitzt, die Finger wie mit einem Holzhammer auf die Tasten haut und am liebsten die Maus durch das offene Fenster – flüchtigem Sonnenschein sei Dank! - schmeißen und damit einen unbeteiligten Passanten treffen würde? Hat er seine Steuererklärung verpasst, führt er einen Nikotinentzug durch oder wurde er vielleicht von seinem ellenlangen Artikel durch einen Absturz getrennt? Nein, alles falsch – wahrscheinlich hat er einfach nur das neueste, nunmehr schon dritte Addon zum Echtzeitstrategie-Hit Dawn of War gespielt. Der Name Soulstorm ist dabei Programm – unsere Seele wäre nach den schwierigen Gefechten mit nicht selten unbefriedigendem Ende auch am liebsten losgestürmt und aus unseren Körpern gefahren.

Alter, ist das schwer!

Somit ist Euch bereits von vornherein eins ans Herz zu legen: Einsteiger sollten entweder eine hohe Frustresistenz mitbringen oder das Spiel gleich links liegen lassen.

Zwar bietet Soulstorm wie schon das Hauptprogramm oder seine Addon-Brüder ein gutes Tutorial, dass Euch grundlegende sowie tiefgreifende Gameplay-Elemente beibringt, und auch zahlreiche Bemerkungen sowie jederzeit einsehbare Vor- und Nachteile aller Einheiten und Gebäude des Spiels, doch selbst nach den längsten Trockenübungen dürfte der erste Ausschweifer in den Kampagnenmodus nicht von Erfolg gekrönt sein. Nicht selten wird man bereits früh und vor allem in der ungünstigsten aller Phasen, der Aufbauphase nämlich, von ersten feindlichen Einheiten attackiert und verliert bereits zu Beginn wertvolle Gebäude oder bereits „bezahlte“ Infanterie. Eine ausgewiefte Taktik muss also her. Ach, Ihr wollt erst einmal wissen, worum es in Soulstorm geht? Kein Problem: Wer meint, dass nach dem Original Dawn of War und den Addons Winter Assault und Dark Crusade bereits alle Geschichten des weltweit erfolgreichen Warhammer-Universums erzählt wären, der irrt sich gewaltig und hat scheinbar keine Ahnung von der Materie.

Das seit 1982 existierende, fiktive Universum der englischen Mannen von Games Workshop umfasst bis heute nicht nur die bekannten Spiele, zu denen unter anderem auch Vertreter wie die rundenbasierenden Strategiespiel Chaos Gate und Rites of War sowie der Ego-Shooter W40k: FireWarrior gehören, sondern auch eine Reihe von Brett-, Karten- und Pen&Paper-Rollenspielen, deren Erfolg bis zum heutigen Tag nur als gewaltig zu beschreiben ist. Teil des Universums ist die Reihe 40.000 – oder auch 40k – die in einem düsteren Science-Fiction-Szenario angesiedelt ist: Zu Ihr gehören die aus den Dawn of War-Spielen bekannten Space Marines nebst derem diabolischen Pendant, die Chaos Space Marines, die martialischen Orks, die hochtechnisierten Tau, die skelettartigen Necrons, die elbengleichen Eldar und die imperiale Armee.

Soulstorm führt zudem zwei weitere, Warhammer-Fans bekannte Fraktionen ins Spiel ein: Die von höchster Dekadenz geprägten Dark Eldar sowie auch unter den Namen „Die Inquisition“ bekannten, imperatorfürchtigen Adepta Sororitas.

Wer fleißig mitgezählt hat, dürfte feststellen, dass Soulstorm die DoW-Reihe auf insgesamt neun spielbare Fraktionen hieft – Spitzenrekord im Strategiesektor! Über die eigentliche Geschichte von Soulstorm und vor allem die Frage, warum nun zwei zusätzliche Parteien um die Vorherrschaft des gesamten Kaurava-System kämpfen, war man sich wohl keiner konkreten Antwort mutig. Ein kurzes, auf der beiliegenden Bonus-DVD implementierte Making-of, auf dem einer der Producer des Spiels zu Wort kommt, und das Einführungsfilmchen der Einzelspielerkampagne glänzen eher durch unbestätigte Vermutungen und stempeln die Gründe für das plötzliche Erscheinen der Dark Eldar und Adepta Sororitas als Mysterium ab – frei nach dem Prinzip: „Frag nicht, ist halt so!“. Schade eigentlich. Doch erfreulicherweise steht und fällt die Qualität des Spiels eben nicht mit der Hintergrundgeschichte, sondern mit einer geballten Ladung Taktik und strategischer Action.

