World in Conflict

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Vivendi
Entwickler
Massive Entertainment
Erscheinungsdatum
-
Genre
Strategie
USK
18
World in Conflict [PC , looki.de]

Gesamtwertung

91%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Sehr gut

World in Conflict

Was wäre passiert, wenn der kalte Krieg eskaliert wäre? Hätten die US-amerikanischen Streitkräfte den Sieg für sich verbuchen können oder wäre am Ende doch die sowjetische Flage gehisst worden? Glücklicherweise kam es in der Realität nie zu solch einem Konflikt, den man getrost als Dritten Weltkrieg hätte bezeichnen können. Frieden wäre aber auch ziemlich langweilig für ein Echtzeitstrategie-Titel wie World in Conflict. Also bastelten die Jungs von Massive Entertainment ihre ganz eigene Version der Geschichte und lassen die rote Armee gleich einmal in den USA einmarschieren.

Krieg mit Folgen...

Dieser spektakuläre Auftakt lässt nahe liegen, dass danach erst einmal “Ruhe” in die virtuelle Welt einkehrt, aber dem ist nicht so. Jede Mission von World in Conflict, wirklich jede einzelne, kann für sich genommen als gelungen bezeichnet werden und hätte in einem anderen x-beliebigen Strategiespiel als Missionshighlight durchgehen können. Dafür sorgen nicht nur allein die taktischen Kämpfe und das durchweg gute Balancing der Einzelspielermissionen, sondern auch die Zwischensequenzen, die man des Öfteren zu Gesicht bekommt. Hier trennt sich in punkto Präsentation die Spreu vom Weizen: Wo beispielsweise Maelstrom sich zum Scheitern verurteilt bemühte, den Charakteren mithilfe von in Spielgrafik gehaltenen, aber albernen Cutscenes etwas Tiefe zu verleihen und Command & Conquer 3 mit serienüblich gedrehten, aber eher trashigen Filmsequenzen mit echten Schauspielern aufwarten konnte, wirkt World in Conflict wie aus einem überwältigenden Guss.

Wer hätte einmal gedacht, dass Ingame-Sequenzen aus einem Echtzeitstrategiespiel einmal so gut aussehen, dass man meinen könnte, sie wären einem aktuellen Shooter entnommen? Paradebeispiel: Die Invasion der kommunistischen Streitkräfte in Seattle. Da flüchten Zivilisten vor den Bombardements der Aggressoren, Soldaten verschanzen sich hinter Autos und einem selbst klappt derweil angesichts der überzeugenden Motion Capture-Animationen die Kinnlade bis ins Kellergewölbe.

Nun gut, nicht jede Cutscene kann mit solch hammermäßgen Szenen aufwarten, aber wenn einmal nicht die Action im Vordergrund der Filmchen steht, dann sind es die Charaktere, die sich beispielsweise über den nächsten Auftrag unterhalten, diskuttieren oder sich an einem noch funktionierenden Walkman erfreuen. Keine Szene wirkt dabei überdreht, albern oder gar von minderer Qualität als der Rest der Cutscenes.

Einziger Stilbruch: Zuweilen gibt es auch schicke Standbilder, deren enthaltene Gespräche wir lauschen dürfen. Dass unser Protagonist Parker, unser Vorgesetzter Colonel Sawyer oder der immer wieder aus der Reihe fallende Captain Bannon heissen, spielt dabei freilich keine Rolle. Ganz egal werden sie dem Spieler dank der interessanten Sequenzen und Erzählungen dennoch nie. Wer aber hier eine Prise Clancy-Pathos vermutet, irrt sich: Die rosa-rote Brille in Bezug auf die US-Einheiten wird im neuesten Werk von Massive Entertainment nicht aufgesetzt, denn auch die amerikanischen Truppen sind keine Heiligenscheinträger. World in Conflict ist kein Command & Conquer - für Fans des gepflegten Basenbaus dürfte das in der Theorie ein herber Schock sein. Praktisch jedoch macht diese Entscheidung der Entwickler wesentlich dynamischer und spannender als seinen Konkurrenten. Vergleiche zu Ground Control 2, das übrigens aus gleichem Hause kam, sind also nicht ganz fehl am Platz.

Alles Unnötige raus!

Firlefanz wie Rohstoffe sammeln, oder Ausbilderungslager zur Herstellung von Infanterie-Einheiten errichten, fällt dabei also weg. Der Spieler erhält stattdessen die Möglichkeit am Anfang einer Mission Unterstützung anzufordern. Neben Panzerabwehr-Infanterie und schweren Panzern gibt es in späteren Aufträgen auch die Möglichkeit Hubschrauber oder Flakpanzer heranzuholen, die dann in der festgelegten Zone abgeworfen werden.

Das macht World in Conflict ungemein spannend: Unendlich viel Nachschub kann man nicht anfordern, werden eigene Einheiten jedoch über den Jordan geschickt, können kurz darauf neue Truppen anfordern. Genauso verhält es sich mit den Bombardements: Statt Nachschub werden je nach Möglichkeit beispielsweise Panzerbrecherbomben oder Flammenmeere gen Boden angefordert.

