Final Fantasy XII

Preview
Plattform
Sony Playstation 2
Vertrieb
Square Enix
Entwickler
Square Enix
Erscheinungsdatum
März 2007
Genre
RPG
Final Fantasy XII [PS2 , Justgamers]

Final Fantasy XII

Eine der erfolgreichsten und nicht zuletzt spielerisch wie emotional wertvollsten Spieleserien geht nun endlich auch bald in Deutschland in die zwölfte Runde. Nach den goldenen PSX-Zeiten und einem sehr guten PS2-Titel greift Square-Enix nun nach noch weitergehender Perfektion in Sachen Gameplay und Technik. Ob die Traditionsbrüche, die in Final Fantasy XII am laufenden Band beobachtet werden können, den Spielspaß anheben oder die Serie in die Mainstream-Ecke drängen, versuchen wir in unserem Preview, dem die amerikanische Version des Spiels zu Grunde liegt, zu erläutern.

Zuviel des Guten?

Nachdem Square-Enix die Fans durch zahlreiche genrenahe Ableger, etwa durch das durchschnittliche Final Fantasy X-2 oder den überflüssigen GameCube-Titel, eher erschreckte, als entzückte, versprach man mit Final Fantasy XII endlich wieder einen reinrassigen Teil der Reihe. Doch schon nach der Vorstellung der Welt und der Charaktere sowie Ansätzen der Story, konnte man sich denken, dass der neuste Teil eher Wert auf hochpolierte Optik und Überfluss, als auf Atmosphäre und Story legen wird. Und tatsächlich: Bereits in den ersten Minuten des Spiels fallen die optischen Reize eindringlicher ins Auge, als der zu Beginn recht schwache Storyansatz. Nachdem man das beeindruckende Intro auf sich hat wirken lassen und zum ersten Mal selbst den Hauptcharakter Vaan in seiner Heimatstadt steuert, bestaunt man die wunderschöne Architektur und die gut aussehenden NPCs, fühlt sich in der viel zu großen Startstadt aber zugleich ziemlich verloren. Man bewegt sich, teilweise überfordert, durch die riesigen Stadtteile und irrt mehr oder weniger auf Glück angewiesen zu den nächsten Punkten, die die Story vorantreiben. Recht schnell wird die Geschichte offensichtlich, man lernt die fünf anderen Charaktere kennen und ist bereits nach drei bis vier Stunden mit allen vertraut.

Der Rest ist zumindest Final Fantasy-ähnlich. Durch die Geschichte entstehen ständig neue Missionsziele, die man dann in bewährter RPG-Manier löst.

Trotz der Tatsache, dass die Story viel zu linear ist und man eigentlich immer durch Dungeons spurtet, um letztlich einen Boss in die Knie zu zwingen, versprüht der Titel durch seine unglaubliche grafische Vielfalt und die äußerst sympathischen Charaktere den unvergleichbaren Flair, der die Serie ausmacht.

Das Grundprinzip hat sich also nicht geändert und das ist auch gut so. Dafür hat sich so ziemlich alles um den Gameplay-Kern herum teilweise zum Guten, manchmal leider aber auch zum Schlechten gewandelt. Die nie dagewesene Größe der Spielwelt verunsichert zunächst, sorgt aber letztlich für die hohe Langzeitmotivation. Eine begehbare Weltkarte wie in den PSX-Teilen gibt es nicht mehr, dafür bringt euch später erneut ein Flugschiff an die Orte eurer Wahl. Teilweise könnt ihr euch durch die bekannten Speicherpunkte, die wieder mal gut verteilt wurden, teleportieren lassen. Unterstützt wird die Welt durch die schon angesprochene Architektur.