Denn wer Dawn of War von Anbeginn der Serie im Jahr 2004 verfolgt, kennt auch die hammerhart inszenierten Gefechte, die dem Spiel wie keinem anderen ein ab 16-Prüfsiegel attestieren:

Leiber werden beispielsweise – dank großzügigen Zoom gut erkennbar! - mit ratternden Kettensägenschwertern durchbohrt oder kleine Infanterieeinheiten von kräftigen Maschinen blutigst in der Luft zerrissen – verständlicherweise harter Tobak in einem mindestens ebenso harten Szenario. Anstatt eines Planeten , auf dem Ihr beweisen müsst, dass Eure Rasse – wählen dürft Ihr in der Kampagne übrigens alle neun Parteien – die Beste ist, wie man es beim Planeten Kronus aus Dark Crusade kennt, stehen Euch in Soulstorm gar ganze vier von der Sorte zur Verfügung, um genauer zu sein, ein ganzes Planetensystem.

Auf diesem hat zunächst jede der Fraktionen seinen gesicherten Platz. Doch wie im Bett mit dem eigenen Lebenspartner, so wird auch diese Situation mit der Zeit etwas eng. Weg frei für die Übernahme also. Jede Rasse macht dabei einen Zug, der der Reihe nach zufällig von der KI entschieden wird, bis Ihr an der Reihe seid.

Zug für Zug...

Ihr selbst dürft dann nicht nur in neue Territorrien einmarschieren beziehungsweise sie vorher inspizieren, sondern gelangt bereits früh in Konfliktsituationen mit dem Interesse einer anderen Partei – in diesem Fall wird der Punkt „Angriff“ anwählbar. Kämpfe kann man in Soulstorm eigentlich nicht umgehen, das wäre ja auch schlichtweg langweilig. Wir beginnen die Kampagne also mit den hinzugestoßenen Adepta Sororitas, machen einen Zug und merken bereits nach der ersten Verschiebung der Einheiten, dass die imperiale Armee nur wenig von unserem Vorhaben hält – ein Gefecht steht unmittelbar bevor, welches wir mit einem Linksklick auf den „Angriff“-Button auch sogleich starten. In der Mission angekommen, machen wir uns auch sogleich daran, unsere anfangs aus der Hauptzentrale bestehende Basis auszuweiten. Mit einem Ekklesiarchie-Servitor bauen wir Gebäude und Geschützstellungen, der nur zu Beginn eines Auftrages nützliche Missionar nimmt derweil (über-)lebenswichtige Kontrollpunkte ein. Diese sorgen für die benötigten Anforderungspunkte, die man zur Herstellung neuer Einheiten, Fähigkeiten und natürlich auch Gebäuden benötigt.

Je mehr Punkte eingenommen wurden, desto schneller steigen Eure blau markierten Anforderungspunkte, zudem wird damit auch Euer Territorium ausgeweitet, Ihr könnt also Anlagen im Radius des neu erworbenen Gebietes errichten und vorher schwarz überzogene Bereiche werden sichtbar – zumindest solange, wie sie unter Eurer Herrschaft stehen. Das Ziel eines jeden Gefechts ist, entweder die Mehrzahl – in diesem Fall indiziert ein Countdown den bevorstehenden Sieg bzw. die Niederlage – an strategischen Punkten, oder selbige gleich komplett einzunehmen.

Wem das zu nervig ist, der darf auch einfach gleich das gegnerische Hauptquartier dem Erdboden gleich machen – auch in diesem Fall gilt die Mission als gewonnen. Doch Vorsicht: Nicht immer klappt das bei Command & Conquer wesentllich einfacher durchzuziehende Rush'n'Destroy-Prinzip. Wer zu früh mit allem auffährt, was er zu bieten hat, sieht seine Einheiten massenweise das virtuelle Leben aushauchen. Die beste Devise, um so gut es geht durch die Missionen zu kommen, heißt daher: Schon zu Beginn der Partie ausreichend Kontrollpunkte einnehmen, die geernteten Anforderungspunkte in wichtige Gebäude wie ein Truppenlager stecken und so schnell es geht einen kleinen Verteidigungswall aufbauen.

Bei den Sororitas macht Ihr das am Besten mit einzirkelnden Infernotürmen und Minenfeldern, zudem platziert man günstigerweise gleich bewaffnete Horchposten auf eingenommenen Kontrollpunkten.

