Warlords IV: Heroes of Etheria

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Ubisoft
Entwickler
Infinity Ward
Erscheinungsdatum
-
Genre
Action
USK
6
Warlords IV: Heroes of Etheria [PC , looki.de]

Gesamtwertung

80%/10

Grafik

Mangelhaft

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Warlords IV: Heroes of Etheria

Vielen alte Spiele - Hasen wird SSG noch etwas sagen. In den 80ern und 90ern war SSG einer der größten Entwickler für Rundenstrategiespiele.

Steve Fawkner, der in den 90ern lange Zeit für SSG tätig war, entwickelte dann für den PC Warlords und begründete damit eine bis heute sehr beliebte und von der Presse ausgezeichnete Serie von Computerspielen. Ob Warlords II, Warlords Battlecry oder Warlords III: Jedesmal landete man einen Erfolg und heimste viele Preise der schreibenden Zunft und großes Lob der Fans ein. 2003 gründete Fawkner dann mit einem Großteil der alten „Warlords-Crew“, mit der er schon die Vorgänger zu Warlords IV entwickelt hatte, die Firma Infinite Interactive.

Nun ist es soweit: Warlords IV: Heroes of Etheria ist im Handel.

Das Land Etheria! Vom ewigen Konflikt zwischen Menschen, Elfen, Zwergen und Orks geschüttelte Land wird von Untoten heimgesucht. Einige wenige, die noch das „Alte Wissen“ haben, vermuten einen erneuten Griff nach der Macht durch böse Kräfte.

Vor 3000 Jahren versuchte ein elfischer Edelmann namens Mordaine die Horden der Unterwelt mit einem gefährlichen Zauber zu befreien, und die Welt zu unterwerfen. Aber der Zauber schlug fehl und tötete Mordaine. Große Erdbeben und Katastrophen waren die Folge und viele Menschen starben. Ganze Städte wurden vom Angesicht der Erde getilgt. Bis heute ist dieses Ereignis als die Trennung bekannt, und viele Mythen und Sagen ranken sich um die damaligen Geschehnisse. Nur die ältesten der Elfen wissen noch was wirklich passiert ist.

Heute plündern, von Dämonen angeführte, Orkhorden die Bibliotheken des Landes, auf der Suche nach einem Buch, welches das „Alte Wissen“ um die Trennung enthält.

Der Kampf um die Zukunft Etherias und gegen das Böse hat begonnen, ja, und Du bist der Held! Ja, Du hast richtig gehört! Du musst das Böse besiegen und das Reich Etheria wieder einen - und zwar Runde für Runde.

Nachdem wir von einem schicken Intro in die Kampagnen-Geschichte eingeführt wurden, geht es direkt weiter mit dem Erstellen unseres zukünftigen Helden.

Wie in einem Rollenspiel, wählen wir die Rasse, das Geschlecht und die Primär- und Sekundärfahigkeit des Avatar aus. Hier sind den Vorlieben des Spielers keine Grenzen gesetzt: Man kann eine aus 10 Rassen wählen, wie etwa Ritter, Imperium, Elfen, Zwerge oder Orks.

Damit aber nicht genug! Die Auswahl der Fähigkeiten reicht von Kampf über Natur- bis hin zu Elementarmagie, und bestimmt wesentlich die Spielweise und die Stärken der Einheiten und anderen Helden im weiteren Spielverlauf, doch dazu später mehr.

Haben wir unseren Charakter mit Fähigkeiten und Rasse passabel konfiguriert, geben wir ihm und seiner Hauptstadt noch einen Namen und wählen unser Banner aus.

Schon stehen wir mitten im Spiel!

Der erste Blick fällt auf eine Karte von Etheria. Diese Karte ist in verschiedene Gebiete unterteilt, wobei spielentscheidende Gebiete durch aufschlussreiche Icons hervorgehoben sind. Ein Buch zeigt uns an, dass wir, sollten wir in dieses Gebiet vorrücken, die Story der Kampagne weiterspielen.

Ein anderes Symbol macht deutlich, dass wir hier einmarschieren können, was von Gebiet zu Gebiet auch Auswirkungen auf den Verlauf der Kampagne haben kann. So kann man nach der Einführungsmission erst mal die Zwerge in ihrem Gebiet unterwerfen, um sie in der nächsten Mission befehligen zu können. Das erlaubt dem Spieler ungeahnte Freiheiten, da er selber bestimmen kann wie er weiter vorgehen möchte und was für ihn später von Vorteil sein könnte.

