Gesamtwertung79%/10 |
GrafikBefriedigend SoundBefriedigend |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungSehr gut |
Aus der Pistolenmündung steigt noch Rauch auf, als wir uns erschöpft auf den kalten Waldboden setzen. Wir brauchen einige Sekunden, bis wir uns erholt haben und in der Lage sind uns erneut in die Schlacht zu stürzen. Hinter uns liegen turbulente Minuten. Als Mensch gehören wir den Armeen der Ordnung an und kämpfen gerade um die Vormacht einer strategisch wichtigen Burg. Zusammen mit rund vierzig anderen Zwergen, Hochelfen und Menschen.
MMORPG aus der Retorte?
Das Problem an der Sache ist, dass die Armeen der Zerstörung, also all die uns nicht gerade gut gesonnenen Grünhäute, Dunkelelfen und Goblins derzeit in Besitz der Festung sind und uns auch zahlenmäßig das Wasser reichen können. Immer wieder werden unsere Reihen durch brennende Fässer und Angriffe aus sicherer Entfernung, sowie Bogenschützen dezimiert. Und immer wieder rennen wir neu an. Beihilflich sind uns dabei Katapulte und andere Belagerungswaffen, mit denen wir guten Schaden anrichten. Irgendwann gelingt es uns kurzeitig so viele Gegner auszuschalten und damit diese für rund 30 Sekunden aus dem Spiel zu nehmen, dass wir mit unserem Rammbock das äußere Tor zerschlagen können.
Dabei ist im Übrigen Geschick gefragt. Denn nur wenn alle acht Helfer gleichzeitig ihre Kraftreserven auf das Kriegsgerät übertragen, kommt auch ein ordentlicher Schwung und damit ein verheerender Schaden zustande. Knifflig. Drinnen angekommen stehen wir unseren Widersachen Auge in Auge gegenüber. Wir haben Glück. Ungewöhnlicherweise besteht die Zerstörungs-Truppe aus überproportional vielen Heilern und wenigen Kriegern. Einer nach dem anderen wird ausgeschaltet, bis wir auch das zweite und damit innere Tor vernichtet haben. Nun noch schnell den Hüter der Festung besiegt und schon gehört uns das idyllische Domizil. Die Armeen der Ordnung breiten ihren Einflussbereich weiter aus. Und wir haben dazu beigetragen. Ein angenehmes Gefühl, das uns durchströmt, als wir mit unseren anderen Mitstreitern um den toten Lord herumtanzen. Doch der Frieden wird nur kurz halten. Denn schon bald werden die uns verhassten Kreaturen zum Gegenangriff blasen. So sieht eine typische Burgbelagerung im ambitionierten Online-Rollenspiel Warhammer Online: Age of Reckoning aus.
Eine willkommene Abwechslung zum trüben PvE-Alltag mag man meinen. Doch wer die Jungs und Mädels von Mythic kennt, die sich für die Entwicklung des Spiels verantwortlich zeichnen, der kann sich vorstellen, dass dieses MMORPG vor allem durch seine Spieler gegen Spieler-Kämpfe, -Missionen und Kriege zu glänzen vermag. Doch auch puren Rollenspielern, die einfach nur dem Mob so richtig eins vor die Latten krachen wollen, kommen auf ihre Kosten. Dabei wurde ziemlich gut von bekannten Genregrößen, nein, sagen wir von der Genregröße gespickt, vieles von Dark Age of Camelot aufgenommen und verbessert und einiges innoviert, so dass man eigentlich von einem ausgewogenen Spielerlebnis sprechen könnte, wenn da nicht die allgegenwärtigen Kinderkrankheiten wären, mit denen wohl jedes Rollenspiel zu kämpfen hatte und haben wird. Nach der obligatorischen Charaktererstellung, die Euch sechs verschiedene Völker und insgesamt achtzehn verschiedene Klassen bietet, startet man ganz gewöhnlich in die Welt von Warhammer Online.
