Gesamtwertung76%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
Dass es auch in Deutschland eine kleine Anzahl kreativer Entwicklerköpfe gibt, bewiesen in den letzten Jahren nicht zuletzt Produktionen wie Crysis, oder Geheimakte Tunguska. Vor allen Dingen in den letzten Monaten schienen zahlreiche Berufseinsteiger das Potential der Spielindustrie erkannt zu haben und so durften einige kleine Spieleschmieden hierzulande das Licht der Welt erblicken. Als eines dieser frisch gegründeten Entwicklerstudios, will sich Chimera Entertainment mit ihrem Debüt Windchaser dabei erst einmal einen Namen machen. Den knapp 30 Euro teuren Titel, ein taktisches Strategiespiel mit Rollenspielelementen, haben wir euch einmal genauer unter die Lupe genommen.
Ensai und der Weltenbrand
Als die Fantasiewelt Ensai vor knapp 600 Jahren von einem Weltenbrand heimgesucht wurde, legte dieser alles in Schutt und Asche, beendete einen seit Jahren tobenden Krieg und schickte sämtliche technologischen Errungenschaften und Entwicklungen in die Vergessenheit. Lediglich einige Gruppe überlebte das Feuerinferno und lebt seit diesem Tag als Nomaden der Lüfte, da einige unbeschädigte Pläne und Artefakte die Konstruktion von fliegenden Segelschiffen möglich machte.
Die in Gilden organisierten Überlebenden sind dabei stets auf der Suche nach Überresten der Vergangenheit, verschollenen Artefakten und alten Technologien. Schnell wurden neue Städte gegründet und es entstanden auch politische sowie religiöse Bewegungen; letztere scheinen dabei einen erneuten Krieg heraufzubeschwören. Hier tritt unser Held Ioan, ein einfacher Bauernsohn mit mystischen Kräften, in Erscheinung. Den noch unerfahrenen Novizen treibt es dabei aus Abenteuerlust zur Gilde der Windchaser, in der Hoffnung einige spannende Kämpfe zu bestreiten und Erfahrungen zu sammeln. Hier findet er zugleich in Shara und Caine neue Freunde, die ihn auf seinem Weg begleiten.
Hoch in die Lüfte
Während bei anderen Titeln des Genres entweder der Rollenspiel-, oder der Strategieanteil dominiert, halten sich beide Bereiche in Winchester die Waage.
So steuert ihr stets eine Rumpfgruppe von drei Personen, die in den verschiedenen Missionen immer wieder durch weitere Novizen oder erfahrene Recken für die jeweilige Aufgabe ergänzt werden. Dabei unterscheiden sich die Mitstreiter in erster Linie durch ihren Kampfstil, welcher entweder im Bereich Konzentration, Chaos, oder Disziplin angesiedelt sein kann.
Ein jeder Kampfstil ist dabei einem anderen über- und dem dritten unterlegen, wodurch sich verschiedene Schadensboni ergeben. Darüber hinaus kann vor einem Kampf, welcher stets in Echtzeit abläuft, ein Anführer der Gruppe gewählt werden, vorzugsweise, derjenige mit der überlegenen Kampfambition. Dadurch lassen sich weitere Boni ergattern. Doch auch die Feinde lassen sich in die drei Stile einordnen, was der Spieler vor einem jeden Kampf bedenken muss.
Hierbei ist somit hohes taktisches Geschick gefragt, um vor jeder Schlacht, den richtigen Anführer und den richtigen Kampfstil auszuwählen, wobei sich letzterer noch mitten im Schlachtgetümmel ändern lässt.