Das Landschafts- und Städtedesign des Spiels sucht seines gleichen. Minispiele lockern die dichte Story etwas auf, sind allerdings lange nicht mehr so durchdacht, wie früher. Eines der Wichtigsten ist beispielweise die Kopfgeldjagd. Man stöbert in einem Gasthaus nach einem Auftrag, sucht das Monster, das Unheil über die Menschen bringt, erledigt es, streicht das Geld oder die Items ein und geht zum nächsten Bösewicht über. Irgendwie wirkt das sehr einfallslos, wenngleich es durchaus Spaß macht. Der beinahe letzte nennenswerte positive Aspekt des Spiels ist das neu eingeführte Lizenzsystem, das in Final Fantasy XII den Part der Charakterentwicklung übernimmt. Die Idee, jeden Charakter in alle Klassenrichtungen entwickeln zu können, ist grandios und erweitert das Spährobrett aus dem zehnten Teil konsequent und sehr gut. Leider aber nur zum Teil. Durch Siege gegen Monster erhält man Lizenzpunkte, mit denen man dann entweder neue Zauber oder Angriffstechniken erlernen bzw. neue Waffen oder Schilde tragen lernen kann. Neulinge wird diese Freiheit anfangs etwas erschrecken, nach kurzer Gewöhnungszeit ist das System aber durchschaut.

Leider haben die Entwickler das bis dato wirklich gelungene Feature durch eine unnötige Erschwerung seiner Genialität beraubt. Denn habt ihr beispielweise einen neuen Zauber erlernt, so könnt ihr ihn ganz einfach nicht einsetzen, solange ihr ihn nicht auch in einem Zaubershop gekauft habt. Das Gleiche gilt für Angriffstechniken. Und Geld ist zumindest anfangs rar. Ebenso kann man eben eine neue Waffe erst einsetzen, wenn man sie auch auf dem Lizenzboard freigeschaltet hat. Diese Doppelläufigkeit raubt dem neuen System seinen Zauber.

Ebenso zwiespältig präsentiert sich das neue Kampfsystem. Dass es keine Zufallsbegegnungen mehr gibt, mag für den einen toll klingen, einigen Fans dürfte es jedoch das Herz brechen. Das Ganze wäre erträglich, wenn die Schlachten genauso taktisch geprägt wären, wie früher. Doch taucht erst einmal ein Monster vor der Gruppe auf, die im Übrigen gerade mal aus drei steuerbaren Mitgliedern bestehen kann, gibt es ob der riesigen Aggrorange, welche die Sichtweite der Monster angibt, kaum eine Möglichkeit auszuweichen. Wurde man erst einmal entdeckt, so läuft der Kampf in Echtzeit ab. Sobald man die X-Taste drückt, friert das Bild ein und man kann wie gewohnt seine nächste Aktion planen.

Damit man nicht ständig pausieren muss, wurde mit den Gambits ein eigentlich wunderbares Feature integriert. Ihr könnt euren Charakteren damit Anweisungen erteilen, die sie dann in jedem Kampf umsetzen. Beispielweise kann man ihnen befehlen, immer das Monster, das der Teamleader gerade attackiert, ebenfalls anzugreifen. Oder man befiehlt seinem Heiler, jeden Charakter, dessen HP unter eine bestimmte Grenze fallen, automatisch zu heilen. Leider führen gerade automatische Zauber sehr schnell zu Manamangel in den Kämpfen.

Glücklicherweise regenerieren sich die Manapunkte neuerdings. Überhaupt übernehmen die Gambits im späteren Verlauf viel zu oft die Rolle des Spielers.

Wer sie perfekt einzusetzen weiß, kann bei dem recht schwachen Schwierigkeitsgrad eigentlich kaum das zeitliche segnen. Der wohl größte Kritikpunkt an dem neuen Kampfsystem ist aber wohl die Kameraführung während der Schlachten. Zwar kann man die Kamera selbst steuern, trotzdem wirkt alles durch ständige Perspektivwechsel viel zu hektisch. Gerade Bosskämpfen wird damit einfach das Fair gestohlen.

Technisch ein Meisterwerk?

Eins vorweg: Final Fantasy XII ist das schönste Rollenspiel für die PlayStation 2. Die Grafik überwältigt jedes Mal aufs Neue. Da sie auch noch dazu genutzt wurde, um wunderschöne Landschaften und Gebäude zu gestalten, gehört das Leveldesign mit zu dem Besten, was man bis dato auf der PS2 sehen konnte. Die Charaktere wirken sehr lebendig und sorgen so für eine dichte Atmosphäre und ein Gefühl des „Mitten-drin-seins“. Die Vegetation, wie auch die Monster tragen ihren Teil zur vollendeten Kultur des Spiels bei. Gerade diese Seite lässt viele der kleinen Patzer vergessen und ebnet FFXII den Weg zu hohen Wertungen.

