Odin Sphere

Preview
Plattform
Sony Playstation 2
Vertrieb
Ubisoft
Entwickler
Vanillaware
Erscheinungsdatum
N/A
Genre
RPG
Odin Sphere [PS2 , looki.de]

Odin Sphere

Wow! Square-Enix beginnt den europäischen Markt zu entdecken. Mit Odin Sphere wird uns endlich mal ein innovatives und vom Mainstream unabhängiges Rollenspiel zu gestanden, dass noch vor einigen Jahren Japan wohl niemals verlassen hätte.

Odin Sphere ist nichts für Casual Gamer. Es ist ein Spiel, für all diejenigen Zocker, die sich auch und vor allem an elementaren Dingen, wie dem Zeichenstil und dem auf's Zen-artige Minimum reduzierte Gameplay, dass genau aus diesen Umständen erwächst und in Spielspaß mündet, erfreuen können. Fünf unterschiedliche Storylines und eben so viele Helden stellt uns Odin Sphere vor. Letztlich münden die Erzählstränge selbstverständlich in einander, so dass man in den späteren Abschnitten einen immer stärkeren Draht zu den Charakteren knüpft und in der Geschichte aufzugehen vermag. Dabei beginnt alles recht widersprüchlich.

Als Tochter eines Königs, dem nichts mehr am Herzen liegt, als die ultimative Waffe zu ergattern, die alle anderen Ländern unter seine Herrschaft zwingt, kämpft man an der Front für Vaters Ziele.

Erst später erkennt die Prinzessin, welcher Weg der Richtige für sie ist und man darf durch einige Storywendungen letztlich doch dem Guten dienen.

Spielerisch bietet Odin Sphere nicht die abwechslungsreiche Fülle eines Final Fantasy Titels, besticht jedoch durch sein elegantes Kampfsystem und der daraus resultierenden Motivation. Durch den 2D-Stil wird die Bewegungsfreiheit der Charaktere zwar extrem eingeschränkt. Trotzdem gaukelt das Spiel eine lebendige und interaktive Welt vor.

Dungeons sind immer kreisförmig angelegt, so dass man in wenigen Sekunden das Gebiet einmal komplett umrunden kann. Neben taktischen Möglichkeiten im Kampf, stellt diese Art ein Spiel aufzubauen auch ein absolutes Novum dar. Auch wenn dies vielleicht anfangs unspektakulär klingen mag, so weiß diese Anordnung der Level zu gefallen.

Vor allem, da man sich oft entscheiden muss, ob man nun den leichteren oder den schwereren Weg zum Bossgegner antreten will. Letzterer beschert einem natürlich rare Items, frisst aber zumeist extrem an den Heilreserven des Helden, was wiederum im Bosskampf zu Frust führen kann.

Man kämpft sich sozusagen von Rund zu Rund und sucht einen beliebigen Ausgang aus, nachdem man die jeweiligen Monsterhorden vernichtet hat. Dabei erhält man allerdings keine Erfahrungspunkte für das Töten von Feinden, sondern „füttert“ seine Waffen und Rüstungen durch die von jenen fallen gelassenen Seelen. So wird der Charakter sich während des Spiels physisch nicht verändern, die Ausrüstung hingegen schon. Genial ist dabei, dass die Seelen nicht nur zum Aufleveln zu gebrauchen sind. Da Früchte neben anderen Lebensmitteln dazu dienen, die Gesundheit wieder herzustellen, hat man im Kampf die Möglichkeit Samen auszustreuen. Die freigesetzten Seelen suchen sich daraufhin ihren Weg ins Innere der Pflanze und lassen sie wachsen. Einmal gereift, darf man von den Bäumen essen und sich so bei Gesundheit halten.

Das auf Action ausgelegte Kampfsystem weiß von der ersten Sekunden an zu begeistern. Neben einigen Standardattacken hat man auch die Möglichkeit, Zauber zu beschwören oder Items, wie etwa das selbsterklärende Napalm, auf die Gegner zu werfen.

Dabei sollte man aber immer das richtige Timing an den Tag legen, um die Waffen perfekt einzusetzen. Schließlich sind die starken Items rar und Magie verbraucht Unmengen an Mana und Kondition. Auch Letztere muss man im Gefecht im Auge behalten. Denn ist sie verbraucht, so pausiert der jeweilige Held erst einmal, um sich auszuruhen. Das kommt vor allem dann nicht so gut, wenn man gerade von Gegnern umringt ist. Die feindseligen Kreaturen denken nämlich nicht daran, dem Spieler eine Verschnaufpause einzuräumen.

Die absolute Krönung jeder Schlacht sind die ultimativen Endgegner eines Dungeons. Diese zeugen nicht nur von der Kreativität der Grafiker, sondern zwingen den Spieler durch trickreiche Manöver und unerwartete Attacken dazu, die Gehirnwindungen in Gang zu setzen.

Um so schöner ist es nach gewonnenem Kampf triumphierend die Auswertung anzusehen, die einem zeigt, wie schnell und gut man doch gewesen ist.

Da heilende Items vom Händler nicht nur teuer, sondern im späteren Spiel einfach nicht mehr ausreichend sind, muss man sich schnellst möglich mit einem weiteren, feinen Feature des Spiels auseinander setzen. Namentlich mit der Alchemie. In einem recht kompliziert anmutenden Verfahren, dass aber nachdem man es begriffen hat richtig viel Spaß bringt, braut man sich Angriffs- und Heiltränke zusammen und sammelt fleißig Rezepte, um die eigenen Fähigkeiten zu verbessern.

Technisch ist das Spiel nicht nur einzigartig, immerhin sind alle Grafiken, einschließlich der wunderschönen Hintergründe, von Hand gezeichnet, sondern sucht auch in Sachen Stil und Einfallsreichtum seines Gleichen.

Die teilweise überzeichneten Charaktere, die jedoch allesamt charakterlich zu ihrem Aussehen passen und mit Symbolik nur so bepinselt sind, sorgen genauso für offene Münder, wie die unglaublich detaillierten Umgebungsgrafiken. Musikalisch zeichnet sich der Komponist von Final Fantasy XII, und nein, damit ist leider nicht Uematsu gemeint, für die passende Untermalung verantwortlich. Die Atmosphäre wird durch die anwählbare japanische Sprachausgabe letztlich auf die Spitze getrieben. Wer sich lieber Englisch zu Gemüte führt, kann dies ebenfalls tun.

Ersteindruck

Wenn Odin Sphere eines nicht ist, dann ein Spiel für den Massenmarkt. Und wenn meine Wenigkeit ein Spiel auswählen müsste, an dem ich den kulturellen Wert von Videospielen erläutern sollte, dann wäre es dieses Rollenspiel. Schade eigentlich, dass jenes sprichwörtliche Paradoxon allein schon Bände spricht.

Odin Sphere allerdings besticht durch eine detaillierte, einfallsreiche, kreative und nie in dieser Perfektion da gewesene grafische Gestaltung. Es lockt den Spieler mit einem harten, aber fairen und deshalb umso spaßigeren Kampfsystem und bietet eine Story, die genau wie das Gameplay, zwar minimalistisch in ihren Grundzügen, aussagekräftig und fesselnd aber in ihrer Gänze ist. Wenn ein Spiel mich dieses Jahr in kultureller und kreativer Hinsicht befriedigen kann, dann wohl dieses.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Vollversion die jetzige Qualität halten kann.

Odin Sphere [PS2 , looki.de]

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