Marc Ecko's Getting Up: Contents Under Pressure
Ganze sechs Jahre plante die amerikanische Ikone Marc Ecko sein erstes Spiel. Natürlich fand er schnell viele helfende Hände und in nicht allzu ferner Zukunft erwartet uns mit Getting Up: Contents Under Pressure nun endlich das fertige Produkt. Nach eigenen Aussagen wollte Ecko die HipHop Kultur und das Leben derjenigen, die sie ausleben, in einem Spiel verewigen und den Menschen zeigen, was es heißt, in der rauen Welt der amerikanischen Großstädte Fuß zu fassen. Vor kurzem flatterte die Previewversion zum Spiel in unserer Redaktion ein, so dass wir einen ersten Blick auf das Game werfen konnten. Ob es sich lohnen wird in New Radius sein Unwesen zu treiben oder ob uns ein Spiel erwartet, dessen Charaktere zwar große Töne spucken, allerdings nur wenig fesseln können, könnt ihr nach der Lektüre unserer Vorschau selbst erahnen.
New Radius
Getting Up startet unerwartet gut, das Intro stimmt auf die Thematik ein, sowohl Bildgewalt, als auch Musik spielen perfekt zusammen und fesseln sofort an den Bildschirm, lediglich die von Anfang an störend leisen Stimmen der Charaktere reißen den Spieler ab und an aus der ersten Faszination. Nach einigen poetischen Einleitungsworten scheint man die deprimierende und ausweglose Größe der Stadt New Radius förmlich fühlen zu können, in die man nun als Trane, dem Protagonisten der Geschichte, geworfen wird. Nachdem man von der eigenen Oma auf die Straße gesetzt wurde, heißt es erst einmal eine Bleibe finden und natürlich muss man sich ganz nebenbei auch noch einen Namen machen. Dabei werden leider bereits zu Beginn sämtliche, für das Spiel nötige, Gameplayelemente verraten, beschrieben und erklärt.
Dennoch stürzt man sich mit großer Lust in die fremd erscheinende Welt. Überall wimmelt es von Sprayern, von Menschen, die mit Beleidigungen um sich werfen und von Typen, die sich prügeln. Sofort bemerkt man, dass das Spiel ganz und gar linear aufgebaut wurde, von der angeblich frei begehbaren Stadt New Radius erfährt man nur wenig, will man einen anderen Weg einschlagen, als nötig, stößt man schnell an unsichtbare Grenzen. Verärgert über diesen Umstand trifft man auf seinen ersten Gegner. Schnell ist dieser durch einfache Tritte, Schläge oder Combos aus dem Weg geräumt.
Spätestens jetzt bemerkt man auch, dass es gewisse Anzeigen im Spiel gibt, die man beachten sollte. Da wäre eine Rotleuchtende, die die Gesundheit anzeigt und eine Blaue, die deutlich macht, wie viel Kraft man noch in sich stecken hat, um Combos auszuführen. Beide rehabilitieren sich nach einiger Zeit von selbst, hinzu kommt, dass man sie aufpuschen kann, indem man bestimmte Items einsammelt. Doch im wesentlichen ist das Zusammenschlagen von Gegnern nur ein netter Nebeneffekt, der auch noch von Beleidigungen des Protagonisten, der übrigens von Afrob gesprochen wird, begleitet wird. Eigentlich dreht sich das Spiel um die Graffitikunst.
Dafür hat Atari dem Charakter verschiedene eigene Tags spendiert, die man beinahe überall an die Wände bomben kann, wobei man das Tag und die Farbe selbst auswählen darf. Um die Anzahl der verschiedenen Tags zu erhöhen, muss man Graffitis legendärer Künstler aufspüren und diese fotografieren. Aber keine Angst, ein deutlich sichtbares Symbol in Form eines Handys mit großem Nokialogo zeigt die Stellen, die man unter die Lupe nehmen sollte.
Einmal fotografiert hat Trane auch schon den Style des jeweiligen Künstlers erlernt und kann ihn selbst anwenden. Neben diesen obligatorischen Tags, gibt es noch viele, die speziell von bekannten Graffitikünstlern für das Spiel entworfen wurden und an bestimmten Wänden erscheinen, wenn man vor selbigen steht. Ein Druck auf eine bestimmte Taste versetzt Trane in einen Modus, der dem Spieler anzeigt, wo sich das nächste große Graffiti befindet bzw. sprühen lässt. Das sprayen geht relativ leicht von der Hand. Ein Knopf aktiviert die Düse, mit dem Analogstick verändert man den Punkt, den man gerade besprüht. Ab und an muss man die Graffitidose auch schütteln, ähnlich dem Nachladen einer Waffe, realitätsnah eben. Dabei muss ein Graffiti möglichst schnell gezeichnet werden, ohne dabei Farbflecken zu hinterlassen, die durch beständiges Sprühen auf einen Punkt entstehen. Geht man seinem Werk in der Öffentlichkeit nach, kann es auch vorkommen, dass Passanten die Polizei alarmieren. Die ist dann auch sofort zur Stelle und darf nach allen Regeln der Kunst zusammengeschlagen werden.