Richtig „nicht-linear“ wird die Kampagne dadurch zwar nicht, doch haben wir in den meisten Fällen immer eine Wahl, welche Mission uns in diesem Moment eher weiterbringt.

Ein Klick in das gewünschte Gebiet bringt uns schließlich zum eigentlichen Teil des Spiel.

Die oft sehr großen Gebiete beherbergen die verschiedensten Völker mit unzähligen Städten, Gruften und Dungeons. Von unserer Hauptstadt aus, die automatisch im Zielgebiet platziert wird, können wir schließlich ausziehen, das Land zu erobern. Schnell fällt auf, dass die Städte der einzelnen Rassen schon von ihrer Architektur zu unterscheiden sind.

Elfen haben Städte vorwiegend aus Holz und in der Nähe eines Waldes, Orks bevorzugen die Steppe mit ihren Zeltähnlichen Bauten und Drachen hausen in großen Städten aus rotem Stein hoch in den Bergen.

Mit einer kleinen Hand von Gefolgsleuten, die wir ausgebildet haben, wollen wir nun eine Stadt der Ritter erobern, die ganz in der Nähe unserer Hauptstadt liegt.

Sowohl die Truppenbewegungen auf der Karte, als auch die Kämpfe sind rundenbasiert. Jede Einheit hat eine gewisse Anzahl an Bewegungspunkten, mit denen sie, abhängig vom Terrain welches sie durchqueren muss, weiter oder weniger weit kommt.

Haben wir nun die Stadt der Ritter erreicht, führen wir unsere Einheiten in die Schlacht. Je nachdem welche Truppen wir ausgebildet haben, jedes Volk besitzt fünf verschiedene Einheiten und einen Helden, denken wir uns eine Strategie gegen unseren nahkampfstarken Gegner aus.

Die Truppen treten, wie aus Pen & Paper Rollen- oder Brettspielen bekannt, Mann gegen Mann in einer speziellen 2D Ansicht an, wobei der Schaden, den eine Einheit beim Angriff austeilt oder bei einer Verteidigung abwehrt, per Zufall über eine gewisse Konstante berechnet wird.

Diese Konstante ist von den einzelnen Stärken, dem maximalen Schaden und anderen unzähligen Faktoren, wie zum Beispiel spezielle Fähigkeiten gegen verschiedene Völker oder Angriffsarten, abhängig, die jeden Einheitentyp einzigartig machen. Ein paar Bogenschützen als Fernkämpfer und starke Kavallerie als Nahkämpfer bescheren uns schließlich den Sieg, und die Stadt gehört ab sofort uns!

Zufrieden stellen wir fest, daß die unerfahrenen Frischlinge, die gerade mit Ach und Krach die Stadt eroberten, ein bisschen an Erfahrung gewonnen haben.

Das Levelsystem, indem alle Einheiten durch Erfahrungspunkte aufsteigen können, stellt sich als überaus durchdacht und spannend heraus. Langsam wird somit aus einem einfachen Ritter ein Level 6 oder 7 Kämpfer der schon mal vier oder fünf Feinde im Alleingang platt macht.

Somit wachsen dem Spieler die Einheiten mit der Zeit richtig ans Herz und man spielt lieber eine Mission noch mal von vorne, als den getöteten Ritter in der nächsten Aufgabe missen zu wollen.

Natürlich müssen wir die Stadt nicht unbedingt besetzt halten, wir können sie auch jederzeit dem Erdboden gleich machen und plündern.

Da wir aber das Imperium spielen, und die Ritter, denen diese Stadt gehört, einige fesche Nahkampfeinheiten haben, annektieren wir ihre Bleibe. Nun lassen sich alle Einheiten des jeweiligen Feindes auch ausbilden, was, vor allem gegen starke Gegner, absolut notwendig ist, um im Kampf auf die verschiedenen Einheiten des Gegners optimal reagieren zu können. Einzig und allein die Heldeneinheiten, besonders starke Charaktere mit speziellen Fähigkeiten, sind dem jeweiligen Volk vorbehalten und lassen sich nur dann ausbilden, wenn der eigene Warlord auch diesem Volk angehört. Die eroberte Stadt ist, wie sich schnell herausstellt, eher ein Kuhkaff: Eine nur spärlich befestige Anlage in der man keine Ritter ausbilden kann.

