Gesamtwertung79%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Nach dem erfolgreichen Strategiespiel Z, welches vor knapp 7 Jahren durchweg Höchstwertungen absahnte, wurde es ruhig um die Bitmap Brothers, die fortan mit kleineren Projekten ihr Überleben sicherten. Nun meldet sich die englische Traditionsspieleschmiede mit World War II: Frontline Command zurück. Eingebettet in das Szenario des 2. Weltkriegs tritt es gegen Genregrößen wie Sudden Strike oder das kürzlich veröffentlichte Blitzkrieg an. Wir haben uns den Titel daher etwas genauer angeschaut...
Der 2. Weltkrieg ist mittlerweile Schauplatz zahlreicher PC und Videospiele. Immer mehr Entwickler entdecken den Krieg als schier unerschöpfliches Arsenal spannender Geschichten und spektakulärer Schlachten, die den Spieler für Stunden vor den Bildschirm fesseln sollen. Zuletzt gelang dies CDV mit Blitzkrieg, welches eindrucksvoll die Geschichte des 2. Weltkrieges von Beginn an erzählt. Die Bitmap Brothers, Macher von World War 2: Frontline Command gehen hier andere Wege. Sie setzen die Story dort an, wo die Entscheidung über Sieg und Niederlage ihren Anfang nahm. In die Geschichte ging dieser Tag als Decision-Day ein, besser bekannt als der sogenannte D-Day.
Am Morgen des 6. Juni 1944 begannen amerikanische und britische Soldaten mit der Landung an der Nordküste Frankreichs. Unter massiven Artilleriebeschuss von See aus, landeten innerhalb kürzester Zeit tausende von Booten, die bereits in den ersten Stunden mehr als 130 000 Soldaten an Land brachten. Doch trotz der zusätzlichen Unterstützung von 1200 Kriegsschiffen auf See, gelang es den alliierten Truppen nicht ohne herbe Verluste die deutschen Stellungen einzunehmen. Der zähe Wiederstand der Deutschen überraschte anfangs zwar die landenden Truppen, dennoch gelang es den Alliierten den Grundstein für eine baldige deutsche Niederlage zu setzen und den Weg für einen Vorstoß ins Herz der deutschen Machtzentrale vorzubereiten.
Was viele dabei vielleicht nicht wissen ist, dass der Einsatz der 3. Fallschirmjägerdivision einen erheblichen Teil des Erfolges ausmachte. Sie besetzte bereits in der Nacht auf den 6. Juni wichtige Knotenpunkte und bereitete den Angriff der regulären Landetruppen am darauffolgenden Morgen vor. Ab hier übernehmt ihr die Kontrolle über die alliierten Soldaten und könnt den Deutschen zeigen, wo der Hammer hängt.
Doch bevor es richtig losgeht, solltet ihr euch erst einmal mit der umfassenden Steuerung vertraut machen. Hier geht World War 2 nämlich eigene Wege und hebt sich deutlich von der Konkurrenz wie beispielsweise Blitzkrieg oder Sudden Strike ab. Im umfangreichen Tutorial wird euch daher neben dem Umgang mit der weitestgehend frei dreh- und zoombaren Kamera auch das neuartige Interface näher gebracht. Dieses ist nicht etwa am Bildschirmrand zu finden, sondern erscheint als kleiner Aktionskreis über einer ausgewählten Menge an Einheiten. So könnt ihr mit wenig Aufwand auf alle Befehle der jeweiligen Einheit zugreifen, ohne dass ein Menü unnötig Platz auf dem Bildschirm einnimmt.
Das fördert nicht nur die Übersichtlichkeit, sondern hilft auch Befehle schnell und ohne großes Hin- und Hergeklicke zu erteilen. Das Interface mag zwar dabei anfangs etwas ungewohnt daherkommen, so dass der eine oder andere noch inutitiv nach einem koventionellen Menü Ausschau hält, stellt sich allerdings im Laufe des Spiels als durchaus durchdacht und hilfreich heraus.
Eine handvoll Soldaten
Hat man sich durch das leicht verständliche Tutorial gekämpft, kann man sich an die Kampagne wagen. Diese setzt sich je nach Schwierigkeitsgrad aus 12, beziehungsweise 20 schwereren, nicht linearen Missionen zusammen. Dabei bestimmt der Spieler je nach Erfolg und Ausgang der vorherigen Missionen selbst den Verlauf der weiteren Einsätze. Nimmt man beispielsweise in einer Mission einen Flughafen ein, kann man in darauffolgenden Einsätzen auf Luftunterstützung zurückgreifen.
