Gesamtwertung88%/10 |
GrafikBefriedigend SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungBefriedigend |
Wir schreiben das Jahr 1940 die Offensive Deutschlands gegen Frankreich beginnt und damit auch der geschichtliche Hintergrund von WWII Online, einem MMORPG (Massively Multiplayer Online Role Playing Game) der etwas anderen Art. Denn im Gegensatz zu vielen anderen MMORPGs, basiert WWII Online auf korrekten Fakten. Topographisch genau liegen Dörfer und Städte auf einer zusammenhängenden Karte Frankreichs mit 27.600 km² beisammen, detailgetreue Nachbildungen von Panzern, Flaks, Paks, LKWs, Infanteriewaffen, Schiffen und Flugzeugen verteidigen zu Land, zu Wasser oder in der Luft die eigenen Bollwerke oder wagen den Angriff auf gegnerische Stützpunkte, um sich langsam dem Endsieg entgegen zu kämpfen. Dabei wird alles von realen Spielern gesteuert, die am heimischen Rechner über das Internet ihre Waffen kontrollieren. Doch nachdem das Spiel mittlerweile knapp 3 Jahren auf dem Buckel hat, dürfte sich mittlerweile jeder zu Recht fragen, ob sich das Spiel denn überhaupt lohnt, vor allem da noch dieses Jahr ein Release in Deutschland ansteht. Ob ja oder nein erfahrt ihr in unserer Review.
Betagt, aber nicht altmodisch
Obwohl WWII Online bereits seit knapp 3 Jahren in einigen Ländern per CD erhältlich ist, gab es noch keine derartige Version in Deutschland. Stattdessen muss man sich bisher die Spieldateien selber runterladen. Ärgerlich für ISDN Kunden, doch nach geschafftem Download der über 120 MB und erfolgter Überweisung der monatlichen Spielgebühr kann es auch für sie losgehen.
Zu Beginn starten wir entweder auf deutscher oder alliierter Seite als kleiner Infanterist, der erstmal wenig ausrichten kann. Statt sich sofort in die Kämpfe zu stürzen, sollte man sich erstmal ein wenig über das Beförderungssystem informieren dass mit Punkten gesteuert wird. Diese Punkte erhält man z.B. wenn man mindestens 10 Minuten im Schlachtgetümmel überlebt oder sich in einer eigenen Basis ausklinkt und am besten gleich wieder neu einsteigt. Sinn des ganzen: Hat man auf diese Art etwas Erfahrung gesammelt steigt man schnell in den nächsten Rang auf und nach ca. einer Stunde ist es dann soweit: schwere MGs, Sprengladungen gegen Panzer oder leichte MPs stehen dem Spieler zur Auswahl bereit. Panzer und ähnliches dagegen kommen erst in höheren Rängen, die ein wenig mehr Arbeit und zudem unbedingt einen Joystick erfordern. Darüber hinaus erhält man ab einen höheren Offiziersrang ein Fernglas, dass einem bei den oft sehr großen Entfernungen in WWII Online nicht selten das Leben erleichtert. Nicht sehr Einsteigerfreundlich, aber die erste Hürde überwunden geht es in die ersten Schlachten um Städte und Land statt um Punkte bis zur nächsten Beförderung.
Eins sollte man sich jedoch stets vor Augen halten: Egoismus bringt weder den Alliierten noch den Deutschen den Sieg. Waffen wie Panzer, Flugzeuge, Schiffe oder Infanterieausrüstung werden in den heimischen Fabriken produziert. Diese Fabriken beliefern die Städte, Depots und Außenposten mit Munition und Waffen. Das bedeutet, dass immer nur eine begrenzte Anzahl von wichtigem Kriegsgerät verfügbar ist. Man sollte es also möglichst unterlassen, gleich als Panzerfahrer in irgendein Fahrzeug einzusteigen, wenn um einen herum eine Schlacht tobt und kaum Panzer vorhanden sind. Damit nimmt man erfahrenen Spielern die Möglichkeit noch irgendwas in dieser Schlacht zu reißen und man selber verheizt als unerfahrener Spieler nur Material. Hier heißt es also auch wieder abwarten, bis genug Material da ist, und nicht unbedingt eine ganze Gegnerhorde die eigene Basis unter Beschuss nimmt. So hat man ein wenig Zeit, sich mit der komplizierten Steuerung vertraut zu machen.