Da wir aber die Ritter unbedingt haben wollen, müssen wir die Stadt erst mal befestigen. Hier haben wir die Auswahl zwischen vier Stufen, die uns erlauben auch die stärkeren Einheiten ausbilden zu können. Da die Befestigungen aber sündhaft teuer sind, und man sich das Gold nicht aus dem Heldenärmel schütteln kann, sollten wir vorher doch besser unser Einkommen erhöhen, indem wir noch weitere Städte erobern. Vom Einkommen ist auch die Anzahl der maximal zu befehligenden Einheiten abhängig, und bei wenig Kohle ist darum schnell „Schicht im Schacht“!

Besonders lukrativ ist das Erobern von gegnerischen Hauptstädten. Nicht nur weil dies generell zum Sieg in einer Mission führt, oder auch zur Niederlage sollte die eigene Hauptstadt fallen, sondern auch weil man somit die anderen Städte des Gegners auf einen Schlag neutral und ohne Oberhaupt zurück lässt.

Eine weitere Möglichkeit seine Städte aufzuwerten, ist das Bauen von Gebäuden. Diese Gebäude, von der jede Stadt zu Beginn einige wenige hat, haben Auswirkungen auf die Nahrungsproduktion, die Moral der Truppen oder die Bewegungspunkte der eigenen Einheiten. Das Errichten neuer Gebäude ist nur dann möglich, sobald der eigene Warlord im Level aufsteigt, was unter Umständen schon mal länger dauern kann.

Auf der Karte sind aber nicht nur normale Städte oder Gebäude, sondern auch Ruinen oder Dungeons, welche man aber auf dieselbe Art und Weise erobern kann, indem man einfach alle dort stationierten Gegner tötet. Meist bringen diese Ruinen Gold oder diverse Gegenstände, die positiven Einfluss auf die Fähigkeiten unserer Truppen haben.

Gerade in Nebenquests, die von Zeit zu Zeit während einer Mission zur Verfügung stehen, spielen diese Ruinen eine wichtige Rolle, da man oftmals diese erobern sollte, um die Aufgaben erfolgreich beenden zu können.

Natürlich geht es in Warlords IV: Heroes of Etheria hauptsächlich um die im Spielnamen auftauchenden Helden. Neben dem eigenen Charakter, der sich leider nur in der Hauptstadt aufhalten und von dort aus mit Zaubern oder Spezialkräften wirken kann, bieten uns ab und zu auch andere Helden ihre Dienste gegen Gold an. Meistens sind diese Helden bereits kampferfahren und stellen somit einen wichtigen Teil unserer Streitmacht dar.

Wie auch bei den gewöhnlichen Truppen, gibt es zwischen den Helden auch einige magiebegabte Wesen. Neben Heilern, die während einem Kampf die eigenen Truppen und sich selber heilen können, gibt es auch Zauberer, die beispielsweise Dämonen beschwören, Feinde mit dem Todesblick dahinraffen oder Feuerbälle schleudern können. Die Effektivität dieser Fähigkeiten steigt, wie auch in Rollenspielen, mit jedem Levelanstieg des Charakters.

Auch der eigene Warlord, der ständig in seiner Hauptstadt hockt und nur richtig kämpft wenn die Hauptstadt angegriffen wird, kann, sofern eine seiner zwei Fähigkeiten eine magische Fähigkeit ist, Zauber wirken und Dämonen beschwören. Die Zauber, welche der Warlord erst erlernen muss, sind natürlich abhängig von der jeweiligen Magie, in der der Charakter begabt ist. Somit wird es einem Naturmagier nicht vergönnt sein Feuerzauber zu sprechen, er wird dafür aber einen Wind- oder Wachstumszauber sprechen können. Insgesamt gibt es in Warlords IV fünf Wege der Magie: Göttliche Magie, Runenmagie, Naturmagie, Beschwörung und Nekromantie die sich in ihren Wirkweisen stark unterscheiden und somit für jeden Spielertyp das richtige Werkzeug beinhalten.