What you see is what you get
Übrigens muss man sich nach er Wahl eines Servers für eine der beiden Kriegsseiten entscheiden. Innerhalb der Gruppierung darf man dann bis zu zehn unterschiedliche Charaktere erstellen. Ein Wechseln der Seiten ist auf dem jeweiligen Server dann nicht mehr möglich. Ein kleines Intro führt Euch in das Startgebiet ein. Nach wenigen Sekunden dann haltet Ihr die Geschicke Eures neu erstellten Charakters in der Hand. Ihr dürft im Übrigen davon ausgehen, dass Euch Euer eigenes Gesicht des Öfteren über den Weg laufen wird. Wirklich viele Möglichkeiten den eigenen Charakter individuell zu gestalten gibt es nämlich nicht. Von den Kleidern mal abgesehen, die für wenig Geld in den unterschiedlichsten Farben gefärbt werden dürfen. Voller Tatendrang gehts dann los. Die ersten Quests helfen vor allem Einsteigern sich in der Welt zurecht zu finden und sind nach dem Muster Suche Bereich A, töte so und so viele Monster B und geh zurück zu Bereich C, um deine Erfahrungspunkte und eine Belohnung abzuholen. gestrickt.
Man kommt nicht umhin sich anfangs wie in World of Warcraft zu fühlen. Aber man kam damals auch nicht umhin sich in Blizzards Blockbuster in den ersten Minuten wie in Dark Age of Camelot zu fühlen. Zugegeben, das war eine Lüge. Leider bleiben die simplen PVE-Aufträge die meiste Zeit über eintönig und können ihre Relevanz nur dadurch rechtfertigen, dass man schließlich irgendwie die nächste Stufe erkunden muss. Viel zu weite Laufwege verhindern ein zügiges Vorankommen. Zudem sind die Gegner bereits in den Startgebieten so reichlich gesät, dass unachtsame Spieler kaum eine Quest abschließen werden ohne mindestens einmal zu sterben. Denn hat man es erst einmal mit einer Gruppe von Monstern auf dem gleichen Level zu tun, sieht es meist schlecht für den Spieler aus. Auch das Fliehen gestaltet sich schwierig, da die Biester hartnäckig am Hintern des Charakters kleben. Selten gibt es wirklich lustige und kurzweilige Aufträge zu erfüllen. So wird man als Zwerg mal Fässer anbrennen und auf Gegnerhorden herunterrasseln lassen müssen.
Oder man schießt mit einer Belagerungswaffe im Ego-Shooter-Stil böse Feen vom Himmel. Diese spaßigen Einlagen hätten ruhig öfter eingebaut werden können. Wer sich die Mühe gibt und die Questtexte ließt, bekommt einen gründlichen Einblick ins Warhammer Universum, dass manchmal überaus spannend, manchmal totlangweilig präsentiert wird. Eins wird jedoch schnell klar. Die Armeen der Ordnung haben genauso viel Dreck am Stecken, wie die Gegenseite. Ab einer gewissen Stufe sind Aufträge oft nicht mehr allein zu bewältigen. Warhammer Online macht es dem Spieler aber denkbar einfach eine Gruppe zu finden. So wird beim Betreten eines neuen Gebietes angezeigt, welche Grüppchen bereits aktiv am Kämpfen sind. Ein Klick und man kann eine Anfrage an den Gruppenführer senden. Der ist dann auch nur noch einen Klick davon entfernt, Euch aufzunehmen. Und schon kann es los gehen. Auch über die Fülle der Aufträge ist jeder Zweifel erhaben. Man hat zu jeder Zeit mehr als genug zu tun.
Fair verteilt...