Sterben können eure Charaktere dabei glücklicherweise nicht, da bei einer Niederlage stets das fliegende Hauptquartier in Form der Windchaser von diesen wieder aufgesucht wird. Hier regenerieren die LPs der Mitglieder in nur wenigen Sekunden, ähnlich wie auch nach jeder Schlacht. Einige Zeit mehr bedürfen die Charaktere jedoch zurück zum Hauptquartier. Das erweist sich vor allen Dingen bei weit entfernten Schlachten als überaus ärgerlich, da die Laufzeit oft mehrere Minuten dauern kann. Ebenfalls schade, dass vor allen Dingen zu Beginn des Spiels der Schwierigkeitsgrad einzelnen Schlachten sehr hoch ist, wobei einige andere mit Leichtigkeit gewonnen werden können; ein etwas feinfühligeres Balancing hätte Abhilfe schaffen können.
Build my ship!
Auf weitere rollenspielähnliche Elemente wurde indes bei den Charakteren verzichtet. Nur eine besondere aktive sowie passive Fähigkeit lassen sich als Anführer aktivieren; weitere Fähigkeiten erlernt dieser im Verlauf des Spiels. Der Levelaufstieg läuft völlig selbstständig ab, wobei hier nur die Lebenspunkte, sowie andere wichtige Attribute gesteigert werden. Weiterhin wurde auf ein Inventar für jedes einzelne Gruppenmitglied verzichtet. Lediglich zwei Slots für besondere Artefakte, die sich im Kampf als nützlich erweisen könnten, wurden integriert. Der wahre Rollenspielaspekt ist auf das Flaggschiff, die Windchaser beschränkt, die durch Gildenpunkte ausgebaut und erweitert werden kann.
Missionstechnisch ist das Questsystem wenig komplex ausgefallen und so beschränkt man sich in den Kampagnenmissionen auf ein, bis zwei Nebenmissionen, die meist auf die Zerstörung von Verstecken, der Eskorte von Händlern, oder der Verteidigung von Gebäuden beinhalten. Hier hätte man sich mit vielleicht ein wenig mehr Abwechslung gewünscht. Zu den Missionen gesellt sich ein Kontrollpunktsystem, mit welchem das Gebiet, in dem sich das fliegende Hauptquartier bewegen kann, erweitert wird.
Technisch nur auf Budget-Niveau
In technischer Hinsicht bewegt sich Windchaser wie auch im Preis lediglich auf Budget-Niveau. So wirken die Charaktere zumeist steif und in ihren Bewegungen wenig flüssig; vor allen Dingen in den Schlachten ist dies deutlich sichtbar. Auch Lippenbewegungen sowie Mimik und Gestik in Zwischensequenzen und Sprachpassagen gibt es kaum, sodass auch hier sämtliche Protagonisten blass und leblos wirken. Leblos scheinen auch oft die Schauplätze, die der Spieler mit Hilfe der Windchaser besuchen kann.
Dafür sind in erster Linie die zu grob geratenen Texturen und die wenig ansehnlichen Effekte verantwortlich. Bäume und Gräser, die sich gering im Wind bewegen, fließendes Wasser und weitere kleinere Bewegungen der Umwelt können dabei nicht überzeugen.Dies liegt ebenfalls an der zu klobig wirkenden Umwelt; kantige Baumstämme, pixelige Blätter, kantige Steinbrüche sowie einfallslos gestaltete Häuser und Dörfen finden sich an jeder Ecke. Ein wenig mehr Abwechslung und Bewegung hätte dem Spiel durchaus gut getan.
Ebenfalls der Sound bewegt sich nur auf durchschnittlichem Niveau. So gibt es während des Spiels kaum Hintergrundmusik, die beispielsweise die einzelnen Schlachten zusätzlich anheizt, oder dramatische Wendepunkte auch dramatisch unterlegt. Im Gegenteil, gerade in diesen Momenten plätschert die Musik geradezu vor sich hin und nimmt der Situation sämtliche Spannung. Etwas enttäuschend auch die Synchronisation der einzelnen Charaktere. Sie wirken meist zu überdreht oder zu lasch und nehmen den Protagonisten teilweise den Charme.
Windchaser im Test.
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