Gesamtwertung87%/10 |
GrafikSehr gut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungSehr gut |
Dies ist ein heißer Herbst für Anhänger von Rallyespielen. Neben Richard Burns Rallye und dem Platzhirsch Collin McRae Rallye steht für euch der viel versprechende Neuling aus dem Hause Deep Silver am Start. Mit Xpand Rally könnte dem polnischen Entwickler direkt der ganz große Wurf gelingen und sie schlagartig in die Top 3 der besten Rallyetitel befördern. Schon in unserer letzten Preview versprach der Titel einiges und wir hoffen, dass Techland auch die letzten Fehler entfernt hat, um zum Release mit Vollspeed durchstarten zu können.
Das Spiel ist in Zusammenarbeit mir professionellen Rallyefahrern entwickelt worden, um euch auch am heimischen Rechner ein bestmögliches Fahrgefühl zu geben.
Beim Starten des Spiels entscheidet ihr euch schon bei der Anlage eures Profils, ob ihr lieber im Simulations- oder im Arcade-Modus über die Pisten rasen wollt.
Den Neulingen im Rallye-Geschäft sei erst einmal zu Fahrten im Arcade-Modus geraten, wobei es auch dieser nicht gerade allzu einfach ist. Sicherlich ist die Steuerung eures Fahrzeugs stark vereinfacht und auch ein kleiner Fehler wird euch verziehen aber nichtsdestotrotz bleibt das Handling sehr anspruchsvoll.
Der Simulationsmodus hingegen ist etwas für wahre Rennprofis, die es sich zutrauen, auch mit der realitätstreuen Steuerung eines Rallyewagens umzugehen. Doch diese solltet ihr nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn jeder noch so kleine Lenkfehler wird bitterböse geahndet und ihr seht euch schneller durch die Begrenzung brettern als euch lieb sein dürfte.
Was die Entwickler allerdings nicht davon abhielt, die Modelle der Fahrzeuge möglichst originalgetreu nachzubilden. So erkennt auch der größte Autohasser schnell, dass es sich bei dem RV Wolf um eine Nachbildung der fünften Edition eines Kleinwagens aus Wolfsburg handelt. Ist der Wagen gekauft, könnt ihr euch entweder direkt an den Start begeben oder dem Zubehörhändler eures Vertrauens noch einmal schnell einen Besuch abstatten und euren Boliden mit diversen Tuningoptionen noch ein bisschen verschönern.
Neben eher unwichtigen Dingen wie der Lackierung, welche ihr auch zufällig im Nvidia-Look machen lassen könnt, habt ihr auch die Möglichkeit, euren Wagen nach wirklich allen Regeln der Kunst zu tunen. Neben einem neuen Getriebe, neuen Spoilern, Chiptuning oder einer Gewichtsreduzierung müsst ihr euch auch um eure Reifen kümmern. Während euch am Anfang der Karriere durchaus auch die von Haus aus aufgezogen Reifen noch gute Dienste leisten, müsst ihr später auf neue Reifen umsteigen, entweder weil sich eure Reifen nicht mehr für den Untergrund eignen oder eher einem Babypopo gleichen und jeder Streifenpolizist bei dem Anblick eures Reifenprofils in Ohnmacht fallen würde.
Damit sind wir auch schon bei einem weiteren tollen Feature des Spiels. Die Teile eures Fahrzeugs werden nicht nur durch diverse Crashs mit allen möglichen Hindernissen in Mitleidenschaft gezogen, sondern müssen sich auch dem Verschleiß geschlagen geben.
Doch anders als bei anderen Racingspielen sind die im Rennverlauf beschädigten Teile im nächsten Rennen nicht wie von Geisterhand wieder repariert, denn die Schäden, die ihr eurem Fahrzeug zufügt, bleiben so lange erhalten bis ihr sie erneuert oder repariert habt. Und auch das kostet wieder Geld. Und Schäden am Fahrzeug solltet ihr nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn neben einer Verringerung der Leistung leidet auch das Fahrgefühl unter den Beschädigungen erheblich eben ganz so, wie im echten Leben.
Doch keine Angst, denn schließlich bekommt ihr in jedem Rennen Prämien für den Sieg offeriert, die ihr besonders am Anfang des Spiels bitter nötig habt, denn das Geld sitzt nicht gerade locker, euer Wagen leidet und auch die Konkurrenz schläft nicht.Solltet ihr also ein totaler Geizkragen sein und lieber mit einem fast komplett kaputten Motor und einer Karosserie, die nur noch durch ein paar Kaugummis zusammengehalten wird, an den Start gehen, werdet ihr nicht viele Chancen gegen eure Gegner haben.Ihr solltet, um möglichst viel Geld in die Kassen zu spülen, dementsprechend schnell unterwegs sein, zugleich allerdings möglichst Material schonend fahren, um das gewonnene Geld nicht direkt in die Reparaturen stecken zu müssen.
Im Einzelrennen-Modus ist das alles schon etwas einfacher, denn hier braucht ihr euch weder um Schäden am Fahrzeug noch um euren Kontostand zu sorgen. In diesem Modus könnt ihr auf jedes Fahrzeug des Spiels zurückgreifen, und das sind nicht gerade wenige.
Allerdings könnt ihr hier immer nur die Rennstrecken befahren, die ihr auch im Karrieremodus frei gespielt habt. So könnt ihr euch allerdings immer bestens auf die nächste Strecke vorbereiten und euch schon einmal die nicht immer ganz leichten Kurvenkombinationen und Tücken der Strecken einprägen.