Da diese aber nicht sofort dort aufschlagen, wie es der Spieler festlegt, sondern je nach Artillerieschlag eine bestimmte Zeit bis zum Zielort benötigen, muss man quasi vorausschauend planen, an welchem Punkt sich zum Beispiel in 20 Sekunden ein Pulk aus gegnerischen Einheiten befindet. Fehlschläge sind da anfangs noch an der Tagesordnung – ungemein realistisch ist dies aber dennoch. Statt sich lediglich auf plumpe Missionsziele wie “Stellungen der roten Armee vernichten” zu stützen, geht World in Conflict einen anderen Weg und fordert nicht selten, bestimmte Punkte auf der Karte so lange wie erforderlich zu halten. Dies ist oft dann nicht nur ein kleiner eingekreister Bereich, in dem sich eigene Einheiten aufhalten sollen, sondern durch Querverbindungen auch gleich einmal drei bis vier Bereiche.

Fällt ein Glied aus, funktioniert die ganze Kette nicht. Die Devise lautet demnach, seine verschiedenen Bereiche gut unter Kontrolle zu haben. Das ist in der Praxis glücklicherweise jedoch nicht so hektisch, wie es sich vielleicht anhören mag. Durch das übersichtlich gestaltete Interface werden keine Steine in den Weg gelegt, auch von der exzellenten Wegfindung der Einheiten kann sich mancher Genrevertreter eine Scheibe abschneiden.

In den insgesamt 14 Missionen der Einzelspielerkampagne müsst Ihr unter anderem eine Brücke ohne gesicherten Nachschub halten, ein von den Russen besetztes Dorf befreien – gleichzeitig eine der besten Aufträge des Spiels -, Zivilisten eskortieren und so weiter und so fort. Sicherlich gewinnt keine der Missionen einen Innovationspreis, tierisch spannend sind sie trotzdem. Manko an der ganzen Sache: Es gibt lediglich eine Kampagne auf Seiten der US-Streitmächte – und mit einer Unterbrechung auch auf Seiten der NATO -, mehr Umfang bietet das Spiel für Solisten somit leider nicht – aber vielleicht wird ja ein Addon nachgeschoben, wer weiß.

Kurzes Solovergnügen...

Die Russenkappe kann also lediglich im Mehrspielermodus aufgesetzt werden. Zweiter Haken: Die Kampagne ist zwar nicht arg kurz, hätte aber durchaus länger ausfallen können, zumal der Schwierigkeitsgrad nicht ganz so schweißtreibend ist wie in anderen Genrevertretern. Zu oft gibt es so mehr als ausreichend Unterstützung zur Erfüllung einer Mission. Auf der anderen Seite bedeutet dies aber, dass auch Anfänger nach kleineren Startproblemchen sich in der Welt von World in Conflict relativ gut zurecht finden werden. Trotzdem ist das vorliegende Werk garantiert kein Kinderspiel, gerade die taktische Tiefe von WiC ist beeindruckend und geradezu wegweisend. Das Schere-Stein-Papier-Prinzip geht hier bestens auf: Während Hubschrauber den Luftraum für sich beanspruchen und gerade gegen Panzer extrem effektiv sind, schauen selbige bei Infanterieeinheiten die Röhre. Mittlere und schwere Panzer räumen derweil auf dem Boden weg frei, kommen also verdammt gut mit gegnerischem Fußvolk zurecht, gehen aber wie gesagt bei Helikoptern schnell in die Knie.

Erwähntes Vor- und Nachteilsystem ist das Herz von World in Conflict und begeistert immer wieder aufs Neue. Und dann erst diese Optik! Alter Schwede, man soll sich ja nicht zu sehr auf die oberflächliche Technik stürzen, gerade wenn das Spiel an sich eher der letzte Dreck ist. Da Letzteres aber auf WiC in etwa so zutrifft, wie eine Maulkorbpflicht für Wellensittiche, darf man sich ruhig auch mal den ganzen Genuss zu Gemüte führen. Die Grafik von World in Conflict ist absolut schön und lässt Gott sei Dank Tiefen vermissen. Während gerade Einheiten und Terrain verdammt detailliert wirken, wird der Speichelfluss vor allem bei den Spezialeffekten in Bewegung gebracht.

Noch nie war ein virtueller Atompilz – eigentlich das Hässlichste am ganzen Krieg - so verdammt schick und fabulös in Szene gesetzt, dass einem Atem stockt und man sich Sekunden danach fragt, ob man das Gezeigte wirklich gesehen oder nur geträumt hat. Ähnlich spektakulär – vor allem auf maximaler Zoomstufe - sind auch alle anderen Artillerie-Unterstützungen. Wirklich cool sind hierbei vor allem die Flammenherde, die – nicht ohne militärischen Grund – gleich einmal ganze Waldstücke abfackeln. Nur zu schade, dass da das Terrain nicht in Stücke zerlegt werden können. Einschläge sehen aus der Ferne somit zwar reichlich böse aus, verändern jedoch dabei nicht die Geländestruktur. Immerhin liegt die Perfomance im akzeptablen Rahmen – unser Testsystem schaffte eine flüssige Darstellung des Spiels bei einer Auflösung von 1680x1050 und maximalen Details, mit Rucklern hatten wir nicht zu kämpfen. Nich besser, wer eine DX10-Karte sein Eigen nennen kann. Gerade Rauch- und Partikeleffekte sehen dadurch noch einen Tick besser aus, als unter DirectX 9.