Ein gutes Beispiel für oben genannte Mahnung findet man fast immer, egal wo man sich befindet. Es findet sich immer einer der statt mit einem Panzer mit einem Opel Blitz in einer Basis spawnt. Mit einem Opel Blitz kann der Fahrer selber nichts bezwecken, doch transportiert er schnell wichtigen Infanterienachschub an die Front. Denn ohne Infanterie sind keine Eroberungen von Städten oder Depots möglich. Zudem sind sie unabdingbar für Panzer. Ohne Infanterieunterstützung sind Panzer meist leichte Beute für so genannte Sapper, die mit genau platzierten Sprengladungen schnell einen Panzer zum brennen bringen und damit ins Datennirwana befördern.
Doch bevor es soweit kommt, dass man sich um die oben beschriebenen Dinge kümmert, fällt einem erstmal die etwas altbackene Grafik auf. Der erste Gedanke wird bei vielen sein, dass dieses Spiel, zumindest von der Grafik, keinen Cent wert wäre. Doch sollte man sich erstmal über die Leistungsfähigkeit dieser Engine Gedanken machen: wohl keine andere Grafik-Engine schafft es mit einem derart stabilen Netcode soviel Landfläche ohne irgendwelche Unterbrechungen darzustellen. Wenn wir wollten, hätten wir mit einem Opel Blitz mal eben durch halb Frankreich fahren können. Zudem ist es eine ganz andere Atmosphäre: Panzer schießen von Kilometerweit entfernten Hügeln auf uns, Flugzeuge kreisen am Himmel und liefern sich heiße Luftkämpfe oder stürzen mit ihren Bomben auf unsere Stellung nieder. Und das passiert praktisch zeitgleich auf der gesamten Frontlinie.
Und man mag es kaum Glauben: nach nicht allzu kurzer Spielzeit findet man die Grafik besser als in vielen anderen heutigen Games und kommt nicht mehr von der fesselnden Atmosphäre los.
Und wie geht es weiter?
Schließlich geht es nicht primär um Beförderungen oder die Grafik, sondern um den Spielhintergrund. In Frankreich und im Ruhrgebiet Deutschlands stehen riesige Städte oder kleine Dörfer, die auf ganzer Frontlinie eine tragende Rolle spielen. In ihnen stehen Depots und Armeebasen, die den Nachschub und Spawnmöglichkeiten für weitere Vorstöße ins Feindesland sichern. Damit haben diese Örtlichkeiten auch die meiste Aufmerksamkeit feindlicher Interessen, und stellen den Dreh- und Angelpunkt für den Sieg einer Nation dar.
Am Anfang sind die Deutschen natürlich dank überlegenem Material im Vorteil und nehmen damit bereits viele Städte und Dörfer ein, doch wendet sich der Kriegsverlauf oft. Besonders bemerkenswert: neue Entwicklungen jeder Nation sorgen für neuen Stoff für die Front. Auch die Franzosen und die Engländer schaffen es, während des Krieges oft, die Deutschen bis an und hinter die Heimatgrenze zu scheuchen, doch sorgt die Einführung des Panzer III H auf deutscher Seite oft für eine weitere Wendung, nämlich für einen großen Gegenangriff, der gegen die nun unterlegenen Alliierten Panzerstreitkräfte meistens Erfolg hat.
Um die erfolgreiche, und vor allem schnelle Einnahme von Städten zu ermöglichen, ist es meist nötig, so genannte Firebases zu erobern und für eigene Zwecke zu nutzen. Diese Firebases gibt es in der Nähe jeder Stadt und sind mit einer nahe liegenden eigenen Stadt verbunden, so dass in dieser Firebase ebenfalls das nötige Material verfügbar ist, dass durch die städtischen Depots angekarrt wird.
Von diesen Firebases startet man meist aus mehreren Himmelsrichtungen mit großen Verbänden gegen eine feindliche und besetzte Stadt vor. Manchmal ziehen sich diese Kämpfe über Reale Tage hin. Im Spiel vergeht die Zeit dabei ein wenig schneller, und der vorhandene Tag-/Nachtwechsel sorgt für die nötige Atmosphäre. Besonders bei Nacht, wenn man mit seinem schweren MG irgendwo auf der Lauer liegt oder mitten in der Stadt um die Depots kämpft sieht man die teilweise beeindruckenden Möglichkeiten dieser Engine.