Aber der Warlord kann nicht nur zaubern, sondern beeinflusst durch seinen Level und seine Fähigkeiten auch alle anderen, von ihm befehligten Einheiten in Punkto Angriffsstärke, Bewegungspunkte oder Moral und ist somit der wahre Rückhalt jeder Armee.

Die gute Einzelspieler-Kampagne wird wohl für die eine oder andere durchzockte Woche sorgen und besitzt, durch die vielen verschiedenen strategischen und taktischen Möglichkeiten, vor allem bezogen auf den Charakter des Warlords, sogar einen hohen Wiederspielwert.

Hat man doch mal irgendwann keine Lust mehr alleine die Kampagne oder einer der unzähligen Zufallskarten zu spielen, bleibt noch der Griff zum Editor, mit dem sich recht simpel nette Szenarios zaubern lassen.

Natürlich kann man auch im Internet oder im LAN gegen oder mit bis zu acht Freunden spielen. Durch das rundenbasierte Spielprinzip können solche Schlachten schon mal einige Stunden dauern, die aber bis zur letzten Minute spannend bleiben, da das Spielgeschehen oftmals unerwartete Wendungen und Ereignisse zulässt.

Somit ist Spieler 4, nur weil er nur noch eine Stadt besitzt, noch lange nicht aus dem Rennen und kann durchaus noch zu einer ernsten Gefahr für seine Mitspieler mutieren.

Wer sich auf Warlords IV einlässt, bekommt gerade im Multiplayer Modus jede Menge Spaß, und das für einige Wochen.

Das wirklich einzige, richtige Problem von Warlords IV ist die total unzeitgemäße und extrem veraltete Optik. Aus der Isoperspektive sieht man eine grobe, leblose Landschaft mit kleinen, detailarmen Einheiten und schlecht gezeichneten Texturen. Auch die Kampfansicht bietet keinen Grund zur Freude, da hier dieselbe Detailarmut gepaart mit schlechten Animationen vorherrscht. Wer die Vorgänger wie Warlords II oder Warlords III kennt, wird in grafischer Hinsicht keine großen Änderungen wahrnehmen.

An Beispielen wie Spellforce sieht man, was mittlerweile an Optik in Spielen möglich ist. Auch wenn man nicht erwarten kann, dass jedes Strategiespiel derartig schön anzusehen ist wie Spellforce, kann man schon eine zeitgemäße Optik voraussetzen. Was die Entwickler von Infinite Interactive beim Gameplay hervorragend gelöst haben, wurde hier grandios verpennt. So darf heutzutage einfach kein Vollpreisspiel aussehen.

Da tröstet auch der recht gelungene Sound nicht wirklich, obwohl dieser mit einem stimmungsvollen Soundtrack, guten Effekten und passenden Sprechern daherkommt.

Auch die Videos, welche die Story innerhalb der Kampagne weiterführen, sind gut gelungen und vermitteln das nötige Flair durch meist gezeichnete Szenen, die mit dem guten Soundtrack und den bereits erwähnten vernünftigen Sprechern cool arrangiert sind.

Leider ist aber die Grafik, wie oben beschrieben, derartig schlecht, das Warlords IV im technischen Bereich keine Lorbeeren gewinnen kann, trotz des guten Sounds und der netten Videos.

Fazit

Die Möglichkeiten seine Truppen zu führen, Zauber zu sprechen und die Gegner schließlich zu bekämpfen, sind in Warlords IV derartig vielfältig wie in keinem anderen Strategiespiel. Gerade weil das Spiel komplett rundenbasiert ist, hat man ungeahnte Möglichkeiten der Strategie und der Taktik, die für jeden Spieler individuell genutzt werden können.

Somit ist Warlords IV von der Spieltiefe nur schwerlich zu übertreffen, was ja auch bereits bei den Vorgängern der Fall war.

Grafisch ist Warlords IV allerdings völlig veraltet, was viele Spieler, die die Warlords Reihe zum ersten Mal spielen, abschrecken dürfte.

Für Fans, die diese Grafik ja seit Jahren gewöhnt sind, dürfte das aber nicht sonderlich ins Gewicht fallen, da man Warlords ohnehin nicht wegen der grafischen Schönheit spielt.

Warlords IV führt die Tradition seiner Vorgänger fort und ist für mich in Punkto Spieltiefe die unangefochtene Nummer eins unter den Rundenstrategiespielen.

Warlords IV: Heroes of Etheria [PC , looki.de]

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