Hitman: Blood Money
Haben Sie einen glatzköpfigen Mann im schwarzen Anzug und roter Krawatte gesehen? Er hat einen Barcode am Hinterkopf eintätowiert, woran man ihn leicht erkennen sollte. Nein? Dann hat Agent 47 bei seinem letzten Auftrag wieder einmal ganze Arbeit geleistet
Einer der düstersten Antihelden der PS2-Geschichte kehrt endlich zurück. Die dänischen Entwickler von IO Interactive arbeiten bereits seit über 2 Jahren an dem mittlerweile vierten Teil der Serie und diese Arbeit scheint sich durchaus auszuzahlen. Nachdem der vorige Teil Hitman Contracts eher ein Best-of der Vorgänger gewesen ist und keinen wirklichen Handlungsstrang verfolgte, bringt der neuste Teil wieder frischen Wind in die Saga. Egal ob nun Optik, Story oder Gameplay. Jeder dieser Aspekte wurde optimiert und übertrifft die der Prequels um Längen.
Glatzköpfige Killer werden bevorzugt!
Nachdem unser aller Lieblingsauftragskiller in den vorangegangenen Teilen seinen Zielpersonen ordentlich Feuer unter dem Allerwertesten gemacht hat, steht es diesmal eher übel um ihn selbst. Nicht nur, dass die Konkurrenz ihm während seiner Mordsarbeit oft dazwischen funkt, im späteren Verlauf wird er sogar selbst zum Gejagten.
Eine feindliche Organisation hat es auf des Hitmans Auftragsgeber abgesehen und schon bald stehen dem ansonsten ach so coolen Kahlkopf erste Schweißperlen auf seinem glänzenden Haupt. Wer hinter diesen Anschlägen steckt, werden wir an dieser Stelle jedoch nicht verraten.
Von Dach zu Dach!
Der Killer-Klon hat seinem letzten Besuch einiges dazugelernt und ist agiler denn je. So kann er endlich über Abhänge springen, klettern und durch Fenster steigen. Zwar hat es nicht ganz zum männlichen Gegenstück von Lara Croft gereicht, allerdings bieten sich dem Spieler auf diese Weise viel mehr Möglichkeiten seine Missionen anzugehen. Neben seinen Klettereinlagen hat der Protagonist noch einige andere Tricks auf Lager. Beseitigte Wachen lassen sich nun in Schränke oder z.B. Tiefkühltruhen legen, um Aufmerksamkeit zu vermeiden. Münzen dienen zum Ablenken der Gegner. Sam Fisher lässt grüßen. Auch völlig neu ist die Möglichkeit, den Widersacher mit gezieltem Einsatz zu entwaffnen und die Waffen direkt gegen ihn einzusetzen.
Mehr Sam als Chuck Norris?
Das Gameplay wurde sehr auf Agent 47s neue Fähigkeiten zugeschnitten und ist daher mehr auf Stealth ausgelegt als zuvor. Zwar steht es dem Spieler völlig frei, wie er seine Mission angeht, allerdings werden blutige Massaker bestraft. Eure Gräueltaten werden, dank des neuen Notoriety-Systems, nach erfolgreichem Erreichen des Auftragsziels, in der Zeitung stehen und sogar Phantombilder mit Eurem Antlitz lassen sich später in den Mission vorfinden. Auf diese Art wissen die Gegner schon im Vorfeld mit wem sie es zu tun haben.
Obacht sei also geboten, dass die Morde immer nach Unfällen aussehen und die Stichwörter Glatze und schwarzer Anzug für die Presse weiterhin ein Mysterium bleiben. Aber keine Angst. Falls es mal drunter und drüber gehen sollte und sich ein Shootout nicht mehr vermeiden lässt, könnt Ihr im Nachhinein Euer sauer verdientes Blutgeld dazu benutzen, Polizisten oder Augenzeugen zu bestechen oder Euch gegebenenfalls eine neue Identität zulegen.