Leuchtspurgeschosse pfeifen um einen herum und überall in der Stadt hört man Explosionen, die wenigstens für etwas Licht in der dunklen Umgebung sorgen. Als Infanterist braucht man in der Nacht nicht allzu viel Angst vor Angriffen der Luftwaffe zu haben: die sieht einen bei Nacht meist nicht und auch feindliche Panzer haben Mühe uns auszumachen.
Deshalb ist vor allem bei Nacht ein heißer Infanteriekampf in Städten angesagt. Ist eine Stadt ganz von Infanterie genommen worden, ist es kein leichtes mehr für den Gegner diese zurück zu erobern. Schließlich hat ein Panzer in den verwinkelten Straßen mit den vielen Schlupflöchern und Verstecken für Infanteristen schlechte Karten gegen Sapper, eine Sprengladung und der Panzer ist weg.
Wenn kein Sapper verfügbar ist, erkennt man auch hier wieder, wie viel Teamspiel dieses Game auszeichnet: Im Chat liest man zahlreiche Statusmeldungen über anrückende Infanterie oder Panzer, und sofort machen sich einige Kameraden auf, um dem Gegner einzuheizen. Meist stehen diese auch stundenlang in Stellung, beispielsweise auf einem Hügel vor einer Stadt mit gutem Einblick auf die Hauptstraße, nur um den richtigen Augenblick zu erwischen.
3 Jahre sind ins Land gezogen, gibts irgendwas Neues?
Man mag es kaum glauben, aber auch nach 3 Jahren wissen die Entwickler wie man die Spieler weiterhin bei Laune hält. Fast monatlich gibt es ein neues Update, meist mit Landflächenerweiterungen, neuen Einheiten und Balancing bzgl. der einzelnen Waffentypen.
Besonders die zukünftigen Updates werden interessant: Im Gegensatz zu vielen anderen Spielen wird es bald visuellen Schaden geben, das heißt, schießt man mit einer Flak auf einen angreifenden Tiefflieger, sieht man sogar, wie z.B. seine Tragflächen abreißen, je nachdem wohin die Flak schießt. Erstmal soll sich das ganze Testweise nur auf Flugzeuge beziehen, danach sollen alle weiteren Fahrzeuge folgen.
Am spannendsten dürfte aber das Paris Update in den nächsten Monaten werden. Die französische Hauptstadt fehlt bisher leider noch auf der Landkarte, und soll dann sogar den Eifelturm und weitere Sehenswürdigkeiten der Stadt bieten. Doch wollen wir heimische Zocker natürlich nicht im Disney Land Paris spielen, sondern lieber nekannte Städte für die eigene Fraktion verteidigen oder einnehmen. Solche Schlachten, wie z.B. um Aachen, tragen ungemein zur Atmosphäre bei deutschen Spielern bei.
Zudem unterzeichnete der Entwickler von WWII Online vor kurzem einen Vertrag mit Matrix Games, einem Publisher der meist nur Hardcore Strategiespiele veröffentlicht, die im 2. Weltkrieg angesiedelt sind. Dieser Vertrag ermöglicht die Veröffentlichung von WWII Online noch dieses Jahr in Deutschland und in vielen anderen Ländern. Damit dürfte die bereits jetzt riesige WWII Online Community wohl einen weiteren Zuwachs erhalten.
Stummfilm? Nicht hier!
Obwohl die Grafik nach den vielen Jahren sich ein wenig gegenüber neuen Engines schämen darf, zählt das nicht für den meist hervorragenden Sound. Ob authentische Flak-, Flugzeuge- und Panzergeräusche, oder alles, was sich noch in WWII Online ab- oder erschießen lässt, ist wohl besser dargestellt als man es hätte erwarten können. Aus der Entfernung kann man bereits bestimmen, mit welchem Einheitentyp man es gerade zu tun hat. Jeder Panzer hat sogar seine eigenen Motoren- oder Kettengeräusche und Flugzeuge kreisen atemberaubend realistisch über unsere Köpfe.
