Castlevania: Lament of Innocence

Preview
Plattform
Sony Playstation 2
Vertrieb
Konami
Entwickler
Konami
Erscheinungsdatum
1. Quartal 2004
Genre
Abenteuer
Castlevania: Lament of Innocence [PS2 , Justgamers]

Castlevania: Lament of Innocence

2D adè!

Kaum eine Spielserie ist von so vielen Höhen und Tiefen geprägt wie „Castlevania“ von Konami. Was spätestens mit den Super Nintendo-Remakes zu einem Spitzenvertreter unter Jump’n’Slash-Spielen avanciert war, musste in der 3D-Ära heftige Prügel einstecken. Während die ersten polygonalen Abenteuer auf Nintendos N64 bestenfalls Durchschnitt waren, wurde die geplante Dreamcast-Episode erst gar nicht mehr veröffentlich. Erst mit den Gameboy Advance-Folgen und der Rückbesinnung auf die alten 2D-Tugenden kam der erneute Durchbruch der ewigen Vampirjagd. Doch mit „Lament of Innocence“ soll nun ein weiterer Versuch unternommen werden, die Abenteuer der Belmont-Familie in die dritte Dimension zu verfrachten.

Die Geschichte verläuft dabei in gewohnten Bahnen. Der Spieler schlüpft in die Haut eines einsamen Recken, der sich todesmutig auf die Spur eines Vampirs, meist denen des Höllenfürsten Dracula persönlich begibt, um seine holde Frau oder Verlobte zu retten. Im Falle von „Lament of Innocence“ heißt euer Alter Ego Leon Belmont. In dem überraschend langen Ingame-Intro legt der Kreuzritter seinen Adelstitel ab, um trotz Verbots der Kirche dem Untoten folgen zu können. Im Vampirschloss angekommen, erhält er schließlich auch das Markenzeichen der Serie, die heilige Peitsche zum Monsterverdreschen.

Abgemagerte Freunde – der Zombie von heute

Überhaupt bietet Belmonts PlayStation2-Debut viel Wiedererkennungswert für Fans der Serie. Angefangen von den verschiedenen Waffen wie Axt oder Weihwasser, bis hin zu dem Monsterensemble – vieles gab es schon in den vorangegangenen Episoden zu bestaunen, nur eben jetzt in feinster 3D-Grafikpracht. Gleiches gilt für das Kerngameplay. Noch immer durchstreift ihr ein riesiges Schloss, metzelt diverse Monster nieder und liefert euch dann und wann kleine Hüpfeinlagen. Die letzte Neuentwicklung der Castlevania-Reihe, die diversen Rollenspielelemente der Gameboy Advance-Episoden, sucht man jedoch vergebens. Das Gameplay wurde stark entschlackt und erinnert damit enorm an Capcoms letzten Actionhit „Devil May Cry“, was nicht zuletzt auch an der ähnlichen Handhabung der Kamera liegt.

Wie bei Capcoms Teufelsaustreibung habt ihr keine direkte Kontrolle auf euren Blickwinkel und müsst euch mit festen Kamerapositionen zufrieden geben. Diese sorgen zwar dank ordentlicher Positionierung für den nötigen Überblick, dennoch gibt es in auch „Lament of Innocence“ unzählige Spielsituationen, bei denen ihr auf Gegner außerhalb des Blickfelds eindrescht oder selbst vom Bildschirm verschwunden seid.

Wo bin ich?

Die dadurch resultierende Orientierungslosigkeit wird zudem durch das extrem monotone Leveldesign verstärkt. Wer meint, dass Halo ein Musterbeispiel für die ständige Wiederholung gleicher Räume sei, wird eines besseren belehrt. Während ihr euch durch das Schloss schlagt, durchlauft ihr dutzende Male den gleichen Gang und die gleiche Bibliothek, so dass es einzig der gelungenen Levelkarte zu verdanken ist, dass ihr euch nicht hoffnungslos verirrt.