Die Missionen, die Trane zu erledigen hat, dienen alle dazu, seinen Namen zu verbreiten. Am Anfang wird er zudem noch von einer Streetgang überfallen. An denen muss er sich natürlich auch noch im Alleingang rächen. Oft stehen zwischen Trane und seinen Opfern oder seinen Tags einige lange Wege, die nicht immer geradeaus führen. Der Protagonist muss auch schon mal an die unmöglichsten Orte gelangen und zeigt an diesen Stellen des Spiels sein Talent fürs Klettern und Hangeln. Leider hat das Gameplay aber nicht viel mehr zu bieten. Je nach Spielfortschritt erlernt man lediglich neue Graffiti- und Arbeitstechniken, etwa greift man manchmal nicht zur Dose, sondern zu Farbrollen und so weiter, und Kampfvarianten, die das Game anscheinend abwechslungsreicher gestalten sollen. Nach dem genialen Einstieg und einigen Stunden leidenschaftlichem Zocken wird einem schnell klar, dass sich das Spiel nicht weiterentwickelt, sondern auf der Stelle tritt. So verschwindet die Motivation von Mission zu Mission, auch wenn man eigentlich oft an verschiedenen Orten, wie etwa der U-Bahn oder einer verlassenen Kunsthochschule operiert. Das gleichbleibende Gameplay kann sich dadurch leider nicht verstecken.
Atmosphäre
Normalerweise beginnt der Technikteil immer mit der Darstellung der grafischen Gestaltung eines Spiels. Bei Getting Up jedoch tritt die Musik in den Vordergrund, schließlich repräsentiert sie einen großen Teil der Hip Hop Kultur.
Den geneigten Rapfan erwartet auch einiges an köstlicher Musik, im Spiel kann man sogar neue Songs in Form von iPods einsammeln, die jeweiligen Klänge passen immer exzellent zu den Settings und der Aufmachung des Spiels. Dies bringt eine unerwartet starke Atmosphäre mit sich, die lange über das einfallslose Gameplay hinwegtäuscht und Marc Eckos kleiner Welt wirklich all Ehre macht.
Auch die Soundeffekte können sich hören lassen, leider ist die Sprachausgabe momentan noch sehr leise, was hoffentlich bis zum Release geändert wird. Aber auch ansonsten macht die deutsche Synchronisation nicht unbedingt die beste Figur, teilweise passen Stimmen einfach nicht zu den Gestalten, aus denen sie kommen.
Grafisch präsentiert sich das Spiel zeitgemäß, jedoch nicht überragend. Die verschiedenen Graffitis sind teilweise wirklich phänomenal, die Umgebung von New Radius ist düster und voll von Schmierereien, aber auch von Kunst. Die Straßen sind dreckig und die Ratten kommen nie aus ihren Löchern. Leider verschwimmen die Kanten der Häuser viel zu oft und in der Previewversion kam es sogar in Cutscenes, die übrigens alle in Spielgrafik gehalten wurden, zu Grafikfehlern, von der eigentlichen Spielwelt ganz zu schweigen. Auch konnten einige Graffitis nicht gezeichnet werden und die Steuerung ist noch verbesserungswürdig. Wenn der Protagonist eigentlich ein Rohr erklimmen soll, allerdings ohne jeden Grund etwa 90 Grad in die falsche Richtung springt, um kurze Zeit später von einer U-Bahn überrollt zu werden, sollte man an den Steuermöglichkeiten vielleicht noch etwas feilen. Glücklicherweise gibt es Kontrollpunkte, an denen man nach dem Ableben erneut startet.
Ersteindruck
Getting Up: Contents Under Pressure beginnt grandios, spielt allerdings all seine Stärken in den ersten Stunden aus. Es dauert nicht lange, bis man bemerkt, dass das Gameplay letztlich nicht nur linear, sondern auch noch einfältig ist. Graffitis sprühen und Gegner vermöbeln macht auf Dauer einfach keinen Spaß, wenn einem ansonsten keine Abwechslung geboten wird. Dafür überzeugen sowohl Atmosphäre, als auch die musikalische Untermalung. Marc Ecko und Atari haben ein Spiel erschaffen, dass zu begeistern weiß, leider jedoch nicht für lange Zeit. Sollten die Grafikfehler, sowie die kleineren Bugs und die Steuerung bis zum Release noch überarbeitet werden, erwartet uns dennoch ein solides Action-Adventure, dessen Setting aber ein durchaus gründlicher überlegtes Gameplay verdient gehabt hätte.
Forum
![Marc Ecko's Getting Up: Contents Under Pressure [PS2 , looki.de]](http://l.yimg.com/eur.yimg.com/xp/justgamers/20080206/14/2689966314.jpg)
![Marc Ecko's Getting Up: Contents Under Pressure [PS2 , looki.de]](http://l.yimg.com/eur.yimg.com/xp/justgamers/20080206/14/1414873672.jpg)
![Marc Ecko's Getting Up: Contents Under Pressure [PS2 , looki.de]](http://l.yimg.com/eur.yimg.com/xp/justgamers/20080206/14/1958916673.jpg)
![Marc Ecko's Getting Up: Contents Under Pressure [PS2 , looki.de]](http://l.yimg.com/eur.yimg.com/xp/justgamers/20080206/14/3196118687.jpg)
![Marc Ecko's Getting Up: Contents Under Pressure [PS2 , looki.de]](http://l.yimg.com/eur.yimg.com/xp/justgamers/20080206/14/739663692.jpg)
![Marc Ecko's Getting Up: Contents Under Pressure [PS2 , looki.de]](http://l.yimg.com/eur.yimg.com/xp/justgamers/20080206/14/4068265680.jpg)
![Marc Ecko's Getting Up: Contents Under Pressure [PS2 , looki.de]](http://l.yimg.com/eur.yimg.com/xp/justgamers/20080206/14/976916111.jpg)
![Marc Ecko's Getting Up: Contents Under Pressure [PS2 , looki.de]](http://l.yimg.com/eur.yimg.com/xp/justgamers/20080206/14/1757266138.jpg)
![Marc Ecko's Getting Up: Contents Under Pressure [PS2 , looki.de]](http://l.yimg.com/eur.yimg.com/xp/justgamers/20080206/14/2508444912.jpg)