Gesamtwertung60 %/10 |
Grafik10 Sound9 |
LanzeitspaßBefriedigend SpieleinstiegUngenügend |
Bedienung10 |
Optisch gehört World in Conflict immer noch zu den schönsten Echtzeitstrategiespielen, die je das Licht der Welt erblickt haben. Hier stimmt einfach alles und an allen Ecken und Enden kracht es: Häuser und Befestigungen werden wortwörtlich in ihre Einzelteile zerlegt, Bestandteile fliegen umher und förmlich greifbarer, dichter Rauch hüllt das Ganze in einen ansehnlichen Mantel. Dazu kommen nette Physik-Spielereien mit umherfliegenden Heuballen, umknickenden Bäumen, stürzenden Masten - man kann gar nicht aufhören, die zerstörerische Action auf dem Bildschirm zum Himmel zu loben. Hinzu kommen bei kleinster Zoomstufe detaillierte Einheiten und knackige Texturen.
Beachtlich sind auch die in Spielgrafik gehaltenen Sequenzen - nicht nur weil der Detailgrad auch heute noch faszinieren kann, sondern weil das Ganze mithilfe einer leistungsfähigen Engine präsentiert wird, die eigentlich zur Darstellung eines Strategietitels dient. Dennoch darf man auch hier nette Mimiken und ausgezeichnete Animationen erwarten. Soviet Assault ändert an der Optik des Originals zwar nichts, aber das ist auch nicht weiter schlimm. Löblich: Dank vieler Einstellungen ist World in Conflict flexibel wie eh und je - auch Besitzer älterer Rechner müssen sich daher keine allzu großen Sorgen um die Performance machen.
Abgesehen von den guten russischen Stimmen, die hier und da in punkto Akzent aber schon mal etwas übertrieben daher kommen, ändert Soviet Assault erneut nichts am akustischen Bombastpaket des Originals: Es bleibt der gleiche, von dezent zu zeitweilig dominierend schwankende Soundtrack, der absolut keine Wünsche offen lässt und prima mit dem Onscreen-Geschehen einhergeht, genauso wie die markerschütternden Explosionen, ratternden Maschinengewehre, atmosphärisch vertonten Ladebildschirme und fehlerfrei übersetzten, optionalen deutschen Untertitel. Und immer fasziniert der Wechsel der Zoomstufe, der die hörbare Intensität der Gefechte fließend lauter und leiser werden lässt - eigentlich simpel und logisch, aber dennoch ungemein anziehend.
Die Navigierung innerhalb des Spiels funktioniert wie gehabt und im Gegensatz zu manch anderem Kollegen des eigenen Genres außerordentlich flüssig und erfreulich präzise mit der bekannten Kombination aus Maus und Tastatur. Zusätzliche Hotkeys erhöhen den Komfort, der durch das übersichtliche und unveränderte Interface bereits auf einem guten Niveau ist. Kein Grund zum Meckern also? Na ja, in wirklich hektischen Gefechten kann ein fehlerhafter Klick oder eine falsche Anweisung schon mal schnell nach hinten gehen - hier zählt volle Konzentration.
World in Conflict-Kenner sollten sich wirklich überlegen, ob sie für das sowohl in der Complete Edition als auch separat erhältliche Soviet Assault wirklich Geld ausgeben wollen: Denn außer den für Fortgeschrittene innerhalb von knapp drei Stunden abgefrühstückten, sechs Missionen haben keinerlei neue Inhalte den Weg auf die Disc gefunden. Sicher, die russische Kampagne ist ähnlich, wenn nicht sogar genauso gut inszeniert wie die US-Kampagne des Hauptprogramms, aber das allein reicht nun mal nicht. Besonders schlimm auch, dass der russische Part genau dann abgewürgt wird, wenn es richtig spannend wird. Leider reicht auch das Missionsdesign nicht an die Mannigfaltigkeit von World in Conflict heran - meistens gilt es nur, von A nach B zu kommen und dort - auch gern mit Flankierungstaktiken verknüpft - bestimmte Ziele zu zerstören, zumeist unter Zuhilfenahme der reichlich bekannten taktischen Hilfen. Mehr als 40 Minuten benötigt man als Profi für keine der sechs Aufträge, bei manchen sogar noch weniger. Summa summarum ist der Spaß arg schnell vorbei und die Enttäuschung riesengroß.