Damit man nicht, wie etwa bei WoW, ewig auf der Suche nach den Bereichen ist, in denen sich das jeweilige Spektakel abspielt, bieten die hübschen Karten des Spiels die Funktion, sich die einzelnen Questorte rot einkreisen zu lassen. So sucht man nie lange, was das Spielen sehr vereinfacht. Hardcore-Zocker können das Feature jederzeit ausschalten. Wirklich Neues führt Warhammer Online in die Welt der Online-Rollenspiele allerdings kaum ein. Die einzige wirklich große Neuerung sind die sogenannten öffentlichen Quests, die viel von der Faszination des Spiels begründen. Die Aufträge, die sich an alle Spieler richten, finden sich überall in der weiten Welt von Warhammer Online. Sobald man einen Bereich betritt, in dem sich ein öffentlicher Quest abspielt, wird dieser direkt angezeigt. So weiß man sofort was man zu tun hat, sofern man sich daran beteiligen möchte.
Neben vielen Erfahrungspunkten warten auch Einflusspunkte auf den fleißigen Spieler, die wiederum gegen wertvolle Items getauscht werden können. Meist bestehen diese Aufträge aus drei Phasen, die mit dem Töten eines Bosses abgeschlossen werden. Danach wird um die Questitems gewürfelt. Dabei ist der im Vorteil, der am Meisten für den Sieg der Gruppe getan hat. Das ist insofern gerecht, weil man zu jeder Zeit und in jeder Phase in den Quest einsteigen kann. Wer also nur hilft den Boss zu töten, wird kaum das wertvollste Item abstauben können. In späteren Abschnitten des Spiels reicht es meist nicht mehr aus, sich unkoordiniert zusammen zu finden, um erfolgreich zu sein. Eine gewisse Strategie wird vorausgesetzt, was vor allem zur Kommunikation untereinander beiträgt und alsbald ein Gefühl der Verbundenheit entstehen lässt. Nicht selten entstehen daraus virtuelle Freundschaften, die gleichsam oft in einer Gilde ihren Höhepunkt finden. Die Entwickler haben das System des Zusammenschlusses einzelner Spieler sehr gewissenhaft und gut ausgearbeitet.
So kann jede Gilde in sich leveln und dadurch diverse Vorteile ergattern. Dabei ist es egal, ob man sich in einer Gemeinschaft mit 3 oder einhundert Spielern befindet. Mit den Spielern wächst auch die Gilde, gedeiht und wird so stärker. Je höher der Level desto mehr Funktionen werden freigeschalten. Leider finden sich in Warhammer Online abseits davon einige Fehler, die auch schon frühere MMORPGs gemacht haben und die nicht ausgebügelt wurden. So können wir es einfach nicht verstehen, weshalb man nicht von Beginn an ein Pferd mieten kann, um längere Strecken schneller zurückzulegen. Es mag ja sein, dass man die Spieler durch solche Dinge motivieren will, höhere Level zu erreichen. Doch warum kann das jeweils mietbare Pferd mit Level 40 nicht einfach deutlich schneller sein, als eines, dass man ab dem ersten Tag in Warhammer Online reiten kann? Warum laufen die meisten Aufträge immer noch nach dem A+B=C-Prinzip ab und wieso verdammt nochmal können wir uns noch immer nicht zünftig betrinken?
Quatsch, wir meinten natürlich, wieso hat sich noch immer nichts am Kampfsystem getan? Man merkt dem Kampfsystem deutlich an, dass es erst vor kurzem runderneuert wurde. Das Interface bietet denselben Anblick, wie wir ihn aus Dark Age of Camelot und aus World of WarCraft gewohnt sind. Durch Aufleveln schaltet man neue Fertigkeiten frei, die sich im Wesentlichen kaum von einander unterscheiden, den Gegner mal nur durch psychischen Schaden schwächen, mal dessen Rüstung angreifen, ihn mal verwirren und so weiter und so fort. Das Ganze basiert immer noch auf dem Prinzip der Runde. Nach wenigen Stunden, zumal nur die wenigsten Fähigkeiten im PVE wirklich von Nutzen sind, kann man blind kämpfen. Das langweilt. Dafür fordert der PVP-Bereich nicht nur strategisches Vorgehen, sondern auch das Kennen seines Charakters. Wer blind in die Schlacht stürzt, wird schneller das Zeitliche segnen, als ihm lieb sein kann. Der PVP-Kampf spielt sich entweder bei Belagerungen, in Grenzgebieten oder in extra dafür gestalteten Instanzen ab. Während Ersteres bereits zur Genüge erklärt wurde, ist vor allem der Kampf in den Grenzgebieten interessant. Hier wird es immer Krieg geben, keine Seite wird lange die Vormachtsstellung halten können.