Special Events
Im normalen Spielbetrieb wird gekämpft: Man hat eine große Landkarte, auf der mit realistischem Material um Städte, Dörfer und Land gekämpft wird. Unabhängig davon finden in einigem Abstand so genannte Special Events statt, die fast schon legendäre Operationen der Wehrmacht oder der Alliierten inszenieren.
Das letzte Special Event war Operation Seelöwe. Für alle, die sich mit dem 2. Weltkrieg weniger auskennen: Operation Seelöwe war der Deckname für die Invasion Englands, vergleichbar mit dem D-Day.
Eine besondere Sache also, wenn man bisher nur auf dem französischen Festland auf Seiten der Deutschen kämpfte. Nun hat man sogar die Möglichkeit, einmal das englische Festland zu besuchen, um dort für Trouble zu sorgen. Vor dem Event waren fleißige Piloten bereits mit der Luftaufklärung und der Markierung feindlicher Stellung beschäftigt, so dass wir mit unserem Trupp gut vorbereitet in die Schlacht zogen. Unsere Aufgabe war es, zusammen mit einigen Dutzend Kollegen im Hafen von Calais ein Landungsboot zu besteigen, und nach erfolgter Überfahrt Dover zu erobern. Nach einer halben Stunde war es soweit: Unser Landungsboot legte mit zwei weiteren Booten an einem Strand vor Dover an.
Sofort sprangen alle von den Booten und begaben sich hinter dem nächsten Hügel in Deckung. Die höherrangigen Offiziere spähten mit ihren Ferngläsern die feindliche Stellung aus, während daheim in Calais die ersten Frachter anlegten, um Panzer einzuladen und zu verschiffen. Daher war es unsere Aufgabe, den Hafen einzunehmen, und die feindlichen, teilweise von einer Künstlichen Intelligenz gesteuerten, Stellungen auszuschalten. Doch das gestaltete sich als nicht allzu einfach: die meisten aus unserer Armee fielen schnell. Wir waren sogar in einem eingespielten Vierer-Team vor Ort.
Die Santas waren wohl nicht ganz unauffällig. Zwei davon starben, darunter auch ich, bei der Landung. Letztendlich überlebten drei Soldaten der ersten Welle, zwei Santas und ein weiterer Soldat, der sich irgendwo in einem Baum auf die Lauer legte, um als Heckenschütze für Aufregung beim Gegner zu sorgen.
Im Heimathafen gespawnt, begab man sich sofort zum gerade angelegten Frachter, der bereits die ersten Panzer verlud. Am Rande: Das gesamte Verladen verfolgt man Live mit, es ist sogar einer von Nöten, der den Kran zum Verladen steuert. Einmal miterlebt möchte man so eine Erfahrung nicht missen. Doch leider gab es beim Verladen der Panzer einige Probleme, so dass wir uns nicht auf diesen Frachter verlassen konnten. Stattdessen machten wir uns auf dem Weg zu einem Zerstörer, um mit ihm zusammen überzusetzen. Doch ist damit auch wieder einmal eine lange Reisezeit zum englischen Festland verbunden. Aber, was ist denn das? Zwei der Santas ermöglichten ganz alleine die Einnahme von Dover, indem sie ein Depot eroberten, in dem alle deutschen spawnen konnten. Somit war der Angriff auf Dover doch noch ein Erfolg und schon bald kamen auch die ersten Panzer.
Nachdem Dover gesichert war, ging es an die umliegenden Städte. Einen ähnlichen Erfolg feierten die anderen Angriffstruppen, zumindest die erste Welle des Angriffs war sehr stark. In den nächsten 3 Stunden war es uns möglich, einige weitere Städte einzunehmen, bis das Event letztendlich gegen Mitternacht aufhörte.
Doch drehen die Entwickler seitdem natürlich nicht Däumchen. Vor einigen Tagen wurde bereits das nächste Special Event für Mitte Februar angekündigt, Die Schlacht um Arras. Wer also Lust hat, sollte den Einen Dollar zahlen, um mit von der Partie sein zu können. Die monatliche Spielgebühr von WWII Online entfällt dabei, da die Special Events unabhängig sind, und auf einem anderen Server stattfinden.
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