Steht eine grobe Verteidigung und habt Ihr genug Anforderungs- und Energiepunkte – letztere sammelt Ihr durch den Bau von Kraftwerken - , darf man sich endlich an die Stärkung der eigenen Möglichkeiten begeben. Die als Hauptquartier dienende Ekklesiarchie-Kapelle (Sororitas) bzw. Kabalenfestung (Dark Eldar) drückt Ihr durch erbaute Errungenschaften maximal zwei weitere Stufen nach oben, was neben besseren Einheiten wiederum ebenfalls neue Gebäude mit immer mehr Verbesserungen abwirft. Eure Servitoren bzw. Foltersklaven werden also genug zu tun haben!

Löblich: Wie bereits aus den Vorgängerspielen bekannt, schlägt Euch auch Soulstorm zu jedem noch nicht verfügbarem Gebäude bzw. Einheit vor, was zu erforschen oder zu errichten ist, damit eben jenes Feature zugänglich wird. Angesichts des teils extremen Schwierigkeitsgrades sind solche Hilfestellungen aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die künstliche Intelligenz agiert abgesehen von kleineren, aber dafür umso schmerzhafteren Macken recht gut und greift vor allem gerne an Schwachpunkten an.

Schickt Ihr beispielsweise sämtliche Truppen an die Front, lassen es sich die Computergegner nicht nehmen, in Momenten der Unaufmerksamkeit gleich mal Eure gesamte Heimbasis in Schutt und Asche zu legen. Außerdem bauen sie bei Angriffen auch fleißig nach, um uns das Strategieleben so noch schwerer zu machen. Nur gut, dass wir bei bestimmten Infanterieeinheiten jederzeit ein Ass im Ärmel haben und bei Verlust von einigen Soldaten gleich Verstärkung anfordern können, die an dem Fleck erscheint, der gerade umkämpft wird. Dem Immolator-Flammenpanzer ordne ich derweil ein nerviges Fußtrupp zu, während der Exorzist mit seinem Artilleriefeuer die gegnerische Verteidigung zersiebt (alles Sororitas). Erstmals kommen in den DoW-Spielen nun auch Flugeinheiten zum Tragen: Abgesehen von den Necrons besitzen nun alle Parteien entsprechende Geräte, wie beispielsweise den Barrakuda (Tau), die Nachtschwinge (Eldar), den Kampfbomba (Orks) oder den Tempest-Landspeeder (Space Marines), um auch aus der Luft für Ordnung zu sagen.

Toller Mehrspielermodus und grafische Schwächen...

Als kleine Entschädigung gibt es für die Necrons nun die Fähigkeit „Essenz des Gauklers“, die es dem Necronlord erlaubt, seine Gestalt zu ändern und in einer mächtigen Erscheinungsform gegnerischen Soldaten nicht nur die Moral und den Verstand, sondern auch rasch das Leben zu nehmen. Habt Ihr einige Missionen bestanden, kommt Ihr in der Kampagne früher oder später an den Punkt, in dem es der gegnerischen Kommandobasis an den Kragen geht – im Spiel werden jene Missionen mit akzeptablen Ingame-Sequenzen eingeführt, die Euch die Situation aus der Sicht des Feindes und damit auch Stärken und Schwachpunkte der mühselig zu meisternden Festung zeigen. Ein Festungskampf dauerte so beispielsweise einmal knapp zwei Stunden, zuvor mussten zig Kontrollpunkte und Reliquien eingenommen und hart erkämpft werden – ständig mangelte es an Truppen, hektische Momente kamen in Scharen auf, in denen wir an mehreren Punkten auf der Karte gleichzeitig nach dem Rechten sehen mussten. Einmal wurde die Basis angegriffen, dann wurde versucht, einen Kontrollpunkt zurückzuerobern und dann ging es per Klick wieder an die Front zurück, an der die Kacke am Dampfen war, bis wir irgendwann endlich doch als Sieger von der Karte gingen.

Glücklicherweise darf man innerhalb der Missionen abspeichern, alles andere wäre unfair – denn schwer ist Soulstorm bekanntlich so schon genug. Den unsererseits geschilderten Ablauf einer normalen Mission könnte man dabei glatt als grobes Strickmuster für jede der zahlreichen Aufträge auf den vier Planeten ansehen, nach einiger Zeit kommt der Déjà-Vu-Effekt, der droht, das Ganze etwas in die Monotonie abrutschen zu lassen.