Mehr Spaß für mehr Spieler...

Und dann wäre da noch der Mehrspielermodus – keine Angst, der steht im Artikel nicht ganz hinten, weil er nur mageres Beiwerk ist. Vorrangig wurde, trotz der überzeugenden Qualität der Einzelspielerkampagne, World in Conflict als Mehrspielertitel konzipiert. Die Entwickler spendierten dem Spiel dabei drei Modi, von denen man einen bereits aus der Kampagne kennen dürfte: Domination. Soll heißen, Euer Team kontrolliert bestimmte Bereiche und hält diese solange wie möglich. Gewinner ist, wer den größten Anteil am Kontrollbalken trägt.

Im sogenannten Tag of War verschiebt Ihr zu Eurem Gunsten durch Einnahme von Kontrollpunkten die Kriegsfront, dass Ihr irgendwann Euren Gegner überrennt. Last but not least wäre da noch der Assault-Modus, in dessen Verlauf sich zwei Teams als Angreifer- oder Verteidigerpartei abwechseln. Gewonnen hat schließlich derjenige, der für den Übergriff die wenigste Zeit benötigt hat. Klingt ja alles gut und schön, aber funktioniert das Ganze auch in der Praxis so wie es soll? Klare Antwort: Ja! Statt wie andere Genrevertreter mehrere Teams zu bilden und sich zu verbünden beziehungsweise zu bekriegen, funktioniert der Mehrspieleralltag in World in Conflict etwas anders. So gibt es von vornherein nur zwei Parteien: die USA und die Sowjetunion. Derer schließt man sich dann an und stellt für die gewählte Streitmacht eigene Truppen zur Verfügung, die in Kooperation mit den Unterstützungen anderer Spieler kämpfen. Das funktioniert per Netzwerk und Onlinemodus auf den insgesamt 21 Karten gleichermaßen ausgezeichnet und macht riesigen Spaß, zumal man laufenden Gefechten jederzeit beitreten darf. Löblich ist dabei auch der übersichtliche Serverbrowser. Bevor es jedoch in Online-Brandherde geht, muss man sich fix als Spieler registrieren. Das geht glücklicherweise erstaunlich schnell und unkompliziert.

Bleibt noch eine Sache zu erwähnen, die bis jetzt ihren Weg noch nicht in unseren Artikel gefunden hat: Die Akustik. Echten Surround-Sound sollte man zwar nicht erwarten, doch für dieses kleine Manko entschädigt der Rest der Klangkulisse mehr als zur Genüge. Die Effekte sind einfach klasse und werden immer wuchtiger, je näher man an ihnen dran ist. Selbst kleine Details wie das ratternde Maschinengewehr eines einzelnen Infanteristen sind gut herauszuhören. Und das nicht zu knapp, denn gerade in größeren Formationen wechseln sich Artillerie- und Infanteriefeuer, genauso wie Bombenteppiche fröhlich ab und erzeugen so ein Klangbild, was es selbst im Konkurrenten Command & Conquer 3 nicht gegeben hat. Erfreulicherweise spielt uns da die gelungene deutsche Sprachausgabe keinen Streich. Apropos deutsch: Die Standard-Fassung von World in Conflict wurde lediglich minimal in Bezug auf die Bezeichnungen der Superwaffen abgeändert, das war es auch schon. So wurde beispielsweise aus der Atombombe die sogenannte BFB.

Fazit

Unschwer herauszulesen, dass ich absolut begeistert von World in Conflict bin. In der jüngsten Zeit hat es kein Strategiespiel geschafft, solche durch und durch taktisch anspruchsvollen, gleichzeitig aber auch einsteigerfreundlichen und vor allem so verdammt schönen Gefechte auf den heimischen Bildschirm zu zaubern. Gleichzeitig fällt es mir aber auch schwer, wirklich jedes kleine Detail des Spiels zu beleuchten, eben weil das Erlebnis jeder RTS-Fan für sich entdecken muss. Ob man World in Conflict nun eher als optisch überragenden Overkill, taktischen Brocken oder gar bestes Strategiespiel des Jahres bezeichnet, ist wurscht. Für mich persönlich treffen alle drei Sachen zu und ich hoffe, dass die Jungs von Massive bald Nachschub parat haben, denn leider ist die US-amerikanische Einzelspielerkampagne so kurz wie spannend. Oder wie wäre es mit einem Sequel und einer neuen Partei? Sollen die Köpfe der Entwickler rauchen, denn ich kann jetzt noch nicht genug von den herausfordernden Online-Matches bekommen!

World in Conflict [PC , looki.de]

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