Die Missionsziele gestalten sich erfreulicherweise durchweg abwechslungsreich und bieten von Anfang an spannende Echtzeitstrategie. So muss man beispielsweise bereits im ersten Einsatz mit nur einer handvoll Soldaten eine Radaranlage ausschalten, die von der deutschen Wehrmacht besetzt wird. Bereits hier empfiehlt es sich mit Taktik vorzugehen, da man pro Mission nur eine begrenzte Anzahl an Einheiten zur Verfügung hat. Sinnloses Einstürmen auf die Gegner führt nur in den wenigsten Fällen zum Erfolg. Vielmehr müssen die unterschiedlichen Geländegegebenheiten beachtet und in die Planung der Mission mit einbezogen werden. Je nach Umgebung ändert sich die Sichtweite der Einheiten, was dem Spieler oftmals hilft ungesehen an Panzern oder überlegenen gegnerischen Truppen vorbeizuschleichen.
Doch selbst wenn kein direkter Sichtkontakt besteht, ist immer noch Vorsicht geboten. Alle Einheiten verfügen nämlich zusätzlich über einen Hörradius, der laute Fahrzeuge wie Panzer und Versorgungstransporter aufspürt und sofort anzeigt, auch wenn sie sich außerhalb des Sichtradius befinden.
Realismus pur
Hobbyhistoriker kommen bei World War 2 ebenfalls voll und ganz auf ihre Kosten. So stehen vom Tiger Panzer bis hin zum Soldaten ganze 23 historisch
Truppengattungen auf beiden Seiten zur Verfügung, die ihren Originalen bestmöglichst nachempfunden sind. Zusätzlich treiben professionelle Sprecher zusammen mit Originalfotografien und Videos des 2. Weltkrieges die Geschichte gelungen voran, was zudem eine erfreulich dichte Atmosphäre erschafft. Doch damit nicht genug. Um dem Titel noch mehr Realismus zu verleihen, spendierten ihm die Macher von den Bit Map Brothers ebenfalls noch ein Moral-System, weswegen sich alle Einheiten unterschiedlich verhalten und je nach geistiger Verfassung verschieden agieren.
So kann eine handvoll motivierter Soldaten mehr Schaden anrichten, wie ein komplette Armee. Wie es um die Moral der Truppe steht, kann man bereits an den Soundsamples beim Anwählen der Einheiten erkennen, da sich diese je nach Zustand unterschiedlich melden.
Früher war nicht alles grau, oder etwa doch?
World War 2 biete in Sachen Grafik leider nur durchschnittliche Kost. Die Umgebungen wirken besonders in den ersten Missionen farblos und
hinterlassen übertrieben gesagt eher den tristen Eindruck einer alten vergilbten Schwarz-Weiß Fotografie als den eines Computerspiels. Genrekonkurrenten wie Blitzkrieg bedienen sich hier erfreulicherweise bunteren Umgebungen, die dadurch jedoch nicht minder authentisch wirken. Zudem lässt das Spiel kleine liebevolle Umgebungsdetails und vor allem etwas Bewegung und Lebendigkeit auf dem Bildschirm vermissen. Auch hier hat ein Blitzkrieg die Nase eindeutig vorn. Positiv zu gefallen wusste allerdings die Kameraansicht, die fast komplett frei zoom und neigbar daherkommt.
So kann sich der Spieler jederzeit die bestmöglichste Sicht auf das Geschehen verschaffen, ohne dass Häuser oder unwegsames Gelände die Einheiten verdecken.
Beim Sound dagegen ließen sich die Bitmap Brothers nicht lumpen. Realistische Waffensounds, abwechslungsreiche Sprachsamples und stimmungsvolle Hintergrundmusik erschaffen eine bedrückende Atmosphäre. Zudem sorgen professionell gesprochene Missionsbriefings bis zum Schluss, die Ereignisse zwischen den einzelnen Missionen spannend und abwechslungsreich zu erzählen.
Dennoch ist WW2: Frontline Command unter Freunden historischer Strategiespiele ein echter Geheimtipp. Die dichte Atmosphäre und eine gelungene Steuerung verschaffen dem Titel mehr als nur eine Daseinsberechtigung. Wer sich die Zeit nimmt, sich auf die Missionen einzulassen und über die stellenweise etwas triste Grafik hinwegsehen kann, den erwarte ein gutes Strategiespiel, das seine wahren Qualitäten in Form von Spieltiefe und Abwechslung abseits der Optik entfaltet.
World War II: Frontline Command im Test.
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