Anstatt des Kampagnenmodus könnte man quasi auch gleich ein Riesenbündel Skirmish-Gefechte nehmen – denn die spielen sich auf genau die selbe Art und Weise. Hier hätten ein bedachteres Story-Konzept und mehr Sequenzen noch einiges rausreissen können, so motiviert der Solistenmodus leider nur durch Verbesserungen, wie eine bessere Ausrüstung für den Helden, oder Punkte, die es Euch erlauben, ein Match mit bereits installierten Geschützen zu beginnen. Schweifen wir vom Einzelspielermodus ab und widmen uns dem Mehrspielererlebnis – der erste Gong lässt dabei nicht lange auf sich warten: Besitzt Ihr das Original sowie die Addons nicht, dürft Ihr nur mit den Dark Eldar und den Adepta Sororitas ins Gefecht ziehen, ganz im Gegensatz zur Kampagne.

Sei's drum, die Scharmützel per LAN- und Onlineverbindung für zwei bis maximal acht Spieler haben jedenfalls nichts von ihrem Charme eingebüßt. Der Kartenkatalog ist dabei so riesig wie abwechlungsreich, zudem darf man eigene Einheiten nach wie vor mit Farben und Symbolen nach eigenem Gusto verzieren. Damit sich nicht jede Partie gleicht, können zudem vielschichtige Veränderungen an den Spieloptionen vorgenommen werden – so legt Ihr beispielsweise das Vorkommen an Kontrollpunkten, die Einstiegsversorgung oder die jeweiligen Siegbedingungen so fest, wie Ihr es wünscht. Damit die Gefechte fair bleiben, muss das Balancing mithalten können – bei neun, teils sehr unterschiedlichen Rassen ein nahezu unmögliches Unterfangen. Doch bisher scheint es so, als hätte Entwickler Iron Lore – mittlerweile insolvent – eine ausgewogene Truppenbalance geschaffen. Für ein endgültiges Urteil ist es noch zu früh, wir erwarten so oder so kommende Updates mit hoffentlich sinnvollen Detailänderungen.

Optisch bedarf es langsam aber sicher einer Generalüberholung: Die Umgebungen sind für ein aktuelles Spiel zu trist und die Einheiten und Gebäude mittlerweile etwas detailarm. Immerhin dürfen sich DoW-Veteranen nach wie vor über sehenswerte Explosionen und Effekte, gelungene Animationen und eine anständige Performance freuen. Selbst in der maximalen Zoomstufe dürfte es daher auch bei älteren Rechnern keine Ruckelprobleme geben. Hervorragend ist nach wie vor die akustische Seite des Spiels: Schon in den Vorgängern war man eine brachiale Soundkulisse gewohnt, Soulstorm behält die Qualität der Effekte und Musik bei – zu einem tollen Theme scheppert es bei Gefechten an allen Ecken und Enden, klasse! Die deutschen Einheitenkommentare sind dabei gewohnt gut und besser als ihr Ruf in anderen Spielen, könnten aber letzten Endes noch ein wenig mehr Abwechslung vertragen.

Fazit

Da hat es mich aus den Socken gehauen: Warhammer 40.000: Dawn of War - Soulstorm ist hart wie Kruppstahl, erfreulicherweise jedoch nie unfair. Doch wer nach den ersten frustrierenden Momenten noch nicht aufgibt, entdeckt irgendwann den Schlüssel zum Sieg, dann fängt Soulstorm auch erst an, richtig Spaß zu machen. Gut gefallen haben mir die dabei die interessanten, neuen Rassen, die gut ins düstere SciFi-Szenario passen, auf eine vernünftige Einleitung leider jedoch verzichten müssen. Gerade eine gut erzählt Geschichte hätte vielleicht, aber auch nur vielleicht darüber hinwegtäuschen können, dass ich im Einzelspielermodus quasi nichts anderes mache, als im normalen Geplänkel abseits der Kampagne. Nach einiger Zeit war mir das jedoch egal, denn dann kam der Mehrspielermodus und der ist mal richtig klasse - wer demnächst eine LAN-Party auf dem Kalender stehen hat, kommt um Soulstorm - oder wahlweise einen seiner Vorgänger - nicht herum, denn so süchtig macht nicht jedes Spiel. Und zu guter Letzt darf ich meine Feinde nun auch aus der Luft bekämpfen, herrlich - passt ja prima zu meiner alles andere als bodenständigen Art.

Warhammer 40.000: Dawn of War - Soulstorm [PC , looki.de]

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