Durch Quests wird das Ganze in Sachen Taktik ordentlich anspruchsvoll. So wird man einen angeschlagenen Gegenspieler auch mal ziehen lassen, wenn man stattdessen die Chance erhält, einen Auftrag zu erfüllen, solange der jeweilige Bereich nicht umkämpft ist. Oder man umgeht die Feinde, schleicht sich an ihnen vorbei, erfüllt sein Ziel und greift dann von zwei Seiten aus an. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt. Die Motivation auch. Denn gerade dieser Bereich des Spiels macht einen Heidenspaß, stellt den Spieler immer wieder vor neue Herausforderungen. Und gerade, wenn man sich in einer ambitionierten Gruppe zusammengefunden hat, kann das Spiel unendlich erscheinenden Spaß machen. Die Instanzen sind im Stile des Conquest-Modus' der Ego-Shooter aufgebaut. Man startet an einem Punkt der vorgenerierten Karte, die Gegner am entferntesten Anderen. Und dann gilt es einige Ziele einzunehmen. Dabei kommt es logischerweise des Öfteren zum Aufeinandertreffen und zu hitzigen Gefechten. Meist gewinnt die Seite, die sich taktisch klüger anstellt. Denn eroberte Punkte sorgen mit der Zeit für eine Aufstockung des Punktekontos. Genau wie getötete Gegenspieler. So kann es manchmal ratsam sein, sich von der Gruppe zu lösen und einen nicht umkämpften Punkt in aller Stille einzunehmen, bevor der Gegner davon Wind bekommt.
Am Ende gewinnt die Fraktion, die als Erstes die angepeilte Punktegrenze erreicht oder nach Ablauf der Spielzeit die meisten Punkte ihr Eigen nennt. Das stellt sich als sehr spaßig heraus. Zumal man die einzelnen Instanzen so oft man will wieder bespielen kann. Dabei ist es glücklicherweise möglich, sich auch mit der eigenen Gruppe für die nächst mögliche Runde anzumelden. Man muss also nicht mit einem zufällig zusammengewürfelten Team in die Schlacht ziehen. Da der PVP-Modus nicht nur zum Spaß da ist, sondern neben den Machtverhältnissen der Welt, auch euren Erfahrungspunktestand ordentlich mitregelt, ist man immer wieder motiviert in den Kampf zu ziehen.
Spieler die kein PVE mögen, können diesen Modus daher weitestgehend umgehen. Genau wie Spieler, die auf Spieler-gegen-Spieler-Kämpfe verzichten können. Nervig ist nur, dass es noch immer große Probleme mit der Latenz zu geben scheint. Gerade im PVP ist es besonders ärgerlich, wenn man auf Grund von Verzögerungen einen Gegner eben nicht den letzten Hieb verpassen kann oder eine Fähigkeit, die längere Zeit zum Aufladen benötigt, nicht als Finisher einsetzen kann, weil man einfach nicht weiß, in welchem Moment sie einzusetzen ist. Das trägt des Öfteren zu großen Frustmomenten bei.
Mach Dir einen Namen im Dark Orbit. Allein oder mit Verbündeten wagst Du Dich in weit entfernte Sternen- systeme vor und kämpfst um 10.000 € zum Spiel...
Warhammer Online: Age of Reckoning im Test.
Was halten Sie vom neuen Spiel von GOA?
Teilen Sie Ihre Meinung mit anderen Yahoo!-Usern.