Sowas hat das ausgezeichnete World in Conflict sicherlich nicht verdient und man wird das Gefühl nicht los, dass gerade wegen des abgewürgten Endes ein Fingerzeig zum Abbruch der Entwicklung erhoben wurde. Eine Entwicklung, die mit mehr Zeit, ohne zeit- und kostenintensiven Publisherwechsel und garantiertem kommerziellen Erfolg - der durch die mangelhaften Verkäufe des Originals leider nicht gegeben war - sicherlich unter einem guten Stern gestanden hätte. So ist Soviet Assault mehr Missionspack und mehr teurer DLC, aber dafür weniger Addon. Recht vielfältige Szenarien - unter anderem gibt es auch einen Abstecher ins eisige Norwegen - können das Ganze leider nicht vor dem Totalausfall retten. Wer World in Conflict jedoch noch nicht kennt, sollte zur Complete Edition greifen, die das Hauptprogramm und Soviet Assault zu einem gelungenen Action/Strategie-Blockbuster verbindet - geschieht durch per Sequenz angedeuteten Flaggenwechsel -, der auch nach all der Zeit nichts an Faszination eingebüßt hat. Soviet Assault benötigt übrigens eine vorinstallierte Fassung von World in Conflict - kein Wunder, bei dem Umfang.
Kein Wunder, dass wir die Missionen auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad so schnell durchgespielt haben - World in Conflict-Erprobte sollten direkt die höchste Schwierigkeitsstufe anwählen, sonst ist Unterforderung vorprogrammiert. Selbst lernwillige Neueinsteiger können getrost auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad einsteigen - trotz der Tatsache, dass man zumeist in der Unterzahl ist, gingen die Missionen einen ganzen Tick zu leicht von der Hand. Gespeichert werden darf nach wie vor frei nach Bedarf - dafür gibt es innerhalb der Aufträge aber auch keinerlei Checkpoints.
Nach wie vor kann World in Conflict auch im Mehrspielermodus über LAN- und Onlineverbindung überzeugen - schöner wäre es aber gewesen, wenn mit Soviet Assault - wenn schon nicht im Singleplayer, dann wenigstens im Multiplayer - neue Inhalte Einzug ins Geschehen gehalten hätten. Aber nix da, weder frische Einheiten noch Karten oder sonstige Sperenzchen können erwartet werden. Insgesamt mehr als mager und angesichts des Potenzials sicherlich eine Verschwendung.
Tja, wem schiebt man nun die Schuld für ein derart lächerlich-knappes Addon in die Schuhe, was diesen Namen noch nicht einmal gerecht wird? Ubisoft, die überhaupt erst dafür verantwortlich sind, dass wir doch noch die sowjetische Kampagne spielen dürfen? Massive Entertainment, die sichtbare Qualität in dem Bisschen aufblitzen lassen, was von den Versprechungen übrig geblieben ist? Oder die Spieler, die dem kommerziell untergegangenen Hauptprogramm einfach nicht die Aufmerksamkeit geschenkt haben, die es eigentlich verdient hat, da es meiner Meinung nach zu einem der besten Echtzeitstrategiespiele die je entwickelt wurden, zählt? Die Suche nach dem Sündenbock darf von mir aus beginnen, doch auf dieses Niveau begebe ich mich bei der Wertung nicht.
Klar ist: Soviet Assault ist toll inszeniert, bietet nette Missionen und kann sich glücklich schätzen, auf ein sowohl spielerisch als auch technisch nahezu perfektes Grundgerüst setzen zu können - ist demnach auch verdammt schwer zu bewerten. Für Nichtkenner empfiehlt sich also die Complete Edition mit World in Conflict und Soviet Assault in einem erzählerisch verwobenen Paket. WiC-erprobte Naturen, die das Hauptprogramm ihr Eigen nennen, sollten sich jedoch vorher überlegen, ob sie wegen gerade einmal sechs - nicht wirklich umfangreichen Missionen - Geld ausgeben wollen. Sicherlich wirken knapp dreizehn Euro durchaus attraktiv, aber rechnungsweise pro Mission über zwei Euro zu verlangen, riecht für mich nach Wucher. Ein ziemlich enttäuschender ist es noch dazu.
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World in Conflict: Soviet Assault im Test.
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