Daneben hat das Spiel ebenfalls einen Mehrspielermodus, der sich ähnlich verhält wie der Einzelspielermodus, nur dass ihr hier gegen die Zeiten von menschlichen Fahrer antreten müsst.
Wie bei echten Rallyes, befindet sich allerdings auch im Spiel immer nur ein Auto auf der Strecke. Ihr habt aber die Möglichkeit einen Ghost Driver hinzuzuschalten. Dieses halbtransparente Fahrzeug zeigt euch, wie der Erstplatzierte das Rennen gemeistert hat.
Im Arcade-Modus ist zwar das Handling des Fahrzeugs einfacher, allerdings sehen eure Gegner es gar nicht ein, auch nur für kurze Zeit den Fuß vom Gas zu nehmen. Gott sei Dank, sonst wären die Rennen auch ähnlich wie die in der Formel 1: Es starten 20 Fahrer und am Ende gewinnt eh Schumacher. Doch auch die Gegner gehen mit der Zeit. Solltet ihr am Anfang zwar die Rennen klar gewonnen haben, so seht ihr nach einigen Etappen doch schnell ziemlich alt aus, wenn ihr keine der gewonnenen Prämien in euren Boliden investiert.
Doch das kennt man auch aus anderen Rennspielen. Sowohl ein realistisches Schadensmodell als auch umfangreiche Einstellungsmöglichkeiten gehören heute schon zum Genrestandard.
Doch neu ist die Möglichkeit, dass nicht nur euer Fahrzeug bei Crashs einige Schäden davonträgt, sondern auch der Mann hinter dem Steuer nicht unverletzt bleibt. Je nach Schwere des Crashs könnt ihr euch dabei schon einmal schwer verletzen. Unter den Verletzungen leidet nicht nur das Fahrverhalten sondern auch die Reaktionsgeschwindigkeit, denn schließlich lässt es sich mit gebrochenen Beinen nicht sonderlich gut kuppeln. Zudem wird euch bei heftigen Unfällen kurz schwarz vor Augen und eure Sicht verschwimmt für den Rest des Rennens. Solltet ihr euren Fahrer zu oft gegen den ein oder anderen Baum fahren lassen, kann es sein, dass dieser irgendwann zu schwer verletzt ist, um weiterzufahren. In diesem Fall ist das Rennen für euch zu Ende.
Wie die Verletzungen eures Fahrers wird euch auch der Zustand eures Fahrzeugs schon während des Rennens angezeigt. Je nachdem in welcher Farbe die Symbole am unteren Bildrand aufleuchten, solltet ihr euch doch Gedanken über euren Fahrstil machen und im Hinterkopf immer wieder auch euren Kontostand behalten. Denn zu viele Reparaturen gehen unheimlich ins Geld, wodurch euch die Chance auf einen neuen Wagen versagt bleibt.
Das Gras wiegt im Wind und der aufwirbelnde Dreck lagert sich an eurem Fahrzeug so stark ab, dass ihr euer Fahrzeug danach wahrscheinlich mit einigen Blumen bepflanzen könntet. Selbstverständlich kommt die Verschmutzung wieder auf den Fahrbahnuntergrund und auch auf eure Fahrweise an.
Auch die Weitsicht im Spiel ist beeindruckend. Durch die Abbildung von markanten Objekten auch weit in der Ferne, fällt das Aufpoppen kleinerer Dinge wie Straßenschilder oder Begrenzungstafeln nicht einmal dem geschulten Auge auf Anhieb auf.
Die Wettereffekte reihen sich nahtlos in die Reihe der grafischen Finessen ein. Besonders deutlich wird dies in der Fahrerperspektive. Die Regentropfen perlen je nach Stärke des Regens langsam von eurer Scheibe oder sie schießen nur so auf diese ein. Spätestens bei solch einem Wetter sollte auch der größte Rennfahrer in eine der anderen vier Perspektiven wechseln.
Beeindruckend sind die Lichteffekte des Spiels. Neben einer realen Ausleuchtung des Areals bei Nacht und schicken Reflektionen der Straßenschilder und anderen Objekte ist vor allem der Himmel einsame Spitze. Dieser sieht nicht nur durch die wirklichkeitsgetreu ziehenden Wolken sehr real aus, sondern auch der Schatten, welchen die Wolken werfen wird genausten berechnet.
Neben den grafischen Finessen leistet die Engine auch einiges in Sachen Physik. Nicht nur die Fahrphysik oder die Schäden an eurem Auto sind beeindruckend realitätsgetreu, auch die Streckenbegrenzungen oder Straßenschilder fliegen physikalisch korrekt durch die Luft wenn ihr euch dafür entscheidet, einen kleinen Umweg über den Streckenrand zu nehmen. Doch nicht immer fliegen diese weg, denn manchmal bleiben sie auch vor eurem Wagen kleben und dann kommt es darauf an, diese möglichst schnell loszuwerden, denn sie verlangsamen euch deutlich.
Dieser hilft euch mit seinen Ansagen schon vor der unbekannten Kurve dabei, die passende Geschwindigkeit und das Einlenkverhalten zu bestimmen.
Die Sounds der Motoren sind ihren Originalen nachempfunden und auch das Zerklirren der Scheiben beim Zusammenstoß hört sich real an.
Viele Soundkulissen gibt es bei einem Rennspiel auch nicht gerade, aber die Entwickler haben das Mögliche rausgeholt.
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