Entsprechend darf man sich glücklich schätzen, dass die Levelstruktur verhältnismäßig linear ausgefallen ist und von der dritten Dimension kaum Gebrauch macht. Zwar gibt es immer noch einige Sprungpassagen und Held Leon Belmont verfügt unter anderem über einen Doppelsprung und kann sich wie Indiana Jones mit der Peitsche über Abgründe schwingen, jedoch sind solche Hüpfabschnitte mehr als selten.

Hard Stylish Action

Wie eingangs erwähnt, zählt neben der grafischen Neuorientierung die Kürzung des Rollenspielanteils zu den größten Änderungen von „Lament of Innocence“. Leon lernt zwar im Spielverlauf immer neue Kombo-Attacken hinzu, darf sich mit allerlei Zusatzwaffen, Relikten und Waffenorbs ausstatten und kann bei Bedarf auf Magie zurückgreifen, im direkten Vergleich zu den GBA-Episoden machen diese Elemente nichtsdestotrotz nur noch einen Bruchteil des Gameplays aus. Da ihr die Magie erst mühsam via Blockmanöver aufladen müsst und die Sprüche selbst größtenteils nutzlos sind, ist es einfacher seine Gegner gleich mit der Peitsche auszuschalten. Zusatzwaffen und Ausrüstungsgegenstände gibt es zwar, jedoch ist die Anzahl so gering, dass die richtige Ausstattungswahl stark in den Hintergrund gedrängt wird.

Dafür wurde sichtbar mehr Augenmerk auf die Kämpfe gelegt, welche nun schneller ablaufen. Dank des Kombosystems, bei dem man die zwei Standartattacken Leicht und Hard zu mächtigen Kombinationen verbinden kann, sowie der sehr direkten und eingängigen Steuerung machen die Kämpfe mit den verschiedenen Gegnern deutlich mehr Spaß als bei den bisherigen Castlevania-Episoden. Dies ist jedoch auch bitter nötig, da man nun jeden neuen Raum zunächst einmal von allen Gegnern befreien muss, bevor man voranschreiten darf. Glücklicherweise stehen so geöffnete Türen nach der ersten Säuberungsaktion jedoch für immer auf. Die Untoten bleiben dagegen nicht lange tot und sind beim erneuten Durchschreiten eines Raums wieder zur Stelle.

Bildschirmfüllend

Während das Standardbestiarium sich größtenteils mühelos ins Jenseits befördern lässt und nur aufgrund der schieren Masse zur Gefahr wird, sind die Endgegnerkämpfe auch in „Lament of Innocence“ die Eckzähne im Vampirgebiss. Bildschirmfüllende Höhlenkreaturen mit Dutzenden Angriffmustern sorgen für Schweißperlen auf der Stirn des Spielers. Doch obgleich die Kämpfe recht fordernd sind, lässt sich jeder Endgegner mit der richtigen Taktik mühelos ins Jenseits verfrachten, so dass die Fairness immer gewahrt bleibt.

Bei den Kämpfen mit den Oberbösewichten offenbart sich dann auch die gesamte Grafikpracht des Titels. Dank detaillierter Charaktermodelle und einer flüssigen Framerate sieht „Lament of Innocence“ sieht sehr gut aus. Einzig in den sehr langatmigen Ingame-Zwischensequenzen neigt die Bildwiederholungsrate zu gelegentlichen Einbrüchen und stetiges Zeilenflimmern sorgt für Unmut. Dafür entschädigt einmal mehr der schlichtweg geniale Soundtrack. Wie von der Serie kaum anders gewöhnt, zählt die musikalische Untermalung mit ihrer ungewöhnlichen Mischung aus Piano-Klängen, harten Gitarrenriffs und eingestreuten Choreinlagen zum Besten, was man in Videospielen belauschen kann.

Castlevania: Lament of Innocence [PS2 , Justgamers]

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