Nicht einmal annähernd dieses Niveau erreicht die musikalische Untermalung, die oft einfalls- und meist farblos daherkommt. Man merkt leider viel zu deutlich, dass Uematsu das Handtuch geworfen hat. Er gehörte zu Final Fantasy, wie Mario zu Nintendo. Mit der Vertonung des Startbildschirms hat er dem Titel keinen Gefallen getan. Kein einziger Track im Spiel kommt nämlich auch nur annähernd an die Gänsehaut-erregende Intensität dieses Tracks heran und dabei fasst er gerade einmal bereits bekannte Melodien der Serie gekonnt zusammen. Lediglich die erneut geglückte Sprachausgabe schont die Ohren und trägt zur Atmosphäre in positiver Art und Weise bei.

Ersteindruck

von Riad Oelschlägel

Was soll ich sagen? Für mich bestand der Reiz der Final Fantasy Reihe aus dem gekonnten Mix von genialem Kampfsystem, großartiger Geschichte, wunderbar designter Welt und teilweise göttlicher Musik. Final Fantasy XII bricht mit vielen Traditionen, was an sich nicht schlecht und auch nötig ist, auf Grund der teilweise schlechten Umsetzung geht aber viel vom ursprünglichen Flair verloren. Zwar gibt es für mich kein schöneres Spiel für die PlayStation 2, was das Design betrifft und auch das Gameplay ist erneut hochwertig, die erwartete gänzliche Großartigkeit wurde aber leider nicht erreicht.

Das neue Kampfsystem krankt an der verloren gegangenen Atmosphäre und dem hektischen Schlachtgetümmel, der neue Komponist kommt nicht einmal annähernd an die Genialität eines Uematsu heran, die Geschichte ist weniger romantisch, dafür genauso linear, wie eh und je, die Minispiele sind viel zu einfallslos und auch der Schwierigkeitsgrad lässt zu wünschen übrig. Trotz all dieser unschönen Kritikpunkte wird Final Fantasy XII nicht nur das größte, sondern wohl auch eines der besten Rollenspiel der letzten Konsolen-Generation. Aus dem einfachen Grund, dass es sowohl Profi-, als auch Gelegenheitsspieler gleichermaßen beeindrucken und verzaubern wird, weil es leicht von der Hand geht und man sich in der tollen Welt für viele Stunden verlieren kann. Dem „Mainstreamstreben“ sei Dank. An die Genialität seiner Vorgänger kommt Teil 12 jedoch nicht heran.

Ersteindruck

von Jan Fratzer

Ich konnte es nicht erwarten endlich das neuste Meisterwerk der Edelschmiede Square-Enix zu spielen. Seit Final Fantasy VI (bzw III) habe ich alle Teile verschlungen und liebe sie auch heute noch. Doch nach all der anfänglichen Euphorie, musste ich schnell feststellen, dass der neue Teil einfach nicht an den Charme und die Genialität der alten Teile heranreicht.

Über das neue Kampfsystem lässt sich streiten. Einerseits macht das Erforschen der Schauplätze jetzt mehr Spaß, da man nicht andauernd von Zufallskämpfen unterbrochen wird. Andererseits stellt man schnell fest, dass man dennoch übermässig viele Kämpfe zu bestreiten hat und die Echtzeitkämpfe einige Tücken bieten. Das neue Lizenzsystem konnte mich nich so recht überzeugen, da man oft gezwungen wird, seine Charaktere aufgrund des Gambitsystems ähnlich aufzuwerten. Auch die Story schaffte es nicht, mich in ihren Bann zu ziehen, wie es die der Vorgänger immer wieder aufs Neue geschafft hat, da es Charakteren ein wenig an Charisma mangelt. Gerade Vaan wirkt teilweise wie ein Nebendarsteller und irgendwie fehl am Platze. Es wirkt fast so, als wäre Final Fantasy einfach der 'Seele' beraubt worden.

Trotzdem sollte man als Fan der Serie dem Spiel natürlich nicht aus dem Weg gehen. Schließlich muss jeder für sich selbst entscheiden, ob und inwiefern er sich mit den Neuerungen anfreunden kann. Fakt ist, dass der zwölfte Teil der Reihe immer noch ein Rollenspiel-Highlight für die gute, alte PS2 darstellt, mit dem man sehr viele aufregende Stunden erleben dürfte.

Final Fantasy XII [PS2 , Justgamers]

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