Schade wäre dies aber schon, denn seit Neuestem gibt es wieder ein Waffen-Upgrade-System. Kenner der Hitman-Saga kennen diese schon aus dem ersten Teil. Allerdings wurde sie in den darauf folgenden Teilen wieder entfernt. Über 30 Schiessprügel könnt jetzt so tunen, wie Ihr es gerne hättet. Das nötige Kleingeld vorausgesetzt. Es ist allerdings auch eine gute Wahl, das Geld in nützliche Tipps zu investieren. Durch diese erfahrt Ihr mehr über die Sicherheitslücken des jeweiligen Schauplatzes. Diese strecken sich diesmal vom pompösen Las Vegas über eine Pariser Oper bis hin zum Mardi-Gras-Festival in New Orleans. Abwechslung wird großgeschrieben und so bekommt die Killerglatze mehr zu sehen als so mancher Rucksacktourist.
Gewusst wie!
Alles in Allem ist natürlich am besten so unbemerkt wie möglich vorzugehen. Dafür stehen dem Hobby-Killer in jeder Stage zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung. Im Paris-Level zum Beispiel, führt es Euch auf die Weihnachtsfeier des Drahtziehers eines Pornorings. Dieser vergnügt bei Eurem Antreffen gerade mit einigen netten Damen im Whirlpool. Beim Bau dieses Pools wurde die Rechnung allerdings nicht mit unserem kahlen Hitman gemacht. Der Boden des Pools besteht nämlich aus Glas und liegt dazu noch direkt über dem neben der Terrasse ansiedelndem Abgrund.
Ein beherzter Schuss auf den Boden und unser Freund des Schmusefilms kriegt ein Einwegticket Richtung Schlucht. Wem das vielleicht dann doch nicht die angebrachte Methode ist, kann sein Auftragsziel auch folgendermaßen unter Dach und Fach bringen Man liquidiert den nächsten herumstehenden Kellner und schnappt sich dessen Dress. Nun mixt man dem Meister des Hauses einen Cocktail aus dem sprichwörtlich die Träume sind. Einen Tequila-Schlafmittel sozusagen. Kurze Zeit später zieht es unser Opfer in seine Gemächer, wo wir ihm leise hinterher schleichen, um ihn dort mit unserem Schalldämpfer auf die stille Art auszuschalten. Ihr merkt schon, die Entwickler lassen dem Spieler frei Bahn beim Angehen seines Auftrags und das ist auch gut so.
Würde Herr Glatze bitte den Raum verlassen?
Die KI der Gegner hat einige Verbesserungen verpasst bekommen. Falls Ihr auffallen solltet, werdet Ihr nicht direkt mit der Bleispritze aus dem Haus gejagt, sondern gebeten, das Haus zu verlassen bzw. nach Waffen durchsucht. Selbst hierbei könnt Ihr Eure Pistole aushändigen und den Raum ohne Gewalt verlassen, um eine andere Infiltrationsmethode anzugehen. Geschossen wird erst, wenn Ihr Euch den Anweisungen widersetzt oder selbst zur Waffe greift.
Grafisch setzt das neue Hitman-Spiel zwar keine neuen Maßstäbe. Die Entwickler haben allerdings bisher auf PS2 nie zuvor gesehene Effekte wie etwa Bump-, Normal- und Specularmapping in das Spiel integriert. Trotz der grafischen Opulenz bleibt die Bildwiederholungsrate erfreulich stabil. So muss das sein.
Ersteindruck
Durch all seine Verbesserungen verspricht der neuste Ableger seine Vorgänger bei Weitem zu übertreffen. Action- wie auch Stealth-Fans dürften mit Agent 47 einige aufregende Stunden erleben. Einzig die Steuerung machte beim Anspielen noch ein paar kleine Schwierigkeiten. Das ist aber ein Manko, welches die Entwickler durchaus noch bis zum Release in den Griff kriegen können. Die große Freiheit, die der Spieler während der Einsätze genießt, sowie der Anreiz jeden Einsatz perfekt zu meistern, um Goodies und Wummen freizuschalten, sorgt für gehörige Langzeitmotivation.Für die Lokalisierung haben sich die Entwickler u.a. die deutschen Stimmen von Wesley Snipes, Gene Hackman oder Nicole Kidman an Land gezogen. Diese sollte also in Ordnung gehen. Bereits ab dem 26. Mai können sich alle Hitman-Veteranen und alle die es gerne werden wollen mit Agent 47 austoben. Es lohnt auf alle Fälle.

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