Gesamtwertung83 %/10 |
Grafik7 Sound8 |
Lanzeitspaß8 SpieleinstiegUngenügend |
Bedienung9 |
Lange hat es gedauert und für einige kam die Ankündigung eines neuen Wolfenstein-Teils sicher ziemlich überraschend. Diese Erstauntheit kann man aber eben nur mit der zu langen Zeitperiode erklären, die zwischen Return to Castle Wolfenstein und dem neuen Ableger lag, war RtCW doch ein Hit, der geradezu nach Nachschub schrie. Den gab es aber erst einmal nur auf dem Multiplayer-Sektor. Doch auch Enemy Territory schlug ein und wird noch heute von vielen Spielern leidenschaftlich gespielt.
Nun also schickt sich ein neuer Ableger an die Herzen der Shooter-Szene zu erobern. Und damit jeder das Franchise auch erkennt, wurde es mit dem unverwechselbaren, wie einfallslosen Namen Wolfenstein gekennzeichnet. Aber machen wir uns nichts vor: Das Ego-Shooter-Genre ist überladen und der am Schärfsten umkämpfte Sektor der Videospielszene. Spiele wie BioShock und Crysis dominieren den Markt durch ihr innovatives Gameplay. Bleibt da noch genug Platz für ein Wolfenstein? Das klärt unser Test.
B.J. Blazkowicz ist der Name unseres altbekannten Protagonisten. Ein Spezialagent der Alliierten, der ins stark umkämpfte Eisenstadt, einer fiktiven Stadt im Zweiten Weltkrieg, entsandt wird, um dort die Machenschaften der bösen Nazis zu unterbinden. In der unzensierten Version prangen überall in Eisenstadt die Hakenkreuze, blutige Gefechte geben das Bild eines lebendigen Schlachtfelds ab und wir müssen uns erst einmal in der ziemlich großen Stadt zu Recht finden. Die kann zwar nicht mit Metropolen wie Liberty City verglichen werden, ihre Größe reicht für das Spiel jedoch vollkommen zu. Kaum angekommen bahnen wir uns den Weg zum Kreisauer Kreis. Diese Untergrundorganisation sabotiert und bekämpft die Deutschen vor Ort. Dort erfahren wir auch von einer rüstigen Russin, was wir eigentlich zu tun haben. Die Nazis streben nun nämlich nicht mehr nur nach der Weltherrschaft, sondern wollen auch die sagenumwobenen dämonischen Kräfte bändigen, um sie dann auf die Welt loszulassen.
Deshalb sind sie hinter der so genannten Veil-Energie her, eine zwischen den Welten existierende Materie, die sie den Raum manipulieren und Geister und Zombies beschwören lässt. Das muss B.J. natürlich um jeden Preis und schnellstmöglich untergraben. Glücklicherweise stehen ihm dabei nicht nur altbekannte Ballermänner zur Verfügung, sondern eben auch genannte Veil-Energie. Als er nämlich zu Beginn des Spiels ein altes Amulett findet, wird ihm die Welt der Dämonen ebenfalls offenbart und er hat ab diesem Zeitpunkt die Möglichkeit eben durch dieses Amulett zeitbegrenzt in diese Welt einzutreten und sie zu seinem Vorteil zu nutzen. Das ist auch gut so, denn im Großen und Ganzen spielt sich Wolfenstein ansonsten wie ein herkömmlicher Shooter. Wir ballern uns durch die Straßen von Eisenstadt, infiltrieren Industrieanlagen, unterirdische Bauwerke und jede Menge anderer, Korridor-artige Schauplätze. Die Waffenauswahl darf dabei als mittelprächtig angesehen werden.
Es gibt nicht gerade eine Unmenge an verschiedenen Ballermännern, aber doch genügend. Die meisten "realen" Waffen sind aus anderen Spielen hinlänglich bekannt, deren Benutzung macht aber auch in Wolfenstein wieder Spaß und sie sorgen, wegen ihres Alters und dem damit Verbundenen schwierigen Schießen, für viel Herausforderung. Die Waffen der Dämonen jedoch sind in gewisser Weise neu und wissen zu gefallen.
Es macht einen Heidenspaß mit einer Laserknarre, die Veil-Energie wie ein Wasserwerfer versprüht, hilflose Soldaten quasi aufzulösen. In der uns vorliegenden Version spritzt dabei auch jede Menge Blut. Gesichter explodieren und die Leichen werden durch den Kugelhagen realistisch durch die Luft geschleudert. Angeschossene Kämpfer fassen sich an das verletzte Teil des Körpers oder fallen auf den Boden und rufen nach Hilfe. Das wirkt alles sehr stimmig. Nichtsdestotrotz wären die Missionen nach einigen Stunden äußerst eintönig, würden die Veil-Energie und B.J.'s Amulett fehlen.
Diese beiden Dinge erlauben dem Spieler nämlich, wie schon angesprochen, eine begrenzte Zeit in die Dämonenwelt abzutauchen und sich dadurch einen Vorteil zu erschleichen. Das Bild verfärbt sich dann ins Blaue und Gegner sind besser zu sehen. Aber auch versteckte Dokumente oder Gold werden sichtbar. Außerdem erspäht man in dieser Welt die Schwachstellen besonders starker Gegner. Diese sind dann deutlich rot gekennzeichnet. Vor allem bei Bosskämpfen ist das hilfreich, dadurch werden sie aber auch weniger spektakulär. Vor allem aber bringt die Veil-Energie im Kampf besondere Vorteile. So kann man, je nachdem, welchen Stein man auf dem Amulett aktiviert, etwa schneller laufen oder die Zeit verlangsamen. Die Steine findet man nach und nach im Spielverlauf.
Es ist schon ziemlich cool, wenn man die Schwerkraft per Knopfdruck so manipulieren kann, dass die Soldaten den Boden unter den Füßen verlieren und hilflos in der Luft schweben, während man selbst das Feuer auf sie eröffnet. Turkey Shooting eben. Die KI der Gegner ist dabei nicht unbedingt die Beste, kann sich aber sehen lassen. Immer wieder suchen sie sich neue Verstecke, etwa hinter Kisten oder Pfeilern und feuern aus der Deckung heraus.
Manche Soldaten stellen sich aber auch ziemlich blöd an und rennen schon einmal quer durch den Kugelhagel. Gut, dass später meist Zombies auf euch warten, die haben ja sowieso wenig Intelligenz. Eine gute Ausrede, also. Kleine Bugs, wie in der Luft stehende Personen, bekommt man in Wolfenstein auch immer mal wieder zu sehen, sie halten sich jedoch in Grenzen und beeinflussen das Spielgeschehen kaum. Ein Patch ist im Übrigen schon erschienen.
Wolfenstein ist nicht ganz so linear, wie man jetzt denken könnte. Der fiktive Handlungsort Eisenstadt dient nach jeder Mission als Anlaufstelle. Dort kann man seine Waffen beispielsweise in aller Ruhe aufwerten lassen und glaubt uns, es gibt unglaublich viele Möglichkeiten eine Waffe zu verbessern. Deshalb sollte man immer gut nachdenken, bevor man sich ein Upgrade oder neue Munition kauft. Denn Geld ist knapp in Wolfenstein. Das verdient man sich vor allem durch Nebenaufgaben. Die verschiedenen Rebellen, die den Hauptcharakter umgeben, haben nämlich immer mal wieder neue Aufgaben parat, die man abseits der Hauptstory absolvieren kann. So kommt Abwechslung und virtuelles Geld ins Spiel und sorgt dafür, dass man sich nicht zu "getrieben" fühlt. Geld spielt auch im Multiplayer eine große Rolle.
Wie man sich vorstellen kann, macht der jetzt schon ziemlich großen Spaß, auch wenn er ohne innovative Spielmodi daherkommt und noch immer auf altbekannte Dinge wie Team-Deathmatch und Search and Destroy setzt. Durch den Anreiz durch gute Leistungen an Geld zu kommen und sich so bessere Waffen leisten zu können, hält er aber jeden locker bei der Stange.
Leider ist er noch nicht ganz ausgereift, weswegen auch das halbe Team, dass an dem Multiplayer saß kurz nach dem Release des ersten Patches auf der Straße gelandet ist. Wir sind uns aber sicher, dass er schon bald "fertig" sein wird und dann auch eine echte Plattform für eSportler bieten kann. Denn die Veil-Energie fehlt auch in Mehrspielergefechten nicht und sorgt so für eine weitere taktische Komponente.
Wolfenstein hat mich positiv überrascht. Fühlte ich mich zu Beginn mit meinem Verdacht, dass mir ein langweiliger, eintöniger Shooter ohne großes Spielspaßpotenzial ins Haus steht, noch bestätigt, musste ich schnell feststellen, dass die Entwickler ihre Sache gut gemacht haben. Die Geschichte ist nicht die Spannendste, hält das Geschehen aber gut zusammen. Das Gameplay ist nicht das Neuste, wird aber durch die einsetzbare Veil-Energie und den nicht streng linearen Aufbau des Spiels stark aufgewertet. So wird aus Wolfenstein am Ende ein unerklärlich spaßiges Spiel, das nicht viel Neues, aber viel Solides bietet. Es macht einfach Spaß die bösen Nazis abzuknallen, sich in die Dämonenwelt zu katapultieren und mit der Physik Katz und Maus zu spielen. Und das trotz mittelmäßiger Grafik und teilweise nerviger Synchronisation. Wenn der Multiplayer dann noch richtig ins Rollen kommt, garantiert der Titel für Wochen und Monate unermüdlichen Spielspaß. Alle Wolfenstein-Fans sollten daher auf jeden Fall zugreifen, der Rest macht nichts falsch, darf aber auch gern Probe spielen.
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Wolfenstein im Test.
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